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Eine Frage fuer einen Spezialisten fuer alte Zeiss Jena Objektive


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Ich habe mir vor ein paar Tagen ein Zeiss Jena Biotar 50mm 1.4 zugelegt, das von einem Fachmann so umgebaut wurde, dass es jetzt auf meine Sony A7c passt. Ich bin noch gar nicht dazu gekommen, es richtig auszuprobieren, sondern bestaune immer noch seine Schoenheit. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Entfernungsskala in feet ausgelegt ist. Dies ist ein ziemlich seltenes Objektiv, deshalb sind auch online die Resourcen dazu begrenzt. Alle Fotos dieses Objektivs, die ich bislang gefunden habe, zeigen eine Skala in Metern. Weiss jemand etwas dazu? Warum wurde ein Objektiv, dessen Export sich doch wohl auf den damaligen Ostblock begrenzte, mit einer feet Skala ausgestattet? Wie haeufig ist das? Im Voraus vielen Dank!

Dietrich Speer

 

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Am 30.11.2022 um 05:34 schrieb dietrichspeer:

Wie haeufig ist das?

Ich besaß um 1980 herum das MTO 1000A von Mashpriborintorg Sojus Coop. Ein russisches Spiegelobjektiv und Vorfahre der bekannten Russentonne. Damals bei einer Wiener Fotokette mit guten Geschäftskontakten in die Sowjetunion zu haben für umgerechnet 290 Euro. Die Qualität war wie sie eben ist bei russischen Objektiven und daher bot ich es bald einem Gebrauchthändler an. Dieser wiegte sein Haupt und wies mich auf die Entfernungsskala in Metern hin. Das wäre die Version für den russischen Inlandsmarkt und für den Export in die Warschauer Pakt Staaten. Die Version für den Export in den Westen habe neben der weißen Meterskala noch eine grüne in Feet. Das sei die "bessere Version", die würde aber auch neu für ungerechnet 435 Euro gehandelt.

Ich denke zwar, dass viele der Legenden von angeblich besseren Objektiven für privilegierte Märkte reine Märchen sind, eine zusätzliche Entfernungsskala ist aber etwas handfestes, etwas was man sehen kann. Das war damals wohl jenseits des Eisernen Vorhanges nicht unüblich. Auch kann man auf diversen Antiquariatsseiten durchaus unterschiedliche Gravuren auf baugleichen Objektiven sehen. Bei russischen Objektiven natürlich in wahlweise lateinischen und kyrillischen Schriften. Teilweise auch in unterschiedlichen Markennamen, da in der Sowjetunion die meisten Hersteller aus dem zentral gelenkten militärisch-industriellen Komplex stammten und da auch manchmal Produktionsaufträge hin- und her geschoben wurden. Manchmal wurden auch Exportmodelle unter dem Namen "Zenit" angeboten, weil den tatsächlichen Hersteller - siehe oben - im Westen niemand richtig aussprechen konnte. Man kennt das auch aus der DDR, wo das gleiche Objektiv mal Pentacon, mal Prakticar heißen konnte.

Ist jetzt alles keine direkte Antwort auf deine Frage nach dem Biotar, besagt aber, dass es sehr wohl unterschiedliche Beschriftungsvarianten bei Fotoprodukten aus volkseigener Produktion gab. Was vielleicht auch ein Erklärungsansatz sein könnte, wäre dass große amerikanische Fotoketten damals gerne Großbestellungen aufgaben und diese mit eigenen Namen versehen ließen, ähnlich wie im deutschsprachigen Raum die Foto Quelle. Vielleicht hat da ein Importeur eine Charge nur mit Feet-Skala geordert. Man müsste sich einmal auf dem amerikanischen Gebrauchtmarkt umsehen, ob dort verstärkt solche Varianten auftreten.

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