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STF an a7
Doppelblende des STF
Doppelblende des STF

Für Portraitfotografen, Makrofotografen und Liebhaber des schönen Bokeh gibt es im Sony Objektivprogramm einen Spezialisten: das Sony 135mm F2.8 [T4.50] STF (hier bei Amazon und eBay). Dieser Artikel beschreibt die Besonderheiten des Objektivs und vergleicht das STF mit dem Sony FE 70-200mm F4 G OSS (hier bei Amazon und eBay) an einer Sony A7, denn auch das FE 70-200 wurde von Sony mit einer kleinen Besonderheit für ein schönes Bokeh ausgestattet. Außerdem bekommen zwei ältere, manuelle Objektive (Pentacon 135mm F2.8 (hier bei eBay) an der Sony A7 und 85/2 MC Jupiter-9 (hier bei eBay) an der Sony A6000) die Chance gegen das STF und das FE 70-200mm F4 anzutreten und zu zeigen, was in ihnen steckt. Die Zusammenfassung überprüft einige Mythen und spricht eine Empfehlung aus, welches Objektiv sich für welchen Typ Fotografen eignet. Das gesamte Bildmaterial und die Ausschnitte des Bokeh-Vergleichs stehen am Ende des Artikels zum Download zur Verfügung, um sich alle Bilder in voller Größe und Auflösung am eigenen Bildschirm anschauen und sich ein eigenes Bild machen zu können.

1. Einleitung

Das Sony 135mm F2.8 [T4.5] STF (kurz: STF), auch bekannt als SAL135F28, wurde 1999 von Minolta veröffentlicht und 2006 von Sony fast unverändert neu aufgelegt. Abgesehen von einer leicht veränderten Materialwahl für die Kunststoffteile mit einer Gewichtsersparnis von 82 Gramm und einer anderen Farbwahl für Blendenring und Entfernungsanzeige hat sich an diesem Objektiv und seiner Konstruktion nichts geändert. Das STF wurde speziell mit dem Ziel konzipiert, einen besonders weichen Unschärfebereich vor und hinter der Fokusebene zu erzeugen und das auch unabhängig von der Entfernung zur Fokusebene. Das Objektiv verfügt über zwei einstellbare Blenden. Die automatische Blende mit 9 Lamellen wird verwendet, wenn der Blendeneinstellring auf „A“ eingestellt ist. Diese automatische Blende wird, wie bei anderen Objektiven, über die Blendenverstellung der Kamera gesteuert. Weiterhin verfügt das STF über eine stufenlose Blende mit 10 Blendenlamellen, die über den Blendenring verstellt wird. Zusätzlich zu diesen beiden Blenden verfügt das Objektiv über ein Apodisationselement, was eine Art ND-Filter ist der zum Rand hin dunkler wird. Dieses Element reduziert die Lichtmenge, die am äußeren Rand des Objektivs in die Kamera gelangt von 0 Blendenwerten in der Mitte bis 1,5 Blendenwerten am Rand, wodurch bei Offenblende F2.8 der Transmissions (T)-Wert von T4.5 entsteht. Dieses Apodisationselement erzeugt die natürliche Weichzeichnung ohne die Originalform des Objektes künstlich zu verändern.

Was ist das Besondere am FE 70-200mm F4 G OSS? Neben dem FE 55mm F1.8 ist das FE 70-200mm F4 eines von zwei FE-Objektiven im aktuellen FE-Objektivprogramm, welches über eine zirkulare Blende mit 9 Lamellen verfügt. Diese Blendenkonstruktion erzeugt eine kreisrunde Blende über den gesamten Blendenbereich mit einem wunderschönen Bokeh – so das Versprechen des Herstellers. Im Vergleich zum STF verfügt das FE 70-200 noch über andere Eigenschaften wie z.B. über die optische Stabilisierung OSS und SSM und einen pfeilschnellen Autofokus per Ultraschallantrieb.

