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Mit dem Zeiss Sonnar T* FE 1,8/55 ZA hat Sony einen neuen Standard für Normalobjektive gesetzt und die Konkurrenz in vielen Aspekten abgehängt.
In diesem Test und Erfahrungsbericht erfahrt ihr, wie sich das Objektiv in der Praxis an der Sony Alpha 7 geschlagen hat und wo seine Stärken und Schwächen liegen.

Hinweis:  Die mit * gekennzeichneten Links sind Affiliatelinks.

Beispielbilder mit Zeiss Sonnar 55mm

Sony a7 | FE 1.8/55 | f/1.8
Sony A7 | FE 1.8/55 | f/1.8
Sony a7 | FE 1.8/55 | f/1.8
Sony A7 | FE 1.8/55 | f/1.8
Sony a7 | FE 1.8/55 | f/1.8
Sony A7 | FE 1.8/55 | f/1.8

Technische Daten

Durchmesser 64mm
Länge 70.5mm
Filterdurchmesser 49mm
Gewicht 281g / 324g mit Gegenlichtblende
Maximale Vergrößerung 0.14
Naheinstellgrenze 50cm
Anzahl Blendenlamellen 9
Elemente / Gruppen 7 / 5

Verarbeitungsqualität

Bidl Gegenlichtblende FE 1.8/55
Die Gegenlichtblende ist gut verarbeitet aber auch etwas sperrig

Das Sony FE 1.8/55* ist sehr hochwertig verarbeitet und hinterlässt einen soliden Eindruck.

Alle Beschriftungen sind eingraviert und mit Farbe gefüllt, der Fokusring läuft sehr präzise und ohne Spiel. Die äußere Hülle und das Bajonett sind aus Metall, im Inneren scheint aber auch Kunststoff verarbeitet zu sein.

Die solide wie schwere Gegenlichtblende anzubringen braucht etwas kraft, dann sitzt sie aber fest.

Sony wirbt zwar mit einer „gegen Staub- und Spritzwasser resistenten Konstruktion“, eine bei solchen Objektiven übliche Gummilippe ums Bajonett fehlt aber.

Autofokus

Mein Eindruck war, dass es zu den langsameren Objektiven der FE-Reihe gehört. Sowohl mein Sony FE 2/28* als auch das 4/16-35* waren im direkten Vergleich schneller.

Ich hatte das Objektiv nur an der Sony A7*, die nicht gerade für einen schnellen AF bekannt ist, an neueren Modellen – wie der A7rII – dürfte es deutlich schneller sein. An der A7 reichte mir die Geschwindigkeit in einigen Situationen nicht aus, gerade wenn nur ein kleiner Fokuspunkt verwendet wurde und es etwas dunkler war, habe ich dann lieber auf manuellen Fokus umgeschaltet. Bei gutem Licht am Tag war das Tempo gut.

Der Antrieb ist sehr leise und die Länge des Objektivs ändert sich nicht, da es innenfokussiert ist.

Manueller Fokus

Zuerst die gute Nachricht: Der Fokusring bewegt sich ohne Spiel, ist griffig und hat einen angemessenen Widerstand.

Die schlechte: Der Fokusantrieb des Zeiss 1.8/55 ist nicht mechanisch mit dem Fokusring verbunden, sondern seine Drehbewegung wird von einem Decoder erfasst und vom Fokusmotor umgesetzt. Dies führt zu einer geringen, aber doch spürbaren Verzögerung, die mir den Spaß am manuellen Fokussieren deutlich eingetrübt hat. Es ist aber natürlich möglich das Objektiv sehr präzise manuell zu fokussieren, es dauert nur etwas länger als mit anderen Objektiven.

Optische Eigenschaften

Gegenlichtverhalten

Die Zeiss T* Vergütungen stehen im Ruf, sehr effektiv zu sein und dies bestätigt sich auch in der Praxis, selbst in sehr herausfordernden Situationen verliert das Objektiv quasi keinen Kontrast.

Ich habe das FE55 zum Spaß auch einmal mit einem 45 Jahre alten Minolta 1.7/55 verglichen, wer sehen möchte wie das unten stehende Bild auch hätte aussehen können kann sich das ja einmal ansehen.

Sony a7 | f/1.8
Sony A7 | f/1.8

Geisterbilder ließen sich nur unter extremen Situationen beobachten, eine bessere Performance habe ich in diesem Aspekt noch bei keinem anderen Objektiv gesehen.

DSC06803
f/11 | ein kleiner Fleck

Chromatische Aberitationen

Laterale CA sind hervorragend korrigiert und in der Praxis eigentlich nicht sichtbar.

