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Samyang stellt im August 2015 eine neue Objektivreihe mit dem Namen “XEEN” vor, die sich vorrangig an die Videofilmer richtet – 3 Objektive, 3 Festbrennweiten und viele Gemeinsamkeiten. Ich durfte die Objektive bereits vor Verkaufsstart testen und habe extra für diesen Test erste Gehversuche im Bereich der Videographie unternommen – eine echte Herausforderung also für die Objektive und für mich.

XEEN

Die Objektive der Samyang XEEN-Reihe haben 24mm, 50mm und 85mm Brennweite und richten sich speziell an die Videofilmer, was nicht direkt über den Namen klar wird, aber spätestens bei einem ersten Blick auf die Objektive.

Lens Glass

Wie bereits angedeutet: 3 Objektive, 3 verschiedene Brennweiten und trotzdem viele Gemeinsamkeiten, als da wären:

1. Abmessungen

Meine Erfahrungen im Bereich Video und Film, sind eher als kläglich zu bezeichnen. Also habe ich mit einem Operator gesprochen – das sind die, die am Set die Kamera tragen und auf den Ausschnitt achten – und mir meine Vermutung bestätigen lassen: Die Tatsache, dass alle drei Objektive über identische Abmessungen verfügen, erleichtert die Arbeit am Set ungemein. So reicht am Set nur ein Rig für alle drei Brennweiten und das, ohne Umbauten vornehmen zu müssen. Besonders bei mobilen Einsätzen oder kleinen Budgets ein nicht hoch genug einzuschätzender Vorteil.

2. Blende

Trotz unterschiedlicher Brennweiten haben alle drei Objektive der XEEN-Reihe mit T1.5 die gleiche Anfangsblende, woraus sich einfach schließen lässt, dass beim Design das T1.5/85mm die finale Größe aller 3 Objektive vorgegeben hat. Die Blende ist stufenlos verstellbar und ist über den gesamten Blendenbereich fast kreisrund.

Aperture blades

3. Bedienung

Ein weiterer, großer Pluspunkt für den Einsatz im Videobereich ist, dass der Verstellweg für Blende und Fokussierung – vom Nahbereich bis unendlich – bei allen drei Objektiven identisch ist und damit keine Unterschiede in der Geschwindigkeit der Fokussierung zu berücksichtigen sind. So können Fokusveränderungen trotz Brennweitenwechsel sehr gleichmäßig erfolgen.

Alle drei oben aufgeführten Punkte sind aber in der Videowelt mehr oder weniger als Standard zu betrachten; für den Fotografen mit wenig bis keiner Videoerfahrung jedoch durchaus mit dem einen oder anderen Aha-Effekt versehen. Mehr Details zu den Abmessungen, Gewicht und auch mit welchen Bajonetten die Objektive hergestellt werden, steht in diesem pdf-Dokument.

In der Praxis

Vorab ein paar klärende Worte: In Sachen Videografie bin ich Anfänger – mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Ich habe kein Rig, kein Follow-Fokus-System und keine Matte-Box. Lediglich ein 5″ Kontrollmonitor von Sony mit PEAK-Anzeige befindet sich in meinem Besitz, den ich wegen der besseren Anzeige und leichteren Bildkontrolle aber auch für die Fotografie sehr gerne nutze. Selbst das Rode Video Mic Pro habe ich für die Filme in der Kiste gelassen, denn hier geht es nicht um die Bewertung der Tonaufzeichnung, sondern rein um die optische Leistung der Objektive. Selbst die wird jedoch nicht leicht fallen, denn das Filmen mit Offenblende war – wegen fehlender Graufilter – nicht möglich. Klar, ich hätte auch am Abend oder in der Nacht filmen können, aber das habe ich leider nicht in meinem Zeitplan unterbringen können. Demnach sind nur wenige Filmausschnitte mit Blenden größer T4.5 entstanden und die meisten Sequenzen sind mit Belichtungszeiten zwischen 1/100 und 1/250 Sekunde gemacht – nur wenige mit den für das Auge schmeichelhaften, längeren Belichtungszeiten von 1/30 und 1/40 Sekunde.

1. Für den Videografen

Kommen wir also zu den interessanten Punkten beim Einsatz als CINE-Objektiv. Tatsächlich fehlt mir jeglicher Vergleich mit den CINE-Objektiven von z.B. Zeiss oder Canon, aber die XEEN-Objektive haben bei mir einen äußerst positiven Eindruck hinterlassen. Die rechte Hand am Videoneiger, hat es mir sehr gut gefallen, dass ich bei einigen Kameraschwenks ohne große Verrenkungen Fokus und Blende zeitgleich mit den Fingern der linken Hand bedienen konnte. Während die Hand den Fokus von nah in Richtung unendlich oder umgekehrt verlagerte, konnte ich mit dem Daumen 1 – 2 Blenden Licht wegnehmen, wenn sich der Bildausschnitt in einen helleren Bereich verlagerte. Dabei ist es sehr hilfreich, dass sowohl die Entfernungs- als auch die Brennweitenskala auf beiden Seiten des Objektivs abgelesen werden können.

