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Das Sony FE 28mm F2 ist gerade veröffentlicht worden und die technischen Daten klingen sehr vielversprechend: Das Objektiv ist klein, leicht und lichtstark und mit 449€ ist es auch noch relativ günstig.

Ob es auch in der Praxis überzeugen kann, das erfahrt ihr in diesem Erfahrungsbericht.

Beispielbilder

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Sony Alpha 7 | f/2 – sehr gutes Bokeh und Gegenlichtverhalten an der Naheinstellgrenze
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Sony Alpha 7 | f/2 – Freistellung auch auf etwas größeren Distanzen
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Sony Alpha 7 | f/8 – sehr gute Leistung

 

Der erste Eindruck

Das Objektiv ist angenehm klein und an der Sony Alpha 7 (Affiliate Link) sehr gut ausbalanciert. Im Gegensatz zu vielen anderen Objektiven bleibt die Kamera/Objektiv Kombination kompakt und das System kann so eine seiner Stärken ausspielen. Auch die kompakt geratene Gegenlichtblende trägt dazu bei.

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Das FE 2/28 an der a7 ist gut ausbalanciert

Die Verarbeitung ist einem Objektiv der Mittelklasse angemessen, der hintere Teil des Objektivtubus und der spielfreie Fokusring sind aus Aluminium gefertigt und machen einen guten Eindruck. Der vordere Teil des Objektivtubus und die Gegenlichtblende sind hingegen aus Plastik. Letztere wirkt dabei etwas billig, manch einer kennt sie schon vom alten Kit-Objektiv SEL1855 (Affiliate Link).

Fokussierung

Der Autofokus des Objektivs scheint mir zu den schnelleren unter den Systemobjektiven zu gehören. In den nicht besonders fordernden Szenarien, in denen ich ihn eingesetzt habe, funktionierte er stets zuverlässig. Bei Tageslicht findet er sehr flott sein Ziel, bei wenig Licht kann es schon mal etwas dauern.

Bei manuellem Fokus bin ich etwas zwiegespalten. Den Fokusring als solchen finde ich sehr angenehm, er bietet einen angemessenen Widerstand und funktioniert absolut spielfrei. Was mich etwas stört, ist, dass der Fokusring nicht direkt mit der Fokusgruppe gekoppelt ist (focus by wire). Dies bewirkt eine minimale Verzögerung, an die ich mich bisher nicht wirklich gewöhnen konnte. Ebenfalls nicht gewöhnen konnte ich mich daran, dass es von der Geschwindigkeit abhängt – mit welcher der Fokusring gedreht wird – wie stark der Fokuspunkt verschoben wird.

Verglichen mit einem manuellen Objektive stellt die manuelle Fokussierung somit einen Kompromiss dar, sie funktioniert aber hinreichend gut und ich nutze sie regelmäßig.

Bildqualität

Kommen wir zum interessantesten Aspekt: Der Bildqualität.

Bei Offenblende

Bei Blende 2 zeichnet das Objektiv bereits sehr kontrastreich und im Zentrum des Bildes auch sehr scharf – wobei es an der Nahgrenze etwas schwächer wird. Außerhalb des Zentrums fällt die Schärfe dann auf ein immer noch gutes Niveau ab und hält diese bis in die Ecken. Das Bokeh ist auf kurzen Distanzen außergewöhnlich weich – für ein Weitwinkelobjektiv – und lässt auf längeren Distanzen etwas nach, ist aber immer noch besser als all meine anderen 28mm Objektive

 

f/2 | mittlere Distanz
f/2 | mittlere Distanz
100% crop aus dem obigen Bild
100% crop aus dem obigen Bild zeigt sehr gute Schärfe

 

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f/2: sehr gutes Bokeh auf kurzer Distanz , die Schärfe ist hier etwas geringer

Deutlich sichtbar sind allerdings auch überdurchschnittlich starke axiale chromatische Aberrationen, diese sind als blaue Ränder von Zerstreuungskreisen zu sehen.

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Sichtbare axiale CA in den Zerstreeungskreisen

Vignettierung ist bei f/2 zu sehen und bei f/2.8 ist sie deutlich geringer. Dem Bildeindruck abträglich ist sie aber in der Regel nicht.

Bildqualität abgeblendet

Bei Blende 2.8 nimmt die Schärfe leicht zu und die Vignettierung merklich ab.

Ab Blende 5.6 sind auch die Ecken des Bildes sehr scharf und das Objektiv liefert bei f/8 eine für ein Weiwinkelobjektiv ungewöhnlich homogene Schärfe bis in die Ecken. Eine hervorragende Leistung.

Für meinen Standard-Schärfetest bitte diesem Link folgen.

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Eine Aufnahme bei f/8 (klick aufs Bild für die volle Auflösung)

 

Ein 100% crop aus der obigen Aufnahme. Moire im Gebälk zeigt, dass das Objektiv den Sensor ausreizt
Ein 100% Crop aus der obigen Aufnahme. Moire im Gebälk zeigt, dass das Objektiv den Sensor ausreizt
Aber auch die Ecken zeigen eine sehr gute Leistung
Aber auch die Ecken zeigen eine sehr gute Leistung

 

Gegenlichtverhalten

Das Objektiv ist nahezu reflexionsfrei bei Gegenlicht und auch der Kontrast sinkt trotz einer starken Lichtquelle im Bild nicht ab.

