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Spiegellose Systemkameras mit ihrem geringen Auflagemaß und elektronischen Fokussierhilfen haben die Adaptierung von manuellen Objektiven populär gemacht. Will man den Trend mitmachen, wofür es einige gute Gründe gibt, so stellt sich die Frage, welchen Adapter man kaufen soll. Das Angebot reicht von sechs Euro für den Direktimport aus China, bis hin zu dreistelligen Preisen für Adapter „Made in Germany“.
In diesem Artikel möchte ich klären, was man für sein Geld jeweils bekommt und ob es immer ein teurer Adapter sein muss.

Novoflex Adapter
Altglasfreunde brauchen viele Adapter für ihre zahlreichen Objektive

Vorbemerkungen zum Test

Ich benutze seit über zwei Jahren günstige Adapter der 10-15 € Preisklasse, wovon ich ein gutes Dutzend besitze und somit auch schon einige Langzeiterfahrungen sammeln konnte. Außerdem habe ich vor kurzem einen Novoflex Canon FD Adapter für ca. 100€ angeschafft.

Bei Adaptern sind Toleranzen ein zentrales Thema und deshalb wäre es optimal, mit einer sehr großen Stichprobe einen Test durchzuführen. Auch wenn ich das nicht leisten kann, denke ich doch, dass sich auch aus meinem kleinen Test einige interessante Beobachtungen ableiten lassen.

Verarbeitung und Design

Zunächst fällt auf, dass der Novoflexadapter aus einem Stück gearbeitet ist und keine beweglichen Teile enthält. 
Bei meinen günstigen Canon FD Adaptern ist das Bajonett jeweils aufgeschraubt und es gibt einen beweglichen Ring, welcher beim Anbringen des Objektives auf OPEN stehen muss und auf LOCK gedreht werden muss, damit sich das Objektiv abblenden lässt. Beim Novoflex muss man das Objektiv erst ein kleines Stück entgegen dem Uhrzeigersinn drehen und dann ein ganzes Stück mit dem Uhrzeigersinn, um dasselbe zu erreichen.

Mir gefällt die Novoflex Lösung besser, zwar braucht sie am Anfang etwas Übung, der Adapter ist dadurch aber etwas kleiner und leichter. Es besteht keine Gefahr von Lichteinfall und was sich nicht bewegt, kann auch nicht kaputt gehen.

Der Novoflex scheint komplett aus Aluminium gefertigt zu sein. Bei den günstigen Adaptern ist der Tubus in der Regel aus Aluminium und das Bajonett meistens aus verchromtem Messing, mir ist allerdings auch schon Aluminium untergekommen.
Ich hatte gewisse Bedenken bezüglich der Langzeithaltbarkeit des Novoflexadapters, weil Messing als haltbarer gilt. Mir wurde aber vom kompetenten und flotten Support versichert, dass es in vier Jahren noch keine einzige Reklamation wegen Verschleiß gegeben hätte.

Adapterdicke

Ein Adapter muss die Differenz zwischen dem Auflagemaß der Kamera und dem des Objektives ausgleichen. Im Falle einer Sony Alpha und einem Canon FD Objektiv sind das beispielsweise 42-18=24mm. Ist der Adapter dicker als 24mm, so wirkt er wie ein sehr dünner Zwischenring und das Objektiv lässt sich nicht mehr auf unendlich fokussieren, Landschaftsaufnahmen werden also unscharf.

Ist der Adapter dünner als 24mm, so kann man über unendlich hinaus fokussieren und die Entfernungsskala des Objektives stimmt nicht mehr, obwohl es auf unendlich fokussiert ist, wird dann z.B. 1,6m angezeigt.

Theoretisch wäre es optimal einen passgenauen Adapter zu haben, dann stimmt die Skala und man müsste die Objektive einfach bis zum Anschlag drehen und wäre auf unendlich fokussiert. In der Praxis kann es aber passieren, dass Objektive nicht optimal justiert sind und an einem Adapter mit korrekter Dicke unendlich nicht erreichen. Mir ist das allerdings erst mit einem Objektiv von sehr vielen passiert.

