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Fleißige Kollegen haben sich von mir die RAW-Datei schicken lassen und ihrerseits Versuche und Hinweise mit anderen RAW-Konvertern erstellt, die finden sich HIER

Hallo zusammen,

ich erstelle diese kleine Einführung für Interessierte; sie soll eine Hilfestellung für diejenigen sein, die sich selbstständig in die RAW-Bildbearbeitung einarbeiten möchte. Man betrachte das bitte als Einstieg, und nicht als eine komplette Funktionserläuterung der Software. Da bin ich übrigens der Meinung, daß das Hilfesystem durchaus recht informative Texte bietet - das Problem scheint mir eher die Frage zu sein, wo man denn nun ansetzen soll.

Deshalb beschäftigen wir uns in der ersten "Lektion" ausschließlich mit der Belichtung, in weiteren werden wir Fragen zur Geometrie und Abbildung, also Perspektive, in späteren dann Schärfe und Rauschen in Angriff nehmen.

 

Es geht mir im wesentlichen darum, die häufig benötigten Funktionen und Regler zu benennen, deren Wirkung zu demonstrieren und damit dem Leser ein Gefühl zu geben, was man mit dem Tool erreichen kann; ich wünsche viel Spaß.

Ich rufe ausdrücklich zur Diskussion in diesem Thread auf, werde hier auch eher unvollendet und nicht ausformuliert meine Hinweise unter das Volk streuen. Fragen und Hinweise sind willkommen, genauso Themenwünsche und Vorschläge; wenn das ausbleibt, werde ich die Motivation verlieren

 

Ich bitte aber darum, die Urheberschaft meiner Beiträge unbedingt zu beachten; es kann von anderer Stelle im Web auf diese Seite verlinkt werden, aber ich erlaube keinerlei Verwendung außerhalb, weder gewerblich noch privat, ohne meine ausdrückliche Zustimmung.

 

Und noch ein Hinweis in eigener Sache: ich erhebe keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und habe auch nicht das Fachwissen gepachtet; wer in meinen Beiträgen hier Fehler oder mißverständliche Formulierungen findet, teile mir das bitte mit. Nur dann kann ich mich korrigieren und ergänzen.

Edited by matadoerle
Aufbauphase

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Jeder, der eine Lumix G-Series Kamera (microFourThirds) erworben hat, bekommt eine kostenfrei nutzbare Version von SILKYPIX ® Developer Studio SE. Die aktuelle Version der Software kann HIER heruntergeladen werden. Sie funktioniert in der kostenfreien SE-Lizenz aber nur mit unterstützten Kameras von Panasonic.

 

Das ist eine Software, ein sogenannter RAW-Konverter, die es ermöglicht die Bilder im RAW-Format aus der Kamera zu verarbeiten. Ähnlich der Dunkelkammer in der analogen Photographie, können hiermit in Grenzen die Attribute des Bildes wie Helligkeit und Farbe, Kontrastumfang und Sättigung, Verzerrung und Detaillierung, Effekte und Rauschen beeinflußt werden.

 

Kurz, mit SILKYPIX entwickle ich ein Bild vom RAW-Format in eine darstellbare JPEG Kopie, die ich (fast) überall verwenden kann. Das Endergebnis, dieses JPEG Bild, muß sich nicht großartig von einem automatisch in der Kamera generierten JPEG unterscheiden; es kann sich aber erheblich anders darstellen.

 

Grob gesagt, ermöglicht die digitale Fotografie mit RAW, einige Kontrollfunktionen der Kamera statt VOR der Auslösung auf die Bearbeitung am Computer hinterher zu verlagern - das ist für alle interessant, die bereit und willens sind, ihren Bildern NACH dem Schuß noch einmal Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Bevor ich jetzt noch mehr Worte verliere, nehmen wir einfach mal ein einigermaßen mißglücktes Demo-File und schauen uns einfach an, was man mit SILKYPIX so machen kann. Wer sich das gerne einmal anschauen und auch probieren möchte, aber nicht über entsprechende RAW-Dateien verfügt, kann sich vertrauensvoll an mich wenden.

Edited by matadoerle

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Anbei ein mißglücktes Demo-Bild, was ich am zehnten Tag mit meiner Panasonic G1 und an einem ruhigen Sonntagmorgen gemacht habe. ich habe es bislang noch nie gezeigt, weil das auch offensichtlich nicht erforderlich ist - also eher eine Testaufnahme darstellt. Allerdings weist dieses Bild einige Eigenschaften auf, die für diese kurze Demo interessant sind.

 

Voilá, ein Gebäude:

 

 

Wie man sieht und in den Exifs nachvollziehen kann, ist dieses Bild mit einem Weitwinkel entstanden, es weist deshalb stürzende Linien auf. Des weiteren erscheint die Struktur des Gebäudes etwas unterbelichtet zu sein, der Himmel dagegen weist praktisch keine Farbe mehr auf, ist also eher überbelichtet.

 

Wie es um den Rest steht, werden wir später noch zu sehen bekommen; für ein gefahrloses Herumprobieren scheint es mir jedenfalls fast ideal zu sein. Das Gebäude wird sich auch nicht über eine schlechte Darstellung beschweren, sollten uns einmal die Regler ausrutschen ..

 

Anmerkung: für alle, die zum Vergleich mal die Bearbeitung in der gewohnten Software machen wollen, ist es angeraten das JPEG auf den Rechner zu laden (erlaube ich hiermit zu Übungszwecken) und damit herumzuspielen; es wird bei einigen Schritten interessant sein, was beispielsweise "normale" Bildbearbeitung im Vergleich zu einem RAW-Konverter aus diesem Bild machen kann.

Edited by matadoerle

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Anbei habe ich Silkypix mal auf die kleinste darstellbare Größe verringgert, damit wir hier im Forum den Bildschirm-Arbeitsplatz einsehen können. Wir werden uns dann die einzelnen Elemente natürlich auch mal intensiver anschauen. Jedenfalls öffnen wir das Bild (P1000323.RW2) in Silkypix - und das geht so einfach, wie jedes Bild in einer beliebigen Bildbearbeitungssoftware; nach kurzer Zeit wird es uns fast bildschirmfüllend angezeigt.

 

 

Das erste, was einen Anwender irritieren könnte, ist eine fehlende Möglichkeit, die Datei nach einer Bearbeitung wieder zu speichern ..

 

 

und damit kommen wir zu einer grundlegenden Eigenschaft, die die Arbeit mit RAW Dateien statt JPEG kennzeichnet.

 

Wir verändern das ursprüngliche Bild-Rohmaterial, also die RAW Datei, überhaupt nicht.

 

Wir entwickeln jeweils von dieser Vorlage oder diesem Rohmaterial an Sensordaten ein vorzeigbares Bild. Das habe ich gemacht, um im vorigen Beitrag das Bild einstellen zu können; deshalb zeige ich das hier aber auch kurz.

 

Man wähle im Menü Datei(F) - Entwickeln und speichern(S):

 

 

und bekommt folgendes Fenster:

 

 

Ich habe hier bereits einige Voreinstellungen getroffen, z.B. den Dateinamen ergänzt (das kann man alles vordefinieren) und auch das Verzeichnis ausgewählt, wo ich mein Bild speichern möchte.

 

Ebenso wichtig ist der zweite Reiter des "Entwicklungs-Dialogs", die Einstellungen zum Entwickeln:

 

 

Ich habe hier ebenfalls einige Voreinstellungen getroffen, unten rechts für diesen Fall die gewünschte Auflösung ausgewählt und dann auf Entwickeln(S) geklickt

 

 

Danach stand die JPEG-Datei an der gewünschten Stelle in meinem Verzeichnis, mit dem Namen und der Auflösung die wir ausgewählt hatten:

 

Edited by matadoerle

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Da ich diese kleine Einführung hier direkt im Forum "entwickle", dauert es zur Zeit schon einige Momente; das bitte ich zu entschuldigen. Ich möchte nochmals kurz zusammenfassen:

 

 

  1. RAW-Dateien werden von SILKYPIX wie jedes andere Bild geladen
  2. RAW-Dateien werden NICHT verändert und gespeichert
  3. RAW-Dateien werden jeweils zu einer NEUEN Datei entwickelt
  4. die neue Datei kann in sehr vielen Ausprägungen bestimmt werden
  5. wenn man keine Bearbeitung vorgenommen hat, entspricht das Ergebnis in etwa einem JPEG Bild OOC (out of cam - aus der Kamera)

 

Bilder aus RAW-Daten zu generieren ist NICHT zwangsläufig mit besseren Ergenissen verbunden; es bietet allerdings erweiterte Möglichkeiten und erlaubt die verlustlose, ständige Weiterentwicklung der eigenen Bilder und Fähigkeiten. Man muß keine Angst vor mißglückten Versuchen und fehlerhaft überschriebenen Dateien haben, die evtl. schon einmal eigene Bilder zerstören könnten.

 

Anmerkung: ganz Schlaue werden jetzt zu recht bemerken, daß dieser ganze Aufwand ja auch hätte eingespart werden können; denn schließlich liefert die Kamera ja auch ohne mein Zutun ansprechende Bilder in ähnlicher Qualität; aber denen halte ich bereits jetzt entgegen, stellt doch bitte mal eure Kamera auf eine Ausgabegröße von 800x600 Pixel und Dateigröße kleiner 250 kByte ein, damit wir die Bilder direkt von der Kamera hier ins Forum laden können ..

Edited by matadoerle

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Ganz zu Beginn erscheint es mir ratsam, auf das folgende Faktum hinzuweisen; ansonsten könnte man versucht sein, sich den "ganzen Quatsch" zu sparen und schnell wieder zum gewohnten JPEG-Verbiegen zurückkehren ..

 

ein Bild aus dem RAW-Konverter ist NICHT zwangsläufig schärfer als das Pendant aus der Kamera (JPEG OOC);

das hängt nämlich von einigen Einstellungen ab, worauf ich kurz eingehen möchte.

 

Die Unschärfe-Maske

Wenn man eine digitale Fotografie in der Größe verändert, also auch wenn man sie kleiner macht, dann VERRINGERT man in jedem Fall die Schärfe. Wenn wir also unser Silkypix stolz installiert haben und das erste Bild geladen und entwickelt haben, wird sich eventuell sofort Frust einstellen - das Bild ist unter Umständen NICHT so scharf wie das Pendant aus der Kamera!