2. Vergleich – Rückblick 2011

In 2011 habe ich kurz nach Kauf des STF den ersten Vergleich mit dem SAL 70-200mm F2.8 G SSM I an einer Sony A850 gemacht; auch damals schon um herauszufinden, ob der Unterschied im Bokeh die Komforteinbußen in Sachen Autofokus und Flexibilität hinsichtlich Brennweite aufwiegt. Das Bildmaterial von 2011 habe ich für diesen Beitrag in der Vergleichsansicht in Lightroom gegenübergestellt.

Die folgende Serie vergleicht das STF bei Nutzung der automatischen Blende im A-Modus gegen das SAL 70-200. Dabei ist der beim STF angezeigte Blendenwert (f/x) der effektive Transmissionswert (T/x), welcher 1,5 Blendenwerte höher liegt.

STF F2.8[T4.5] - SAL 70-200 F2.8
STF F2.8[T4.5] – SAL 70-200 F2.8
STF F2.8[T4.5] - SAL 70-200 F3.5
STF F2.8[T4.5] – SAL 70-200 F3.5
STF F2.8[T4.5] - SAL 70-200 F4.0
STF F2.8[T4.5] – SAL 70-200 F4.0
STF F2.8[T4.5] - SAL 70-200 F4.5
STF F2.8[T4.5] – SAL 70-200 F4.5
STF F3.5[T5.0] - SAL 70- 200 F5.0
STF F3.5[T5.0] – SAL 70- 200 F5.0
STF F4[T5.6] - SAL 70-200 F5.6
STF F4[T5.6] – SAL 70-200 F5.6
STF F4.5[T6.3] - SAL 70-200 F6.3
STF F4.5[T6.3] – SAL 70-200 F6.3
STF F5.0[T7.1] - SAL 70-200 F7.1STF F5.0[T7.1] - SAL 70-200 F7.1
STF F5.0[T7.1] – SAL 70-200 F7.1
STF F5.6[T8.0] - SAL 70-200 F8.0
STF F5.6[T8.0] – SAL 70-200 F8.0
Der folgende Vergleich bezieht sich auf das STF im T-Modus unter Einsatz der zweiten Blende mit 10 Lamellen.

STF A5.6 - STF T5.6
STF A5.6 – STF T5.6
STF A6.3 - STF T6.3
STF A6.3 – STF T6.3

Zusammenfassend lässt sich zu den oben gezeigten Bildern sagen, dass das STF im A-Modus mit automatischer Blende bis Blende F4.5 [T6.3] dem SAL 70-200 bei F6.3 überlegen ist. Danach zeigt auch das STF erste Unruhen im Bokeh. Im T-Modus mit Einsatz der zweiten, manuellen Blende zeigt sich deutlich, dass das der bevorzugte Modus für das Objektiv sein sollte. Die letzten Bilder erklären sicherlich auch, warum sich dieses Objektiv nach meinem Wechsel von Sony A-Mount auf E-Mount Kameras immer noch in meinem Schrank befindet.

3. Vergleich – Neuauflage 2015

Das war 2011, heute ist heute und heute gibt es ein neues Objektiv, mit dem sich ein Vergleich lohnt. Und es gibt ein „altes“ Schätzchen, das Pentacon 135mm F2.8, welches ich gerne mit in den Vergleich aufnehmen möchte.

Die Teilnehmer des Bokeh-Wettbewerbs

An dieser Stelle ist es wohl Zeit nochmal darauf hinzuweisen, was bei diesem Vergleich im Vordergrund steht: Ausschließlich und alleine die Anmutung und das Aussehen des Bokes bei einer vorgegeben Situation. Auch wenn ich vielleicht bei den Objektiven etwas zum Handling oder der Nutzbarkeit schreibe, so fließt das nicht in die abschließende Bewertung ein.