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f/2.2 | die sehr starke Vignettierung wurde in der Nachbearbeitung hinzugefügt

Verzeichnung

Kommen wir zu dem Punkt, wo das Sony FE 2/28 nicht glänzen kann.

Zuerst ein Bild:

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Es ist klar zu erkennen, dass das Objektiv eine bemerkenswert starke tonnenförmige Verzeichnung aufweist.

Was bedeutet das in der Praxis? Nimmt man seine Bilder im JPG-Format auf, so merkt man davon nichts. Wer das RAW-Format nutzt, muss bei manchen Motiven die Verzeichnung korrigieren. Die Korrektur funktioniert in einem RAW-Konverter wie Lightroom mit einem Klick.

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Das korrigierte Bild

Natürlich ist diese Verzeichnungskorrektur nicht verlustfrei, man büßt gut 10% der Bildschärfe ein. Auch wird das Bild etwas beschnitten. Sony scheint das aber berücksichtigt zu haben, das Objektiv ist effektiv eher ein 26mm Objektiv, nach der Verzeichnungskorrektur hat man deshalb den Blickwinkel eines 28mm Objektivs.

Wer das Objektiv vor allem für Naturaufnahmen nutzt, kann sich die Verzeichnungskorrektur meist sparen, wenn keine gerade Linien im Bild sind, fällt sie nicht auf. Das Bild vom blauen Haus (siehe oben) habe ich beispielsweise nicht korrigiert.

Vor dem Hintergrund der ansonsten sehr guten Leistungsdaten halte ich die Verzeichnung für einen guten Kompromiss. Hätte Sony sie geringer gehalten, so wären andere, wichtigere Leistungsdaten schlechter ausgefallen oder das Objektiv deutlich größer geworden.

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 Vergleich mit anderen Objektiven

Mit dem Sony FE 3.5-5.6/28-70 habe ich das 28mm nicht direkt verglichen. Wenn ich mir meine Archivaufnahmen und die MTF Diagramme anschaue, so scheint das FE 2/28 in etwa bei f/2 die Randschärfe des Kitobjektivs bei f/8 zu haben. Abgeblendet ist das FE 2/28 deutlich schärfer.

Der größte Konkurrent ist vermutlich das Sony 2.8/35 ZA (Affiliate Link). Es ist kürzer und leichter, dafür ist es aber auch weniger lichtstark und mit seinen 35mm liegt es recht nahe am verbreiteten FE 1.8/55. Optisch scheint mir das 35er bei f/2.8 schärfere Ränder zu haben, dafür ist der Randabfall des 2/28 bei f/8 etwas geringer. Bei der  Verzeichnung liegt das Zeiss deutlich vorne.

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Ich habe das FE 2/28 natürlich auch mit meinem Altglas verglichen, dabei schnitt das FE in den meisten Aspekten am besten ab. Selbst das angesehene Zeiss Distagon 2.8/28  musste sich bei Bokeh und Eckenschärfe geschlagen geben. Auch mein Minolta MC 2/28 sah im Vergleich alt aus (es ist schließlich auch 40 Jahre alt ;-)). Ihr findet den ausführlichen Vergleich bei mir im Blog.

Das Zeiss 4/16-35 OSS zeigt im Gegensatz zum Sony eine deutliche Bildfeldwölbung. Das ist ein Nachteil bei flachen Motiven, wie einer entfernten Landschaft, dort zeigt das 2/28 bei f/4 eine deutlich bessere Leistung in den Ecken, bei Blende 8 ist der Vorteil geringer. Bei dreidimensionalen Motiven, wie sie zumindest in meiner Praxis häufig vorkommen, kann es aber auch ein Vorteil für das Zeiss sein.  Ansonsten ist das Zeiss groß und teuer, dafür hat es aber natürlich auch einen Bildstabilisator und ist variabel bei der Brennweite.

 Zusammenfassung

Man merkt mir vielleicht eine gewisse Begeisterung an, ich denke das Objektiv ist ein sehr gelungener Wurf.

Ein lichtstarkes 28mm Objektiv macht sich sehr gut in einem Dreier-Objektivset mit einem Normalobjektiv (z.B. dem FE 1.8/55) und einem gemäßigten Tele (in meinem Fall das Tokina 2.5/90 Macro, zukünftig vielleicht das Sony G 2.8/90 Macro oder Zeiss Batis 1.8/85) und gibt einem dank großer Blenden einen überdurchschnittlich großen Gestaltungsspielraum.

Optisch kann das Objektiv mit einer sehr hohen Schärfe und außergewöhnlich gutem Bokeh überzeugen.  Auch das Gegenlichtverhalten ist bemerkenswert und in der Praxis häufig ein echter Vorteil.