 

Das muß aber nicht so bleiben; in unserem Fall finde ich das Ergebnis durchaus in Ordnung (aus dem Gesichtspunkt der Detaillierung gesehen), aber ich habe für mich auch die folgende Voreinstellung getroffen:

 

Im zweiten Reiter der Bild-Entwicklung gibt es einen weiteren Reiter

 

Ich habe hier einmal für die bessere Darstellung von Bildern in der Forengröße die sichtbaren Einstellungen benutzt; wir werden die später auf Wunsch nochmals diskutieren können - für den Moment bitte ich den Interessenten, diese Einstellung beim Entwickeln auf beispielsweise 800x600 Pixel oder ähnliche Größen auch zu benutzen.

 

Meiner Erfahrung nach sind diese Werte auch nicht zu extrem und können ruhig voreingestellt bleiben; der Nachteil von Silkypix, daß nämlich manche durchaus sehr wichtigen Sachen im Dickicht der Reiter versteckt und unbemerkt bleiben, erweist sich hier wieder für die tägliche Arbeit als Vorteil: wenn wir das einmal so eingestellt haben, behält Silkypix diese Einstellung solange bei, bis wir sie wieder ändern.

 

Man muß NICHT jedesmal diese Einstellungen bedenken und anpassen, sondern kann eine ganze Serie von Bildern entwickeln - der RAW Konverter denkt einfach dran, solange wir ihn nicht auf Standard-Einstellungen zurücksetzen ..

 

Bevor man sich anschickt, die Schärfeleistung von RAW-Konvertern zu vergleichen, sollte man sicherstellen, daß man sich soweit eingearbeitet hat, daß man die Prozesse und Funktionen auch wirklich beherrscht. Ansonsten testet man nur mehr oder weniger zufällige Einstellungen oder Standard-Verfahren, erfährt aber nichts über die verborgene Leistungsfähigkeit des Systems.

 

RAW ist NICHT einfach und schnell, sondern verlangt intensive Beschäftigung. Ich bin jedoch der Meinung, daß es sich lohnt.

Edited by matadoerle

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Jetzt will ich das Bild aber auch mal ein wenig verbessern, schließlich ist das Gebäude wirklich zu dunkel und der Himmel in meinen Augen zu hell. Allgemein können wir in gewissen Grenzen nachträglich die Belichtung unseres Bildes regeln.

 

Belichtung

Links unter dem grün geschriebenen "Systemstandard" findet sich ein Belichtungsregler; hier gibt es verschiedene Möglichkeiten der Einflußnahme:

 

 

ich habe in das rötlich hinterlegte Feld (nachdem man darauf klickt) jetzt einfach mal "1" eingetragen und siehe da, das Gebäude erscheint schon freundlicher. Natürlich kann man auch einfach am darunterliegenden Schieberegler mit der Maus hin- und herschubsen; egal wie man es macht, es werden immer beide Anzeigen angepaßt und das Ergebnis ist auch das gleiche. In dieser Beziehung ist Silkypix sehr konsequent (und benutzerfreundlich im Gegensatz zu manch anderen Produkten):

 

 

Damit wir jetzt vor lauter Freude nicht vergessen, das Ergebnis auch allen Fotografen-Bekannten und -lebensgefährten zu zeigen speichern wir ..

was red ich da

ach ja, wir entwickeln schnell das vorzeigefähige JPEG. Statt umständlich über das Menü zu gehen, kann man auch [strg+S] drücken, oder man geht über das Menü Entwicklung(D); egal wie, es passiert immer das gleiche:

 

 

Man findet beispielsweise einen passenden Dateinamen, damit das erste Bild nicht überschrieben wird (optional, was soll's)

 

 

und drückt (unbedingt) wieder auf den Reiter Einstellungen:

 

 

Jetzt fallen uns zwei Sachen auf; erstens ist wieder die Originalgröße bzw. -Auflösung der RAW Datei voreingestellt, während der Rest der Einstellungen unserer letzten Aktion gleichgeblieben sind; das gilt zweitens auch für unsere wichtige Unschärfe-Maske. Dieses Verhalten von Silkypix hat mich Anfangs reichlich verwirrt und auch öfters verärgert; denn der Anfänger wird hier nicht wirklich leicht eingeführt. Aber wenn man etwas regelmäßiger mit Silkypix arbeitet, erweist sich das Verhalten der Software als garnicht mal so blöd - man kann recht große Serien an Bildern erstaunlich schnell, sicher und umfassend für beliebige Zwecke aufbereiten.

 

Glücklicherweise sind die Entwickler noch ein wenig weitergegangen, haben nachgedacht und als zweiter Eintrag unter Vollauflösung erscheint "800x600 (vorige)" immer die zuletzt mit diesem Bild genutze Ausgabegröße. Wenn man sich einmal dran gewöhnt hat, erscheint das gar manchmal ganz sinnvoll, was dieser komische RAW-Konverter da vorschlägt .. und entwickelt.

 

Edited by matadoerle

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Nachdem die erste Freude Verklungen ist und der zweite Blick unser Bild streift, fallen aber doch so ein paar Kleinigkeiten ins Auge. Der Lawinenschutz auf dem Dach hat sich in der Nähe zum Mitteltrakt des rechts von uns liegenden Gebäudes förmlich in Licht aufgelöst, die wenige Farbe aus dem Himmel sich quasi gänzlich verabschiedet. Ich glaube wir müssen noch einmal ran.

 

Damit wir jetzt auch nicht mehr nur zum Geradewohl mit irgendwelchen Schätzwerten operieren, holen wir uns mal ein Hilfsmittel auf den Bildschirm.

 

Das Histogramm

Wir können uns unten links in der Ecke mit dem Symbol über dem Dateinamen "P100.." oder aus dem Menü Ansicht(V) - Histogramm(H) auswählen.

 

Da zaubert Silkypix uns genauso das auch aus anderen Bildbearbeitungen vertraute Histogramm auf den Bildschirm; hier können wir jeweils für die einzelnen Farbkanäle Rot-Grün-Blau den Anteil der Helligkeitsstufen sehen.

Am einfachsten versteht man den Inhalt des Diagramms, wenn man einmal den Helligkeitsregler (pardon: Belichtung! den kennen wir doch noch?) verstellt. Zum Beispiel werden die in der linken Hälfte sichtbaren Buckel breiter und niedriger, wenn wir zugeben (rechts), sie werden schmaler und höher wenn wir rausnehmen (links). Und da gleichzeitig das dargestellte Bild seinen Charakter verändert, sollten wir im Laufe der Zeit ein Gefühl für dieses mächtige Diagramm entwickeln.

 

Beispielsweise ergibt Belichtung auf +1.8 die Kombination

 

 

jetzt ist das Gebäude bestimmt noch etwas besser geworden, der Himmel hat allerdings alle Farbe verloren; im Histogramm ist korrespondierend diese kleine feine Spitze rechts aus dem Diagramm gewandert - das war offensichtlich unser Himmel .. also schnell zurück

 

 

(zu schnell). Jetzt haben wir zwar erstaunlich viel Farbe im Himmel (im Histogramm sogar ein paar mehr Zacken rechts), aber dafür versumpft das Gebäude im Schatten (die damit korrespondierenden Buckel haben sich ihrerseits zu Spitzen entwickelt). Wir können jetzt enttäuscht über die Einarbeitung in HDR nachdenken, das Hobby Fotografieren drangeben, oder zu weiteren Mitteln greifen ..

Edited by matadoerle

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In der normalen Bildbearbeitung greifen wir doch deshalb auch zu den Reglern für Helligkeit und Kontrast, das machen wir jetzt auch mal mit unserem Bild in Silkypix. Ich habe die Belichtung wieder auf den mir passend erscheinenden Wert +1.0 geändert und klicke auf "Mittlerer Kontrast":

 

 

Neben dem links aus dem Bild ragenden Gebäudeflügel gibt es jetzt Regler für

 

  • Kontrast (1,5)
  • Kontrast-Mitte (0,46)
  • Gamma (1,15)
  • Schwarzanteil (0)

Erstens fehlt die Helligkeit, und was soll der Rest? und warum bitte, dermaßen krude Zahlenwerte? kann das einen Sinn haben ..

 

Ganz einfach: probieren.

 

Kontrast

 

Kontrast kennt doch jeder. Also mutig mal am Regler gedreht, kann man doch nie genug haben (wie am Fernseher, oder) ..

 

 

zugegeben sieht das Gebäude gleich viel knackiger aus, aber der Himmel ist uns auch wieder leergelaufen. Was passiert eigentlich bei zu wenig Kontrast?

 

 

klar, alles wird flau und verbessert hat sich auch nichts. Auch die Farbe ist dem Himmel nicht gewogen. Schei..

 

Nicht ganz so schnell, ich glaube man muss an dieser Stelle einmal auf den kleinen weißen Anzeiger unterhalb der horizontalen Achse im Histogramm hinweisen. Der zeigt uns nämlich die Kontrast-Mitte an, und vielleicht sollten wir uns überlegen, was das bedeutet.

 

Kontrast-Mitte

 

Statt zu überlegen, probieren wir mal .. also, wenn man die Kontrastmitte verschiebt, dann bewegt sich der weiße Marker im Histogramm; außerdem "wabern" die Buckel ein wenig.

Aber außer lustig ist da irgendwie kein greifbarer Effekt, der uns weiterhilft.

 

Der Kontrast macht Dunkles noch dunkler und Helles noch heller, so denkt man landläufig. Aber das stimmt nicht ganz, denn richtiger muß man feststellen, daß die Tonwerte (Helligkeiten) rund um die Kontrastmitte gespreizt oder verdichtet werden, an den Enden dafür zusammenrücken oder auseinandergezogen werden.

Die Kontrast-Mitte bestimmt praktisch den Bereich des Bildes, wo die größten Helligkeits-Anteile hinfließen sollen (oder auch wegfließen, bei sehr kleinem Kontrast).

 

Wenn man die Kontrast-Mitte unterhalb der Buckel geschickt platziert, kann man sogar die Ziegel besser herausarbeiten; aber das machen wir später.

