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Das Sony E 4/10-18 OSS deckt einen KB-äquivalenten Brennweitenbereich von 15-27mm ab, zeichnet sich vor allem durch geringe Größe, Gewicht und einen integrierten Bildstabilisator aus.

In diesem Review will ich nun darstellen, wie sich das Objektiv in der Praxis schlägt. Wie immer in meinen Berichten bemühe ich mich um ein ausgewogenes Verhältnis von technischen Tests, Praxiserfahrungen und Einordnung. Die gezeigten Beispielbilder sind deshalb alle bearbeitet und sollen illustrieren, was erreichbar ist – die Testaufnahmen hingegen sind unbearbeitet.

Das Review basiert auf Erfahrungen, die ich im November 2014 innerhalb von vier Wochen mit einem von Sony zur Verfügung gestellten Exemplar an der Sony A6000 gemacht habe.

Sony E 4/10-18 OSS Produktbild

Technische Daten

  • Brennweite: 10-18mm (15-27mm KB-Äquivalent)
  • Blende: 1:4,0 (1:5,6 KB-Äquivalent)
  • Optische Konstruktion: 10 Elemente in 8 Gruppen
  • Anzahl Blendenlamellen: 7
  • Filtergewinde: 62mm
  • Gewicht: 225g
  • Maximale Vergrößerung: 1:10
  • Naheinstellgrenze:  25cm
  • Maße (Durchmesser x Höhe): 70mm x 63,5mm
    Sony E 4/10-18 OSS Objektivschnitt
    SEL1018 Objektivschnitt

Lieferumfang

Neben den beiden Objektivdeckeln ist die Gegenlichtblende mit der Bezeichnung ALC-SH125 und eine kurz gefasste Bedienungsanleitung dabei.

Verarbeitung

Das Bajonett ist aus Metall, der Rest des Objektives samt Filtergewinde aus hochwertigem Kunststoff.

Der recht schmale Fokusring fasst sich angenehm an, läuft spielfrei und hat einen eher geringen, aber noch angenehmen Widerstand. Das Objektiv ist innenfokussiert.

Auch der Zoomring dreht sich angenehm. Das Objektiv verändert beim Zoomen seine Länge: Bei 10mm ist es ca. 5mm länger als bei 18mm. Die Brennweiten 10, 12, 14 und 18mm sind auf dem Tubus klar markiert und präzise anzusteuern.

Die tulpenförmige Gegenlichtblende ist ebenfalls aus Plastik, wirkt aber recht robust und lässt sich umgekehrt auf das Objektiv stecken.

Insgesamt würde ich die Verarbeitung als gut bis sehr gut bewerten.

Sony E 4/10-18 OSS Gegenlichtblende
SEL1018 Gegenlichtblende: Mit , umgestülpt, ohne

Erster Eindruck

Das Objektiv ist mit seinen 225 Gramm angenehm leicht und an der A6000 gut ausbalanciert. Es ist in etwa so lang wie das Sony SEL1855 oder SEL50f18, hat aber einen größeren Durchmesser.

Die Verarbeitung wirkt hochwertig und die schwarze Farbe harmonisiert mit der Kamera. Der Autofokus ist sehr leise, genau wie der Bildstabilisator – um Arbeitsgeräusche zu hören, muss man schon in einem ruhigen Raum sein.

Autofokus

Der Autofokus ist an der A6000 sehr schnell und dabei treffsicher – mindestens auf dem Niveau des 1:1,8/35mm und schneller als beim 1:1,8/50mm.

Auch beim Tracking machte der AF eine sehr gute Figur.

Bei wenig Licht sinkt die AF-Geschwindigkeit, Schnappschüsse werden dann schwierig. In klassischen Anwendungsszenarien für ein Superweitwinkel (z.B. bei der Landschaftsfotografie) ist sie aber noch absolut ausreichend.

Sony E 4/10-18 OSS: Typisches Foto aus der Praxis
Typisches Foto aus der Praxis

Bildstabilisator

Der Bildstabilisator hatte bei meinen Tests einen Effekt von ca. einer Blende.

Manueller Fokus

Die Übersetzung – also wie weit man den Fokusring drehen muss, um den Fokuspunkt zu verschieben – ist von der Geschwindigkeit abhängig, mit der man den Fokusring dreht.

Das klingt erstmal sinnvoll: Für die grobe Fokussierung dreht man den Fokusring schnell und macht das Finetuning dann langsam. In der Praxis bin ich allerdings auch nach vier Wochen intensiven Gebrauchs nicht in der Lage, meine Geschwindigkeit passend zu dosieren und würde die „klassische“ Variante bevorzugen.

