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Eine Frage an alle Experten hier:

 

Ich mache gerne ETTR, und zwar in letzter Zeit so, dass ich mir in etwa die hellste Stelle im Bild aussuche, die ich nicht clippen will, mit Spotmessung einmesse und dann einen Wert x überbelichte. Dieses x -- und dazu gibt's auch Anleitungen im Web -- lege ich zuvor fest, indem ich ein helles Referenzobjekt (z.B. eine schöne, weiße Wolke an einem strahlenden Tag) mit ansteigenden EV-Werten fotografiere (Belichtungsreihe in 1/3 EV Schritten), diese Bilder dann in einer Bildbearbeitung wie etwa Lightroom ansehe und anhand des Histogramms dasjenige ermittle, bei dem das Referenzobjekt überstrahlt (white clipping). Das Foto mit 1/3 EV weniger ist dann das Maximum, das ich überbelichten kann. Anhand der Belichtungsreihe weiß ich dann auch, welchen EV-Wert dieses Foto hat. Ich fotografiere dabei ausschließlich in raw. Mit dieser Methode erhalte ich also relativ bequem für jede Kamera einen -- höchstwahrscheinlich geräteabhängig unterschiedlichen -- maximalen EV-Wert für die ETTR-Überbelichtung.

 

Jetzt bin ich mir nicht sicher, ob diese Methode tatsächlich so zuverlässig funktioniert, wie ich mir das denke. Ich habe mal mit einer Wolke, mal mit einem weißen Blatt Papier, mal mit einer hellen Wand versucht, und mir kommt vor, dass sich die ermittelten Maximalwerte dabei voneinander teils erheblich unterscheiden. Ich kann mir natürlich vorstellen, dass etwa die Reflexionseingenschaften des Referenzobjekts eine Rolle spielen (je glänzender, desto ungeeigneter, weil leicht Schlaglichter (specular highlights) auftreten können). Der Weißpunkt dürfte keinen Einfluss haben, ich habe mal mit einem Minimum- und dem maximal einstellbaren K-Wert probiert, da hat sich nichts getan.

 

Mich interessiert, ob ich einem Denkfehler unterliege, und wie ich meine Methode vielleicht abändern oder verbessern kann. U.U. hat auch der ein oder andere weitergehende Erfahrungen auf diesem Gebiet.

 

Andreas

 

 

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Also, ich mache damit nicht so viel Aufhebens. Ich nehme das Live View mit Lichtermarkierungen zur visuellen Belichtungskontrolle und belichte über bis mir die Schatten ausreichend durchzeichnet sind (jedenfalls soweit man das im Sucher genauer beurteilen kann) und verwende die Lichtermarkierungen, um zu schauen, wann zu viele Lichter ausfressen. Da das Sucherbild den JPEGs entspricht, habe ich im RAW Bild meist noch genug Spielraum, um etwas zu stark ausgefressene Lichter wieder herunterzuholen.

 

Jedenfalls halte ich eine gezielte Anmessung der Lichter angesichts der Live View Kontrolle, die elektronische Sucher und Displays heute bieten, nur noch in extremen Fällen für erforderlich.

 

Ergänzung: das geht vor allem mit Olympus Suchern sehr gut, da diese die Lichtermarkierungen live schon in der Vorschau anzeigen. Das geht möglicherweise nicht bei allen Spiegellosen Kameras so.

bearbeitet von tgutgu
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Eine Frage an alle Experten hier:

 

Ich mache gerne ETTR, und zwar in letzter Zeit so, dass ich mir in etwa die hellste Stelle im Bild aussuche, die ich nicht clippen will, mit Spotmessung einmesse und dann einen Wert x überbelichte. Dieses x – und dazu gibt's auch Anleitungen im Web – lege ich zuvor fest, indem ...

 

Da schau her! Damit hast du dir die Grundlage des Zonensystems ganz alleine erarbeitet. Respekt. Es gibt Leute, die raffen im Leben nicht, wie das Zonensystem funktioniert und wozu das gut ist ... und du denkst dir das einfach selber aus.

 

Im Prinzip wird das so tatsächlich gut funktionieren. Eine mögliche Quelle von Ungenauigkeit mag darin liegen, daß du beim Abschätzen, welches die hellste Stelle sei, die du gern noch durchzeichnet haben möchtest, eine noch hellere übersehen könntest, die besser auch noch durchzeichnet sein sollte. Denn was hell und was noch heller ist, beurteilen wir frei Auge weniger anhand der absoluten Helligkeit als vielmehr anhand des Kontrastes zur unmittelbaren Umgebung. Soll heißen, ein helles Objekt vor dunklem Hintergrund wird uns subjektiv heller erscheinen als ein noch helleres vor hellem Hintergrund.