Unser Problem sind jedoch die zu dunklen Gebäude und der helle Himmel, weniger Kontrast macht hier aber alles nur flauer. Wenn wir den Kontrast erhöhen, haben die Gebäude knackiger gewirkt, aber der Himmel bekam auch keine Farbe. Wir können jetzt zwar mit der Kontrastmitte auch spielen, aber wir bringen noch keine befriedigenden Ergebnisse zustande, oder?

Also schauen wir uns vorläufig auch die anderen Regler mal an .. und sollten dazu noch einmal Kontrast und Kontrast-Mitte auf Standard zurück fahren (Doppelklick auf die entsprechende Zahl - manchmal sehr hilfreich in Silkypix)

 

Gamma

In gewisser Weise könnte man denken, daß Gamma ähnlich wie ein Helligkeitsregler funktioniert. Warum heißt der dann nicht so?

 

Auffällig sind dabei vielleicht zwei Eigenschaften; bei großem Gamma wird das Bild heller, aber fängt nicht an zu überstrahlen.

 

 

Dreht man Gamma klein, wird das Bild dunkler. Auch hier fällt vielleicht auf, daß die Schatten nicht wirklich vollständig absaufen.

 

 

Seltsam wirkt das, eigentlich ein etwas intelligenter Helligkeitsregler, aber dafür nicht so leistungsfähig wie der gewohnte. Jedenfalls könnten wir bislang noch nicht wirklich zufrieden sein; außerdem erscheinen die Bezeichnungen gegenüber einer normalen Bildbearbeitung sehr ungewohnt und bislang nur wenig hilfreich.

 

Wir müssen uns auch das Gamma nochmal genauer anschauen, wollen aber wenigstens pro forma auch den Schwarzregler mal bemühen.

 

Schwarzanteil

 

Es geht nur mehr als Null, na toll, ich brauche nur ein Bild einzustellen - mehr Schwarzanteil ergibt auch mehr schwarz im Bild; nur in den Himmel und in die Fenster läuft offensichtlich kein Schwarz hinein.

 

 

Spätestens jetzt kann ich jeden Frust verstehen; als ich anfangs mit RAW experimentierte, war ich irgendwann auch so weit und wollte bereits aufgeben. Denn das hätten wir mit einer beliebigen Bildbearbeitung und JPEG doch auch geschafft .. und schneller, oder?

Edited by matadoerle

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Bevor wir jetzt endlich das Problem mit unserem Demo-Bild in den Griff bekommen, möchte ich die vorangegangenen Schritte noch einmal kurz Revue passieren lassen.

 

  1. Laden und entwickeln statt speichern - gar nicht schwer
  2. Belichtung anpassen - war doch easy
  3. Kontrast und Helligkeit - irgendwie hakte etwas

Da es bei der RAW-Entwicklung darum geht, das gewünschte Optimum aus einem Bild zu holen, muss es doch noch einen Trick geben.

Und den gibt es. Wir müssen uns begreiflich machen, warum die Regler im RAW-Konverter so angeordnet sind, auch wenn das ungewöhnlich scheint.

 

Wir fangen nochmal vorne an ..

 

Belichtung

Die Belichtung bestimmt, welche Helligkeit das Weiß erklimmt. Alles, was mehr Licht auf den Sensor geworfen hat, ist ebenfalls weiß. Es gibt nichts helleres, als die Grenze die wir mit dem Regler Belichtung festlegen.

 

Gleichzeitig ist der mit der Belichtung von uns bestimmte Wertebereich des Bildes auf diese entstehende Palette von ganz schwarz bis weiß begrenzt.

ALLE anderen Regler im RAW-Konverter können "nur" mit dem arbeiten, was durch die Belichtung "in das Bild" hineingelaufen ist.

 

Wenn wir die Belichtung "niedrig einstellen", dann gibt es irgendwann gar nichts mehr, was weiß ist - dann hätten wir faktisch ein LowKey. Wenn wir die Belichtung aber "hoch drehen", dann riskieren wir, daß einige helle Bereiche "aus dem Bild laufen" - sie werden einfach weiß und verlieren jegliche Differenzierung.

 

Das war das Problem mit unserem Himmel, es ist vollkommen egal, wie wir danach an welchem Regler drehen - denn weiß bleibt weiß, da hilft kein Gamma, da hilft kein Kontrast und keine Tricks. Das ist Persil in Reinkultur - und versprochen, es wird mit dem nächsten Update auch nicht weißer ..

Sehen können wir Menschen das Licht, aber wahrnehmen können wir nur die Unterschiede, die "Zeichnung" im Lichtbild. Und wir versuchen jetzt, mit dem Werkzeug Belichtungsregler nochmal neu das Optimum für dieses Bild zu finden ..

 

Systemstandard

 

Wir gehen zurück auf "Systemstandard", indem wir einfach auf das mittlerweile grau angezeigte "Manuell" im obersten linken Button unter dem Menü klicken und dann auswählen.

 

 

Wenn unser Histogramm noch da ist (sonst mit [strg+H] wieder aktivieren), ergibt sich folgendes Bild und dazugehöriges Diagramm.

 

 

Mittlerweile dürften wir die Buckel links von der Kontrast-Mitte mit dem Gebäude in unserem Bild identifizieren; und rechts läuft da irgendwas die "Wand hoch" .. schauen wir uns das nochmal an.

 

Wir regeln die Belichtung runter auf ca. -1.3:

 

 

Wir lernen, daß dieser "Stau" am rechten Rand unseres Diagramms eine Folge unserer falschen Belichtung war - wir hatten das restliche Blau des Himmels so hell gemacht, daß es im Weiß "unterging".

 

Nun haben wir tatsächlich etwas mehr Blau im Himmel, aber unser Bild ist wohl viel zu dunkel. Wir erinnern uns, daß ALLE anderen Regler in dem Wertebereich arbeiten, den wir durch die grundsätzliche Einstellung der Belichtung vorgenommen haben ..

 

Kontrast und Helligkeit

Innerhalb der Kontrasteinstellungen gab es dieses imaginäre Gamma, was ähnlich wie Helligkeit funktionierte. Wir testen wieviel wir denn damit jetzt erreichen ..

 

Gamma

 

Wir regeln Gamma auf ca. 1.65 (und sind fast am Ende, was nur zeigt wie grenzwertig dieses Bild hier ist):

 

 

Ich bin der Meinung, das dieses Bild jetzt schon zwei Fakten begreiflich macht; wir haben es mit einem sehr großen Dynamikumfang zu tun, weil es schwierig war eine ausgeglichene Helligkeit zu erreichen. Wir haben trotzdem den Eindruck der Tageszeit - nämlich morgens im frühen Sonnenlicht durchaus erhalten können. Das ist der Vorteil vom Gamma gegenüber der Helligkeit.

Gamma schiebt nicht "blind" alles Richtung heller, sondern weitet die dunklen Bildteile auf und komprimiert die hellen an oberen Ende zusammen. Unser Himmelsblau ist wieder ein wenig blasser geworden, aber noch nicht komplett ins Weiß verlaufen. Trotzdem könnten wir auch ein wenig Kontrast nachschieben, oder?

 

Kontrast

Bevor wir an der Schraube drehen, identifizieren wir mal im Histogramm den Bereich des Gebäudes, weil das ist mir doch zu flau. Ich bewege zuerst den Regler Kontrast-Mitte auf ca. 0.31.

 

Da liegen wir jetzt zwischen dem grünen und dem roten Buckel. Und jetzt darf jeder soviel Kontrast geben, wie er mag .. ich wähle mal 1.95.

 

 

Damit wir jetzt auch mal wieder durchschnaufen können, sollten wir das Zwischenergebnis entwickeln. Mal schauen was da jetzt rauskommt.

 

Entwickeln und speichern

Edited by matadoerle

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Wir haben uns zur Demo ein schweres Bild ausgewählt. Ich hoffe, daß ich im Verlauf dieser kleinen Demo bis jetzt schon etwas aufzeigen konnte, was die Arbeit mit einem RAW-Konverter, also diesem Silkypix, von der gewohnten Bildbearbeitung etwas unterscheidet.

 

Das vorerst ungewohnte hat durchaus einen Sinn, weil es aus dem Rohmaterial Licht auf dem Sensor den ganzen Wertebereich in unser fertiges Bild bringen kann. Trotzdem ist das kein Allheilmittel; ich hätte dieses Bild, wenn ich denn damals schon mit Histogramm auf dem Monitor/Sucher meiner Kamera gearbeitet hätte, besser ein bis zwei Blendenstufen kleiner oder entsprechend kürzer belichten sollen.

 

Wir werden später sehen, daß man in den Tiefen, den dunkeln Bereichen eines Bildes noch erstaunlich viel Zeichnung (Kontrast/Schärfe) gewinnen kann; aber was einmal überbelichtet wurde ist hoffnungslos verloren.

 

Die suboptimale Belichtung meines Bildes der Szenerie hat mir also die Grenzen aufgezeigt, aber vielleicht sind wir ja mit einem blauen Auge davon gekommen .. ich werde mal schauen, was sich noch so alles aus dem Bild herausholen läßt. Zunächst machen wir dann mal einen Weißabgleich und schauen uns noch so ein paar kleine Nettigkeiten vom RAW-Konverter an. Ach ja, wenn man weiß wie es geht, dann braucht man für die vier (!) kleinen Einstellungen in Silkypix keine Minute - soviel mal vorab zum Aufwand, RAW statt JPEG zu verarbeiten ..

 

Ich hoffe es hat euch bis hierher Spaß gemacht, Rückmeldung und Anregung immer gerne willkommen.

 

Und jetzt gute Nacht

Gruß Thorsten

Edited by matadoerle

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Guten morgen allerseits.

 

Gestern nacht war es schon spät, ich habe alle Fenster (in Windows geschlossen) und möchte meine freie Zeit jetzt nutzen, mit dem Thema weiterzumachen. Siedend heiß ist mir eingefallen: ich habe ja gar nicht gesichert.

Aber Silkypix hat mich auch gar nicht gefragt ..

 

.. dann öffnen wir mal gespannt erneut den RAW-Konverter und laden unser Bild.

 

 

Glück gehabt.

Unsere Einstellungen, das Zwischenergebnis von gestern, ist noch da - aber woher weiß dieser RAW-Konverter, wie wir unser Bild haben möchten?