Der Favorit

Beschreibung: SAL 135mm F2.8 [T4.50] STF
Sony UVP: 1.319,– €
Straßenpreis (11/2014): 999,– €  (hier bei Amazon und eBay)
Kleinste Blende: f/31, T/32
Blendenlamellen: 9/10
Naheinstellgrenze: 87 cm
Filterdurchmesser: 72 mm
Ø x Länge: 80 × 126 mm inkl. LAEA-3
Gewicht: 902 g inkl. LAEA-3

dsc04484Das SAL 135mm F2.8 [T4.50] STF wirkt im ersten Moment „falsch“ an der ILCE-7, was zum einem dem Adapter geschuldet ist, zum anderen wohl auch daran liegt, dass das Objektiv in seinem ursprünglichen Design für die Nutzung an einer größeren Kleinbild-Spiegelreflexkameras konstruiert wurde. Tatsächlich liegt die Kombination aus Kamera und Objektiv aber gut in der Hand. Für freihändige Portraitaufnahmen im Hochformat empfehle ich trotzdem den Batteriegriff VG-C1EM (hier bei Amazon und eBay). Apropos Adapter: Für dieses manuelle Objektiv ist der LAEA-3 (hier bei Amazon und eBay) aus meiner Sicht der richtige Adapter. Er ist kleiner, leichter und billiger als der LAEA-4 (hier bei Amazon und eBay) und verfügt ebenfalls über ein Stativgewinde, aber im fehlt das SLT-Spiegelelement, welches ungefähr 30% Licht schluckt (also einen halben Blendewert).

Die reine manuelle Fokussierung ist aus meiner Sicht an der Sony A850 nicht einfach und konnte eigentlich nur durch die Verwendung des Fokussierbildschirms vom Typ M (FDA-FM1AM) etwas vereinfacht werden. Mit Einführung der SLT-Kameras und der spiegellosen Kameras mit Fokussierlupe und konfigurierbarer Kontrastkantenanhebung bekommt die Verwendung manueller Objektive einen neuen Schub. Besonders durch die Konstruktion mit dem Ziel, das Bokeh zu betonen, ist dieses Objektiv sicherlich der Bokeh-Favorit vieler Fotografen und es ist spannend zu sehen, ob es dieser Rolle gerecht wird.

Doppelblende des STF
Doppelblende des STF
STF an a7
STF an a7

Der Herausforderer

Beschreibung: FE 70-200mm F4 G SSM OSS
Sony UVP: 1.499,– €
Straßenpreis (11/2014): 1.290,– € (hier bei Amazon und eBay)
Kleinste Blende: f/22
Blendenlamellen: 9 (zirkular f/4-f/8)
Naheinstellgrenze: 100 cm
Filterdurchmesser: 72 mm
Ø x Länge: 80 × 175
Gewicht: 840g ohne Stativring

dsc04471Das FE 70-200mm F4 G SSM OSS hat die undankbare, von mir aufgezwungene Rolle des Herausforderers. Die Erwartung ist hoch, denn Sony verbaut im FE 70-200mm F4 – als einzigem Objektiv neben dem FE 55mm F1.8 – eine Blende mit 9 Lamellen und besonderem Lamellendesign, welches eine fast perfekt kreisrunde Blende von f/4 bis f/8 ermöglicht.

Das Objektiv überzeugt durch Kompaktheit und sehr gutes Handling. Neben dem flexibleren Einsatz durch den Zoombereich bietet das FE 70-200 noch den Vorzug der optischen Stabilisierung und des Autofokus mit einstellbarer Limitierung. Im Sinne der Gleichbehandlung und weil der AF und die optische Stabilisierung nicht in die Wertung mit einfließen, werden AF und OSS einfach abgeschaltet. Zu bewerten sein soll nur das Bokeh und hier sind die Erwartungen zumindest bei mir recht hoch, jedoch nicht so hoch, als dass es dem Favoriten den erwarteten Platz streitig machen könnte – oder doch?

Blende FE 70-200 F4
Blende FE 70-200 F4
FE 70-200 an a7
FE 70-200 an a7

Für das 70-200 F4 habe ich ein zusätzliches Bild an der eingeschalteten Sony A7 angefertigt, denn nur so kann man die Blende im geöffneten Zustand zeigen, hier bei F5.6.