So ganz ohne Kompromisse war diese Leistung nicht zu erreichen, das Objektiv verzeichnet sehr stark. In meiner Fotopraxis halte ich das für einen sehr vertretbaren Kompromiss, anspruchsvolle Architekturfotografen mögen das anders sehen. Die Bildqualität würde ich deshalb in der Summe als sehr gut bezeichnen.

schnittDer Querschnitt belegt die aufwendige Konstruktion

Vor dem Hintergrund dieser außergewöhnlich guten optischen Leistung sind die geringe Größe und das Gewicht des Objektivs umso bemerkenswerter. Schließlich ist es bei gleicher Leistung deutlich aufwendiger, kleine Objektive zu bauen. Dass Sony viele Sondergläser verbaut, hat ist ein Indiz dafür, dass es einigen Aufwand brauchte, um diese Größe und Leistung zu realisieren.

Betrachtet man dann noch den (für Sony FE Objektive) geringen Preis, so kann ich das Objektiv eigentlich uneingeschränkt empfehlen.

Das FE 2/28 kaufen

Ihr könnt Artikel wie diesen Unterstützen in dem ihr über einen der beiden links kauft:

Im Sony Shop (Affiliate Link)  | Amazon.de (Affiliate Link)

 

About The Author

Phillip Reeve ist Student und fotografierte 2 Jahre lang mit einer Nex bevor er im November 2013 auf eine Sony A7 umstieg. Seine fotografischen Schwerpunkte sind Natur und Reise, wobei er zumeist manuelle Objektive einsetzt.

6 Comments

  1. Hallo Philip,
    vielen Dank für das Review aufgrund dessen ich mir jetzt erst dieses hier zu meinen manuellen Gläsern und dem Kit gekauft habe, bevor ich mir nun später das eigentlich erstrebte 55er zulegen werde. Jetzt wenn ich nur noch so Bilder wie Du machen würde, dann… 🙂

    Grüße
    Stefan (paracetam0l hier im SKF)

  2. […] Gestochen scharf, mit lebendigen Farben. (Phillip Reeve hat ihm auf dem Systemkamera-Blog eine exzellente Leistung […]

  3. […] bereits das FE 2/28 besitzt, der hat bereits ein sehr gutes Bild von der Verarbeitung des Sony FE 50mm Macro. Das […]

  4. […] Length: 60mm | Diameter: 60mm | Weight: 200g | Filter Thread: 49mm | Price (August 2017): $269 Our Review | Amazon.com (affiliate […]

  5. Suchte eine lichtstarke Linse für Standesamtliche Aufnahmen auf engsten Raum in einem uralten Gewölberaum. Eingesetzte Kamera: die Sony A7. Da ich sonst kaum einen Weitwinkel-Einsatz bei meiner Art der Photographie benötige, wollte ich auch nicht zu viel Geld ausgeben und gleich auf den ZEISS-Zug aufspringen. Da bleibt nur eines im Vollformat mit Weitwinkel, eben dieses FE 28mm f20. Das Objektiv ist für mich ehrlich gesagt so schwierig wie kein anderes zu beschreiben. Ich knipse immer nur mit manuellen Einstellungen und bin im Vergleich mit anderen, meist deutlich teureren Linsen sehr verwöhnt – dieses zählt zu meinen günstigsten. Im Außenbereich flashed und enttäuscht es gleichermaßen. Als Landschaftlinse oder für Nahbereichs-Photos fällt es bei mir absolut aus. Da ist das FE 50mm F1.8 einfach in jeglicher Hinsicht die eindeutig bessere Linse und dann hab ich eben weniger am Bild. Als ich es dann aber für die Standesamtliche verwendete, war ich absolut begeistert. Alle Bilder wurden OHNE Blitz gemacht, der ISO-Wert auf 800 begrenzt, es waren furchtbare Lichtverhältnisse vor Ort (Leuchten, grün schimmernde Wandbemalungen, etc.), kurzum, der Albtraum für jedes Equipment. Bei der Überarbeitung im RAW-Format ließ ich dann die Objektiv-Korrektur drüber laufen und was sie da präsentierte, sucht seinesgleichen – das muss man ehrlich sagen. Der AF saß meist richtig, die Trefferquote war generell recht hoch, also wenig Ausschuß. Was die Bildschärfe betrifft, kann man nur noch staunend und im positiven Sinne den Kopf schütteln. Nichts desto trotz, ich würde es nicht mehr kaufen. Es ist weder ein Immerdrauf, noch eine angenehme und leicht zu bedienende Landschaftslinse. Auch der Farbkontrast (Kamera im HDR auf neutral gestellt) ist nicht mein Ding. Die tonnenförmige Verzeichnung ist brutal und mit CA geizt es auch nicht sonderlich. Für meine Landschaftaufnahmen im Weitwinkelbereich nehme ich tausendmal lieber das SELP18105G her, auch wenn es natürlich Blödsinn ist, hier ein Weitwinkel im VF mit einem Zoom im APSC zu vergleichen. Es fiele mir auch im Traum nicht ein, das FE 28F20 als schlechtes Objektiv zu bezeichnen. Wie Philipp Reeve ebenfalls festgestellt hat, zeigt es viele Stärken und liefert durchaus gute Photos. Und das bei dem Preis im VF! Man muss wohl einfach mal selbst testen, ob es zu einem passt…

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