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Hochauflösende Sensoren haben hohe Ansprüche an die Leistung des genutzten Objektivs, sowohl in Bezug auf die Auflösung als auch an die Abbildungsleistung der Objektive hinsichtlich Schattenaufhellung, Farbabweichung und Vignettierung, welche durch das geringere Auflagemaß bei DSLM wie z.B. der Sony A7 (bei Amazon und eBay) und der Sony A6000 (bei Amazon und eBay) noch verschärft werden. Diese optischen Fehler lassen sich zu höheren Preisen bereits im Objektiv korrigieren (siehe Zeiss Otus). Um die Kosten der Objektive in Grenzen zu halten, greifen die Hersteller zur Möglichkeit der kamerainternen Objektivkorrektur.

Welche Auswirkung die jeweiligen Parameter der Objektivkorrektur auf JPG und RAW haben, zeigt dieser Artikel am Beispiel der Kombination von

Kompromisse

Es gibt viele Nutzer von DSLRs und DSLMs, die nach immer mehr Auflösung in Form von Megapixel gieren. Sei es der Profifotograf, der die bestmögliche Qualität für großformatige Ausdrucke benötigt, der ambitionierte Hobbyfotograf, der für sein Hobby nur das Beste möchte oder der Anfänger, der mehr Auflösung mit besseren Fotos gleichsetzt.

Der Kompromiss liegt hier zwischen den Möglichkeiten des Herstellers, das bestmögliche Produkte zu bauen und dem Wunsch des Fotografen, dieses Produkt zum geringstmöglichen Preis zu erwerben. Dieser Kompromiss findet seine Umsetzung in der kamerainternen Objektivkorrektur.

Die zurzeit kompromisslosesten Objektive, die ohne nachträgliche Korrektur hervorragende Bildqualität liefern, sind sicherlich die Zeiss-Objektive aus der Otus-Reihe – was man bei Preisen von über 3.000 Euro auch erwarten darf. Für den betriebswirtschaftlich kalkulierenden Profifotografen, für den sich jede Anschaffung rechnen muss, ist ein Zeiss-Otus ebenso wenig interessant wie für den Hobbyfotografen mit kleinem oder mittleren Geldbeutel. So bleiben diese Produkte den Enthusiasten vorbehalten, die bereit sind, für diese Qualität zu bezahlen.

Aber die Hersteller bieten natürlich auch hervorragende Objektive in niedrigeren Preisklassen, die ihre bestmögliche Leistung jedoch nur in Verbindung mit der kamerainternen Objektivkorrektur liefern – soweit diese für das jeweilige Objektiv in der Kamera-Firmware hinterlegt ist.

Anmerkungen zum Bildmaterial

Kameras und Objektive

Die Verwendung eines für Vollformat-Sensoren gerechneten Objektivs an einem Sensor mit APS-C Größe würde hinsichtlich Verzeichnung und Abschattung eine geringere Ausprägung zeigen, denn der APS-C Sensor nutzt nur den besseren, mittleren Bereich des Objektivs. Die nachstehende Skizze verdeutlicht das Verhältnis von Bildkreis und Sensorgröße für Kleinbild- und APS-C-Sensoren:

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Die kamerainterne Objektivkorrektur zeigt ihre Wirkung am deutlichsten im Weitwinkelbereich – dort natürlich in den Randbereichen und Ecken des aufgenommenen Bildes. Um die größtmöglichen Abbildungsfehler zu provozieren wurde folgende Kombinationen aus Kamera und Objektiv gewählt:

Als Brennweiten wurden neben der kleinstmöglichen Brennweite (16 mm am Sony Vario-Tessar® T* 16-35mm bzw. 10 mm am Sony E 10 – 18mm) auch 24mm Kleinbildäquivalenz (also 16mm am Sony E 10 – 18mm) gewählt.

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RAW und JPG

Seit geraumer Zeit wird immer wieder darüber diskutiert, ob sich die kamerainterne Objektivkorrektur auch auf die RAW-Bilder auswirkt. Um einen Beleg dafür oder dagegen zu präsentieren, wurden alle Bilder in RAW und JPG jeweils mit deaktivierter und aktivierter Objektivkorrektur erstellt – auch um zu prüfen, ob die Firmware unterschiedliche Korrekturstärken für RAW und JPG anwendet. Natürlich sind die hier gezeigten Bilder alle JPGs, denn kein Internetbrowser kann die RAW-Dateien darstellen.