Fokus Breathing ist leicht vorhanden, dabei nicht deutlich weniger als beim FE 55mm F1.8 ZA wie der folgende Film zeigt:

Beim Fokussieren zeigt sich übrigens ein deutlicher Unterschied: Die XEEN-Objektive lassen sich durch die immer gleiche Fokusgeschwindigkeit wunderbar gleichmäßig und auf den Punkt genau fokussieren, sogar ohne Follow-Fokus. Anders so beim 55er Zeiss: Das focus-by-wire des Zeiss ist für manuelles Fokussieren beim Filmen nicht wirklich geeignet, fühlt sich schwammig an und vermittelt wenig, bis kein Feedback.

Mit dem 24mm und dem 50mm habe ich zwei kleine Filme gedreht, beide jedoch wie bereits angedeutet mangels passender Ausrüstung und Graufilter mit eher geschlossenen Blenden im Bereich T4.5 bis T11. Beide Filme sind übrigens bewußt ohne Tonspur, denn es geht hier nicht um die Audiofähigkeiten der Sony A7.

Media-Park Köln

Kölner Flora

2. Für den Fotografen

Die Abbildungsleistung der XEEN Cine-Objektive lässt sich wohl am besten anhand von Bildern bewerten, die vom Stativ aufgenommen wurden. Hierzu habe ich mit allen drei Brennweiten Blendenreihen angefertigt, um das Bokeh bewerten zu können und je nach Motiv aus dem Bild mit voller Auflösung Ausschnittsvergrößerungen erzeugt. Alle Bilder sind vom unbearbeiteten RAW ohne Veränderungen aus Lightroom exportiert.

24mm

Ausschnitte

Dieses Bild zeigt die Position des Ausschnittes aus obigen Bildern:

24mm_crop_1

Hier die Ausschnitte:

Das XEEN 24mm T1.5 ist in der Mitte bei Offenblende etwas flau und bringt nicht die gleichen Details auf den Sensor wie bereits ab Blende T2.0. Die maximale Leistung wird bei Blende T5.6 und T8.0 erreicht, die bis T22.0 – also voll geschlossener Blende nur noch wenig abfällt.

Die Randbereiche sind bei Offenblende unscharf, fallen deutlich ab und zeigen eine erkennbare Vignette, die jedoch schön aussieht und ab T2.8 ganz verschwunden ist. Ab T4.0 wird auch die Randschärfe deutlich besser, allerdings beim XEEN 24mm nur im linken Bildbereich, der rechte Bildbereich braucht dafür eine Blende T8.0, was auf eine leichte Dezentrierung schließen lässt. Das wird jedoch daran liegen, dass es sich bei den hier getesteten Objektiven zum einen um Vorserienmodelle handelt, diese vielleicht durch einige Testhände gegangen sind und eventuell beim Transport etwas abbekommen haben.

24mm T4.0

24mm T4.0

24mm T5.6

24mm T5.6

24mm T8.0

24mm T8.0

50mm

Auschnitte

Die Ausschnitte der Sonnenblume sind nicht alle deckungsgleich, was am leichten Wind lag, auf dessen Verschwinden ich letztlich über 20 Minuten ohne Erfolg gewartet habe. Ich habe jedoch genau darauf geachtet, in Momenten den Auslöser zu drücken, in denen sich die Sonnenblume nicht bewegt hat – trotzdem hat die Sonnenblume nicht die gleiche Position gehabt wie beim Bild davor. Die Belichtungszeiten liegen zwischen 1/6400 Sekunde und 1/30 Sekunde bei keinem Wind, so dass eine scharfe Abbildung der Details auch bei T22.0 gegeben ist.

Der gewählte Ausschnitt liegt ziemlich im Zentrum des Bildes, denn die Randbereiche und Ecken zeigen bei diesem Motiv ohnehin nur Unschärfe, die übrigens auch bei Blende T16.0 und T22.0 noch sehr angenehm weich ist.

Die Ausschnitte:

samyang_50mm_blume

Auch das 50mm ist bei Offenblende etwas weich, was aber eine Stufe abgeblendet nicht mehr auffällt. Die Schärfe hält sich sehr gut bis T22.0 und findet ihren Höhepunkt bei T5.6 – T8.0. Auch hier gefällt mir die Abbildungsleistung voll abgeblendet sehr gut, auch wenn sie ein wenig nachlässt.

85mm

Der Unterschied zwischen Offenblende T1.5 und T2.0 ist bei keinem der drei Objektive so deutlich wie beim 85mm, wie die Ausschnitte zeigen.

