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Ende März habe ich mit meiner Sony Alpha 7 ein paar Tage in Portugal verbracht und schreibe jetzt hier über meine Erfahrungen mit meiner Ausrüstung.

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Canon nFD 2.8/20 | f/11

Die Kamera

Nach über vier Monaten intensiver Nutzung bediene ich die Kamera absolut intuitiv, auch wenn ich rennen muss, um das letzte Sonnenlicht einzufangen, sitzen die Einstellungen sofort und die Kamera steht mir in keinster Weise im Weg.

Es bedurfte aber durchaus einiger Gewöhnung, bis alle Handgriffe blind saßen, manche Taste wie beispielsweise die wichtige C2 Taste sind unergonomisch und manche Einschränkung bei der Konfiguration störend, aber nach der Eingewöhnungsphase ist die Sony A7 die Kamera mit dem besten Bedienkonzept, die ich je benutzt habe.

Die Bildqualität der Kamera ist ein deutlicher Fortschritt zu ihrer Vorgängerin Sony NEX-6, dies betrifft zum einen den High ISO Bereich, aber vor allem den deutlich größeren Dynamikumfang. Das machte auf der Reise bei einigen Fotos einen deutlichen Unterschied. Dank gutem elektronischem Sucher in Kombination mit der Zebra Funktion ist es unkompliziert möglich, schnell sehr präzise zu belichten. Das fand ich bei der Benutzung einer DSLR immer deutlich schwieriger und zeitaufwändiger.

Der größte Vorteil aus meiner Sicht ist natürlich das geringe Auflagemaß und die daraus resultierenden mannigfaltigen Adaptionsmöglichkeiten: Ich bin nicht auf ein Bajonett festgelegt, sondern kann mir von verschiedenen Herstellern das jeweils beste zusammen suchen. Abgesehen davon, dass weitwinklige Messucherobjektive mit der Kamera nicht harmonieren, sind meine Erfahrungen auch mit älteren Objektiven sehr positiv: Viele erreichen auch am Vollformatsensor ein hohes Schärfeniveau und entfalten erst ihr volles Potential, das an der NEX zum Teil verborgen blieb.

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Objektivauswahl

Ich nutze für meine Landschaftsfotografie derzeit ausschließlich manuelle Objektive. Gerne hätte ich auf schwere Festbrennweiten verzichtet und stattdessen auf das Zeiss 4/24-70 gesetzt, aber das Objektiv konnte mich nicht überzeugen, sodass ich bei meinen Festbrennweiten geblieben bin.

Nach einigen Experimenten habe ich inzwischen das Gefühl, ein Set an Objektiven zusammen gestellt zu haben, mit dem ich eigentlich in jeder Situation Bilder mit exzellenter Qualität schießen kann.

Bei dem Set, welches ich in den Urlaub genommen habe, lag meine Priorität auf der Bildqualität und weniger bei der Kompaktheit. Die Folge war, dass ich ziemlich viel zu schleppen hatte, was bei der Reiseform, die wir gewählt hatten, also Mietwagen und maximal mittellangen Wanderungen um vier Stunden kein großes Problem war. Wenn wir mehr gewandert wären, dann hätte ich das Gewicht aber als problematisch empfunden.

Die Leistung bei Offenblende ist mir meist nicht so wichtig, ich achte vor allem darauf, spätestens bei Blende 11 ein von Ecke zu Ecke scharfes Bild zu haben, beim Normalobjektiv und beim Makro sind mir außerdem das Bokeh sehr wichtig sowie beim Tele die Schärfe bei Offenblende und die Farbfehlerkorrektur.