Unter meinen billigen Adaptern habe ich zwei, die präzise auf unendlich fokussieren, genau wie der Novoflex. Bei den Meisten kann ich allerdings deutlich über unendlich hinaus fokussieren und die Entfernungsskala stimmt nicht mehr. Hier machen sich also die geringeren Toleranzen des Novoflex positiv bemerkbar.

Passgenauigkeit

Eigentlich erwartet man, dass ein Objektiv an der Kamera so präzise sitzt, dass es sich überhaupt nicht bewegt, wenn man am eingerasteten Objektiv dreht. Genauso erwartet man, dass es sich trotzdem leicht an die Kamera anbringen lässt. In der Praxis passiert es aber selbst bei originalen Herstellerobjektiven, dass sie etwas Spiel haben oder eher schwer anzubringen sind. Grund dafür ist, dass es in der Herstellung teuer ist Toleranzen gering zu halten.

Bei meinen Chinaadapter habe ich hier eine große Varianz festgestellt, ich habe schon Adapter zurück geschickt, weil ich das Objektiv nur mit Gewalt vom Adapter trennen konnte und ich hatte auch schon welche, bei denen sich das ganze Objektiv beim fokussieren mitdrehte und so eine präzise Fokussierung zum Glücksspiel machte. Die meisten zeigen leichtes Spiel, welches deutlich unter 1 mm liegt und bewegen sich nicht, wenn man am Fokusring dreht.

Mein Novoflex ist der mit präziseste Adapter, den ich bisher benutzt habe, weder Kameras- noch Objektivseitig zeigt er irgendwelches Spiel. Das Objektiv lässt sich aber trotzdem ohne zu großen Kraftaufwand entfernen.

2014-08-12_adapterbilder-2

Justierung

Roger Cicala hat vor einer Weile mal verschiedene Markenadapter an einer optischen Bank getestet und kam zu dem Ergebnis, dass bei den Adaptern mindestens eine Ecke deutlich unschärfer als die Anderen war. Persönlich ist mir in der Praxis, auch mit billigen Adaptern, nie eine Dezentierung aufgefallen. Mit der hatte ich nur mit bildstabilisierten Objektiven wie dem Zeiss 4/16-70 zu kämpfen. Ich denke der Test von Cicala fiel auch deshalb so deutlich aus, weil er auf ein planes Objekt getestet hat.

Ich habe jetzt noch mal mit einem 20mm Objektiv gezielt einen Vergleich zwischen zwei Billigadaptern und dem Novoflex angestellt. Ich konnte keinen merklichen Unterschied feststellen. Ich halte es aber bei günstigen Adaptern aufgrund der höheren Toleranzen für deutlich wahrscheinlicher, dass Probleme auftauchen. Es ist zu vermuten, dass das Problem am deutlichsten hochwertigen Weitwinkelobjektiven zum tragen kommen.

Reflexionen

Reflektiert ein Adapter im Inneren Licht, so kann es passieren, dass Streulicht in Teilen des Bildes den Kontrast herabsetzt und im Bild störende Reflexionen zusehen sind. Dieses Phänomen tritt besonders dann auf, wenn gleichzeitig sehr helle und dunkle Bereiche im Bild zu sehen sind.

Schon der Blick in den Adapter zeigt hier einen deutlichen Unterschied. Der Novoflex Adapter ist Innen komplett schwarz und hat eine lichtschluckende Riffelung. Der Billige reflektiert deutlich mehr Licht. 
Bei einem kurzem Test sieht man allerdings auch, dass ein Adapter den ich mit lichtabsorbierenden Material ausgekleidet habe, noch weniger Licht als der Novoflex reflektiert.

2014-08-12_lichtvergleich
Und auch in der Praxis wiederholt sich das Bild. Der billige Adapter zeigt bei diesem Motiv störende Reflexionen, welche beim Novoflex kaum zusehen sind. Vergleicht man allerdings den Novoflex mit dem modifizierten Billigadapter, so sieht man auch beim Novoflex eine leichte Kontrastverringerung.