Wenn wir im RAW-Bilder Verzeichnis suchen, dann finden wir ein Unter-Verzeichnis "SILKYPIX_DS"; und darin wiederum findet sich eine "SPD-Datei" mit dem gleichen Dateinamen wie unser Rohmaterial (RAW-Datei):

 

 

Tatsächlich wurde diese Datei mit dem letzten Bearbeitungsschritt automatisch aktualisiert (man schaue bitte nicht auf die Uhrzeit); Silkypix schaut beim Laden einer Datei automatisch nach, ob dieses Verzeichnis und eine solche Datei existiert. Wenn das gefunden wird, dann werden diese Einstellungen auch wieder geladen, wir können dadurch jederzeit mit der "Arbeit" an einem Bild fortfahren - und zwar genau an der Stelle, wo wir das letzte Mal unterbrochen worden sind.

 

Denn Silkypix speichert und erstellt diese Dateien automatisch immer dann, wenn wir irgendeine Einstellung verändern; und zwar für JEDES bearbeitete RAW-Bild auf unserem Computer. Es passiert also nichts, wenn wir zwischendurch kurz für die Tochter ein Bild von der besten Freundin skalieren und optimieren, für den Ausdruck vorbereiten oder neue Bilder von der Kamera ansehen oder, oder, oder - solange dieses Unterverzeichnis und diese SPD-Datei bestehen bleibt, geht unsere Arbeit nicht verloren .. (und das glücklicherweise vollkommen unabhängig von unserer politischen Vorliebe)

 

Nun heißt das aber auch mit der gleichen Konsequenz, daß jegliche weitere Bearbeitung die "alten" Einstellungen überschreibt und vergessen macht; manchmal wollen wir das aber nicht!

 

Entwicklungs-Einstellungen

Netterweise haben die Software Designer im fernen Japan auch an solche Situationen gedacht und stellen uns einen Funktion zur Verfügung, mit der wir unsere Einstellungen unter unserem Namen und dort ablegen können, wo wir das für unsere Arbeit am sinnvollsten halten.

 

Mit dem Aufruf Menü - Einstellungen(P) - Entwicklungseinstellungen speichern rufen wir einen Dialog auf, in dem wir unseren Namen und den Speicherplatz bestimmen können.

 

 

Schön und gut, nichts besonderes und keiner weiteren Erwähnung wert? Das sehe ich anders; denn wir haben hiermit ein besonders mächtiges Werkzeug zur Verfügung, daß uns in vielen Situationen nicht nur Arbeit ersparen kann, sondern professionelle Ergebnisse erst möglich macht.

 

Ich konstruiere mal ein Beispiel. Wir wollen vom Aussichtsturm ein Rundumpanorame erstellen und haben sowohl den Autofokus deaktiviert (macht Sinn bei Panoramen

) als auch die Belichtung, also Blende und Belichtungszeit manuell eingefroren.

Nun haben wir dummerweise schon angefangen die Bilder zu machen, bevor wir den Automatischen Weißabgleich abgeschaltet und eine passende Einstellung manuell festgehalten haben.

Jetzt ist es so, daß unsere Bildinhalte sich mit jedem Dreh der Kamera verändern, ergo der Automatische Weißabgleich leicht abweichende Werte ermittelt und wir zum Schluß ein Sammelsurium an wunderschönen Himmelblau-Tönen vorfinden - alle Bilder zwar mit gleicher Blende und Belichtungszeit, die passen aber leider trotzdem nicht wirklich zusammen.

 

Wir können trotzdem diese Serie Bilder später in Silkypix laden, dann einen passenden Weißabgleich ermitteln, diese Einstellungen zusammen mit beispielsweise einer harmonischen Kontrasteinstellung unter unserem Namen sichern und - das ist eigentlich das Entscheidende - allen Bildern dieser Serie zuweisen; wir müssen die Entwicklungseinstellungen nur einfach für jedes beteiligte Teilbild laden.

 

Wie man sieht, bietet ein RAW-Konverter auch in dieser Hinsicht eine Grundlage für professionelle Ergebnisse, die wir in manchen Bildbearbeitungsprogrammen vergeblich suchen oder erst durch aufwändige, fehlerträchtige und manuelle Manipulation ersetzen können.

Jetzt haben wir schon den Weißabgleich im Fokus, vielleicht sollten wir uns damit auch mal beschäftigen ..

Edited by matadoerle

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Der Weißabgleich ist eines der geheimnisvollsten Dinge im Leben des frischgebackenen Digital-Fotografen; die Industrie versucht durch Automatiken dem Benutzer und Besitzer ihrer Kameras das Leben zu erleichtern; aber immer wieder einmal stört auch diese Automatik das Ergebnis in einer Richtung, die der Fotograf nicht beabsichtigt hat.

 

Es gibt tolle Informationen, eher theoretischer und auch ganz theopraktischer Natur über das Thema, ich möchte mich hier weitestgehend auf den praktischen Einsatz im Zusammenhang mit dem Silkypix RAW-Konerverter beschränken.

 

Doch vorab zur Klarstellung: der Weißabgleich stellt ein Maß für die "Strahlung", besser das sichtbare Spektrum, eines theoretisch denkbaren, vollkommen scharzen Körpers dar. So ein Dingen existiert zwar nicht, aber man kann schön damit rechnen (Grundübung für Physiker). Unser Fotografenleben stört dabei eine Eigenschaft des Lichts, nämlich jene, die auf unsere Bilder einen Farbstich legt. Und zwar ist mit Licht hier immer die Beleuchtung oder Lichtquelle gemeint, die eine Szenerie mit Licht und Schatten versorgt.

In sehr vielen Fällen ist das in unserem Leben auf der Erde unsere freundliche Sonne, und daher kommt auch das Symbol in Silkypix. Nun hat das Licht dieser Sonne am Erdboden zu unterschiedlichen Tageszeiten eine jeweils andere "Farbe" oder Zusammensetzung, und genau darum geht es bei dem Weißabgleich. Man spricht dabei von der "Farbtemperatur" und die wird in Grad Kelvin, abgekürzt durch ein großes 'K' angegeben.

 

Für unseren Sensor in der Digitalkamera, der dafür kein Gespür (Thermometer) besitzt, sieht ein weißes Blatt Papier abends anders aus als mittags, und unter Bewölkung anders als im Schatten.

 

Weiß ist doch nicht immer von Persil, wenn es von einer anderen Temperatur (beispielsweise 3500K im Innenraum) beschienen wird.

Aus der analogen Photographie kannte man das, wenn man einen "Tageslichtfilm" ohne Filter in beleuchteten Innenräumen verwendete, dann wurden die Bilder gelbstichig. Dafür bekam man aber mit einer solchen Kombination wunderschöne stimmige und verträumte Sonnenuntergänge auf den Film gebannt. Mit modernen Kameras der digitalen Fotografie sieht das schon anders aus; der Automatische Weißabgleich (AWB - AutoWhiteBalance in Englisch) sorgt beispielsweise für angenehme Bilder in beleuchteten Innenräumen, kann aber gleichzeitig die schöne Abendhimmel Stimmung und den Sonnenuntergang entzaubern.

Schön wäre es doch, wenn man als Fotograf selber bestimmen könnte, wann man nun einen Farbstich entfernen möchte, und wann man ihn gerne für die Generierung der gewünschten Farbstimmung einsetzen mag.

 

Das ist übrigens ein ganz starkes Argument für die Verwendung von RAW Bildern, weil uns dieser Workflow praktisch alle Freiheiten bei der Gestaltung unseres Bildes läßt.

Wie immer, probieren wir doch mal. In Silkypix gibt es unter der Belichtungseinstellung eine Sonne als Symbol und im Systemstandard die Voreinstellung "wie Kamera". Wir klicken mal da drauf:

 

 

Da gibt es jetzt einige Auswahl, warum nicht einfach "Auto(SILKYPIX) " probieren? .. enttäuscht? Da ändert sich so gut wie nichts.

 

Tatsächlich sehen wir jetzt unten links neben dem linken Gebäudeflügel neue Einstellungen

 

  • Farbtemperatur (5722) - war vorher 5852
  • Farbablenkung (5) - war vorher 2
  • Schattenanpassung (0) - war vorher auch 0

Wir lernen, daß es neben der kamerainternen Automatik (die war zur Zeit der Aufnahme eingeschaltet) auch eine eigene von Silkypix gibt; wir lernen weiterhin, daß die unterschiedlichen Werte auf den ersten Blick kaum eine Änderung gebracht haben.

 

Da sollten wir mal weitere Einstellungen probieren; da unsere Szenerie offensichtlich nicht direkt von der Sonne beschienen wird, suchen wir mal die Voreinstellung "Schatten fein(8000)" aus:

 

 

Vielleicht ist dem einen oder anderen jetzt aufgefallen, daß sich der Himmel doch dezent, aber auffällig verändert hat. Das Histogramm gibt uns darüber jetzt auch eindeutig Aufschluß; im Bereich am rechten Rand, den wir bei diesem Bild dem Himmel zugeordnet haben, ist eine rote Spitze aufgetaucht. Und wirklich ist der Himmel unseres Bildes in einen sanften rötlichen Schimmer getaucht - Dämmerung könnte man meinen.

 

Jetzt ist es mir persönlich des Guten zuviel, und ich verändere mal den Regler manuell nach meinen Vorstellungen und auf den Erinnerungswert meiner Empfindung am Aufnahmetag hin ..

 

 

Ich kann zwar nicht die Hand ins Feuer legen, daß es exakt so gewesen sei; aber ich finde das Ergebnis meinem Empfinden recht nahe liegend - außerdem hat sich der rötliche Schimmer aus dem Himmel verabschiedet, was man auch im Diagramm gut erkennen kann. Ich lege nochmal nach und regle die Farbablenkung auf -5 - und damit verabschiedet sich der rötliche Schimmer, den ich auch nicht in Erinnerung habe um einem feinen, angedeuteten Blau zu weichen.

 

 

Damit betrachte ich zu diesem Zeitpunkt mein Experiment mit der verunglückten Aufnahme bezüglich der Belichtung mal vorläufig als abgeschlossen. Damit mir das Ergebnis nicht verloren geht, entwickle ich schnell nochmal ein JPEG mit dieser Eistellung und speichere die natürlich auch ab, denn wir kommen vielleicht später nochmals darauf zurück.