Das Objektiv selbst hat keine Entfernungsskala, es gibt aber eine elektronische Skala, welche einem die eingestellte Entfernung anzeigt. Absolut zuverlässig ist diese aber leider nicht. Ich hatte gehofft, die Skala auf Unendlich stellen zu können und dann, wie von manuellen Objektiven gewohnt, eine scharfe Landschaftsaufnahme zu haben. Tatsächlich musste ich aber noch ein ganzes Stück manuell nachkorrigieren.

Dramatisch sind diese Einschränkungen nicht, denn der AF ist sehr leistungsfähig und man kann mit etwas Geduld sehr präzise manuell scharf stellen.

Optische Leistung

Gegenlichtverhalten

Das Objektiv verhält sich in dieser Disziplin vorbildlich und zeigt nur sehr kleine Flares und keinen merklichen Kontrastabfall.

Sony E 4/10-18 OSS Sonnensterne

Sonnensterne

Leider muss man auf f/22 abblenden, um schön definierte 14 strahlige Sonnensterne zu bekommen. Man hat dann aber wegen der Beugungsunschärfe ein äußerst unscharfes Bild.

Bei f/8 oder f/11 sind die Sonnensterne ausgefranst.

Sony E 4/10-18 OSS Sonnenstern 2

Bokeh

In der Regel ist bei einem Superweitwinkle annähernd das gesamte Bild im Fokus. Nutzt man das Objektiv aber an der Naheinstellgrenze, so kann man zumindest etwas freistellen. Das Bokeh ist dabei eher unruhig.

Sony E 4/10-18 OSS Bokeh

Verzeichnung

Für ein Superweitwinkel ist die Verzeichnung des SEL1018 eher gering: Bei 10mm ist sie moderat tonnenförmig und bei 18mm moderat kissenförmig, bei 14mm heben sich diese Effekte nahezu auf.

Schärfe

Sony E 4/10-18 OSS MTF Graph
Sony E 4/10-18 OSS MTF Graph

Sonys offizieller MTF Graph ist nicht so aussagekräftig.

10mm Sony_1018mmf4_10mm

  • Bei Offenblende ist das Zentrum etwas schwächer, aber immer noch verwendbar. Der Randabfall ist eher gering – die Rände sind zwar nicht wirklich scharf, aber auch nicht komplett unscharf wie bei manch anderem SWW.
  • Abblenden auf f/5,6 erhöht die Schärfe im Zentrum auf ein exzellentes Niveau, die Mitten und Ränder gewinnen auch und sind auf gutem bzw. befriedigendem Niveau.
  • Bei f/8 sinkt die Schärfe im Zentrum leicht ab, dafür gewinnen die Mitten und Ecken hier leicht und sind auf sehr gutem bzw. gut bis befriedigendem Niveau.
  • Bei f/11 sinkt die Schärfe erwartungsgemäß über das ganze Bild merklich ab.

12mmSony_1018mmf4_12mm_2

  • Bei Offenblende zeigt das Zentrum ein sehr gute und die Mitten und Ränder gute Schärfe.
  • Abgeblendet auf f/5.6 ist das Zentrum exzellent, Mitten und Ränder zwischen gut und sehr gut, wobei tangentiale merklich unschärfer als sagittale Strukturen sind.
  • Bei f/8 sinkt das Zentrum auf ein sehr gutes Niveau, Mitten und Ecken sind minimal besser als bei f/5,6

14mmSony_1018mmf4_14mm_2

Sehr ähnlich wie bei 12mm.

  • f/4 zeigt bereits gute bis sehr gute Ergebnisse, für Landschaften ist f/8 optimal.

 

 

16mmSony_1018mmf4_16mm_2

genau wie bei 12mm und 14mm

 

 

 

 

18mm

Sony_1018mmf4_18mm_2Das Zentrum ist bei Offenblende sehr gut, die Mitten sind gut bis sehr gut, aber die Ränder fallen stärker ab als bei mittleren Brennweiten.

Bei f/5,6 gewinnen Zentrum und Mitten etwas, die Ecken werden erst bei f/8 merklich besser und sind dann gut.

Vollformattauglichkeit

Das SEL1018 ist ein APS-C Objektiv und somit nicht für die Verwendung am Kleinbildsensor entwickelt worden. Im Gegensatz zu allen anderen E-Bajonett Objektiven ist es bei 16mm aber in der Lage, den Sensor einer Sony A7 vollständig auszuleuchten.
Schnell fallen dann aber die in den Ecken sehr starke Verzeichnung und ein recht starker Schärfeabfall auf. Croppt man das Bild allerdings von 24MP auf 20MP und korrigiert die Verzeichnung, so erhält man ein durchaus verwendbares Bild mit nicht zu großem Schärfeabfall.

