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In meinem ersten Beitrag zur Sony RX10 III habe ich die Bridgekamera im Standardzoom-Bereich von 24-70 mm mit der Sony A7 II und dem FE 24-70mm F4 ZA OSS verglichen. In diesem zweiten Teil geht es um das andere Ende des Brennweitenbereichs von 70-600 mm und die Möglichkeiten im Makrobereich.

Die Kandidaten

Vorwort

Wenn ich in Bezug auf die Sony RX10 III ein Brennweitenangabe mache, denn meine ich damit die Brennweite äquivalent zum Kleinbildsensor.

Die RX10 III habe ich im ersten Teil „Erster Kontakt: Sony RX10 III“ detaillierter vorgestellt. In diesem Teil spielt hier nun die Makromöglichkeit und im Besonderen der Brennweitenbereich von 70-600mm eine Rolle, der zum einen in dieser Kamera- und Sensorklasse mit 600mm eher selten ist und mit F4 am langen Ende ein Alleinstellungsmerkmal hat. Diesen Brennweitenbereich vollständig mit einer spiegellosen Systemkamera mit Kleinbildsensor zu vergleichen ist mir leider nicht möglich, denn die längste, mir zur Verfügung stehende Brennweite ist 300mm, so dass ich die RX10 III nur mit folgenden Systemen vergleichen konnte:

  • Kameras: A7RII und A7II
  • Objektive: FE 70-200 G F4 OSS und SAL 70-300 G F4-5.6 SSM mit LA-EA3 adaptiert

Bevor ich aber zum Vergleich der Systeme bei langen Brennweiten über 70mm komme, möchte ich gerne noch ein paar Bilder zeigen, die mit der RX10 III entstanden sind, zu denen es keine Vergleichsbilder aus den obigen Systemen gibt und die auch einen Einblick in die Makro-Möglichkeiten der RX10 III geben.

Nachfolgend einige 100% Ansichten einzelner Bilder. Anzumerken ist, dass alle Bilder ohne Stativ oder Auflage aus der Hand gemachten wurden, die von den Schmetterlingen bei 600 mm Brennweite. Die Detailansichten der Schmetterlinge zeigen eine leichte Unschärfe, die mit etwas kürzerer Belichtungszeit, besserer Haltetechnik und genauerer Fokussierung hätten vermieden werden können, aber dann wäre der Schmetterling wahrscheinlich schon wieder weitergeflogen. Die Detailansichten der Schwäne hingegen überzeugen, insbesondere das Erste von beiden Bildern, denn das zweite zeigt ebenfalls eine leichte Bewegungsunschärfe. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass es sich bei den Schwanbildern um ein Selektion aus einer Reihe von Bildern handelt, denn die beiden Schäne tänzelten auf den Wellen auf und ab und es waren einige Freihandaufnahmen notwendig um diese beiden Bilder zu machen.

Schmetterling 100%
Schwan 100%
Schwan 100%

Vergleich

Motive in der freien Natur, wie z.B. bei einer Wanderung, eignen sich am Besten, um Objektive und System mit längerer Brennweite zu vergleichen. So ist es auch mit den nachstehenden Aufnahmen, die entweder mit der A7RII und dem SAL 70-300 G F4 OSS auf einer meiner Touren durch Hannover oder während einer Wanderung entlang einiger Seen in der Nähe von Brühl bei Köln mit der A7II mit dem SAL70-300 G F4-5.6 SSM am LA-EA3 entstanden sind. Die Vergleichsbilder sind natürlich mit der RX10 III bei entsprechender Brennweite entstanden, wobei ich an der RX10 III hin und wieder die Blende variiert habe, um den Effekt der Unschärfe vergleichen zu können. In der nachfolgenden Galerieübersicht ist links das Bild aus A7II / A7RII mit FE 70-200 G F4 SSM OSS / SAL 70-300 G F4-5.6 SSM und rechts das Bild aus der RX10 III.

Nachstehende einige weitere Gegenüberstellungen um die Unterschiede oder Gemeinsamkeiten von Bildern aus den verschiedenen Kamerasystemen zu zeigen.
Im nachfolgenden, ersten Beispiel stelle ich ein Huflattichbild aus der A7II bei 300 mm neben ein Bild aus der RX10 III bei 500mm und wähle dann aus dem A7-Bild einen Ausschnitt, der dem Ausschnitt des Bildes aus der RX10 III entspricht. Ein Meinung zum Bokeh kannst Du Dir nun selber bildern.