Aberationen außerhalb der Fokusebene sind hingegen eine der wenigen Schwächen dieses Objektivs.

DSC09280
Sony a7 | f/1.8 | 100% crop direkt darunter
ca
Deutliche Farbfehler außerhalb der Fokusebene

Verzeichnung

DSC06815
f/8 | volle Auflösung

Das FE 1.8/55 zeigt eine geringe tonnenförmige Verzeichnung, die in der Praxis absolut unkritisch ist.

 

Bokeh

Das FE 1.8/55 hat ein weicheres Bokeh als jedes andere klassische Normalobjektiv, welches ich benutzt habe. Spitzlichter werden mit einem sehr weichen Rand wiedergegeben.

FE 1.8/55 | f/1.8 | nahe Distanz
FE 1.8/55 | f/1.8 | nahe Distanz

Auf längeren Distanzen werden Unschärfekreise etwas stärker definiert, sind aber immer noch angenehm in der Darstellung.

DSC09267
f/1.8 | längere Distanz

Bei Blende 1.8 führt die mechanische Vignettierung zum sogenannten Katzenaugeneffekt, bei dem Unschärfkreise zum Rand hin „zusammengedrückt“ werden und die Form von Linsen annehmen. leichtes Abblenden reduziert den Effekt sehr deutlich.

Leider sind in manchen Situationen auch sogenannte Zwiebelringe zu sehen, die durch die bei der Objektivkonstruktion verwendeten Asphären verursacht werden. Man sieht das nicht besonders häufig, aber unter Umständen stört es.

DSC09645
Sony a7 | f/1.8 | 100% Crop im Bild darunter
loca
Zwiebelringe im 100% Crop

In der Summe überwiegt aber die weiche Wiedergabe und es bleibt ein ausgesprochen positiver Eindruck.

Vignettierung und Coma

Bei Blende 1.8 ist die Vignettierung deutlich zu sehen, Coma ist sehr gut korrigiert. Ab Blende 2.8 ist die Vignettierung kein Thema mehr.

Sony a7 | f/1.8
Sony a7 | f/1.8 | volle Auflösung

Schärfe

Auch in dieser Kategorie, weiß das Sony 1.8/55 zu beeindrucken.

f/1.8: Sehr gut im Zentrum mit ungewöhnlich geringem Abfall zu den Rändern hin.

Sony a7 | f/1.8
Sony a7 | f/1.8 | volle Auflösung
center
100% crop bei Blende 1.8 aus dem Zentrum
corner
100% crop Blende 1.8 aus der Ecke

f/2.8: Das Zentrum gewinnt leicht, wie auch die Ecken.

f/4 bis f/8: Exzellent übers gesamte Bild

f/11: Die Beugungsunschärfe reduziert den Schärfeeindruck etwas.

Für Pixelpeeper gibts auch eine Testreihe.

Zusammenfassung und Fazit

DSC06792

Gut

  • sehr scharf bis in die Ecken schon bei f/1.8
  • sehr angenehmes Bokeh
  • Verarbeitungsqualität
  • Sehr hoher Kontrast und Gegenlichtresistenz
  • Geringe laterale CA und Verzeichnung

Durchschnittlich

  • Größe
  • Preis/Leistung

Negativ

  • manueller Fokus
  • CA außerhalb der Fokusebene
  • Zwiebelringe

Das Zeiss Sonnar T* FE 1.8/55 ZA*  ist eines der besten aktuell verfügbaren Normalobjektive und setzt sich merklich von der breiten Masse der Konkurrenz ab – optisch, aber auch in der Verarbeitung.

Während die klassischen 50er nämlich bei offener Blende nicht besonders scharf sind und auch kein angenehmes Bokeh haben, weiß das FE 1.8/55 bereits bei f/1.8 voll zu überzeugen: Es ist scharf bis in die Ecken und hat trotzdem ein sehr angenehmes Bokeh.

Ist das FE55 ein perfektes Objektiv? Nein, ist es nicht. Das manuelle Fokussieren geht mit anderen Objektiven deutlich angenehmer und auch durch die hohe Schärfe fallen die recht ausgeprägten CA außerhalb der Fokusebene besonders auf.

Der aktuelle Preis von knapp 850€ ist für ein Normalobjektiv natürlich recht hoch gegriffen, man bekommt dafür aber auch einiges geboten.

In der Summe ist es aber ein sehr sehr gutes Objektiv, welches mich als Fotografen fast nie einschränkt. Dazu trägt auch die angenehm moderate Größe bei.

