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Review

leica-t-teaserÜber die Leica T gab es schon seit zwei Jahren Gerüchte – jetzt ist es offiziell: Auch Leica steigt in den Markt für spiegellose Systemkameras ein. Gemäß der neuen Namensgebung bei Leica lautet der offizielle Name Leica T (Typ 701). Sie setzt sich von Kameras anderer Hersteller durch ein reduziertes und zeitloses Design ab und ein gänzlich neues Bedienkonzept.

» Diskutiert mit im Leica T Forum

 

Die Leica T ist ab Ende Mai in schwarz und silber verfügbar, das Gehäuse kostet 1500 €, gemeinsam mit dem Standardzoom 2950 €. Als Objektive werden zum Marktstart angeboten:

  • das erwähnte Standardzoom LEICA VARIO-ELMAR-T 1:3,5–5,6/18–56 mm (28–85 mm KB) und
  • als lichtstarke Festbrennweite das LEICA SUMMICRON-T 1:2/23 mm ASPH. (35 mm KB)

Das Leica T-System arbeitet mit einem APS-C-Sensor und hat ein eigenes Bajonett. Das Objektivangebot soll kontinuierlich ausgebaut werden, auf der photokina im September sollen bereits zwei weitere Objektive vorgestellt werden.

Einen besonderen Schwerpunkt setzt Leica auf das modern gestaltete Zubehörprogramm mit aufwändigen Detaillösungen.

Leica T – die technische Daten

Kurz die technischen Eckdaten, alle Daten der Leica T findet ihr im Detail hier:

  • APS-C CMOS Sensor mit 16 MP Auflösung und Tiefpassfilter
  • ISO 100 – 12.500
  • 16 GB eingebauter Speicher, um ohne SD Karte fotografieren zu können
  • Belichtungszeiten von 1/4000 von 30 sek
  • Kontrast Autofokus mit 25 Messfeldern
  • eingebautes WiFi, um die Kamera per iPhone oder iPad zu steuern und Bilder hochzuladen

Die technischen Daten der Leica T unterscheiden sich nicht entscheidend von der Konkurrenz, Design und Haptik der Kamera und das Bedienkonzept sind aber etwas besonderes:

Leica T Design

Das Design der Kamera hat Leica gemeinsam mit AUDI Design entworfen, wie schon die Leica C und die Leica M9 Titan. Während andere Hersteller immer noch das klassische M-Design imitieren, geht die Leica T einen eigenen, neuen Weg: Puristisches Design mit klaren Linien und einem Kamera-Body, der aus einem Aluminium-Block gefräst wird.

Wenn man die Leica T das erste mal in die Hand nimmt, spürt man die aufwändige Verarbeitung: An der Oberfläche ist nichts verschraubt, außer den wenigen Bedienelementen bewegen sich nur Blitz und der Akku. Die Klappe für USB-Anschluss und SD-Karte ist das einzige Element, das nicht aus Metall besteht, und dies aus gutem Grund: Ansonsten würde das Wifi-Signal zu sehr abgeschirmt werden.

Fertigung

Der Kamera-Body wird aus einem komplettem Aluminium-Block gefräst, dieser Arbeitsschritt dauert fast eine Stunde, aus mehr als 1 kg Gewicht werden letztendlich nur noch 94 g. Anschließend wird der Rohling 45 Minuten von Hand poliert. Wie vorher als Gerücht durchgesickert, werden die Leica T Objektive tatsächlich nicht von Leica in Deutschland gefertigt, sondern in Japan, nicht jedoch von Panasonic, sondern von nicht genannten Auftragsfertigern.

Bedienung

08_dialsAls Bedienelemente finden sich auf der gesamten Kamera lediglich zwei Drehräder, eine Videotaste und der Auslöser. Alle sind an der richtigen Stelle positioniert und auch ohne hinzuschauen – leicht zu bedienen, ohne zu leichtgängig zu sein. Die gesamte Bedienung der Kamera läuft über die genannten Einstellräder und das große Touchdisplay. Da bin ich ja erstmal skeptisch: Bisher hieß Touch Bedienung bei Kameras fummelige Bildschirmtasten und Pseudo-Bedienräder.