Um die RAW-Dateien zeigen zu können, wurden diese nach Lightroom importiert und neutral, d.h. ohne Anwendung von Profilen oder sonstigen Veränderungen in voller Größe als JPG exportiert. Alle Verkleinerungen und Ausschnitte wurde mit IrfanView durchgeführt bzw. erstellt.

Um eine größtmögliche Vergleichbarkeit der Bilder zu schaffen, werden die Bilder mit der Sony A7 und der Sony A6000 zeitgleich erstellt, damit z.B. bei Gegenlichtaufnahmen zur Prüfung der Korrektur von CA (chromatischer Aberration) gleiche Lichtverhältnisse herrschen oder andere Vergleiche wie z.B. der Vignettierung nicht etwas durch einen Schatten einer ziehenden Wolke erschwert oder unmöglich werden.

Dafür habe ich beide Kamera-Objektiv-Kombinationen auf eine Schiene montiert, um eine größtmögliche Deckungsgleichheit des Bildausschnitts zu ermöglichen. Außerdem wurden die Kameras mit einem Funkfernauslöser versehen, um die zeitgleiche Auslösung beider Kameras zu ermöglichen.

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Auswertung Bildmaterial

Kurz nach Verkaufsstart habe ich einen ersten Hands-On-Bericht zum Sony Vario-Tessar® T* FE 16-35mm F4 ZA OSS veröffentlicht. In einem der Kommentare zu diesem Kurzbericht, wurde ich um meine Meinung zu einem Vergleich der internen Objektivkorrektur gefragt, welchen ich damit hier und jetzt liefern kann.

Motiv 1 – Farbabweichung

JPG 10-18 Obj.korrektur Aus / lens corr. off JPG 10-18 Obj.korrektur Aus / lens corr. off JPG 10-18 Obj.korrektur Auto / lens corr. auto JPG 10-18 Obj.korrektur Auto / lens corr. auto
RAW 10-18 Obj.korrektur Aus / lens corr. off RAW 10-18 Obj.korrektur Aus / lens corr. off RAW 10-18 Obj.korrektur Auto / lens corr. auto RAW 10-18 Obj.korrektur Auto / lens corr. auto

SEL 10-18mm F4 OSS, JPG und RAW, mit und ohne Korrektur

m1_cropbereich

Der im oberen Bild rot markierte Bereich wurde aus den JPGs und RAWs für den Vergleich der Bildausschnitte verwendet:

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Schaut man sich den Crop-Vergleich genau an, so erkennt man im JPG mit deaktivierter Objektivkorrektur wie erwartet grüne und violette Ränder an den Baumstämmen. Überraschend ist jedoch, dass diese chromatische Aberration bei den RAW-Dateien, auch bei deaktivierter Objektivkorrektur, nicht zu sehen ist. Kaum zu glauben und ich habe alle RAWs einzeln geprüft, aber es ist wohl so, dass man die Korrektur der Farbfehler für die RAWs nicht deaktivieren kann. Im Vergleich hierzu die Ausschnitte vom FE 16-35 mm F4 ZA OSS bei 16 mm, jedoch mit Blende 5,6, da sich bei der Aufnahme mit Blende 4 ein Fehler eingeschlichen hat, den ich zu spät bemerkt habe, jedoch auf die Bewertung von CA keinen Einfluß hat.

jpg_raw_16-35f56_off_auto_crop

Offensichtlich zeigt das FE 16-35mm F4 ZA OSS an der Alpha 7 das gleiche Verhalten wie das SEL 10-18mm F4 OSS an der Alpha 6000 hinsichtlich Objektivkorrektur bei RAWs.

MOTIV 2 und 3 – Schattenaufhellung und Verzeichnung

JPG 10-18 Obj.korrektur Aus / lens corr. off JPG 10-18 Obj.korrektur Aus / lens corr. off JPG 10-18 Obj.korrektur Auto / lens corr. auto JPG 10-18 Obj.korrektur Auto / lens corr. auto
RAW 10-18 Obj.korrektur Aus / lens corr. off RAW 10-18 Obj.korrektur Aus / lens corr. off RAW 10-18 Obj.korrektur Auto / lens corr. auto RAW 10-18 Obj.korrektur Auto / lens corr. auto

Die Auswirkung der Objektivkorrektur hinsichtlich der Vignettierung in den Ecken und an den Rändern sowie der Verzeichnung ist nachfolgend dargestellt.