Mit den nachfolgenden Bilder des jungen Triebs möchte ich zeigen, wie ähnlich man die Bildwirkung, die Unschärfen und das Bokeh von Bildern aus der Vollformat-Spiegellosen und der RX10 III aussehen lassen kann. Links die Aufnahmen sind wieder mit der A7II und dem SAL 70-300 G F4-5.6 SSM bei 300mm gemacht. Recht die Bilder aus der RX10 III, einmal mit 500mm und einmal mit 600mm, in beiden Fällen mit Anpassung der Entfernung zum Objekt, damit sich die Bildausschnitte angleichen. Abgesehen von der leicht unterschiedlichen Farbtemperatur und Farbgebung, die viele Ursachen haben und leicht angepasst werden kann, sehe ich bei dieser Art Aufnahmen – wie übrigens auch beim Huflattich oben – keinen Grund mehr die RX10 III nicht zu verwenden.

Allerdings muss man die Art und Weise ändern, wie man solche Motive fotografiert. Entschiedend hierbei ist der kleinere Sensor der RX10 III, welcher einen Crop-Faktor von 2,7 hat und so eine größere Ausdehnung der Schärfentiefe verursacht. Für ein schöneres Bokeh und eine geringere Schärfentiefe wählt man dann besser die längere Brennweite von 500 oder 600mm und vergrößert den Abstand zum Motiv, wie die nachstehenden Vergleiche zeigen. Selbst eine größere Blendenöffnung von F4 gegenüber F5,6 kann diesen Effekt bei gleicher Brennweite nicht kompensieren.

A7II + SAL70-300 @ 300mm F5.6 vs. RX10 III @ 500 mm F4.0
A7II + SAL70-300 @ 300mm F5.6 vs. RX10 III @ 300 mm F4.0
A7II + SAL70-300 @ 300mm F5.6 vs. RX10 III @ 300 mm F4.0 – 100 %

Fazit

In den engen Grenzen, in denen ein Vergleich der Systeme möglich ist, lässt sich doch Folgendes sagen:

  • In Sachen Vielseitigkeit ist die RX10 III fast unschlagbar, denn sie kann vom Makro mit einem maximalen Abbildungsmaßstab von 1:2 bis zur Detailaufnahme bei 600 mm so gut wie alles.
  • Fotografieren mit der RX10 III erfordert ein anderes Herangehen an Motive, als dass z.B. Kameras mit Kleinbildsensor oder APS-C-Sensor erfordern. Trotz des lichtstarken Objektivs mit der großen Blendenöffnung auch bei längeren Brennweiten, wirkt sich der Crop-Faktor von 2,7 wie erwartet auf die Ausdehnung der Schärfentiefe und das Bokeh aus. Wie beschrieben lässt sich das jedoch mit Vergrößerung des Abstands zum Objekt und der Brennweite kompensieren.
  • Die Bildstabilisierung funktioniert hervorragend und erlaubt auch bei 600mm Brennweite verwacklungsfreie Aufnahmen von statischen Objekten bei Belichtungszeiten, die deutlich über dem Kehrwert der Brennweite liegen.
  • Es ist zwar kein 1:1 Makro, aber die Makromöglichkeiten sind ordentlich. Bei 24mm erlaubt das Objektiv eine Annäherung auf bis zu 3 cm an das Motiv. Bei 600mm ist der Abbildungsmaßstab an der Naheinstellgrenze bei 1:2, d.h. ein Objekt mit einer Größe von 1 cm nimmt auf dem Sensor 5 mm Platz ein. Bei nicht-flüchtenden Objekten ist die Verwendung von DMF (Direct Manual Focus) ratsam, denn auch die Wahl des kleinsten AF-Feldes S erlaubt nicht zwangsläufig ein korrektes Fokussieren und erfordert eine manuelle Korrektur.

Für mich hat die RX10 III die A6000 und natürlich auch die A7II oder die A7RII als Kamera für Wanderungen, Spaziergänge und die Reise erfolgreich ersetzt oder verdrängt. Die Bildqualität ist ausgezeichnet und aus den RAW-Dateien lässt sich an Dynamik, Farben und Schärfe noch einiges herausholen. Ich freue mich auf den ersten Urlaub mit der Kamera, aber bis dahin gibt es noch Einiges auszuprobieren, z.B. wie sich die Kamera bei Portraitaufnahmen schlägt (nicht wirklich wichtig für den Urlaub). Ich werde berichten, also bleibt auf Empfang.