Blende bei F5.6
Blende bei F5.6

Der Außenseiter

Beschreibung: Pentacon 135mm F2.8
UVP: unbekannt
Straßenpreis (11/2014): 139 € (Ebay Direktkauf)
Kleinste Blende: f/32
Blendenlamellen: 15
Naheinstellgrenze: 150 cm
Filterdurchmesser: 58 mm
Ø x Länge: 61 x 130 mm inkl. M42-Adapter
Gewicht: 622 g inkl. Adapter

dsc04495Das Pentacon 135mm F2.8 (hier bei eBay) ist in jeglicher Hinsicht der Außenseiter in diesem Wettbewerb, sowohl im Hinblick auf das Alter als auch in Bezug auf den Preis – wenn ich mich richtig erinnere, habe ich dieses Exemplar für 89,– € bei Ebay erstanden. Es ist nicht einfach, Informationen zu diesem Objektiv zu finden. Hergestellt wurde das Objektiv im VEB Pentacon in Dresden, wohl in der Zeit zwischen 1971 und 1978 und ist in 4 verschiedenen Versionen, wovon das erste in der „Zebra“-Variante von Meyer-Görlitz produziert wurde. Hinsichtlich der Anzahl der Blendenlamellen kenne ich nur die Versionen mit 6 und 15 Lamellen. Im Internet wird immer wieder von einer Version mit 16 Blendenlamellen berichtet, aber diese wurde auf noch keiner mir bekannten Seite zu diesem Objektiv bestätigt; für Hinweise diesbezüglich bin ich dankbar.

Ein besonderes Merkmal dieses Objektivs ist die Blendenvorwahl über einen Einstellring, über den die maximal vorwählbare Blende begrenzt werden kann. Diese Vorwahl ist alleine schon aus dem Grund sinnvoll, da die Blendeneinstellung stufenlos erfolgt. Die hier verwendete Version mit 15 Blendenlamellen trägt den Beinamen „bokeh-monster“; wir werden sehen, ob dieser Name hält, was er verspricht.

Blende des Pentacon 135 F2.8
Blende des Pentacon 135 F2.8
Pentacon 135 F2.8 an a7
Pentacon 135 F2.8 an a7

Die wichtigsten technischen Daten im Überblick:

Beschreibung: SAL 135mm F2.8 [T4.50] STF FE 70-200mm F4 G SSM OSS Pentacon 135mm F2.8 SAL 70-200 F2.8 G SSM
Hersteller-UVP: 1.319,– € 1.499,– € n.b. 2.999,– € (Version II)
Straßenpreis (November 2014): 999,– € 1.290,– € Ebay Direktkauf 139,– € 2.399,– €
Kleinste Blende: f/31, T/32 f/22 f/32 f/32
Blendenlamellen: 9/10 9 (zirkular) 15 9
Naheinstellgrenze: 87 cm 100 cm 150 cm 120 cm
Filterdurchmesser: 72 mm 72 mm 58 mm 77 mm
Abmessungen (Ø x Länge): 80 × 126 mm inkl. LAEA-3 80 x 175 mm 61 x 130 mm inkl. M42-Adapter 87 x 196,5 mm
Gewicht: 902 g inkl. LAEA-3 840 g ohne Stativring 622 g inkl. M42-Adapter 1.340 g ohne Stativring

4. Vergleich

Wissenswert

Vorab ein paar einleitende Worte zum Vergleich:

Es geht hier vorrangig um den Vergleich des STF mit FE 70-200 F4 G SSM OSS und Pentacon 135mm F2.8. Hierzu habe ich Teilausschnitte aus den Bildern mit enstprechenden Blendenwerten ausgeschnitten und in einer 4er-Tafel zusammengesetzt. Den freien, vierten Platz habe ich mit einer Vergleichsaufnahme des 85/2 MC Jupiter-9 mit 15 Blendenlamellen an der Sony A6000 aufgefüllt, wobei es hierbei etwas zu berücksichtigen gilt – mehr dazu später.