Zum Umschalten der Ansicht zwischen aktivierter und deaktivierter Korrektur bitte die Maus über dem Bild platzieren:

SEL 10-18mm F4 OSS @ F4 – JPG:

SEL 10-18mm F4 OSS @ F4 – RAW:

Es lässt sich deutlich erkennen, dass die Objektivkorrektur hinsichtlich der Schattenaufhellung ebenfalls auf die RAW-Dateien wirkt, wohingegen das Ein- bzw. Ausschalten der Verzeichnungskorrektur beim RAW keine Veränderung zeigt. Der nachfolgende Vergleich zwischen JPG und RAW bei deaktivierter Verzeichnungskorrektur zeigt, dass JPG und RAW bei deaktivierter Objektivkorrektur hinsichtlich Verzeichnung identisch sind. Die leichten Unterschiede bezüglich Vignettierung lassen sich durch den gewählten Kreativmodus “Neutral” erklären und sind nicht auf die Objektivkorrektur zurückzuführen.

Betrachten wir nun das FE 16-35mm F4 ZA OSS an der Alpha 7 mit der gleichen Reihe. Auch hier reicht das Platzieren der Maus über dem Bild zum Umschalten der Ansicht:

FE 16-35mm F4 ZA OSS @ F4 – JPG:

FE 16-35mm F4 ZA OSS @ F4 – RAW:

FE 16-35mm F4 ZA OSS @ F4 – JPG+RAW Korrektur deaktiviert:

Zur Bewertung von Verzeichnung, Vignettierung und Farbfehler beider Objektiv bei ein- bzw. ausgeschalteter Objektivkorrektur gibt es noch mehr Bildmaterial mit anderen Motiven, Blenden und Brennweiten, die ich hier nicht weiter ausarbeiten möchte. Dieses Bildmaterial inkl. der RAW-Dateien kann am Ende des Artikels über einen Download-Link heruntergeladen und frei für eigene Analysen verwendet werden. Lediglich bei der weiteren Veröffentlichung im Internet bitte ich um eine Quellenangabe.

Fazit

Frei nach dem Motto “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte” versuche ich mit nachstehender Matrix einen Überblick darüber zu geben, welche Art von Korrektur bei JPG und RAW in Abhängigkeit von aktivierter oder deaktivierter Objektivkorrektur angewendet wird, wobei ein schwarzes Feld bedeutet, dass eine Korrektur sichtbar ist.

matrix_objektivkorrektur

Überraschend sind zwei Ergebnisse, nämlich dass eine Farbabweichung im RAW korrigiert wird, wenn diese Form der Korrektur deaktiviert ist und dass eine Verzeichnung im RAW nicht korrigiert wird, auch wenn diese Korrektur aktiviert ist – natürlich immer vorausgesetzt, dass für das jeweilige Objektiv ein entsprechendes Profil in der Kamera hinterlegt ist. Profile für neue Objektive werden immer wieder durch Firmware-Updates auf die Kamera übertragen.

Eine Alternative stellt sichtlich die Sony PlayMemories Camera App “Lens Compensation” dar, mit der man für noch nicht unterstützte oder niemals unterstützte (z.B. Altglas) Objektive eigene Profile erstellen kann, die dann automatisch angewendet werden – aber das ist ein anderes, jedoch sehr interessantes Thema.

Die Schlussfolgerung, welches Objektiv an der entsprechenden Kamera unter Berücksichtigung des Anschaffungspreises ein zufriedenstellendes Ergebnis liefert, überlasse ich wieder einmal dem Leser, der sich durch die Verwendung des Bildmaterials ein umfassendes, eigenes Bild machen kann.

Download-Link zu den RAW-Dateien

Download-Link zu den JPG-Dateien

In diesem Test verwendete Produkte

About The Author

Jörg Haag ist Unternehmensberater und freiberuflicher Fotograf. 1967 in der Eifel geboren entdeckte er mit 22 Jahren die Fotografie und nutzte bis vor ca. 10 Jahren analoge Kameras von Minolta. Über digitale Kompaktkameras stieg er 2007 mit einer alpha 700 in die Welt der digitalen Spiegelreflexkameras ein. Heute nutzt Jörg neben spiegellosen Systemkameras mit Kleinbildsensor auch wieder analoge Kameras im Kleinbild- und Mittelformat sowie Sony Cybershot-Kameras mit 1"-Sensor für seine fotografischen Arbeiten, wobei er den elektronischen Sucher der Sony-Kameras besonders schätzt.