 

Entwickeln und speichern

Um unsere "Arbeit" etwas besser nachvollziehbar zu gestalten, zeige ich zum Abschluß das Bild wie es ursprünglich war, danach das Bild wie ich es jetzt generiert haben.

Ich lade jeden ein, das einmal selber zu versuchen - und ich lade auch dazu ein, das JPEG mal mit einer anderen Software in diese Richtung zu trimmen. Ein Versuch ist es wert, dabei kann man viel lernen ..

 

Ausgangslage:

 

 

Nach den Belichtungseinstellungen:

 

 

Es gibt noch genug Themen bezüglich unserer Demo an diesem Bild, aber ich denke ein kleine Pause tut uns allen gut.

Gruß Thorsten

Edited by matadoerle

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Ganz egal, wie gut jetzt das von mir generierte Zwischenergebnis gefällt, ich hoffe wir konnten einige Fakten zusammen erarbeiten. Und ich möchte die jetzt noch einmal kurz zusammenfassen, bevor wir uns weiteren Themen zuwenden. Für tiefere Auseinandersetzung mit den wichtigsten Elementen habe ich die deutsche Wikipedia verlinkt.

 

Licht

 

Das wichtigste beim Fotografieren ist das Licht; das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Nun wollen wir aber keine Bilder vom Licht allein (dann benötigen wir keine Objektive), sondern ein Abbild der aufgenommenen Szenerie; darin befinden sich Schatten oder Tiefen, Lichter oder Helle Bereiche. Es gibt eine grundsätzliche Einstellung für den hellsten möglichen Punkt in unserem Bild, den Weißpunkt.

 

Wir haben gelernt, daß wir mit der Festlegung des Weißpunktes bestimmen, was schlußendlich in unserem Bild noch sichtbar im Sinne von erkennbar wird; wenn wir den Weißpunkt zu niedrig ansetzen, wird alles was genauso hell oder heller war in unserer Szenerie, einfach nur konturenlos weiß dargestellt. Das nennt man auch schon einmal ausgefressene Lichter - häufig zu beobachten, daß Wolken im Himmel wie aufgesprüht aussehen, also keinerlei Tiefe und Struktur im Raum aufweisen. Das ist ein Hinweis darauf, daß der Weißpunkt zu niedrig gesetzt wurde.

 

Belichtung

Das ist die grundsätzliche und für alle Bereiche eines Bildes geltende Obergrenze der darstellbaren Helligkeiten. Da diese Einstellung so essentiell ist, empfehle ich im Normalfall diese Einstellung als allererstes zu machen.

 

Ideal ist es, wenn die gewählte Belichtungszeit und Blende beim Fotografieren quasi genau bis zu dem Standard heranreicht. Dann ist die Belichtung schon optimal gesetzt. Haben wir zu knapp belichtet, können wir das in RAW relativ gut ausgleichen, indem wir die Belichtung etwas höher stellen (solange uns nichts am rechten Rand des Histogramms staut).

 

Histogramm

Das Histogramm ist ein unglaublich wichtiges und leistungsfähiges Werkzeug, ich habe es IMMER eingeschaltet und beobachte es auch ständig während der Arbeit. Mit der zeit bekommt man dafür auch ein immer besseres Gefühl.

 

Haben wir zu viel belichtet, dann haben wir bei RAW durchaus noch eine kleine Möglichkeit der Korrektur, aber die findet bei 1 bis 2 Blendenwerten meist ein Ende. Also auch wer RAW fotografiert, sollte seine Belichtung optimieren. Viele stellen deshalb in der Kamera eine Vorab-Korrektur um beispielsweise ein oder zwei Drittel-Blenden ein, das tue ich je nach Situation auch, weil die Kamerahersteller da schon mal großzügig sind - sonst werden die JPEGs im Vergleich zur Konkurrenz so dunkel (!). Uns stört das nicht, weil heller geht immer; aber wie bisher gezeigt: dunkler geht nimmer.

 

Weißabgleich

 

Der Weißabgleich ist die vielleicht interessanteste Regelmöglichkeit mit RAW-Dateien. Und da die regelung vollkommen verlustfrei, also ohne Umwandlungsprozesse stattfindet, kann man das so oft man will und mag anpassen.

Klar ist aber auch, daß sich alle nachfolgenden Parameter ändern, wenn wir die Balance der Farben untereinander verändern - genau das macht der Weißabgleich.

 

Aus diesem Grunde mache ich, anders als bisher in der Demo gezeigt, in der Regel nach der Belichtung zuerst den Weißabgleich. Und passe erst danach die folgenden Parameter an.

 

Kontrast und Helligkeit

 

Innerhalb der einmal gesetzten Grenzen (Belichtung) können wir jetzt noch allerhand an der Balance des Bildes und damit an der empfundenen Helligkeit ändern. Die Regelmöglichkeiten von Gamma, Kontrast, Kontrast-Mitte und Schwarzanteil empfehle ich immer "nach dem Alphabet" durchzuführen.

 

Gamma

 

Das Gamma ist für uns in der RAW Entwicklung ein intelligenter Helligkeitsregler, wir verändern damit den Punkt - also die Graustufe oder Helligkeit, der uns im fertigen Bild als Mitte dargestellt wird.

Gamma achtet im Gegensatz zum Helligkeitsregler in manchen Bildbearbeitungsprogrammen darauf, daß helle aber durchaus noch konturenhafte Bereiche (z.B. Wolken) vollkommen im Weiß verloren gehen. Ebenso sollten dunkle Bereiche noch nicht ganz im Schwarz versaufen, wenn wir Gamma nach unten regeln.

 

Erst wenn wir einen uns gefälligen Gamma gefunden haben, empfehle ich die Anpassung der folgenden Regler - je nach Gusto und Geschmack.

 

Kontrast und Kontrast-Mitte

 

Bei voreingestellter Kontrastmitte wirkt Kontrast so, wie man es von beispielsweise einem TV-Gerät oder Beamer gewohnt ist. Mehr Kontrast macht Lichter heller und tiefen dunkler.

Im RAW können wir aber noch den Mittel- oder Ausgangspunkt für diese Operation bestimmen, damit unser gewünschtes Objekt, beispielsweise eine strukturierte Mauer, im Kontrast verstärken.

 

Wichtig ist nur zu wissen, was ich irgendwo hinzugebe, das muß an anderer Stelle verloren gehen. Wenn cih also die Struktur einer mittelhellen Mauer betone, dann wird im gleichen Bild die Struktur eines dunklen Bodens gemindert, eigentlich logisch.

 

Schwarzanteil

Den Schwarzanteil muß man kaum erklären, der sorgt für ordentlich Pfeffer im Bild. Technisch gesehen stellt der Schwarzanteil das Gegenstück zum Weißpunkt - also den Schwarzpunkt ein. Alles was dunkler ist, wie der hier gefundene Wert ist einfach schwarz; und weil schwärzer nicht geht gibt es in allen Bereichen unterhalb des Schwarzwertes (dunkler) auch keine Struktur mehr - da steckt dann keine Information mehr drin.

 

Fazit

Wenn diese Parameter stimmen, kann das fröhliche Bild Optimieren fortgesetzt werden; man kann durchaus sagen, daß 50% der Optimierung eines Bildes mit den hier angesprochenen Parametern erfolgreich "gewonnen" sind .. und jetzt, hoffentlich immer gut Licht vor der Linse

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Bislang haben wir uns um die wichtigsten Parameter der Belichtung gekümmert, jetzt gehen wir endlich mal die stürzenden Linien an.

 

Wir nehmen das Demo-Bild und bestaunen die schön nach oben, zur Bildmitte hin stürzenden Linien. Jetzt ist das glücklicherweise einer der häufigsten Fälle, die uns in der Praxis begegnen.

Wir bekommen stürzende Linien, wenn wir die Kamera schräg nach oben halten. Zum Beispiel, damit wir nicht nur die unteren zwei Stockwerke und ganz viel Boden auf den Sensor bannen.

 

Immer, wenn wir unseren Sensor aus der "normalen", aufrechten bzw. senkrechten Position kippen, bekommen wir mehr oder weniger stürzende Linien.

 

Auch wenn das durchaus seinen Reiz haben kann und gar nicht mal so selten gewünscht ist, gibt es Motive die wir gerne ohne stürzende Linien abbilden möchten. Und hier wollen wir das jetzt auch versuchen.

 

 

Bevor wir jetzt gleich mit den verschiedenen Projektionen operieren, möchte ich meine Empfehlung aus der Praxis geben.

 

Zuerst schauen wir mal, ob wir "nur" horizontal gekippt haben. Denn evtl. habe ich dabei die Kamera auch ein wenig schief gehalten.

 

Rasterdarstellung

 

Dazu schalten wir das Gitter oder Raster mit [strg+G] ein.

 

 

Wir können die Rasterweite auf unsere Bedürfnisse und das Motiv einstellen, was recht praktisch ist; wenn man den Regler betätigt, merkt man auch recht schnell, wo die Bildmitte wirklich sitzt. Denn diese Bildmitte, die sehr wichtig ist, soll zuerst ausgerichtet sein.

 

Pixelgenaue Ansicht

 

Auch wenn das jetzt auf den ersten Blick schon durchaus gerade aussieht, können wir das genauer überprüfen. Indem wir auf das Bild in der Mitte doppelt klicken, kommen wir in den pixelgenauen Ansichtsmodus.

 

 

Auch inder pixelgenauen Ansicht sitzt unser Mauerwerk in der Mitte schön senkrecht, aber schon ein Absatz weiter links ist jetzt auch die stürzende Senkrechte bereits zu erkennen (wenn man genau hinschaut).

 

Drehung/Stürzende Linien

 

Für die Korrektion der Perspektive rufen wir die Funktion im Menü Ansicht(V) - Drehung/Stürzende Linien auf:

 

Wir haben jetzt zwei Bereiche

 

  1. Drehung
  2. Stürzende Linien

Drehung

 

Wie ich bereits festgestellt habe, ist die Senkrechte Gebäudekante in der Mitte des Bildes auch wirklich senkrecht, in diesem Fall müssen wir also keine Drehung ausführen. Wenn das nicht der Fall ist, würde ich immer zuerst versuchen, durch eine Drehung den Schiefstand des Sensors auszugleichen. Das funktioniert natürlich auch dann, wenn ein Bild einfach schief aufgenommen wurde, weil der Abend vorher so lustig war oder weil wir vor lauter Konzentration die Ausrichtung der Kamera vergessen haben.