09_touchDie Designer der Leica T Bedienoberfläche haben aber exzellent gearbeitet: Die Kombination aus Bedienrädern und reduzierter Touch-Oberfläche orientiert sich konsequent an den Anforderungen des Fotografen und ermöglicht flüssiges und intuitives Arbeiten. Der Verzicht auf Buttons auf der Rückseite der Kamera schafft Platz für das Display: Mit 3,7“ Größe hat es ca. 40% mehr Fläche als andere Kameras und ist auch bei Sonnenschein ohne Probleme abzulesen.

Touch Bedienung

Auf der rechten Seite des Displays befinden sich drei Symbole

  • Aufnahmemodus – also Automatiken oder manuelle Einstellung
  • das myCamera-Menü, das man sich selber konfigurieren kann sowie
  • eine Art Display-Button, der bestimmt wie detailliert die Bildinformationen dargestellt werden.

Die Menü-Struktur ist angenehm flach: Das MyCamera Menü lässt sich individuell und schnell nach eigenem Gusto anpassen. Das komplette Menü ist nur einmal Tippen entfernt und lässt sich mit Wischen und Tippen schnell und einfach bedienen.

Konfiguration myCamera Menu

Die Zusammenstellung des eigenen Quick-Menus läuft per Drag & Drop. Jede Funktion lässt sich aus dem „normalen“ Menu auf das myCamera Symbol ziehen und befindet sich sofort im direkten Zugriff. Nach einem ähnlichen Prinzip lässt sich das linke Einstellrad belegen: Einmal das Symbol antippen und aus sechs Optionen wie z.B. Empfindlichkeit, Belichtungskorrektur oder Weißabgleich auswählen.

Bilder anzeigen wie auf dem iPhone

Um Bilder anzuzeigen, muss man nur einmal senkrecht über das Display wischen. Danach ist alles wie am iPhone gelernt: Wischen, um zum nächsten Bild zu kommen, vergrößern und verkleinern mit zwei Fingern oder mit zweimal Tippen. Wer mag, kann dafür auch die beiden Einstellrädern benutzen.

Fazit Leica T Bedienung

Die Bedienung der Leica T ist für mich ein absolutes Highlight, eine so durchdachte Kombination aus Touch-Bedienung und haptischen Elementen habe ich noch bei keiner Kamera gesehen.

Fernbedienung via iPhone und iPad

Über eine eigene Leica T-App für iOS wird es möglich sein, Bilder von der Kamera auf die iPhone oder iPad zu übertragen und die Kamera fernzubedienen. Neben dem Sucherbild bietet die Anwendung die Steuerung der wichtigsten Aufnahmeparameter.

Das Leica T-System

02_objektiveaktuell

Wer sich für eine Leica T interessiert, schaut natürlich auch auf das System zur Systemkamera. Leica liefert zum Marktstart eine gute Grundausstattung und kündigt kontinuierlichen Nachschub an.

Leica T-Objektive

Wie eingangs erwähnt, stehen diese Objektive sofort zum Verkauf:

  • LEICA VARIO-ELMAR-T 1:3,5–5,6/18–56 mm und
  • LEICA SUMMICRON-T 1:2/23 mm ASPH.

Ein Standardzoom ist in diesem Marktsegment Pflicht, die lichtstarke Festbrennweite (entspricht 35mm in Kleinbild) zeigt, wo Leica herkommt.

03_objektive_kommendAuf der photokina wird Leica zwei weitere Objektive vorstellen, die Anfang 2015 auf dem Markt kommen:

  • Weitwinkel-Zoom Leica Super-Vario-Elmar-T 1: 3,5–4,5/11–23 mm ASPH. (17–35 mm KB)
  • Tele-Zoom Leica APO-Vario-Elmar-T 1: 3,5–5,6/55–135 mm ASPH. (80–200 mm KB)

Auch danach verspricht der Hersteller den kontinuierlichen Ausbau der Objektivpalette. Wenn ich spekulieren soll, würde ich auf weitere lichtstarke Festbrennweiten wetten… Bei der Farbgebung orientiert sich Leica an der Ford-Maxime: Die Objektive gibt es in allen Farben – solange dies schwarz ist.