 

Wenn's schnell gehen soll, dann kann man helle Stellen einfach pauschal um etwa zwei bis drei Stufen überbelichten – damit erzielt man meistens ein brauchbares Ergebnis und hat (im Rohdatenformat) noch ein wenig Sicherheitsspielraum.

 

ETTR nach Histogram in der Kamera geht häufig in die Hose, weil die Histogrammanzeige viel zu grob ist. Selbst wenn das Histogramm gerade eben noch keine ausgefressenen Stellen anzeigt, werden oftmals bereits welche da sein. Auch wenn in Relation zur gesamten Bildfläche nur sehr kleine Bereiche betroffen sein mögen, kann es dennoch den Unterschied zwischen "Treffer" und "Papierkorb" ausmachen.

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Der Weißpunkt dürfte keinen Einfluss haben, ich habe mal mit einem Minimum- und dem maximal einstellbaren K-Wert probiert, da hat sich nichts getan.

Der Einfluss der WB wirkt sich bei realen Motiven/Lichtsituationen durchaus aus, da bei unterschiedlichen Einstellungen die Werte des Rot- und/oder Blaukanals mit dementsprechenden Faktoren multipliziert werden und daher diese Kanäle in Abhängigkeit dieser Faktoren früher oder später clippen, je nach WB.

Google mal nach "Universal White Balance" und dem damit verbundenen Prozedere - passt genau zu deiner Vorgangsweise. ;)

 

Ich belichte zwar ebenfalls in der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle per ETTR, allerdings in einer für mich praxisnäheren, simplifizierten Weise. Dank der Möglichkeiten der Wiedergabe der Belichtungseinstellungen im EVF/Display, Live-Histogrammen und eingeblendeten Belichtungswarnungen spiegelloser Kameras endlich ein Kinderspiel. Diese drei Möglichkeiten der (groben) Orientierung reichen mir locker aus um mich infolge einfach nur noch schnell und ziemlich genau der Belichtungskorrektur dementsprechend zu bedienen. Kein Spotmessen, kein Ausknocken der WB, kein Herumrechnen, etc..

Ein nicht unerhebliches Problem auf exaktester Ermittlung der max. möglichen Belichtung stellt schonmal einfach das Lichtspektrum dar. All diese Methoden der Vorhersage orientieren sich an der Helligkeit, berücksichtigen jedoch nicht die einzelnen Farbkanäle. Damit kann man perfekt ausgemessen haben, am Ende clippt dir dann aber der Rotkanal der schönen Rose erst Recht deutlich, eben weil er keine Berücksichtigung fand.

Ich will dir deine Methodik und deine Ambition exaktestmöglicher Belichtung damit nicht ausreden. Aber teste mal aus ob der nicht unerhebliche Aufwand gegenüber einfacher Orientierung an Bild, "Blinkies" und Live-Histogram sich für dich an den modernen Spiegellosen wirklich noch auszahlt. Meiner Meinung nach erreicht man eben mit diesen Funktionen und dem dadurch erlaubten "ETTR on the fly" sicher 80-90% der exakten max. Belichtung. Und Das schnell und bequem lediglich mit dem Rad der Belichtungskorrektur.

bearbeitet von flyingrooster
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Vielen Dank für den Hinweis "universal white balance", er hat mich zu Informationen geführt, die für mich äußerst aufschlussreich waren. Endlich hat sich mir die wahre Bedeutung des Histogramms erschlossen und auch die Frage, warum das in verschiedenen Programmen bei ein und demselben Foto unterschiedlich aussieht, ist letztlich beantwortet. Ich habe sogar die Anschaffung von RawDigger angedacht, denke aber, dass der ganze Aufwand der Praxis nicht wirklich dienlich ist. Ich werde vielleicht versuchen, mich mehr an dem zu orientieren, was am Display zu sehen ist, vielleicht auch unter Berücksichtigung des Live-Histogramms. Eventuell bringt es auch etwas, routinemäßig einfach eine Art händischer, weit genug gestreuter Belichtungsreihen zu machen, sodass ich später aus einer ganzen Serie von Fotos dasjenige aussuchen kann, bei dem die wesentlichen Bildinformationen annehmbar in der rechten Histogrammhälfte liegen.