11 Comments

  1. Sicher dass du nicht im Default-Lightroom-Profile die CA-Korrektur angeschalten hast, so dass RAWs durch LR und nicht durch Incamera-Prozesse korrigiert wurden?

    • Hallo Chris,
      ja, da bin ich ganz sicher!
      In den Voreinstellungen sind alle Standardentwicklungen deaktiviert und im Import-Dialog ist bei Entwicklungseinstellungen „Keine“ ausgewählt. Andere Einstellungen, die sich beim Import auswirken sind mir nicht bekannt. Ich hoffe, ich habe da nichts übersehen….
      Gruß, Jörg

  2. Ich würde das gerne mit Darktable nochmal überprüft wissen, wer weiß, was LR macht.

    Sony korrigiert die Vignettierung auch im RAW, weil keine Koordinaten transformiert werden müssen und daher keine Interpolation nötig ist. Das Ergebnis ist also immer noch ziemlich roh. Das gilt für TCA- und Verzeichnungskorrektur nicht, insbesondere muß man dafür erstmal ein Demosaicing durchführen und nachher wieder rückgängig machen. Technisch ist das zwar machbar, wäre aber ein Skandal, denn das Ergebnis hätte mit einem RAW nur noch den Dynamikumfang gemein. Meine NEX-7 macht jedenfalls nur Vignettierungskorrektur um RAW, und auch nur, wenn ich sie auf „auto“ stelle.

    • Hallo Torsten,
      gerne, freue mich auf Deinen Input. Ich orientiere mich an meinem Workflow mit Lightroom und habe das so wie oben beschrieben festgestellt, obwohl in LR keine Profile oder anderes für den Import aktiviert sind bzw. ist. Sollten sich meine Erkenntnisse nur auf LR einschränken lassen ist das auch eine Erkenntnis.

      • Ich habe zur Zeit eine miese Internetverbindung und kann nicht auf alle Bilder schauen. Aber im RAW #399 ist definitiv unkorrigiertes (oder absolut mies korrigiertes) TCA drin. Ich bin fast sicher, das LR bereits beim nackten Import TCA und LCA angeht.

        • Torsten,
          leider habe ich im Moment keinen Rechner mit installierten RAW-Treiber verfügbar und kann die Treiber hier auf dem Fremdrechner auch nicht einfach so installieren. Ich werde mir das zu Hause in Ruhe anschauen und hoffe, dass der Sony RAW-Treiber nicht auch schon irgendwelche Korrekturen integriert hat. Wenn sich Deine Vermutung (fast Sicherheit) bestätigen lässt, dass Sony IDC, LR und dann sicher auch noch andere RAW-Konverter die TCA und LCA angehen, müsste man aus der Tabelle am Ende des Beitrags das schwarze Feld bei RAW unter Farbabweichung, Korrektur Aus entfernen.

  3. Benutzt man den Sony Image Data Converter wird die Verzeichnungskorrektur auch auf die RAW Bilder angewandt

    • Danke Michael, interessant und vollkommen erwartetes Verhalten des Sony IDC. Wenn es ein Konverter macht dann dieser. Es sieht wohl so aus, als ergibt sich nur dann ein umfassendes Gesamtbild, wenn man alle RAW-Konverter mit in die Auswertung einbezieht.

  4. Hallo, interessanter Artikel. Aber mich würde Interessieren wo man den Anschlusskabel jongnuo rf-603 mit sony Anschluss bekommt.

  5. Hallo habe ich schon gefunden bei Amazon
    JJC Auslöser-Anschlusskabel 2,5 mm Klinke auf Sony Multi Terminal-Anschluss von Enjoyyourcamera. Danke

  6. Eine schöne Gegenüberstelling. Was mir allerdings fehlt ist der Auflösungsverlust der elektronischen Korrektur. Bei kompakten Objektiven (z b. RX-10(x) ) ist der Abfall der Randauflösung tlw. bis sichtbare 50%. Ein grosser Teil bedingt durch die Geometriekorrektiur. Bei Porträt oder Landschaften selten ein Thema, bei flächigen Objekten durchaus sichtbar. Allerdings ist es bei diesen Kameras Teil des Designs, während beimden angeführten Objektiven das ja optional anzuwenden ist. Daher nehme ich an, dass die Situation besser sein dürfte.

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