Die mit einem STF gemachten Bilder mit Bildern zu vergleichen, die mit einem anderen Objektiv gemacht wurden, erfordert immer ein gewisses Maß an Erklärung, was der Besonderheit des Apodisationselementes geschuldet ist. Wenn also bei der Nutzung des STF an der Kamera ein Blendenwert von F4.5 angezeigt wird, so bezieht sich dieser Wert auf die Menge an Licht, die durch das Objektiv fällt [T4.5]. Der Schärfentiefebereich entspricht jedoch dem einer Blende F2.8. Die Kamera ist auf 1/3-Blendenstufen eingestellt und um nicht in wilden und unverständlichen Blendenberechnungen zu enden, wurde die Berechnung von F- und T-Werten mit dem vereinfachten Faktor von 1 Blende durchgeführt – ich denke, das ist o.k., wenn auch nicht korrekt. Somit vergleiche ich ein mit dem FE 70-200 gemachten Bild bei F5.6 mit dem Bild des STF bei T8.

Der Test wurde wegen Außentemperaturen Ende November 2014 im Innenraum durchgeführt. Es wurden 3 Objekte gestaffelt aufgebaut und dabei die Naheinstellgrenze der Objektive berücksichtigt. So wurde der Abstand zwischen Sensorebene und dem ersten Objekt für jedes Objektiv auf 2 Meter vermessen, damit die Unschärfe vor der Motivebene nicht durch das Unterschreiten der Naheinstellgrenze erzeugt wird. Der Abstand zwischen erstem und zweiten Objekt betrug 0,5 und zwischen zweitem und dritten Objekt 1 Meter. Für das dritte Objekt wurde eine einzelne Blume in einer seitlich angeleuchteten Vase verwendet um die verschiedenen Unschärfeelemente (Punkte, Kreise und unregelmäßige Formen) zu erzeugen.

Um den Testablauf zu beschleunigen und zu vereinfachen, habe ich nicht für jede neue Blendeneinstellung die Lichtmenge aus den Blitzen neu eingestellt, sondern einfach die ISO-Einstellung um den veränderten Blendenwert erhöht. Bei einigen Ausschnittsvergleichen erzeugt das ein wenig Rauschen, was aber bei Betrachtung der Vergleichsbilder in voller Auflösung (7200×4800 Pixel) nicht auffällt.

Zusatznominierung Jupiter-9

Das 85/2 MC Jupiter-9 mit seinen 15 Blendenlamellen habe ich tatsächlich nur mit in den Vergleich aufgenommen, um die weiße Fläche im Ausschnittsvergleich mit etwas Sinnvollem zu füllen – und auch ein wenig, weil ich neugierig auf die Performance war. Dieses Objektiv soll aber nicht vom eigentlichen Vorhaben ablenken, die drei vorgestellten Objektive an einem Vollformatsensor hinsichtlich Bokeh zu vergleichen.

Zu berücksichtigen beim Vergleich dieses Objektivs ist der APS-C Verlängerungsfaktor, der das Jupiter-9 in der Bildwirkung mit einem KB-Äquivalent von 127,5 mm zu einem vergleichbaren Objektiv macht. Wichtig ist dabei jedoch, dass für einen Vergleich der Wirkung von Unschärfe das Jupiter-9 an einer APS-C Kamera eine Blende weiter aufgeblendet sein muss, was der Vergleich der Unschärfewirkung zwischen Pentacon 135mm bei F2.8 und F4 mit dem Jupiter-9 bei F2.8 im nachstehenden Bild verdeutlicht:

penf2-8_jupf2-8_penf4_jupf2-8_sDer Vergleich zeigt, dass die Bildwirkung von F4 am Kleinbildsensor eher einer Blende F2.8 an einer APS-C Sensorgröße entspricht. Das wurde bei allen weiteren Vergleichsbildern berücksichtigt und für das Jupiter-9 an der Sony A6000 ein Ausschnitt aus dem Bild gewählt, welches mit einer Stufe weiter geöffneter Blende erstellt wurde.

