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Welches 85mm Objektiv ist das Beste? In diesem Vergleichstest testet Phillip Reeve fünf manuelle Objektive an der Sony Alpha 7 gegeneinander und analysiert ihre Stärken und Schwächen:

  • Minolta MC Rokkor 85mm 1:1,7 (bei eBay)
  • Minolta MD 85mm 1:2 (bei eBay)
  • Samyang 85mm 1:1,4 (bei eBay und amazon)
  • Tokina AT-X Macro 90mm 1:2,5 (bei eBay)
  • Canon FD 80-200 1:4 L (bei eBay)

Bokeh

Los geht es mit dem Bokeh, also der Qualität der Unschärfe. Dieses ist bei Portraits und Nahaufnahmen besonders wichtig. Die Auswertungen finden sich bei den einzelnen Objektiven (siehe unten).

Sony Alpha 7 Tokina Minolta Samyang Canon

Abbildungsleistung

Als nächstes habe ich die Abbildungsleistung unter die Lupe genommen, um einschätzen zu können, welche Blenden ich für optimale Ergebnisse verwenden muss.

Zuerst ein Vergleich des Zentrums bei Blende 2. Leider stellte sich bei dem Vergleich der Randbereiche heraus, dass das Exemplar des Minolta 2/85 dezentriert ist – die Wiedergabe im Zentrum sollte aber nicht beeinträchtigt werden.

Sony Alpha 7 Tokina Minolta Samyang Canon

Bei Offenblende kann sich das Minolta MD 2/85 absetzen, das Samyang zeichnet etwas weniger scharf und das Minolta 1,7/85 fällt doch merklich ab. Für Portraits ist die Schärfeleistung des 1,7/85 aber immer noch völlig ausreichend.

Sony Alpha 7 Tokina Minolta Samyang Canon

Abgeblendet auf f/8 sind im Zentrum des Bildes kaum Unterschiede zu sehen, alle Objektive zeigen eine nahezu perfekte Wiedergabe.

Sony Alpha 7 Tokina Minolta Samyang Canon

In den mittleren Bereichen sind die Unterschiede ebenfalls sehr gering, alle Objektive bilden sehr gut ab:

Sony Alpha 7 Tokina Minolta Samyang Canon

In den Ecken sind die Unterschiede klarer sichtbar. Das Tokina landet auf dem ersten Platz, das Minolta MC 1,7/85 etwas dahinter. Das Minolta MD 2/85 wäre sicherlich mindestens genauso gut wie das 1,7/85, wenn es nicht dezentriert wäre. Canon und Samyang landen mit guter Leistung auf dem dritten Platz.

Minolta MC Rokkor 85mm 1:1,7

Sony Alpha 7 Minolta MCDas Minolta ist komplett aus Metall gefertigt und nach den höchsten Standards gebaut. Der Fokusring dreht sich butterweich.

Bei Blende f/1,7 zeichnet es recht weich und ist nicht in der Lage die 24MP der Kamera aufzulösen. Dafür ist die Leistung aber sehr gleichmäßig und fällt zum Rand hin kaum ab. Für Portraits ist die Auflösung immer noch gut genug und der geringe Kontrast kann sogar von Vorteil sein.

f/2,8: Die Abbildungsleistung steigt deutlich. Auflösung und Kontrast ist jetzt fast über das gesamte Bild gut, lediglich die Ecken gewinnen kaum.

f/4: Eine sehr gute Leistung fast bis in die Ecken, der Kontrast steigt gegenüber f/2,8 nochmals spürbar.

f/5,6 and f/8: Jetzt bis in die Ecken eine sehr gute Leistung.

Das Bokeh bei f/1,7 ist angenehm. Unschärfekreise zeigen eine leichte Umrandung, sind im Inneren aber sehr weich. Bei f/2,8 verschwindet auch die Umrandung, dafür wird die Form der Blende sichtbar.

Das Minolta MC Rokkor 85mm 1:1,7 ist ein guter Allrounder, der gerade für Personen mit einem Interessenschwerpunkt bei Portraitsaufnahmen sehr gut geeignet ist.

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Minolta MD 85mm 1:2

Sony Alpha 7 Minolta MDLeider ist das hier getestete Exemplar dezentriert und die gezeigte Randauflösung nicht repräsentativ. Eigene Testaufnahmen mit einem anderen Exemplar und ein Test auf artaphot.ch zeigen, dass es schon bei Offenblende bis in die Ecken eine sehr gute Leistung zeigt.

Bei Offenblende zeichnet das Objektiv bereits sehr scharf, wem also Schärfe wichtiger als gutes Bokeh ist, der hat mit dem Objektiv ein kompaktes und gutes Portraitobjektiv sowie ein hervorragendes Objektiv für Landschaftsaufnahmen.

Beim Bokeh konnte das Objektiv nicht überzeugen, es ist sehr unruhig bei Blende 2 und abgeblendet stört die Form der Blendenlamellen.

Das Objektiv ist ähnlich groß und schwer wie die meisten 50er, alle anderen getesteten Objektive sind deutlich größer. Das macht es zu einem prima Objektiv für Reisen und Wanderungen, wo es auch seine hervorragende Schärfe unter Beweis stellen kann. Für Portraits würde ich andere Objektive vorziehen.

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Samyang 85mm 1:1,4

Sony Alpha 7 Samyang 85mmBei weit geöffneter Blende kann das Objektiv mit guter Schärfe und butterweichem Bokeh überzeugen.

Leider gewinnt es beim Abblenden nicht so sehr an Schärfe hinzu wie die anderen getesteten Objektive Die Leistung ist immer noch gut bis sehr gut, aber andere Objektive bieten hier eine bessere Schärfe.