Novoflex Adapter
Canon FD 2.8/35 TS | f/8 | Sony Alpha 7

In diesem Beispiel sieht das jetzt recht dramatisch aus, in der Praxis habe ich allerdings eher selten solche störenden Reflexionen gesehen und 2,5 Jahre lang war der Leidensdruck nicht groß genug, mich damit auseinander zu setzen.

Stativfüße

Will man mittelschwere Objektive an der Kamera anbringen, die keine eigene Stativschelle haben, so wünscht man sich einen Adapter mit Stativfuß.

Bei mir ist das konkret das Canon FD 4/80-200L, welches mit knapp 700 g und einer Länge von annähernd 20 cm sehr wackelig ist, wenn ich die Kamera auf dem Stativ befestige. 
Ich nutze seit längerem einen Adapter, wo der Stativfuß mittels zwei langen Schrauben mit dem Adapter stabil verschraubt wird. Mit der Lösung bin ich sehr zufrieden, das Objektiv wird stabil gehalten. Außerdem hat mich die Lösung gerade mal 20 € gekostet. Ein Nachteil ist allerdings, dass man mit diesem Stativfuß das Objektiv nicht in Portraitstellung betreiben kann.

Von Novoflex gibt es für ca. 90 € den ASTAT-NEX genannten Stativadapter mit Arca-Swiss kompatiblem Stativfuß. Eigene Erfahrungen habe ich damit nicht, würde bei Novoflex aber sehr gute Qualität erwarten. Ein Vorteil ist sicherlich, dass der Stativadapter von Novoflex den Wechsel von der Landschafts- in die Portraitsstellung ermöglicht.

Novoflex Adapter
Mit Stativfuß: Für die Zuverlässigkeit wichtig ist, dass die Schrauben in den Adapter greifen und nicht nur gerade eindringen

Fazit

Man kann auch mit günstigen Adaptern viel Spaß an manuellen Objektiven haben und exzellente Resultate bekommen, viel muss ein Adapter also nicht kosten. Gerade zum Ausprobieren würde ich erstmal einen Günstigen empfehlen, man sollte ihn aber auf die wesentlichen Funktionen überprüfen und notfalls zurück schicken.

Wer mehr investiert erhält mit dem Novoflex aber einen Mehrwert für sein Geld. Wer viel mit manuellen Objektiven arbeitet oder sich keine Gedanken um den Adapter machen will, für den könnte sich die Anschaffung lohnen. Ich habe den Kauf nicht bereut.

Kaufempfehlungen

Den Novoflex Adapter gibt es beispielsweise in folgenden Ausführungen:

Novoflex Adapter Nikon F an Sony NEX/Alpha 7
154

Amazon
Novoflex Adapter Leica M an Sony NEX/Alpha 7
132€

Amazon
Novoflex Adapter Minolta MD und MC an Sony NEX/Alpha 7
122,17€

Amazon
Novoflex Adapter Canon FD an Sony NEX/Alpha 7
110,86 €

Amazon
Novoflex Adapter Leica R Objektiv an Sony NEX/Alpha 7
124,22 €

Amazon

Mit den Adaptern dieses Händlers war ich immer recht zufrieden, gerade wenn man den Preis betrachtet: http://stores.ebay.de/big-is-camera

Von diesem Händler habe ich einen Adapter mit Stativfuß der gut funktioniert: Canon FD Lens to SONY NEX E

About The Author

Phillip Reeve ist Student und fotografierte 2 Jahre lang mit einer Nex bevor er im November 2013 auf eine Sony A7 umstieg. Seine fotografischen Schwerpunkte sind Natur und Reise, wobei er zumeist manuelle Objektive einsetzt.

9 Comments

  1. Ich habe mir von „enjoyyourcamera“ den Adapter von Konica AR auf Fuji X-T1 kommen lassen. Die Auswahl ist bei dieser Kombination ja leider sehr eingeschränkt – Novoflex hat und wird die auch nicht im Programm führen.