 

Beispielbilder in voller Auflösung

Bilder in voller Auflösung finden sich in diesem Flickr-Album

 

DSC09431
Sony a7 | f/1.8 | volle Auflösung
DSC09441
Sony a7 | f/1.8 | volle Auflösung
DSC06792
Sony a7 | f/1.8 | volle Auflösung
DSC06794
Sony a7 | f/5.6 | volle Auflösung
DSC09640
Sony a7 | f/1.8 | volle Auflösung

 

DSC09724
Sony a7 | f/10 | volle Auflösung

In diesem Artikel erwähnte Produkte

About The Author

Phillip Reeve ist Student und fotografierte 2 Jahre lang mit einer Nex bevor er im November 2013 auf eine Sony A7 umstieg. Seine fotografischen Schwerpunkte sind Natur und Reise, wobei er zumeist manuelle Objektive einsetzt.

6 Comments

  1. Hallo Philipp,
    danke für diesen ausführlichen Bericht, der meine Erfahrungen mit dem Sonnar an der A7R bestätigt: Das Beste, was mir je untergekommen ist. Mein Canon FD 1.8/50 kann da bei Weitem nicht mithalten. Ich erwarte mir allerdings einen deutlich schnelleren Autofokus mit diesem Objektiv an der A7RII. Die minimale Naheinstellung könnte auch ein wenig weiter zu größeren Abbildungsmaßstäben reichen.

  2. Danke für den informativen und fundierten Bericht.
    Ist das Sonnar 1,8/55 Deiner Meinung nach sehr viel besser als gute 50mm-Altgläser? Da Du ja auch viel mit Altgläsern fotografierst: hälst Du ganz persönlich den stolzen Mehrpreis des Zeiss gegenüber einem guten Altglas wirklich für gerechtfertigt? Oder zeigt sich das erst bei sehr kritischen Verhältnissen (Lichtkanten im Gegenlicht/CA usw)?

  3. Vielen Dank! Der Vergleichstest ist wirklich sehr aufschlußreich.
    Mein persönliches Fazit: Ich werde meinem Altglas treu bleiben und mir die Ausgabe für FE-Objektive sparen. Ich habe zwar nicht das Rokkor – mein Liebling bei meinen Altglas-Normalbrennweiten ist das Konica Hexanon AR 1,4/50. Außerdem habe ich noch das Canon FD 1,4/50 sowie das M42 Takumar 1,8/50; die beiden sind auch wirklich gut, doch das Hexanon gefällt mir von der Haptik her ganz besonders. Alle diese Objektive basieren ja im Prinzip auf dem klassischen Gauß-Typ à la Zeiss Planar.
    Da ich (natürlich: Altgläser!) eh manuell fokussiere und ich kein fanatischer Bokeh-Jünger bin und meistens 1-3 Stufen abblende, bin ich mit den Ergebnissen der Altgläser absolut zufrieden. Und wie Du in dem Vergleichstest sehr gut demonstriert hast (Gießkanne) kann man ja behutsam in LR den Mikrokontrast (Clarity) etwas anheben.
    Liebe Grüße
    Thomas alias Viewfinder

  4. […] Somit setzt es sich merklich vom Kit-Objektiv und dem FE 1.8/50 ab, kommt aber nicht ganz an ein FE 1.8/55 ZA  […]

  5. Hallo,
    Beeindruckender Test. Vielen Dank dafür. Ich bin nur Hobbyknippser, bin gern in Wald und Flur unterwegs.
    Ich habe auch viele alte Objektive. Aber die haben reichlich Ecken und Kanten. Die Canon FD Objektive z.b. Ich habe das 50/1.4 ssc und das 20/2.8, sehr gute Objektive, sicher. Aber die sind nicht besser wie die Sony „billig“ Objektive FE50/1.8 und 28/2.0. Dann habe ich noch ein 55 Jahre altes Carl Zeiss Jena Tessar 50/2.8 Alu. Das sind letzten Endes Bastel Objektive, da die Hersteller die Wartung „historischer“ Objektive ablehnen. Der Fokusring des Teaser ging sehr schwer, also habe ich es auseinandergenommen und gesäubert. Ich es auch wieder zusammen bekommen, aber jetzt komme ich nicht mehr auf Unendlich. Einen Spezialisten habe ich bei mir in der Gegend noch nicht gefunden.
    Das fotografieren mit den „alten“ macht Spaß, sicher. Aber ich möchte aber auch wieder ein modernes Objetiv haben, gerade weil das Sony FE50/1.8 nicht unbedingt all zu gut ist. Selbst nach den Firmware Update pumpt das immer noch gewaltig. Ich habe das zur A7ii dazu bekommen. Deshalb habe ich Interesse an dem Sonnar 55/1.8.

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