 

Stürzende Linien

 

In diesem Fall interessieren uns nur stürzende Linien, und da gibt es drei Möglichkeiten

 

  1. Perspektive vertikal
  2. Perspektive horizontal
  3. Winkel (Grad)

Damit wir es uns leichter merken können: meistens ist Perspektive vertikal die richtige Auswahl. Denn wir haben die Kamera nicht nach rechts oder links, sondern nach oben oder unten gekippt, um unser Motiv aufzunehmen.

 

Da wir nach oben gekippt haben, müssen wir die Perspektive nach unten korrigieren, wir schieben mal am Regler ..

 

 

bevor wir uns jetzt zufrieden zurücklehnen können, sollten wir allerdings wieder das gesamte Bild anzeigen; den genauesten Wert für die richtige Korrektur kann man immer möglichst am Bildrand abschätzen.

 

Also Klicken wir wieder doppelt in die Bildmitte und erhalten eine Gesamtansicht.

 

 

Ich habe Glück gehabt und muß weder Drehung noch Perspektive ein weiteres Mal anpassen. Wobei das, wie wir auch sehen konnten, nun wirklich die zweiteinfachste Sache der Welt darstellt.

 

Entwickeln und speichern

Das vergessen wir jetzt natürlich nicht und betrachten unser Werk noch einmal; das belichtete Ausgangsmaterial in roh sozusagen, dann darunter jetzt perspektivisch korrigiert.

 

 

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Bevor ich hier weitermache, möchte ich noch ein paar Anmerkungen zur perspektivischen Korrektur loswerden. Dieses mächtige Werkzeug funktioniert ganz tadellos, wenn der Algorithmus über den richtigen, sichtbaren Bildwinkel informiert ist.

 

Das ist die dritte Anzeige bzw. Einstellung; ich erkenne hier bei Silkypix eine saubere Implementation, wobei mich im Speziellen interessieren würde, wie andere Konverter oder Bildbearbeitungen im Vergleich entzerren. Und natürlich welche Möglichkeiten des Eingriffs da geboten wird.

Eine Problematik taucht bei sehr großen Gebäuden gerne auf: für den Betrachter erscheinen aufgrund der dredimensionalen, virtuellen Projektion im Kopf, die oberen oder weit entfernteren Stockwerke in der Regel verschlankt und überhöht. Das ist aber systemimmanent (in unseren Köpfen, nicht im Bild); das kann also von keiner Software der Welt automatisch korrigiert werden. In unserem Beispiel spielt das keine auffallende Rolle.

Je weniger Tiefe ein Objekt dabei aufweist (oder davon sichtbar ist), desto weniger fällt es auf; und wenn man wirklich frontal gegenüber einem Gebäude steht, dann bekommt man das in der Ebene der Fassade sehr fein auskorrigiert. Problematisch kann das aber beispielsweise bei Kirchtürmen werden, wo die sich immer weiter verjüngenden Spitzen auf einem massiven Mauerwerk "optisch immer länger werden".

 

Da wir schon mal hier sind - mir reicht die Korrektur noch nicht; denn eigentlich ist mir der seitliche Blickwinkel auf das Gebäude zu steil. Und warum sollte man nicht probieren, hier "helfend" einzugreifen? Zumal wir durch die vertikale Entzerrung jetzt rechts und links etwas Fleisch gewonnen haben (ihr habt bestimmt gemerkt, daß jetzt etwas weniger Gebäude auf dem Bild drauf ist).

 

Perspektive horizontal

 

Also versuche ich auch mal eine horizontale Perspektiv-Korrektur anzubringen .. wobei das jetzt weniger eine Korrektur denn eine gewollte Verzerrung darstellt.

 

 

Das mit dem Fleisch stellt sich als Trugschluß heraus, und das ist auch wichtig zu wissen: jede Korrektur der Perspektive schneidet am Rand etwas ab, das ist vor allem bei sehr hohen Gebäuden zu beachten, die wachsen dann schon mal gerne aus demeigentlich doch großzügig bemessenen Bildrahmen (und wir können die auch nicht wieder da rein holen, ohne die Korrektur aufzugeben).

 

Weil ich jetzt mutig geworden bin und Lust zum Spielen habe, bastel ich auch mal an dem Regler zum sichtbaren (Bild-)Winkel. Dann haben wir das auch noch gezeigt.

 

Winkel (Grad)

 

Ich stelle den nach links, was in unserem Fall das Gebäude ein klein wenig massiver wirken läßt (so ist mein Eindruck); auf jeden Fall gefällt es mir so besser.

 

 

Wir sehen aber auch, daß die letzten beiden Änderungen nur noch relativ marginalen Einfluß genommen haben.

 

Perspektive Zusammenfassung

Damit man die Entwicklung des Bildes und damit auch des Eindrucks auf den betrachter etwas plastischer wird, stelle ich nochmals alle Bilder entwickelt hintereinander.

 

Ohne perspektivische Korrektur:

 

Perspektive vertikal -38:

 

Perspektive horizontal -69:

 

Winkel 51 (statt 75 Grad):

Edited by matadoerle

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Bislang haben wir das Bild immer als gesamtes gesehen, an die Details keinen weiteren Gedanken verschwendet. Ich halte das auch für den erst einmal richtigeren Weg, weil man hinterher im Bereich der Details dann immer noch etwas herausholen kann. Zuerst schauen wir uns das mittlerweile durch die Einstellung der Belichtung und die perspektivische Korrektur gereifte Bild nochmals an.

 

Diesmal habe ich aber die JPEG-Qualität etwas hochgedreht (auf 97% statt 90).

 

 

Jetzt sind, auch in der kleinen Forumsauflösung, durchaus Details und Strukturen der Backsteine sowie des Sandsteinsockels erkennbar. Ich betrachte jetzt einmal den Bereich um den Eingang als interessant und wir zoomen uns ins Bild.

 

.. bei dem Folgenden bitte ich zu bedenken, daß wir am Bildschirm mit voller Auflösung von einem Ausdruck in der Größe DIN A2 oder ähnlich reden, also lange Kante um einen Meter herum.

 

Ich nenne diesen Ausschnitt einfach Zoom.

 

Das Bild ist nicht so schlecht, aber sicher noch nicht perfekt. Ich wünsche mir etwas mehr Zeichnung im Sandstein rund um den Eingang, auch die Gebäudekante links könnte ein wenig besser rauskommen.

Schauen wir uns einmal den Bereich rechts oben am mittleren Gebäudetrakt an, da wo die Dachrinne so einen schönen Schlenker macht.

 

Ausschnitt Dach:

 

Dieser Ausschnitt gefällt mir qualitativ ganz gut, ich bin erstaunt wie gut beispielsweise die Dachrinne und ähnliche Einzelheiten im Mauerwerk erkennbar sind. Allerdings will ich hier auch keine Verschlechterung bekommen und würde mich über eine bessere zeichnung der Backsteine sehr freuen.

Und außerdem mal hinten in der entferntesten Ecke, mit diesem aufgesetzten Kasten auf dem Dach.

 

Ausschnitt Kasten:

Das hier würde in der Vergrößerung zwar jetzt einen Pixelpeeper nicht zufrieden stellen. Aber das ist in Anbetracht der Tatsache, daß die Strukturen gegen Pixelgröße gehen, auch vollkommen in Ordnung. Einzelheiten gehen hier unter und verschwinden mit der Entfernung ganz, aber der Gesamteindruck hat noch eine gewisse Natürlichkeit und ist weder körnig noch verwaschen, zeigt keinerlei Artefakte wie Treppenstufen oder Muster.

Wir werden in diesem Bereich dann immer mal kontrollieren, ob Maßnahmen an anderer Stelle hier den natürlichen Eindruck auseinanderreißen. Von der Belichtung abgesehen, war das Bild doch wohl gar nicht so schlecht.

 

Damit wir uns wieder bewußt werden, wie tief wir in das Bild geschaut haben, hier nochmals die Übersicht:

 

 

Die Ziele sind definiert, jetzt fangen wir einfach mal an ..

Edited by matadoerle

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Suchen wir mal den Schärferegler .. und klicken zum wiederholten Male auf unsere Kontrasteinstellungen.

 

 

was? wieso?

 

o.k. ich muß doch noch mal ein bisschen predigen

man möge mir verzeihen - und ich halte mich so kurz wie möglich.

 

Schärfe=Kontrast

Sehr häufig wird im normalen Sprachgebrauch die Schärfe mit der Auflösung, dem Grad der Detaillierung oder dem Informationsgehalt eines Bildes gleichgesetzt; in dem Sinne "mehr megapixel desto scharf". Das ist ausgemachter Käse.

Schärfe eines Bildes stellt ein Maß für den Schärfe-Eindruck des Betrachters dar; und der Eindruck, also dessen Wahrnehmung, wird überwiegend durch den Kontrast (an Schatten-Kanten, Objekt-Grenzen, etc.) bestimmt. Man kann zeigen, daß ein sehr detailliertes Bild mit geringfügig gerigerem Gesamtkontrast für den betrachter Unschärfer wirkt, obwohl es zum Beispiel die doppelte Anzahl Details zeigt wie das gleiche Motiv, mit geringerer Auflösung aber größerem Kontrast aufgenommen.

 

Auch wenn ich das Spiel mit der Unschärfe liebe - scharf ist immer besser (wie bei einem Messer, das ist dann ungefährlicher). Es ist für den Betrachter (bei einem Messer für den Schneider

) nämlich weniger anstrengend. Das führt aber jetzt auch unweigerlich zu der großen Gefahr, das Motiv zu zerreißen, also ein Bild zu überschärfen. Kommt auf den ersten Eindruck oft ganz toll, wirkt für den Bearbeiter am Monitor - gerade beim Pixelpeeping - immer besser, und kann dennoch die Bildwirkung (zer-)stören.

 

In meinen Augen sind die meisten Bilder - naja, sehr viele - überschärft.

 

Aber jeder darf seine Bilder so präsentieren wir sie ihm gefallen, ich möchte mir da kein Urteil anmaßen; ich gebe nur den Tipp, immer wieder nach jeder Aktion des Bearbeiters auch das Gesamtbild aus einer entspannten Distanz zu betrachten. Damit man nicht in eine Schärfefalle rennt, die aus einem Bild der verbundenen Wirklichkeit eine Aneinanderreihung von Details macht.