 

Je mehr ich über die Unzulänglichkeiten der Digitalfotografie erfahre, je bewusster ich mir darüber werde, welche Krücken die in die Kamera eingebauten "Hilfsmittel" (Zebras, Live-Histogramm, Histogramm in der Bildansicht, "Blinkies") eigentlich sind und mit welchen Tricks Bildbearbeitungsprogramme arbeiten, um die Bedienung zu erleichtern, ja, je mehr ich überhaupt an Wissen über Hintergründe und Techniken anhäufe, desto stärker fühle ich mich unglücklicherweise beim eigentlichen Fotografieren gehemmt. In der Vergangenheit bin ich wesentlich unbedarfter an das Thema herangegangen, das muss ich mir erst wieder mühsam angewöhnen glaube ich.

 

Auf diese Weise bleibt die Fotografie für mich allerdings immer wieder von neuem interessant und spannend. Ich bin überzeugt, dass mein ständiges Ankämpfen gegen die Widrigkeiten der Technik und der Physik nie enden wird, und so bleibt mir nur, zuversichtlich und erwartungsvoll in eine Zukunft voller fesselnder Herausforderungen zu blicken.

 

Gut Licht!

 

Andreas

bearbeitet von ahinterl
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Je mehr ich über die Unzulänglichkeiten der Digitalfotografie erfahre, je bewusster ich mir darüber werde, welche Krücken die in die Kamera eingebauten "Hilfsmittel" (Zebras, Live-Histogramm, Histogramm in der Bildansicht, "Blinkies") eigentlich sind und mit welchen Tricks Bildbearbeitungsprogramme arbeiten, um die Bedienung zu erleichtern, ja, je mehr ich überhaupt an Wissen über Hintergründe und Techniken anhäufe, desto stärker fühle ich mich unglücklicherweise beim eigentlichen Fotografieren gehemmt. In der Vergangenheit bin ich wesentlich unbedarfter an das Thema herangegangen, das muss ich mir erst wieder mühsam angewöhnen glaube ich.

Die Theorie hinter all den Belichtungsmöglichkeiten und Sensorbegrenzungen zu kennen ist eine feine Sache. Für manche Physiker und Ingenieure ist sie Selbstzweck und Lebensaufgabe.

 

Mir jedenfalls macht es mehr Spaß, zu wissen, warum ich das mache, was ich mache..

 

Interessant ist, wie man das Wissen in die Praxis umsetzt. Mit Gefühl (das man sich ggf. erst aneignen muss) oder mit dem Maßband. Muss man wirklich  im Sucher den Goldenen Schnitt eingespiegelt bekommen, um das Bild gut zu komponieren oder die Wasserwaage, um den Horizont gerade zu legen? Es sind Hilfsmittel, die im Extremfall helfen sollen.

 

Bei mir ist der Extremfall selten, deswegen habe ich alle Hilfen ausgeblendet (außer den nachträglichen Blinkies als Warnung).

bearbeitet von Kleinkram
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  • 3 weeks later...

ETTR nach Histogram in der Kamera geht häufig in die Hose, weil die Histogrammanzeige viel zu grob ist. Selbst wenn das Histogramm gerade eben noch keine ausgefressenen Stellen anzeigt, werden oftmals bereits welche da sein. Auch wenn in Relation zur gesamten Bildfläche nur sehr kleine Bereiche betroffen sein mögen, kann es dennoch den Unterschied zwischen "Treffer" und "Papierkorb" ausmachen.

Deshalb nimmt man ja auch nicht das Histogramm denn dieses sagt auch nichts darüber aus welche Teile es im Bild betrifft sondern lässt sich im Sucher einfach genau die Bildteile blinkend darstellen die clippen würden. Dann sieht man beim drehen am Belichtungskorrekturrad direkt wie sich die Bereiche verschieben und was es genau betrifft also bspw. Spitzlichter was ok wäre oder Motivteile bei denen man es nicht haben möchte.

Einfacher und genauer geht es nicht.

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Deshalb nimmt man ja auch nicht das Histogramm denn dieses sagt auch nichts darüber aus welche Teile es im Bild betrifft sondern lässt sich im Sucher einfach genau die Bildteile blinkend darstellen die clippen würden. Dann sieht man beim drehen am Belichtungskorrekturrad direkt wie sich die Bereiche verschieben und was es genau betrifft also bspw. Spitzlichter was ok wäre oder Motivteile bei denen man es nicht haben möchte.

Einfacher und genauer geht es nicht.

So ist es. Seit ich mit der E-M5 auf Olympus Gehäuse gewechselt bin, nutze ich das Histogramm nicht mehr. Meines Wissens gibt es bislang außer Olympus nur weniger Hersteller, die Markierungen live im Sucher anzeigen. Sollte ich aus irgendwelchen Gründen mit Gehäusen anderer Hersteller arbeiten müssen, welche dieses Feature nicht haben, wäre das in der Praxis ein großer Verlust.

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