Nun ein Paar Worte zu den einzelnen Objektiven:DSC01201

  • Canon nFD 20mm 1:2.8 – Das Objektiv kam erst am Tag vor der Reise an, hat sich aber gut bewährt, bei f/11 zeigt es auch in den Ecken eine sehr gute Schärfe für ein SWW, ist mit um 300g nicht zu schwer, relativ kompakt und mit gut 200€ bezahlbar (Das Objektiv bei ebay.de). Nachteile sind eine gewisse Empfindlichkeit für Gegenlicht und eine sehr deutliche Vignettierung bei f/2.8.
  • Canon FD 35mm 1:2.8 Tilt/Shift – Das Objektiv ist sehr scharf, vor allem bietet es aber die Möglichkeit, es zu shiften, was gerade bei Gebäude- und Landschaftsaufnahmen ein deutlicher Vorteil ist. Zudem bietet es eine Tilt-Funktion, welche zu selektiven Beeinflussung der Schärfeebene genutzt werden kann. Für ein TS Objektiv ist es mit um 400€ günstig (Das Objektiv bei ebay.de). Für höchste Ansprüche sind T/S Objektive ein wichtiges Argument für das Sony Alpha System.
  • MinoltaMC 58mm 1:1.2–Es war nicht wirklich vernünftig, das Objektiv mitzunehmen: Es wiegt fast ein halbes Kilogramm, Blende 1.2 nutze ich nur sehr selten und einen signifikanten Schärfevorteil gegenüber meinem Minolta MD 2/50, welches nur ein Drittel wiegt, hat es auch nicht. Aber besonders das Bokeh und das gute Balancing an der Sony A7 haben es mir angetan und so landete auch dieses Objektiv in der Fototasche. Mit 350€ ist es nicht ganz billig (Das Objektiv bei ebay.de).
  • Tokina AT-X Macro 90mm 1:2.5–Das Tokina habe ich noch nicht so lange, es ist aber sehr schnell zu einem meiner Lieblingsobjektive geworden. Bereits bei f/2.5 ist es scharf bis in die Ecken und legt durch Abblenden nur wenig zu, erreicht dann aber ein wirklich exzellentes Niveau. Dazu kommt ein wirklich tolles Bokeh und fertig ist ein tolles Universalobjektiv, dessen einzige Schwächen das Gegenlichtverhalten und der mit 1:2 für ein Makro geringe Abbildungsmaßstab sind. Mit Canon FD oder Minolta SR Bajonett ist es mit etwas Glück für um 200€ zu haben (Das Objektiv bei ebay.de).
  • Canon nFD 80-200mm 1:4 L– Dieses Tele zeichnet sich durch exzellente Schärfe bereits bei f/4 und eine sehr gute Farbfehlerkorrektur aus, die deutlich besser ist als bei meinen 135mm und 200mm Festbrennweiten von Minolta, die nur etwas älter sind. Auch bietet es bei 200mm einen 1:3 Makro Modus, den ich häufig nutze. Nachteile des Objektivs sind eine nur gute Randschärfe, deutliche Vignettierung bei Offenblende und ein etwas unterdurchschnittliches Fokussiergefühl. Es ist für ca. 300€ zu haben aber eher selten (Das Objektiv bei ebay.de).

Auswertung der verwendeten Objektive

  • Mit Abstand am häufigsten habe ich das Canon nFD 2.8/20 verwendet, es kam bei 45% aller bisher veröffentlichten Bilder zum Einsatz. Das hätte ich so eigentlich gar nicht erwartet, bisher war das Sigma 2.8/24 mein weitestes Objektiv und ich habe es ehr wenig genutzt, aber die 20mm scheinen mir zu liegen.
  • An zweiter Stelle folgt das Canon nFD 2.8/35 TS, mit welchem ich 25% der Bilde geschossen habe. Genauso wie das 20er kannte ich das Objektiv vorher nicht so gut, war aber besonders von der Shift Funktion sehr angetan und habe sie viel und auch sinvoll genutzt.
  • Immerhin 15% wurden mit dem Canon nFD 4/80-200L aufgenommen, das lag wohl vor allem daran weil es den ganzen Telebereich abdeckte.
  • Es folgen Minolta 1.2/58 mit 10% und Tokina 2.5/90 mit 5%. Das Minolta würde ich nicht noch mal mitnehmen, mein Minolta 2/50 hätte die Bilder, für die ich es verwendet habe, ähnlich gut aufgenommen.
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Canon FD 2.8/35 TS | f/8

Anschaffung einer neuen Fototasche

Als es klar war, dass ich fünf große DSR Objektive mitnehmen würde, war klar, dass ich eine neue Fototasche bräuchte.

Bisher habe ich mit vollster Zufriedenheit eine LoweproEvent Messenger 100genutzt, auch noch nach zwei Jahren zeigt diese abgesehen vom ausgeleierten Klettverschluss keinerlei Mängel und hat sich bestens bewährt. Mit der NEX-6 reichte sie auch noch bestens aus, ein 15mm und 28mm Messucherobjektiv sowie ein Sony 50mm und ein manuelles 135mm Objektiv fanden zusammen mit der Kamera bequem in der Tasche Platz.Wenn ich die Sony A7 verwende, sind eigentlich nur zwei Objektive möglich.