Wer ein lichtstarkes Portraitobjektiv sucht, ist also mit diesem Objektiv gut aufgehoben, für Landschaftsaufnahmen sind andere Objektive besser.

Leider sind Samyang Objektive für ihre geringe Zuverlässigkeit bekannt und auch mechanisch kann das, vor allem aus Plastik gebaute Objektiv, nicht mit den manuellen Klassikern mithalten.

Die Fokussierung ist etwas ungleichmäßig und der Widerstand recht hoch, auch der Blendenring ist schwergängiger als bei den anderen Tests.

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Tokina AT-X Macro 90mm 1:2,5

Sony Alpha 7 Tokina 90mm

Für mich persönlich der Testsieger.

Bei Blende 2,5 zeigt es über einen Großteil des Bildes eine exzellente Leistung mit moderatem Randabfall.

Spätestens ab f/5,6 ist es bis in die Ecken exzellent – nur wenige Optiken erreichen dieses Niveau. Auch sind fast keine chromatischen Aberrationen zu sehen.

Das Bokeh hat mich in diesem Test am meisten überzeugt: Unschärfekreise haben so gut wie keine Kontur und auch Farbfehler sind besser korrigiert als bei den anderen Objektiven.

Das „Bokina“ gehört nicht ohne Grund zu meinen Lieblingsobjektiven, zwar bietet es ein etwas geringeres Freistellpotential als andere Objektive, dafür ist es bei Offenblende knackscharf im Zentrum und zeigt tolles Bokeh.
Auf näheren oder kürzeren Distanzen fällt die Leistung kein bisschen ab und bleibt hervorragend. Somit kann man mit einem Objektiv gleich drei Anwendungen abdecken: Macro, Portrait und Landschaft abdecken.
Als Nachteil bleibt zu erwähnen, dass es mit 500g recht schwer ist und auf weiteren Distanzen die Einstellung des Fokus etwas frickelig sein kann, weil der Verstellweg eher gering ist.

Für ein ausführliches Review schaut doch mal in meinem Blog vorbei.

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Canon FD 80-200 1:4 L

Das Canon zeigt für ein Zoomobjektiv eine sehr gute Leistung, fällt aber gegenüber den besten Objektiven im Test etwas ab.

Schon bei Blende 4 ist der Großteil des Bildes sehr scharf, die Ecken fallen aber spürbar ab und erreichen auch abgeblendet nicht das Niveau der Minoltas – sind aber auf Augenhöhe mit denen des Samyang 1,4/85.

Das Bokeh habe ich hier nicht getestet, kann aber aus meiner Praxiserfahrung berichten, dass es sich hier sehr gut schlägt – besonders das geringe Bokeh fringing fällt auf.

Insgesamt ein sehr vielseitiges Objektiv, aber kein Experte wenn es um Portraits geht.

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Fazit

Insgesamt kann ich feststellen, dass alle Objektive eine gute Leistung gezeigt haben, je nach den eigenen Interessen hat jedes der Objektive das Potential, der Testsieger zu sein.

Da bei manuellen Objektiven auch häufig die Frage nach dem passenden Adapter kommt, will ich auch noch auf diesen Vergleichstest von günstigen und teuren Adaptern verweisen.

Bei Fragen und Anregungen zögert nicht, die Kommentarfunktion zu nutzen.

Hier noch mal die benutzten Objekitve und die zugehörigen eBay-Links:

  • Minolta MC Rokkor 85mm 1:1,7 (bei eBay)
  • Minolta MD 85mm 1:2 (bei eBay)
  • Samyang 85mm 1:1,4 (bei eBay und amazon)
  • Tokina AT-X Macro 90mm 1:2,5 (bei eBay)
  • Canon FD 80-200 1:4 L (bei eBay)

Sony Alpha 7 bei Amazon Deutschland

About The Author

Phillip Reeve ist Student und fotografierte 2 Jahre lang mit einer Nex bevor er im November 2013 auf eine Sony A7 umstieg. Seine fotografischen Schwerpunkte sind Natur und Reise, wobei er zumeist manuelle Objektive einsetzt.

4 Comments

  1. Hallo Philip,
    vienen Dank für das interessante Review. Für die A7 hatte ich mal das Nikon G 85mm F1.8, ber das hatte chromatische Aberrationen ohne Ende.
    Meine absolute Lieblingslinse ist mittlerweile das Voigtländer 90mm SL II für Nikon (wegen Blendenring) geworden: Offenblende 3.5 hört sich ultralangweilig an, aber an Vollformat kann man damit immer noch schön mit Unschärfe spielen.
    Aber die Linse ist sehr scharf und sehr kompakt (macht sich sehr schön an der Kamera). Bsp.bilder in klein:
    http://www.mopswerk.de/tag/voigtlaender-90/
    Bei den Reviews im Netz kommt das Teil auch sehr gut weg
    Einziger Pferdefuss: Leider gibt es diese Linse nur noch selten gebraucht (mir unverständlich) für Nikon; wenn man einen EF Adapter hat, bekommt man die durchaus für Canon noch häufiger.

    • Hallo Hendrik,

      das Voigtländer ist schon etwas länger auf meinem Radar, genau wie das 2/40 und 3.5/20, das sind alles gute und schön kompakte Linsen. Ich denke ich würde es für Canon EF anschaffen weil man da mit Adapter dann exifs hat.
      Aber gerade teste ich mich erstmal durch Minolta und Canon durch.

      Grüße
      Phillip

  2. Klasse Vergleich – Klasse Übersicht.
    So muß ein Test aufgebaut sein.
    Auch eine gute Idee das Canon -L Zoom mitantreten zu lassen.
    Jetzt weiss ich das ich nur für die Lichtstärke bzw.extreme Freistellung eine 85er
    Festbrennweite zusätzlich brauche…
    Gruss-Peter.

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