85mm_crop_1

 

Das 85er hat auch bei Blende 8 noch mit CAs zu kämpfen.  Etwas, dass mir beim 24er und 50er nicht aufgefallen ist, was beim 50er aber auch an den Motiven liegen kann. Jedoch scheint das beim 85er nur bei schräg einfallendem Licht aufzutreten, denn im direktem Gegenlicht treten die CAs nicht auf, wie die nachfolgenden Bilder zeigen:

Blende 16
Blende 2.8
20150814_dsc00530
Blende 8
20150814_dsc00531
Blende 16

Von der Abbildungsleistung könnte man das XEEN 85mm als Portraitobjektiv verwenden, denn die Bilder wirken angenehm plastisch, besonders wenn man im Bereich der Naheinstellgrenze arbeitet:

Samyang XEEN 85mmT1.5 BW

dsc00536_ext

Selbst ein Panorama habe ich mit dem 85er anfertigen können:

DSC00521-Pano

Allerdings bleibt da noch die Sache mit der Größe, was aber für alle drei Brennweiten gilt, da alle drei Objektive über gleiche Abmessungen verfügen. An einem großen DSLR-Body wird das Objektiv vielleicht nicht unbedingt auffallen, aber einer Spiegellosen wie der Sony A7 schon, wie das nächste Bild zeigt:

DSC00960

Fazit

Selten habe ich mich so schwer getan mit einem Fazit, wie bei den XEEN-Objektiven, denn die pure Größe und die Bauart lassen die Objektive für mich persönlich für einen Einsatz an der Sony A7 oder der A6000 nicht in Frage kommen. Wenn man die Objektive das erste Mal sieht, erwartet man ein viel höheres Gewicht – tatsächlich sind die Objektive überraschend leicht und bringen selbst einen kleinen Body, wie die A7 nicht aus dem Gleichgewicht, wenn da nur nicht die Größe wäre. Das ist aber nur der subjektive Teil meines Urteils; der objektive Teil enthält viel Positives.

Die Objektive haben auf mich einen absolut soliden Eindruck gemacht. Fokus- und Blendenring laufen butterweich, ohne jedoch zu wenig Widerstand zu bieten – eben genau richtig. Die Fokusgeschwindigkeit und der Stellweg ist bei allen drei Objektiven gleich und die Fokussierung lässt sich sehr präzise und auf den Punkt vornehmen – etwas das alle drei XEENs meinen FE-Zeiss voraus haben, denn bei den FEs muss man sich dem Fokuspunkt durch eine Art Pendelbewegung annähern. Die optische Leistung dieser Objektive ist aus meiner Sicht sehr gut bis hervorragend und entsprechen meinen Erwartungen bei einem Preis von ca. 1900 Euro pro Stück. Zwei Punkte sind mir dann aber doch negativ aufgefallen: Während das 50mm tadellos ist, zeigt das 24mm einige Anzeichen für eine leichte Dezentrierung und das 85mm eine Anfälligkeit für CA in bestimmten Lichtsituationen. CAs sind auch bei Sony-Objektiven zu finden; diese werden jedoch durch die kamerainterne Korrektur entfernt.

Für die Videografen – besonders für Neueinsteiger – sind die XEEN-Objektive mehr als nur “interessant”, denn mit den 3 hier vorgestellten Brennweiten hat man ein umfassendes Startpaket, zu dem weitere Brennweiten angekündigt sind. Hier zeigt sich die einheitliche Größe und Bauweise als Vorteil, denn ein Brennweitenwechsel ist ohne Rig-Umbau möglich, da die Zahnräder für Blende und Fokus identisch sind. Das ist bei Objektivserien von anderen Herstellern wie Zeiss oder Canon nicht anders, jedoch liegt dort der Preis deutlich höher. Ob die XEEN-Objektive optisch mit Zeiss oder Canon Cinema Lenses mithalten können, kann ich nicht sagen – preislich sagen sie den anderen Herstellern jedoch den Kampf an und sind somit für Low-Budget-Produktionen und kleine Studios interessant. Aus meiner unprofessionellen Videosicht kann ich die geringe Verzeichnung beim 24mm XEEN-Objektiv sowie die geringe Anfälligkeit bei Gegen- und Streulicht hervorheben, die ich in dieser Form von all meinen Fotoobjektiven nicht gewöhnt bin.

About The Author

Jörg Haag ist Unternehmensberater und freiberuflicher Fotograf. 1967 in der Eifel geboren entdeckte er mit 22 Jahren die Fotografie und nutzte bis vor ca. 10 Jahren analoge Kameras von Minolta. Über digitale Kompaktkameras stieg er 2007 mit einer alpha 700 in die Welt der digitalen Spiegelreflexkameras ein. Heute nutzt Jörg neben spiegellosen Systemkameras mit Kleinbildsensor auch wieder analoge Kameras im Kleinbild- und Mittelformat sowie Sony Cybershot-Kameras mit 1"-Sensor für seine fotografischen Arbeiten, wobei er den elektronischen Sucher der Sony-Kameras besonders schätzt.

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