About The Author

Jörg Haag ist Unternehmensberater und freiberuflicher Fotograf. 1967 in der Eifel geboren entdeckte er mit 22 Jahren die Fotografie und nutzte bis vor ca. 10 Jahren analoge Kameras von Minolta. Über digitale Kompaktkameras stieg er 2007 mit einer alpha 700 in die Welt der digitalen Spiegelreflexkameras ein. Heute nutzt Jörg neben spiegellosen Systemkameras mit Kleinbildsensor auch wieder analoge Kameras im Kleinbild- und Mittelformat sowie Sony Cybershot-Kameras mit 1"-Sensor für seine fotografischen Arbeiten, wobei er den elektronischen Sucher der Sony-Kameras besonders schätzt.

11 Comments

  1. Danke für den interessanten Bericht. Die Ergebnisse spiegeln auch in etwa die Erahrungen wider, die ich bei Verwendung meiner mFT-Kamera im Vergleich zur Vollformat-Spiegelreflex gemacht habe. Was mich interessieren würde: wie machen sich die sicher deutlich längeren Einschaltzeiten der Kamera mit Motorzoom bemerkbar im Vergleich zur Systemkamera, die ja praktisch sofort aufnahmebereit ist (bei der Olympus OM-D reicht eine Sekunde nach dem Antippen des Auslösers bei StandBy-Betrieb, die Spiegelreflex hat gar keine wahrnehmbare Einschaltzeit), und dann die Bedienung der Brennweitenverstellung an sich? Ich mag eigentlich keine Motorzooms wegen der Trägheit.
    Gruß
    Achim

    • Hallo Achim,
      Die Einschaltzeit ist aus meiner Sicht kurz: 2 Sekunden aus dem ausgeschalteten Zustand und aus dem Standby < 1 Sekunde, quasi sofort. Das Zoomen geht ebenfalls zügig: von 24 bis 600mm in ca. 2,5 Sekunden. Klar sind Motorzooms träger, aber ist man mit einem 600mm Objektiv an Kleinbild bzw. 400mm an APS-C wirklich so viel schneller von 24 auf 600mm? 😉
      Was ich sagen will: Alles im Leben ist irgendwie mit Kompromissen behaftet. Jedoch sind die Anzahl Kompromisse bei der RX10 III überschaubar bis gering – alles meine persönliche Meinung.
      Gruß,
      Jörg

  2. Hallo,
    Ich frage mich aktuell, ob ich für meinen geplanten Amerikaurlaub auf die Sony ILCE6300 zugunsten der Sony RX10 III verzichten kann. Da würde ich mir die Schlepperei mit den Wechselobjektiven sparen können.
    Ich möchte jedoch keine Zugeständnisse bei der Bildqualität machen.
    Gruß
    Andreas Hasse

    • Hallo Andreas,
      ich habe mich für die anstehende Reise bereits entschieden und werde nur die RX10 III und die RX100 IV mitnehmen. Dazu ein paar Filter und ein kleines Stativ.
      Gruß,
      Jörg

  3. Das ist kein Löwenzahn, sondern Huflattich 😉

  4. Hi

    toller Bericht. Ich würde mich über noch mehr Fotos (auch mit Makro & LowLight) von der Kamera und auf einpaar Video aufnahmen freuen. Ich denke auch das die RX10 MK3 die Allrounder Kamera ist für den Normalen User der einfach nichts schleppen will aber dennoch egal bei was ein tolles Ergebnis will.

  5. hallo!
    die ausführungen beim test der neuen RX10 III sind sehr aussagkräftig und machen lust auf diese kamera, zumal in meinem fall mit 74 jahren, das mitschleppen von wechsekobjektiven entfällt! was mich im makrobereich noch interessieren würde, ist der einsatz von achromaten an dieser kamera.

    mit freundlichem gruß,
    jürgen assmann.

  6. Wir wollten heute mit der rx10 IV ein DIA digital umwandeln, doch trotz guter Belichtung war es nicht möglich, das DIA scharf zu stellen. Formatfüllend nicht möglich. Woran liegt das?

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