 

Schwarzanteil

 

Ich greife mir einmal ein Detail in 200%-Ansicht und erhöhe jetzt den Schwarzanteil, um die Auswirkung auf den Schärfeeindruck in einem Detail (Teilbild) Fenster zu demonstrieren.

 

Vorweg: für dieses Thema hätte ich grundsätzlich ein anderes Motiv auswählen können, wo man die Unterschiede drastischer und schneller demonstrieren kann; zumal wir unser Bild schon in diesem wichtigen Bereich Kontrast (Schärfeeindruck) angehoben haben. Ich habe mich aus Gründen der Konsistenz dennoch dazu entschieden, bei diesem Bild zu bleiben .. denn jede Verbesserung eines Teilaspektes führt hierbei auch unweigerlich zu einer Verschlechterung in einem benachbarten Teilaspekt. Ich sagte ja schon einmal, das ist ein schwieriges Bild.

 

 

Soll ich noch etwas zugeben? Von mir aus .. Schwarzanteil 19:

 

 

Um plastischer zu zeigen, was passiert, montiere ich mal das Fenster in diesen drei Abstufungen in 100% Ansicht (ruhig mal vom Monitor wegbewegen, um auch einen anderen Eindruck bekommen):

 

 

Ich hoffe, daß man hier erkennen kann, daß eine Steigerung des Kontrastes innerhalb des Motivs eine Verbesserung der Schärfe-Wirkung bringt; daß dieser Eindruck allerdings immer nur für den Bereich gilt, wo tatsächlich der Kontrast signifikant erhöht wurde. Selbst in diesem doch sehr kleinen Ausschnitt ist also ein höherer Schwarzanteil NICHT nur positiv zu sehen.

 

Wenn wir uns das Gesamtbild wieder anschauen und an anderen Stellen in die Detail-Ansicht wechseln, kommen wir sicher zu individuell unterschiedlichen Ergebnissen; aber irgendwann ist für jeden der Schwarzanteil zu hoch geworden. Ich entscheide mich bei diesem Bild für Schwarzanteil 7:

 

 

Damit ergibt sich:

 

 

Jetzt muß ich wahrscheinlich die Frage beantworten, warum das alles hier zum Thema Schärfe?

 

Naja, die Antwort ist recht einfach. Die Schärfe-Algorithmen arbeiten so ähnlich, und es ist ganz gut, wenn man das weiß. Um die Schärfe-Wirkung eines Bildes zu erhöhen, werden selektiv Kanten und Verläufe mit höherem Kontrast "gefahren".

Im gegensatz zu unserer manuellen Optimierung, die ja dann aber auch immer die Verhältnisse im ganzen Bild - und zwar nicht zu Gunsten der Schärfe - beeinflussen, kann so ein Schärfe-Regler seine Optimierung auf die Kante beschränken. Jedenfalls mehr oder weniger gut.

 

Das bedeutet, daß eben NICHT das ganze Bild dunkler oder heller wird, daß NICHT das Mauerwerk neben dem sonnendurchfluteten Fenster leidet u.u. Schärfe-Algorithmen verändern NICHT den Kontrast des Bildes, sondern nur den Kontrast innerhalb und zwischen einzelnen Bildelementen. Das können wir mit unseren bisher betrachteten Reglern also nicht leisten.

 

Und das schauen wir uns dann auch mal an.

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Endlich Schärfe .. aber wo findet man das?

 

 

Hier ist bei Silkypix das Werkzeug für Schärfe und Rauschreduzierung kombiniert, für den schnellen Gebrauch gibt es sinnvolle Voreinstellungen. Der Standard steht auf "Natürliche Schärfung" und ist in meinen Augen besser als sein Ruf. Mal etwas platt formuliert: wenn man ein Bild mit allen anderen Mitteln wirklich ausgewogen optimiert hat, dann bekommt man hier sehr harmonische und angenehme Ergebnisse - und zwar bis Ausdruck/Belichtungsauftrag in der Ausgabegröße DIN A3 oder 45x30cm.

 

Wie wir jedoch oben gesehen haben, und bald auch noch diskutieren werden, sind unter Umständen diese garantiert NICHT überschärften Bilder auch nicht knackig genug. Ich stelle mal die Stufen der möglichen Auswahl anhand unserer Eingang Detail-Ansicht Zoom dar:

 

 

 

 

 

 

 

 

Keine Schärfung

Außer Frage, das sieht unscharf aus

diese Einstellung kann trotzdem Sinn machen (sehr viel sogar), wenn man später mit externen Schärfealgorithmen auf das Bild einwirken will - nicht ist gefährlicher, als ein bereits geschärftes Bild nachzuschärfen. Da kann man kaum einen überschärften Eindruck vermeiden.

 

Priorität Rauschreduzierung

Ebenfalls außer Frage: noch weniger scharf - aber für ISO größer 800, und damit bei microFourThirds Bildern generell rauschbehaftet, macht eine solche Einstellung durchaus Sinn. Da kann man dann später beim Entwickeln lieber die Unschärfe Maske (wir erinnern uns?) hochdrehen - das ist besser als hier zu schärfen (und damit das Rauschen zu erhöhen!) und das dann später wieder mit anderen Tools herauszurechnen.

 

Leichte Schärfung

Sieht hier natürlich aufgrund des Maßstabs und im Vergleich zu anderen "Schärfe-Boliden" nicht beeindruckend aus. Meine Empfehlung bleibt es trotzdem für manche Motive, weil damit ein sehr harmonischer Gesamteindruck erzielt werden kann. Sicher auch eine Geschmacksfrage.

 

Natürliche Schärfung

Damit haben wir bisher immer gearbeitet, und das tue ich persönlich auch im normalen Leben. Schärfen ist für mich einer der allerletzten Schritte in der Bildbearbeitung bzw. bei der RAW-Konvertierung vor der Generierung von JPEG/TIFF oder anderen. Und das ist auch Konsens der Empfehlungen.

 

Dezent feine Schärfe

Diese Voreinstellung könnte für meine Begriffe bei diesem Motiv die richtige sein; und diese Empfehlung (oder mein Geschmack) ginge dabei auch über DIN A3 hinaus in größere Belichtungen. Das sehen aber viele Leute anders, und deren Meinung ist sicherlich auch begründet.

 

Betonte Schärfung

Wenn man Wert auf knackige Schärfe legt, aber keine Überschärfung mag, dann liegt das in meinen Augen hier hart an der Grenze. Wenn ein sauberes Motiv (so schlecht ist unser Bild gar nicht) mit betonter Schärfung ausbelichtet wird, kommt da schon was knackiges raus.

 

Extreme Schärfung

Liegt für meinen Geschmack fast immer über der Grenze für guten Geschmack, aber wer will darüber schon streiten. Das sollte jeder halten, wie er das gerne mag. Beindruckend scharf bis DIN A2 können damit gute Motive aber werden.

 

Allgemein zur Schärfe

Ich habe auch schon versucht, ein unscharf aufgenommenes Motiv mittels der Schärferegler knackiger zu bekommen. Aber das kann man vergessen - entweder geht man mit der Auflösung herunter (bei der Wandlung zu JPEG) und holt dabei mit der Unschärfe Maske noch etwas heraus, oder man vergißt es ganz einfach und macht das Bild neu.

 

Die Schärfe-Regler von Silkypix erlauben keine Verbesserung des Bildinhaltes, sondern betonen jeweils andere Eigenschaften des Motivs. Bei der Entwicklung des resultierenden Bildes kann man dann nochmals bezüglich der Schärfe, also dem unmittelbar sichtbaren Kontrast zwischen Bildelementen, nachlegen; aber hier sind keine fotografischen fehler zu korrigieren.

 

Man sollte lieber scharfe Bilder machen, statt sich mit Nachschärfen zu befassen

Edited by matadoerle

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Jetzt haben wir einen ganzen Beitrag über Schärfe referiert (und hoffentlich eine persönlich befriedigende Einstellung dazu gefunden), dann müssen wir auch mal über Unschärfe reden.

 

Unschärfe ist ein Werkzeug, um Schärfe zu machen

Wie bitte? Tja, eines der ältesten Werkzeuge, bekannt aus der analogen Fotografie, ist der Trick über eine Belichtung eine vorher extra unscharf belichtete "Maske" des gleichen Bildes zu legen (mal so ganz grob gesprochen) - denn dadruch werden die Kanten besser herausgearbeitet, betont und es entsteht der für uns so wichtige Eindruck von Schärfe im fertigen Bild.

 

Und da geraten wir bei der Präsentation im Internet häufig auf Extreme; die einen stellen Bilder ein, die gnadenlos überschärft sind, andere haben ihr Bild auf Forengröße verkleinert und das matscht dann so richtig auf dem Bildschirm. Wir bekommen entweder Treppenstufen statt sauberer, schräger Kanten zu sehen oder die Kante gleicht eher einer sanften Rundung. Alles schon passiert und auch gar nicht einfach zu vermeiden.

 

Recht früh hatte ich mal diesen Beitrag als Empfehlung eingestellt. und über das Thema sollten wir uns noch einmal Gedanken machen. Ich nehme meinen persönlichen Favoriten, die Dezent feine Schärfung meines Demo-Bildes mal als Vorlage. Ich habe die, wie dort beschrieben, mit den Werten

 

  • Stärke (%) 11
  • Radius (Pixel) 0.7
  • Schwellenwert 5

aus Silkypix entwickelt; die JPEG-Qualität konnte ich auf 96% hochdrehen, und blieb bei 800x600 Pixeln noch unter 250 kByte Dateigröße.

 

 

Diese Entwicklung zeigt eigentlich ein harmonisches Bild (in meinen Augen), aber wir sehen durchaus einige Schwächen: sowohl die Ziel-Auflösung als auch die Dateigröße machen uns bei diesem Motiv zu schaffen. Es sind für eine eingehende Betrachtung nämlich zu viele Details im Bild, die kriegen wir nicht verlustlos in das bewußt klein gehaltene Format.