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Canon nFD 2.8/20 | f/11

In Anbetracht der gewachsenen Ausrüstung habe ich mich dann einfach für dieLoweproEvent Messenger 150entschieden, da ich ja schon sehr gute Erfahrungen mit dem kleineren Modell gemacht hatte. Die Tasche bietet ausreichend Platz für meine A7, eine NEX-5N als Backup und vier Objektive sowie ein 10 Zoll Tablet. Ich schätze an der Tasche, dass ich sehr schnell an alles ran komme, auch wenn ich vergesse, die Tasche zu verschließen, muss ich nicht um meine Objektive fürchten. Meine erste Kamera, die ich mir als 11. Klässler teuer erspart hatte, habe ich aus einem nicht verschlossenen Fotorucksack fallen lassen, was die Kamera nicht überlebte, seit dem meide ich Fotorucksäcke.

Zubehör

  • SiruiT-005X Traveler– dieses sehr kompakte Stativ habe ich in der Regel am Gurt der Kameratasche dabei, wenn ich mit langen Belichtungszeiten rechne, also vor Sonnenaufgang und in der Dämmerung. Es wiegt wenig und macht sich kaum bemerkbar, ermöglicht mir aber Motive einzufangen, die sonst verloren wären. Die Mittelsäule habe ich sofort demontiert, da sie viel Stabilität kostet, dadurch ist es auch bei maximalem Auszug nur 1m hoch, mir reicht das meistens – aber nicht immer.
  • Blasebalg– In vergangenen Urlauben hatte ich etwas mit Staub zu kämpfen, dank Blasebalg war das jetzt nicht mehr der Fall, bisher habe ich noch jedes Staubkorn mit diesem Gerät entfernen können.
  • Speicherkarten – Ich verwende Speicherkarten von Transcend, Sony, Lexar und SanDisk, von den günstigeren Herstellern halte ich mich ehr fern. Am attraktivsten finde ich aktuell diese Kartevon Transcend, die schnell und günstig ist. Im Urlaub habe ich täglich meine Fotos aufs Tablet geladen, um sicher zu sein, keine Bilder zu verlieren, bisher hatte ich aber zum Glück noch nie einen Datenverlust bei einer Speicherkarte.
  • Ich habe einen Reserveakku und zwar einen höherwertigen Nachbau der Firma Patona, von dem ich zwei Exemplare habe, die auch nach über 15.000 Aufnahmen noch nicht deutlich nachlassen.
  • Minolta Closeup Lens – Hochwertige Nahlinsen von Minolta sind für sehr geringe Beträge zu haben (Ebay Link) und senken die Naheinstellgrenze von Objektiven.
  • Ich setze vor allem auf günstige Adapter, zuletzt war ich mit diesem Anbieter zufrieden, der auch Adapter mit halbwegs stabilem Stativfuß anbietet (Ebay Link).

Fazit

Die Kamera hat sich neben dem Alltagsgebrauch auch im ersten Urlaub bewährt, die Bildqualität liegt signifikant über dem, was ich aus einer NEX herausholen konnte und die Kamera macht mir sehr viel Spaß was sich wiederum in besseren Fotos äußert.

Beim nächsten Urlaub werde ich allerdings zwei mal drüber nachdenken, ob ich nicht manch schweres Objektiv durch ein leichteres Exemplar ersetzen kann, ohne zu große Einbußen bei der Bildqualität zu machen und vielleicht hat Sony bis dahin ja auch das angekündigte Weitwinkel vorgestellt, welches ich interessiert testen werde.

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Canon nFD 4/80-200 L | 135mm | f/8

Falls die hier gezeigten Bilder gefallen, im Forum gibt es einen vollständigen Reisebericht.

About The Author

Phillip Reeve ist Student und fotografierte 2 Jahre lang mit einer Nex bevor er im November 2013 auf eine Sony A7 umstieg. Seine fotografischen Schwerpunkte sind Natur und Reise, wobei er zumeist manuelle Objektive einsetzt.