Vergleich der Bildausschnitte

stfa2-8_70200f4_penf2-8_jupf2-8_sDer obige Vergleich zeigt den gewählten Ausschnitt bei Offenblende – beim STF entspricht bei T4.5 der Schärfentiefebereich einer F2.8. Besonders an der kleinen Glasvase im Hintergrund zeigt sich die hervorragende Bokehleistung des STF in der Weichheit der runden Lichtreflexionen am Glas sowie im fließenden Übergang an der linken Kante der Vase. Das Vorgrundbokeh von STF und Pentacon ist etwas weicher als beim Jupiter-9; Vorder- und Hintergrundbokeh des FE 70-200 liegen trotz F4 zwischen Pentacon und Jupiter-9.

stfa4_70200f4_penf4_jupf2-8_sInteressanter wird der Vergleich nun, da alle Objektive mit gleicher Blende hinsichtlich Schärfentiefe verglichen werden (das Jupiter-9 mit F2.8 wegen APS-C, Erklärung siehe oben). Die Blende von FE 70-200 und Jupiter-9 verändert sich nicht. Das Bokeh des Pentacon wird sowohl im Hintergrund als auch im Vordergrund etwas härter und im Vergleich bei gleicher Blendenzahl gefällt mir nun das Bokeh des FE 70-200 etwas besser, besonders im Vordergrund. Das STF präsentiert wie erwartet immer noch das schönere Bokeh.

stfa5-6_70200f5-6_penf5-6_jupf4_sBlende F5.6 an der Sony A7 bzw. F4 beim Jupiter-9: Sowohl beim Jupiter-9 als auch beim Pentacon zeigen sich die ersten Anzeichen von Doppellinien, deren Ausprägung zunimmt, je näher man an die Fokusebene kommt. Insgesamt gleichen sich die Bokehs an; das STF liegt immer noch knapp vorne, jedoch nur noch im Vordergrundbokeh.

stfa8_70200f8_penf8_jupf5-6_sBlende F8 ist aus meiner Sicht eigentlich keine Blende mehr, die für die Erzeugung von schönen Unschärfeverläufen zum Einsatz kommen sollte und so ist dieser Vergleich nur als Zugabe und der Vollständigkeit halber zu sehen. Insgesamt präsentieren alle Objektive bei Blende F8 (bzw. F5.6 beim Jupiter-9) ein schönes Bokeh und es sind kaum noch Unterschiede zu erkennen.

Das STF und seine zweite Blende

Die folgenden Bilder zeigen das gesamte Setup unter Verwendung der zweiten, stufenlosen Blende mit 10 Blendenlamellen und verdeutlichen wo die Stärken des STF liegen.

STF_T-Mode_T4.5
STF-T4.5
STF_T-Mode_T4.5+0.3
STF-T4.5+0.3
STF_T-Mode_T4.5+0.7
STF-T4.5+0.7
STF_T-Mode_T5.6
STF-T5.6
STF_T-Mode_T6.3
STF-T5.6

5. Fazit

Hinter dem Ganzen steht doch eigentlich die Frage, welcher zusätzliche finanzielle Aufwand sich lohnt um Bilder mit einem weichen Bokeh zu erzeugen? Und wie so oft ist die Antwort nicht leicht zu finden. Der Liebhaber des weichen Bokehs wird die Bilder vom STF unter Verwendung der zweiten, stufenlosen Blende mit 10 Lamellen bevorzugen. Klar, diese Art von weichem, ja schon fast cremigem Bokeh ist mit keinem anderen Objektiv aus diesem Vergleich und wohl auch nur mit wenigen Objektiven im herstellerübergreifenden Markt zu erzeugen. Das Pentacon 135mm F2.8, welches wie bereits erwähnt den Ruf des „Bokeh-Monsters“ genießt, kommt dem Ergebnis recht nahe – zumindest in diesem Vergleich unter kontrollierten Lichtbedinungen ohne Gegen- oder Streulicht. Hier bleibt offen, ob das etwas in die Jahre gekommene Pentacon unter schwierigeren Lichtbedinungen die gleiche Leistung bringen kann – gleiches gilt auch für das Jupiter-9, denn beide Objektive können hinsichtlich der Gläser und Vergütung sicherlich nicht mit modernen Objektiven mithalten. Das FE 70-200 F4 G SSM OSS ist mehr als Allrounder zu betrachten und macht seine Sache ganz gut – wie auch schon das SAL 70-200mm F2.8 G SSM in Vergleichstest von 2011. Interessant wäre zu sehen, welches Bokeh das FE 70-200 F4 wohl mit einer 2.8er Blende zeichnen würde.

