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Leica T mit Adapter M Jonathan Slack

M-Objektive an der Leica T – Fokussieren ohne Focus Peaking? Jonathan Slack macht sich Gedanken und teilt seine Ergebnisse und Tipps auf seinem Blog. Mit seiner Erlaubnis veröffentlichen wir den Artikel in deutscher Übersetzung auch hier im Systemkamera-Blog.

Einführung

Schon seit einigen Jahren teste ich alte, manuell zu fokussierende Objektive an einer ganzen Reihe von Kameras. Es macht Spaß, die schönen alten Objektive wieder benutzen zu können. Ich habe auch eine ungesund große Sammlung von Leica M Objektiven, natürlich nutze ich sie meistens an meinen M Kameras, aber auch an Modellen anderer Hersteller.

Die M-Optiken habe ich bereits an der Sony A7 (ganz OK), A7r (nicht so toll), Fuji X-T1, Olympus E-M1 und anderen benutzt. Bei einigen kommt es zu Farbverschiebungen mit Weitwinkel-Objektiven, speziell mit den Vollformat-Kameras. Keine dieser Kameras konnte die EXIF-Daten der Objektive übertragen – kein Riesenproblem, aber nervig. Letztendlich habe ich die Versuche eingestellt: Zu viele Kompromisse und die meisten Kameras lieferten mit Herstelleroptiken bessere Ergebnisse – interessanter Versuch, aber auch nicht sooo interessant …

Als ich letztes Jahr die Leica T mit M-Adapter und elektronischem Sucher für den Beta-Test erhielt, rechnete ich damit, wieder für eine kurze Zeit Spaß mit adaptierten M-Optiken zu haben und dann wieder das Interesse zu verlieren. Aber gemach!

Die erste angenehme Überraschung war, dass der Leica T Adapter die EXIF Daten des Objektivs überträgt, sofern dieses 6-Bit-kodiert ist. Sehr schön: Ich weiß gerne, womit ich Bilder gemacht habe und bin viel zu bequem, immer Notizen zu machen. Geschweige denn, dass ich die benutzten Optiken aus dem Bild selber schließen könnte…

Leica T mit Adapter M Jonathan Slack
Semaphore
Leica 60mm Macro Elmarit R
©Jono Slack

Hilfen beim manuellen Fokussieren

Kurz nach Vorstellung der ersten spiegellosen Systemkameras mit elektronischem Sucher (EVF – Electronic Viewfinder) wurden verschiedene Hilfsmittel eingeführt, die beim manuellen Fokussieren unterstützen sollen.

Sucherlupe (Die Leica T kann das…)

Auf den ersten Blick sieht das nach einer guten Ideen aus: Kamera ausrichten, Sucherlupe aktivieren, fokussieren, Sucherlupe deaktivieren, auslösen. Ganz OK vom Stativ, ansonsten nicht so praktisch: Entweder hat sich der Fotograf bewegt. Oder das Motiv. Oder beide…

Hinzu kommt, dass jegliche Idee einer Bildkomposition schon wieder hinfällig ist. Mit den meisten Kameras kann man wählen, wo man einzoomen will – mit der Leica T kann man lediglich die Bildmitte vergrößern, was dieses Hilfsmittel noch weiter beschneidet, speziell bei Objektiven mit gebogener Fokusebene – in diesem Fall funktioniert es nicht einmal, zu fokussieren und dann den Bildausschnitt neu zu wählen.

Leica T mit Adapter M Jonathan Slack
The Look Look
Leica 50mm Noctilux mit geöffneter Blende bei f0.95
©Jono Slack

Focus Peaking (Das kann die Leica T nicht…)

Der Königsweg schien mir Focus Peaking zu sein, daher war ich fest überzeugt, dass es in der Leica M240 integriert sein sollte – was es dann auch war. Es scheint die perfekte Lösung zu sein, da es korrekt fokussierte Bildbereiche anzeigt, ohne dass man den Bildausschnitt durch ein- und auszoomen ändern muss.

Mittlerweile bin ich weniger überzeugt: Es sieht gut aus, aber auch hier gibt es Probleme. Bereiche mit hohem Kontrast werden schneller als korrekt fokussiert angezeigt als Bereiche mit niedrigeren Kontrasten. Noch problematischer ist es, dass man bei voll geöffneter Blende fokussieren muss, um dann abzublenden – wohl kaum der richtige Weg, um den „Entscheidenden Moment“ einzufangen. Zu guter Letzt ist auch diese Methode nicht immer akkurat.

Natürlich hat Focus Peaking seine Berechtigung, mittlerweile meine Meinung ist aber differenzierter, nachdem ich vehementer Verfechter war.

OK, was tun als Leica T Fotograf? Die neue Kamera hat eine gut implementierte Sucherlupe, aber kein Focus Peaking!