8 Comments

  1. Toller Bericht! Vielen Dank!
    Mich würde allerdings noch interessieren, welche Adapter du für die A7 nutzt…

    Gruß und Danke,
    Mario

    • Hallo Mario,

      ich verwende insgesamt 5 oder 6 Adapter verschiedener Hersteller die in der Regel zwischen 10 und 15€ gekostet ahben. Am Ende des Beitrags ist ein Canon Adapter verlinkt mit dem ich zufrieden war.

      Grüße,
      Phillip

  2. Sehr schön, Phillip.
    War gerade für drei Tage mit meiner neuen 7r in Rom.
    Ähnliches Equipment, hauptsächlich Festbrennweiten. Mein Standard, das FE55/1.8 in der Altstadt häufig dann doch zu schmalwinklig. Das Sigma 19/2.8 dann im APSC Modus genutzt. Für einige Aufnahmen auch ein Lensbaby Composer Pro mit der 50mm Optik.

    Ich hab jeden Tag einen dritten Akku gebraucht (ca 800 Aufnahmen / Tag). Hatte auch ausreichend SD Karten dabei. Handling ist perfekt. Da kann ich dir nur zustimmen. es dauert ein bisschen, dann aber liegt alles sehr gut in der Hand und lässt sich sehr intuitiv bedienen.

    Das 55er Zeiss und die 7r ist ein Traumgespann. Dein Tipp mit dem 20er von Canon kuck ich mir gleich genauer an. Da hatte ich einen ungedeckten Bedarf. Ich hatte davor (und habe auch immer noch) die NEX 7… für mich ist die 7r die Idealkamera. Mich reut kein Cent! Gerade auch nach diesem Trip.

    Mein Tipp an alle:
    1. Ausreichend Ersatzakkus und ein Ladegerät. Gibts z.b. bei Bundlestar
    2. Ausreichend Speicherkarten, ich hatte 4 32GB Transcend 90MB/s dabei, ich hab pro Tag fast eine gebraucht.
    3. Die 7r ist eine Kamera für Festbrennweiten. Heißt häufig wechseln. Ich hab auch immer einen Blasebalg dabei. Regelmäßiges auspusten verhindert das Feuchtreinigen, wenn sich der Staub erst festgesetzt hat.

    Klasse Bericht, den ich in jedem Wort nachvollziehen kann. :-))

    Grüße aus Berlin
    Jürgen

  3. Hallo Phillip,
    ein interessanter Bericht!
    Übrigens, zum Tokina 90/2.5 gibt es einen Adapter/Konverter (mit Optik!), der den Bereich 1:2 bis 1:1 abdeckt. Das ist eigentlich auch üblich so, Du darfst dem Objektiv also nicht böse sein, wenn es nur bis 1:2 fokussiert 😉
    Viele Grüße
    Dennis.

    • Danke 😉

      Direktes 1:1 ist aber schon praktischer.
      Es wäre mal interessant den 1:1 Adapter mit normalen Zwischenringen zu vergleichen, könnte mir vorstellen, das side Resultate besser sind.

      Grüße,
      Phillip

  4. Hallo Phillip,

    ein sehr toller Bericht.
    Hast du schonmal ein Leica M Objektiv auf der A7 versucht?

    Ich habe mir gerade eine A7 II bestellt und möchte auf jeden fall Leica Linsen daran testen 🙂

    Viele Grüße

    David

  5. Hey Phillip,
    danke für den tollen Bericht und die schönen Bilder! Bin sehr beeindruckt!
    Ich fotografiere selber seit knapp 2 Jahren mit einer Sony Alpha 58 und hab mir vor ein paar Wochen eine Sony Alpha 77 II bestellt, bin aber nicht wirklich überzeugt, da sie von der Qualität nicht wirklich bessere Bilder macht als meine alte Kamera.

    Jetzt bin ich am überlegen, was ich mir sonst anschaffen könnte und bin auf die A7 gestoßen. Allerdings bin ich mir auch hier unsicher, da sie ja völlig anders in der Hand liegt als eine DSLR. Wie kommst du damit zurecht? Lag dir die A7 bzw. die Sony NEX-6 gleich von Anfang an gut in der Hand oder hast du dich erst mit der Zeit daran gewöhnt?

    Du hast ja in einem anderen Kommentar geschrieben, dass du 5 oder 6 Adapter für die Objektive hast, die um die 15€ kosten. Heißt das, dass du ausschließlich manuell fokussierst? Wie kommst du damit zurecht?

    LG Jan

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