Sony E 4/10-18 OSS @16mm on Alpha 7

Alternativen

Carl Zeiss Touit 2.8/12 Distagon

Das Carl Zeiss Touit 2.8/12 Distagon ist eine Blende lichtstärker als das Sony und liefert bereits bei Offenblende eine sehr gute Bildqualität mit sehr geringem Randabfall und erreicht bereits bei f/2,8 eine höhere Randschärfe, als das Sony je erreicht.

Bei den Materialien wirkt das Zeiss etwas robuster und ich hätte auch ein höheres Vertrauen in seine Haltbarkeit. Der verwendete AF Motor ist allerdings lauter und langsamer als der Sony-Alternative.

In Anbetracht der vergleichbaren Größe und des etwas höheren Preises würde ich mich wohl für das universellere Sony entscheiden, wenn es um das letzte Quentchen Qualität geht, gewinnt aber das Zeiss.

Samyang 2/12

Falls man sich damit anfreunden kann, rein manuelle Objektive zu nutzen, so ist das Samyang 2/12 eine interessante Alternative zum SEL1018.

Es ist bereits bei Offenblende sehr gut nutzbar und ermöglicht dann sogar eine gewisse Freistellung, abgeblendet zeigt es über fast das gesamte Feld eine sehr gute Leistung.

Hauptargument für das Samyang ist sicherlich der günstige Preis von nur ca. 400 Euro.

Sony E 2.8/16 mit Weitwinkelkonverter

Ich habe das Sony SEL16F28 selbst nie getestet und konnte nur diesen Test finden, welcher deutlich positiv fürs SEL1018 ausfällt. Es wäre aber auch möglich, dass hier ein defektes Objektiv im Einsatz war.

Fazit

Mich konnte das Objektiv sehr überzeugen.

Es ist dank interessantem Zoombereich, moderater Lichtstärke und Bildstabilisator sehr universell einsetzbar und die geringe Größe und das Gewicht machen es zu einem sehr attraktiven Reiseobjektiv.

Optisch zeigt es eine für ein Zoomobjektiv sehr gute Leistung, bei 10mm und 18mm ist sie etwas geringer als bei den dazwischen liegenden Brennweiten. Auch in anderen Disziplinen wie Verzeichnung oder Gegenlichtanfälligkeit gibt es sich keine Blöße.

Einziger Wermutstropfen ist der relativ hohe Preis, setzt man ihn aber in Relation zur guten Leistung, und geringen Größe, so ist er gut zu rechtfertigen.

Beispielbilder in voller Auflösung

Durch Klick aufs Bild gelangt man zur Flickr, wo man die Bilder in voller Auflösung herunter laden kann

SEL1018

SEL1018

SEL1018

SEL1018

SEL1018

 

 

 

About The Author

Phillip Reeve ist Student und fotografierte 2 Jahre lang mit einer Nex bevor er im November 2013 auf eine Sony A7 umstieg. Seine fotografischen Schwerpunkte sind Natur und Reise, wobei er zumeist manuelle Objektive einsetzt.

9 Comments

  1. Irgendwo habe ich gelesen, dass man die Streulichtblende des 10-18mm Zooms, nicht an den Vollformatkamera SONY A Kameras verwenden sollte!

    Bei solch extremen Weitwinkel-Brennweiten ist der Einsatz einer AF-Funktion eigentlich überflüssig!

    Die theoretischen SONY MTF-Werte sind ein Treppenwitz, aber auch andere namhafte Hersteller verar…… ihre Kunden damit!

    Was man bei den Tests bitte auch nicht vergessen sollte, er gilt nur für das jeweils getestete Objektiv und hat grundsätzlich keine Allgemeingültigkeit!

    • so ganz kann ich dir nicht folgen.

      Man kann das Objektiv rein mechanisch garnicht an eine A-Mount Kamera wie die a99 bringen.

      Auch beim AF kann ich dir nicht ganz zustimmen, man muss schon recht genau fokussieren um das Schärfepotential der Linse aus zu nutzen. Ich mache das auch lieber per manuellem Fokus, bequemer gehts aber mit AF.

      Ich finde die MTF Graphen nicht völlig bedeutungslos, denn man kann sie mit den Graphen anderer Sony objektive vergleichen und erhält dann schon einige informationen daraus.

      Natürlich kann es beim Test eines einzigen Exemplares passieren, dass die Ergebnisse deutlich schlechter als bei anderen Objektiven sind. Umgekehrt gilt das aber nicht, es gibt bei Objektiven keine Ausreißer nach oben, welche merklich über dem Schnitt liegen. Deshalb kann die heir gezeigte Leistung schon als Benchmark her halten.