Für den Fotografen, der gelegentlich ein Portrait anfertigt ist das STF sicherlich nicht unbedingt die erste Wahl, genauso wenig für den Fotografen, der Schwierigkeiten mit der manuellen Fokussierung hat. Wer Freude an einem schönen Bokeh, kein Problem mit dem manuellen Fokussieren hat, aber nicht unbedingt das Beste haben muss oder eine günstige Alternative sucht, der findet mit dem Pentacon 135mm F2.8 für ca. 139,– € im Ebay Direktkauf ein schönes Objektiv für die Vollformat-Kamera und mit dem 85/2 MC Jupiter-9 für ca. 110,– € im Ebay Direktkauf das Passende für die APS-C Kamera oder mit kürzerer Brennweite an Vollformat. Für den Liebhaber des weichen, cremigen Bokehs gibt es nach wie vor keine richtige Alternative zum STF – zumindest nicht bei Sony.

  • Sony 135mm F2.8 [T4.50] STF (Amazon und eBay)
  • Sony FE 70-200mm F4 G OSS (Amazon und eBay)
  • Pentacon 135mm F2.8 (eBay)
  • 85/2 MC Jupiter-9 (eBay)

6. Downloads und wertvolle Informationen

ZIP-Datei mit Bildern in 6000×4000 Pixel

ZIP-Datei mit Bildausschnitten in 3600×2400 Pixel

Alles Wichtige über das STF (en):
http://www.the135stf.net/

Das Minolta STF bei Wikipedia (en):
http://en.wikipedia.org/wiki/Minolta_STF_135mm_f/2.8_T4.5_lens

Sony STF bei Kurt Munger (en):
http://kurtmunger.com/sony_135mm_f_2_8__t4_5__stfid268.html

Das STF bei Stephan Kölliker (de):
http://artaphot.ch/minolta-sony-af/objektive/267-minolta-sony-af-135mm-f28-sft

About The Author

Jörg Haag ist Unternehmensberater und freiberuflicher Fotograf. 1967 in der Eifel geboren entdeckte er mit 22 Jahren die Fotografie und nutzte bis vor ca. 10 Jahren analoge Kameras von Minolta. Über digitale Kompaktkameras stieg er 2007 mit einer alpha 700 in die Welt der digitalen Spiegelreflexkameras ein. Heute nutzt Jörg neben spiegellosen Systemkameras mit Kleinbildsensor auch wieder analoge Kameras im Kleinbild- und Mittelformat sowie Sony Cybershot-Kameras mit 1"-Sensor für seine fotografischen Arbeiten, wobei er den elektronischen Sucher der Sony-Kameras besonders schätzt.

4 Comments

  1. […] Image above shows the Sony 135mm f/2.8 STF A-mount lens (Image from Jörg Haag on SystemKameraForum). […]

  2. […] Image above shows the Sony 135mm f/2.8 STF A-mount lens (Image from Jörg Haag on SystemKameraForum). […]

  3. […] Image above shows the Sony 135mm f/2.8 STF A-mount lens (Image from Jörg Haag on SystemKameraForum). […]

  4. Danke für die ausführlichen Erklärungen und die anschaulichen Bilder dazu, damit hat sich mir wieder ein weiteres Geheimnis der Fotografie erschlossen.
    Mittlerweile hat Sony ja für das E Bajonett weitere Linsen verfügbar gemacht, die hinsichtlich Bokeh sogar speziell mit einem extra dafür geschaffenen Berechnungsprogramm entwickelt wurden. Ich meine das SEL85F14GM und das SEL100F28GM. Es wäre interessant, diese im direkten Vergleich zu den oben genannten Vertretern zu sehen. Ich selbst konnte mich kürzlich von dem fantastischen Bokeh des SEL85F14GM Portrait Objektives überzeugen. Es zählt trotz seines stolzen Preises definitiv zum Bereich der „Haben wollen“ Linsen.

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