Leica M-Adapter T

16-adapterWer nicht auf die Erweiterung des Objektivangebots warten will, kann sich aus dem umfangreichen Fundus der Leica M Objektive bedienen: Mit dem Leica M-Adapter T lassen sich Messsucher-Objektive mit M-Bajonett adaptieren. Besonderer Clou: Der Adapter liest die 6bit Codierung von Leica M-Objektiven aus und überträgt sie elektronisch in die Kamera. So wird diese Info in den EXIF Daten abgelegt und – zumindest potentiell – für die Optimierung der Bildergebnisse verwendet. Diese Funktion lässt sich Leica mit 295 € bezahlen.

Elektronischer Sucher Visoflex (Typ 020)

17_VisoflexWer es gewohnt ist, per Sucher und nicht per Display zu fotografieren, kann auf den elektronischen Sucher Visoflex (Typ 020) zurückgreifen: Er wird auf den kombinierten Zubehör- und Blitzschuh geschoben, lässt sich schwenken und bietet 2,4 MP Auflösung. Ebenfalls integriert: ein GPS Modul. Kostenpunkt für den Sucher: Stolze 450 €.

Trageriemen, Handschlaufen, Taschen und Holster für die Leica T

Kamerazubehör wird von den Herstellern meist stiefmütterlich behandelt, so dass ein florierender Markt für individuelle Kameragurte, Taschen und anderem Zubehör entstanden ist. Von diesem Kuchen will sich Leica für das T-System möglichst exklusiv sichern und bietet eine umfangreiche Palette von Taschen, Trageriemen, Handschlaufen und Holstern an. Handschlaufen und Riemen müssen nicht umständlich durch hervorstehende Ösen an die Leica T gefummelt werden: Leica hat sich ein „Easy-Click“ System patentieren lassen, das es erlaubt, Riemen und Handschlaufen mit einem Klick an der Kamera zu fixieren. Ein mitgelieferter Entriegler löst die Verbindung – ähnlich wie die SIM-Karte am Handy.

18_zubehör

Der konservative Geschmack wird durch Half Case, Holster und Ledertasche in grauem Leder bedient. Wer es lieber modern mag – und bunt – greift zu T-Snap, T-Flap und Handschlaufen aus Silikon. In Melonen-Gelb, Orange-Rot oder zurückhaltend schwarz und weiß.

Fazit

Trotzdem ist die Leica T ist bestimmt keine Kamera für den Massenmarkt – wer seine Kaufentscheidung nach Megapixelwerten, Umfang der Feature-Liste und Preis trifft, wird eher zu Kameras anderer Hersteller greifen. Wer aber Gefallen an dem modernen und reduzierten Design findet, hochwertige Verarbeitung zu schätzen weiß und für den zum perfekten Bild auch die durchdachte Bedienung der Kamera gehört, für den ist die Leica T eine äußerst interessante Kamera.

Apropos perfektes Bild. Wir haben die Leica T auch in der Praxis getestet und tatsächlich Bilder mit ihr gemacht. Mehr dazu in unserem Test-Artikel und dem entsprechenden Video

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About The Author

Andreas Jürgensen ist Fotoingenieur und lebt in Bonn. Er betreibt das Leica Forum, das Systemkamera Forum und das Fuji X Forum. Ihr findet mich auch auf Google+

4 Comments

  1. […] über die Leica T gibt es in unserer Vorstellung, im Video-Test und in unserem kompakten […]

  2. […]  einen Blick auf die neue Leica T geworfen und seine Eindrücke in einem Video festgehalten. Vorstellung, Video-Test und ein kompakten Review zur neuen Leica Kamera haben wir bereits auf dem Systemkamera […]

  3. […] Foto-Galerie zum Thema Musik sowie Produktständen zum Testen der neuen Kameras. Dort wird die Leica T und zwei neue T-Objektive zu finden sein, interessant sind sicher auch Leica X, Leica M und die […]

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