Leica T mit Adapter M Jonathan Slack
Explosion
Leica 50mm Noctilux mit geöffneter Blende bei 0.95 mit dem Leica Macro Adapter M
©Jono Slack
Leica T mit Adapter M Jonathan Slack
The Bride
Leica 50mm Noctilux: Aufnahme bei Blende 2
©Jono Slack

 

Die Lösung

Da die Leica T meine absolute Lieblingskamera ist, möchte ich auf jeden Fall meine schönen Leica M Optiken nutzen können. Die Sucherlupe mag ich nicht, wenn ich nicht gerade vom Stativ arbeite (was ich nicht besonders oft mache),

Die einzige Lösung scheint zu sein (hier dramatische Musik einspielen) mit dem elektronischen Sucher zu fokussieren – ohne Sucherlupe. Da ich das linke Einstellrad für die Belichtungskorrektur nutze, scheint das für mich die einzige Option zu sein

„Fokussieren ist Übungssache“ habe ich mir gesagt – und so habe ich geübt… und geübt. Und es hat sich ausgezahlt! Ich habe festgestellt, dass ich mit der Leica T und EVF präzise fokussieren kann – mit allen Objektiven, die ich getestet habe. Manchmal liege ich daneben, aber nicht so oft wie mit den AF Objektiven. Für statische Motive funktioniert das richtig gut, da ausreichend Zeit zum Fokussieren bleibt.

Auch wenn die Kamera kein Focus Peaking hat, gibt es eine Art „Schimmern“ in den korrekt fokussierten Bildbereichen. Es fällt nicht so stark auf wie Focus Peaking in anderen Kameras, dafür scheint es präziser zu sein.Ich habe daraufhin auch in meiner Leica M240 das Focus Peaking abgeschaltet – mit guten Ergebnissen, meist besser als bei aktiviertem Focus Peaking. Und es funktioniert über das gesamte Bild, es ist nicht mehr notwendig, den Bildausschnitt zu ändern.

Kürzlich habe ich das tolle neue Leica Makro-Elmar M 90mm mit dem Makro-Adapter erhalten. Ein toller Spaß an der Leica T – und ich konnte via EVF alles korrekt fokussieren – auch ohne die Sucherlupe. Was mich zu diesem Thema führt …

Leica T mit Adapter M Jonathan Slack
The Smile
Leica 50mm Noctilux: Aufnahme bei Blende 1.4
@Jono Slack
Leica T mit Adapter M Jonathan Slack
Learning to be a Grandfather
Leica 60mm Macro Elmarit R
@Jono Slack

 

 

Der ultimative Härtetest

An diesem Punkt wollte ich einen Praxistest machen, um festzustellen, ob mein Instinkt richtig lag: Ob es möglich ist, nur mit dem EVF zu arbeiten – ohne Sucherlupe und Focus Peaking.

Es musste eine Hochzeit sein – der ultimative Beziehungstest für Fotograf und Kamera.

Wir waren zur Hochzeit des besten Freunde unseres ältesten Sohns eingeladen, Silas sollte der Trauzeuge sein. Es war eine wunderschöne und lockere nicht-kirchliche Hochzeit auf dem Land und ein guter Fotograf hatte den Auftrag, das Ereignis zu begleiten. So konnte ich die Chance nutzen und das Risiko eingehen, komplett zu versagen.

Welches Objektiv sollte ich nutzen? Als echter Härtetest musste es eine anspruchsvolle Optik sein. Das 50mm Noctilux bot sich an – und da es ein trüber Tag war, konnte ich bei voller Blende 1:0,95 fotografieren. Das war also der Test: Ich habe während der ganzen Hochzeit mit der Leica T und 50mm Noctilux (entspricht 75mm 1:0,95) fotografiert. So sind 600 Aufnahmen entstanden, alle über den EVF ohne Sucherlupe fokussiert, die Belichtungskorrektur auf dem linken Einstellrad.

Wenn ich der offizielle Hochzeitsfotograf gewesen wäre, hätte ich nicht mal im Traum daran gedacht, so vorzugehen. Die Bildergebnisse sind aber sehr schön – interessant und irgendwie anders. Natürlich sind einige falsch fokussiert, was aber immer passiert, wenn man mit 1:0.95 fotografiert. Viele Situationen konnte ich gut einfangen, das Hochzeitsalbum ist sehr gut angekommen.

Vielleicht noch wichtiger: Es war das reine Vergnügen, mit dieser Kamera während der Hochzeit zu fotografieren. Niemand fühlte sich gestört und durch den fast unhörbaren Verschluss konnte ich immer und überall fotografieren. Durch den EVF war mein Gesicht immer sichtbar: Der beste Weg, um einen Kontakt zum Motiv aufzubauen.

Leica T mit Adapter M
Gleaming
Leica 50mm Noctilux: Bei geöffneter Blende 0.95
Leica T mit Adapter M
Posing for the camera
Leica 50mm Noctilux: Bei voll geöffneter Blende 0.95
@Jono Slack

 

Das Fazit

Die Leica T ist für sich schon eine tolle Kamera – mit ihren eigenen Objektiven. Der Leica M Adapter ist da, um benutzt zu werden – und funktioniert wunderbar: Wir können unsere geliebten M-Objektive verwenden und die Objektivdaten werden in die EXIFs geschrieben.

Unser Gefühl sagt uns, dass wir Hilfsmittel brauchen, um per EVF zu fokussieren. Die Wahrheit ist aber, dass mit dem exzellenten EVF und etwas Übung manuelles Fokussieren bei jeder Blende möglich ist. Dafür braucht man keine Krücken (oder Fokus-Assistenten): Fokussieren aus der Hand geht wunderbar, auch in schwierigen Situationen.

 

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