 

Deshalb entscheide ich mich für eine Ausschnitt, mit dem wir dann mal ein wenig probieren können. Wir können unser Bild beschneiden, indem wir mit Menü Aktion(M) - Beschnitt auswählen, oder [strg+T] drücken.

 

 

Ich wähle einen Bereich aus der Mitte des Bildschirms mit ca. einem sechstel der Bildfläche - und jetzt nur für unseren Test (nicht etwa, weil der fotografisch interessant wäre).

 

 

Etwas ungewohnt und auch blöd ist jetzt die Aktivierung dieses Beschnitts, man muß entweder das beigestellte Fenster "Einstellungen für Beschnitt" schließen oder im Hauptfenster unter der Symbolleite die Schere suchen und dort drauf klicken. Damit wird der Beschnitt aktiviert, aber nur noch der kleine Bereich bleibt auf dem Bildschirm. Zweimal in die Mitte doppelt geklickt, und wir haben unsere gewünschte Ansicht.

 

ich entwickle diesen Teilbereich unseres Bildes jetzt einmal mit unterschiedlichen Einstellungen der Unschärfe Maske, um zu sehen was passiert ..

 

 

 

 

 

Man kann jeweils im Vorschaubild, das habe ich hier einmal auf 200% und die rechte untere Ecke (Eingang) unseres Ausschnitts eingestellt, schon erkennen, in welche Richtung sich unterschiedliche Parameter bewegen.

 

ich empfehle, das Vorschaubild auf 100% zu stellen, weil man dann quasi "in Originalgröße" den Effekten aufspüren kann. Das ist hier in diesem Tutorial wegen der eingeschränkten und komprimierten (JPEG) Ansichten nur weniger hilfreich.

 

Damit man sieht, was rauskommt, dieser Ausschnitt mit der USM99:

 

 

Bei mir auf dem Bildschirm dürfte das jetzt in etwa einem Ausdruck des Gesamtbildes in Größe DIN A3 entsprechen. Wir haben uns ja auf diesen Ausschnitt nur beschränkt, weil wir hier nicht mehr Qualität in Einzelbilder stecken können.

 

Diese Qualität und Schärfe kann man also mit geeigneter Verwendung von Parametern sicherlich erreichen (und auch noch übertreffen).

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Zur geschätzten eigenen Beurteilung reiche ich dann auch noch einmal die Entwicklungen der anderen Einstellungen der Unschärfemaske hier nach, in der richtigen, aufsteigenden Reihenfolge.

 

Unschärfe Maske

 

Vorab aber noch ein paar Worte zu den Parametern, die man auch in Wikipedia nachlesen kann.

 

Stärke

Die Stärke gibt das Maß für den Einfluß unserer virtuellen Unschärfemaske an, je größer der Wert desto größer der Effekt.

 

Radius

Der Radius bezeichnet die Weiträumigkeit der virtuellen Maske, je größer wir diesen Bereich machen, desto eher werden Schärfungsartefakte (sichtbare Überschärfungen) bemerkt.

Ein Radius kleiner 1 ist eher unbedenklich und dezent, größere Werte empfehlen sich nur dann, wenn wir es mit generell unscharfen Motiven (also einem Fotografenfehler) zu tun haben.

Gut das man das in der Vorschau schon ausprobieren kann.

 

Schwellwert

Der Schwellwert ist ein Maß für die Untergrenze des Kontrastes zwischen zwei Pixeln, ab dem die Schärfung wirksam wird.

Größere Schwellwerte "lassen weiche Verläufe in Ruhe" - da wird nicht nachgeschärft. Sehr kleine Schwellwerte versuchen quasi auch kleinste Nuancen dann noch zur Kante umzuformen und zu betonen.

Lieber von oben nach unten rantasten, lautet da meine Empfehlung.

 

Demo-Bild, Ausschnitt, USM 0:

 

Demo-Bild, Ausschnitt, USM 11:

 

Demo-Bild, Ausschnitt, USM 37:

 

Demo-Bild, Ausschnitt, USM 99:

 

Ich betrachte hiermit diesen ersten Part der Einführung - oder zu neudeutsch Tutorial - als abgeschlossen. Die wichtigsten Werkzeuge haben wir jetzt einmal gesehen und auch angewendet. Jedenfalls diejenigen, die ein frischgebackener Besitzer einer Lumix G beispielsweise so bei seinen ersten Gehversuchen gebrauchen sollte.

 

Ich wünsche immer viel Spaß und Erfolg

Gruß Thorsten

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Hallo Thorsten!

Zur geschätzten eigenen Beurteilung reiche ich dann auch noch einmal die Entwicklungen der anderen Einstellungen der Unschärfemaske hier nach, in der richtigen, aufsteigenden Reihenfolge.

 

Unschärfe Maske

Ich will dich nicht korrigieren, sondern nur ergänzen:

Die "unscharfe Maske" war schon zu Analogzeiten eine haarige Sache und eigentlich nur sinnvoll brauchbar, wenn man das Aufnahmeobjektiv verkehrt herum an das Vergrößerungsgerät angebracht hat, damit sich wirklich die Linsenfehler ausserhalb der Schärfeebene wegbelichten lassen.

Die übliche Nachschärfung bei Digitalaufnahmen dient aber zur Kompensation diverser "Unschärfefehler"

1) Der Fehler (Interpolation) durch das Demosaicing.

2) Die Vermatschung durch den AA-Filter.

3) Die mangelhafte Schärfeleistung des Objektives

Die sogenannte "unscharfe Maske" behebt diese Bildfehler nur sehr mangelhaft und führt bei Überbeanspruchung gerne zu den bekannten Kantenartefakten.

Viel eleganter und vor allem wirkungsvoller ist die Dekonvolution (Dekonvolution) weil man diese quasi punktgenau berechnen kann, wenn man (auf jeden Fall der Kamerahersteller) die Konvolutionswirkung durch den AA-Filter und durch die Farbinterpolation genau kennt. Bleibt nur als einzige Unbekannte die Schärfe des Objektives bei der Aufnahme (die ja auch durch den Photographen bestimmt wird :-)

In C1 zB. gibt es Voreinstellungen, zumindest für (1) und (2) wobei letzteres natürlich für Kameras ohne AA-Filter entfallen kann. Da sieht man dann auch das Lawinengitter deutlicher, wenn man nicht bei (3) geschluddert oder gar gespart hat :-)

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Hallo Harald,

wenn du trotzdem noch einmal drüber schauen könntest, ob ich den Text zur Unschärfemaske nochmals überarbeiten müßte.

 

Vielen Dank für deinen Hinweis zur Dekonvolution; wir hatten uns schon einmal darüber ausgetauscht, das ist aber in meiner zeitlichen Belastung dann untergegangen. Sowei ich weiß, verfügt ISL (Silkypix) nicht über eine solche Funktion - obwohl ich überhaupt nicht sagen lkann, mit welchen Algorithmen die "interne" Schärfung in Silkypix stattfindet.

 

Ich habe hier natürlich nur darstellen wollen, was man als Anwender zu wissen und zu beachten hat. Aber interessant ist dein Hinweis allemal - ich würde beispielsweise gerne mal alternativ zu der Silkypix-Schärfung andere Algorithmen gegenüber stellen. o bekommt man eine Software zur Dekonvolution, wenn man kein C1 hat?

 

Danke dir nochmals für deine Hilfe

Gruß Thorsten

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Hallo Harald,

wenn du trotzdem noch einmal drüber schauen könntest, ob ich den Text zur Unschärfemaske nochmals überarbeiten müßte.

 

Vielen Dank für deinen Hinweis zur Dekonvolution; wir hatten uns schon einmal darüber ausgetauscht, das ist aber in meiner zeitlichen Belastung dann untergegangen. Sowei ich weiß, verfügt ISL (Silkypix) nicht über eine solche Funktion - obwohl ich überhaupt nicht sagen lkann, mit welchen Algorithmen die "interne" Schärfung in Silkypix stattfindet.

 

Ich habe hier natürlich nur darstellen wollen, was man als Anwender zu wissen und zu beachten hat. Aber interessant ist dein Hinweis allemal - ich würde beispielsweise gerne mal alternativ zu der Silkypix-Schärfung andere Algorithmen gegenüber stellen. o bekommt man eine Software zur Dekonvolution, wenn man kein C1 hat?

 

Danke dir nochmals für deine Hilfe

Gruß Thorsten

 

 

Hallo Thorsten,

 

auf dieser Webseite Schrfen von Astro ist das Prinzip der Dekonvolution und der Unscharf Maskierung sehr gut beschrieben und trotz mathematischer Ausdrücke auch für den mathematisch Unbedarften verständlich, weil Beispiele für die einzelnen Stufen mitgeliefert sind.

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Hallo Thorsten!

Hallo Harald,

wenn du trotzdem noch einmal drüber schauen könntest, ob ich den Text zur Unschärfemaske nochmals überarbeiten müßte.

Laß es mich so sagen: für jemanden (also praktisch die meisten Forenmitglieder) der schon mit einem Bildbearbeitungsprogramm zu tun gehabt hat, ist deine Erklärung absolut schlüssig und für die Praxis korrekt.

Die "unscharfe Maske", wie sie in den meisten Bildbearbeitungsprogrammen angeboten wird, versucht das alte Analogverfahren nachzustellen. Also einfach die hohen Ortsfrequenzen im Bild abzuschwächen, meist mit einem Gauß-Filter (Blur). Dieses (unscharfe) Bild wird dann von der Vorlage abgezogen (subtrahiert), wieviel (proportional) abgezogen wird, regelt der Wert Stärke (die Höhe der Glockenkurve).

Wie stark das Gauß-Filter unscharf macht regelt der Radius (eigentlich das Sigma, also die relative Breite der Glockenkurve).

Der Schwellwert schließlich ist noch so eine Art Offset auf die Stärke.

Genau genommen müßte eigentlich das Sigma (also der Radius) alleine genügen, aber der Wertebereich ist im Falle einer digitalen Vorlage nicht kontinuierlich, weil eben zwischen den Pixeln noch Zwischenräume sind, die zum Bild nichts beitragen. Daher muß man sich da mit Stärke und Schwellwert irgendwie herantasten.

Ausserdem erwartet jeder Anwender schließlich diese drei Parameter...

In dem von Jo(achim) verlinkten Beitrag ist das alles sehr gut erklärt und anschaulich gemacht, besser als ich es je könnte.

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