      Grüße
      Phillip

  2. Sorry, ich habe mich da falsch ausgedrückt, ich meinte natürlich die A7 u. Kollegen!

    Die meisten Motive sind ja 3-Dimensional und da ist eigentlich jeder AF nicht so sehr präzise, auch weil er da nur auf einen bestimmten Punkt scharfstellt, der aber nicht immer dort liegt, wo man ihn immer gerne haben möchte! Ich halte AF bei den extremen Weitwinkel-Objektiven wegen der sehr großen Schärfentiefe zumeist für entbehrlich!

    MTF-Werte sind sicher nicht sinnlos, sie sind es aber leider mehrheitlich nur von theoretischer Natur und geben nicht den praktischen MTF-Wert wieder! Natürlich sehen die theoretischen Meßwerte spannender und geschönter aus, sie entsprechen aber leider nicht der Praxis! Außer von Zeiss sind MTF-Werte nach meiner Ansicht nicht sehr glaubwürdig!

    Leider gibt es auch bei den Premium-Herstellern keine 100 %, es gibt immer eine
    gewisse Serienstreuung! Außerdem, kommen sechs unterschiedliche Tester, nie zu den selben Ergebnis!

    Bitte kein Mißverständnis, ich lese Deine annehmbaren Tests schon gerne, aber diese als eine „Benchmark“ zu bezeichnen, dass ist mir doch zu viel starker Tobak!

  3. Damit man mich nicht falsch versteht, ich habe vor, mir dieses recht beeindruckende Objektiv für meine A7 und A6000 anzuschaffen. Ich werde das SWW Zoom aber dann sehr kritisch prüfen, weil sich gerade bei den extremen Weitwinkeln gerne Ausreißer in der Serienfertigung einschleichen können. Ferner ist ein Zoom keine Festbrennweite und da sind die optischen Kompromisse zwangsläufig immer größer.

  4. […] spürbar. Meine kleine Fototasche beherbergte problemlos die Sony A6000 samt SEL35F18, SEL50F18 und SEL1018. Sie wog weniger als die Hälfte der großen Fototasche mit Sony A7, Canon FD 2.8/20, Canon FD […]

  5. […] also achtmal so lange belichten, ohne zu verwackeln. Ich war davon positiv überrascht, beim Sony 4/10-18, welches ich vor einer Weile an der A6000 getestet habe, machte er nur einen Unterschied von einer […]

  6. Hallo an die Fangemeinde hier. Ich habe einige Sigma DP Kameras und auch Fuji X und Sony A600 mit diversen Objektiven. Jetzt bin ich am überlegen ob dieses Sony 10-18mm an die Bildqualität meiner DP0 Quattro heranreicht. Generell sind ja die Sigmas rechte Zicken und machches klappt nicht auf Anhieb, Klappmonitor , saubere JPGs und Verwacklungsfreie Objektive gibt es ja auch nicht, bisher war nur der Aspekt Bilddedails feinster Stukturen das Ziel mit ihr. Nun , derweil ich keine Vergleichtest gefunden habe, müßte ich mir ein Sony SWW kaufen und hoffe es nicht zu sehr zu beräuen. Ich bin gespannt wie der Vergleich ausfällt und ob die Sigma DP0 dann bleibt oder das Sony gehen muß. Habt ihr schon mal solche Vergleiche gemacht?

  7. Hallo an die Fanngemeinde hier. Ich habe einige Sigma DP Kameras und auch Fuji X und Sony A600 mit diversen Objektiven. Jetzt bin ich am überlegen ob dieses Sony 10-18mm an die Bildqualität meiner DP0 Quattro heranreicht. Generell sind ja die Sigmas rechte Zicken und machches klappt nicht auf Anhieb, Klappmonitor , saubere JPGs und Verwacklungsfreie Objektive gibt es ja auch nicht, bisher war nur der Aspekt Bilddedails feinster Stukturen das Ziel mit ihr. Nun , derweil ich keine Vergleichtest gefunden habe, müßte ich mir ein Sony SWW kaufen und hoffe es nicht zu sehr zu beräuen. Ich bin gespannt wie der Vergleich ausfällt und ob die Sigma DP0 dann bleibt oder das Sony gehen muß. Habt ihr schon mal solche Vergleiche gemacht?

  8. Es ist da schon sehr schwierig, eine „Ferndiagnose“ zu erstellen, wenn man den Anspruch nicht kennt! Die Fotos nur an PC auf 100% hochzuziehen, reicht dazu nicht!

    Die Fangemeinde ist auch nicht so groß, dass man sie mit zwei „nn“ schreiben muss! ?

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