    Der Adapter ist recht ordentlich, leider rasten einige Hexanons nicht korrekt im Adapter ein – es fehlt 1/10 Millimeter bei zwei getesteten Exemplaren.

    Der Hersteller ist aber informiert und ich hoffe auf Nachbesserung.
    Schlimmstenfalls könnte ich wohl selbst den Haken etwas nacharbeiten …

  2. Für die A7R habe ich 2 Adapter für Pentax. Einer von den beiden ging so einigermaßen, aber das Bajonett saß ziemlich locker.
    Der andere ließ sich nicht benutzen, da das Bajonett nicht passte. Mit etwas zuviel Gewalt habe ich einen Schaden von 200,- an meinem Makro verursacht. Mit Feile und Hammer konnte ich den Adapter passend machen, nachdem das Objektiv beschädigt war. Ausserdem passt der Anschlag nicht.
    Für mft habe ich einen Billigadapter, der kein gutes Auflagenmaß hatte, zum Glück wurde aber unendlich erreicht und durch auffüttern konnte ich das korrigieren.
    Dann habe ich mir einen Novoflex gekauft – ein Traum! Alles passt, die Objektive sitzen wie am Originalbajonett und lassen sich geschmeidig wie es sich gehört wechseln.
    Gruß, K.

  3. Hallo Phillip,

    als Besitzer mehrerer Billigadapter für mft würde mich interessieren: was hast Du für die lichtschluckende Auskleidung benutzt?

    Viele Grüße
    Ulli

  4. Hallo.

    Gibt es Erfahrungen mit Canon-EOS-Adaptern auf Alpha 7r? Ich überlege einen Systemwechsel, will aber meine manuellen Zeiss für EOS-Mount weiterverwenden, da sie sehr gut und teuer sind 😉

  5. Mittlerweile hatte ich von Berlin-Optix einen weiteren Adapter bestellt. Dieser war vom Auflagemass her auf beiden Seiten ok, hatte aber das gleiche Problem mit dem Nicht-Einrasten, sogar etwas deutlicher.
    Die Kommunikation mit dem Inhaber klappte übrigens bestens, ebenso die Rücknahme !

    Inzwischen ist mir aufgefallen, dass das speziell die älteren Hexanon-Objektive ohne rautierten Gummring, sondern noch mit der Riffelung im Metall betrifft.
    Ich werde also wohl doch mal rangehen und den Adapter am Rasthaken nacharbeiten, auch wenn dadurch die verchromte Oberfläche des Hakens entfernt wird

  6. Hallo Phillip,
    der von Dir aufgeführte Anbieter Big-is-camera zeigt zumindest in den letzten Tagen keine Adapter in sein Shop oder ich mache etwas falsch was nicht auszuschließen wäre. Hast Du noch ein Tipp/Anbieter für mich/uns? Ich möchte ein Canon FD50mm, 1,4 kaufen und ausprobieren. Vielleicht werde ich zum Altglass Fan. Danke für Deinen Beitrag/Beträge!!! Lerne viel und das (wenige) was ich selbst probiere deckt sich mit Deine Erfahrungen.
    Blau

  7. […] Objektiven auch häufig die Frage nach dem passenden Adapter kommt, will ich auch noch auf diesen Vergleichstest von günstigen und teuren Adaptern […]

  8. Tatsächlich kann ich Deiner Vermutung das Probleme mit „Billigadaptern“ am ehesten im Weitwinkelbereich auftreten nur zustimmen.
    Ich besitze div.China-Adapter,im wesentlichen für Canon FD.
    Darunter auch der von Dir genannte Big IS.
    Bei allen gibt es Probleme mit unendlich wenn Weitwinkelobjektive verwendet werden.
    Ganz schlecht sieht es beim Canon FD 35-105 F3.5 aus.
    Ich besitze diese Objektiv derzeit in 4-facher Ausführung:nicht eines schafft in der 35mm Stellung unendlich.
    Habe mir jetzt den Novoflex besorgt und werde es mal mit diesem versuchen.
    Danke für diese informative Seite-
    Gruss-Peter

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