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Das Vario Tessar 4/24-70 für die Sony A7(r) wurde schon eine ganze Weile erwartet, stellt es doch allein von den technischen Daten her ein sehr überzeugendes Standardzoom dar, welches für viele Zwecke einsetzbar ist.

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Ich habe das Objektiv wie viele andere auch am letzten Donnerstag erhalten und es seitdem intensiven Tests unterzogen und viele Fotos damit geschossen, meine Ergebnisse möchte ich in diesem Beitrag vorstellen.

Der erste Eindruck – Anfassgefühl und Verarbeitung

Das Objektiv harmoniert sehr gut mit der A7, es ist leicht genug, damit man die Kamera mit Objektiv auch mit einer Hand halten kann, das Design passt zur Kamera und Fokus- sowie Zoomring sind angenehm zu bedienen.

Die Verarbeitung des Objektivs erscheint hochwertig, die äußere Fassung und das Filtergewinde sind aus Metall. Der innere Tubus ist zwar aus Plastik, hat aber keinerlei Spiel.

Die Gegenlichtblende wirkt sehr hochwertig verarbeitet, ist recht schwer und sitzt sehr sicher, sobald sie ins Bajonett eingedreht wurde.

Ganz so robust wie beispielsweise die Carl Zeiss Objektive fürs Sony A-Bajonett erscheint das Objektiv aber nicht, das ist auch dem mit 430g geringen Gewicht geschuldet.

Technische Daten

Größe (Durchmesser x Länge): 73mm x 94.5mm
Filtergewinde: 67mm
Gewicht: 430g
Minimlae Fokusdistanz: 40cm
Maximale Vergrößerung: 1:5
Preis: 1199€

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Autofokus

Der AF ist recht flott und funktioniert auch noch bei relativ wenig Licht, z.B. in normal beleuchteten Innenräumen (f/4, 1/50 Sek., ISO 3200) ausreichend gut für Personenaufnahmen. Wird es allerdings noch dunkler, so geht die Fokusdauer in einen Bereich, in dem nur noch statische Objekte ausreichend lange still halten.

Bei viel Licht bin ich von der Geschwindigkeit voll überzeugt, die Verzögerung ist minimal und der AF fokussierte stets zielgerichtet ohne zu pumpen direkt auf den Punkt.

Die Präzision war bei meinen Aufnahmen stets hoch.

Auf dem Niveau guter DSLR/SLT Objektive ist der AF allerdings auch an der mit Phasen AF ausgestatteten A7 noch nicht.

Bildstabilisator

Eines der Hauptargumente für dieses Objektiv ist der Bildstabilisator, ermöglicht er doch unverwackelte Aufnahmen auch bei wenig Licht.

Bei meinen Tests machte der Bildstabilisator einen Unterschied von etwa 2 Blendenstufen aus; während ich mit guter Technik ohne Stabilisator bei 50mm in etwa 1/25 Sekunde stabil halten konnte, war es mit Stabilisator 1/6 Sekunde.

Manueller Fokus

Der Fokusring ist leider nur sehr wenig gedämpft, das hat Sony bei anderen SEL Objektiven schon besser gemacht. Die Bedienung ist ungewohnt, je schneller man den Fokusring dreht, desto größer ist die Verstellung. Wenn ich den Ring sehr schnell drehe kann ich den Fokuspunkt bei einem Drehwinkel von nur 30 Grad von Unendlich bis 40cm verschieben. Drehe ich den Fokusring aber sehr langsam, so verschiebt sich der Fokuspunkt bei einem Drehwinkel von 90 Grad nur von 40cm auf 50cm. Für mich ist diese Art der Fokussierung noch ungewohnt und ich bin damit recht langsam, könnte mir aber auch vorstellen, dass ich mich mit der Zeit an diese Technik gewöhne.

Verzeichnung

Das Objektiv zeigt, wenn man in RAW fotografiert, bei fast allen Brennweiten eine sehr starke Verzeichnung.

Sony scheint bei diesem Objektiv – wie das in letzter Zeit üblich ist – auf Software Korrektur zu setzen und sieht vor, dass man die Verzeichnung immer elektronisch korrigiert, wenn man im Raw Format fotografiert. Die JPGs sind bereits korrigiert (die Korrektur lässt sich nicht abschalten) und zeigen keine Verzeichnung.

Bokeh

Das Bokeh ist für ein Zoomobjektiv sehr gut, Punktlichtquellen werden sehr weich wiedergegeben, bei 70mm und f/4 sind so schöne Unschärfeeffekte zu erzeugen.

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Etwas störend sind die Zwiebelringe, sie sind eine Folge des Asphärischen Designs. Überbewerten würde ich das aber nicht und dem Objektiv für das Bokeh ein sehr positives Zeugnis ausstellen.

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Schärfe

Bisher hat das Objektiv einen durchwegs positiven Eindruck hinterlassen. Blickt man allerdings auf die Schärfe, so ist das Bild durchwachsen. Betrachtet man das Objektiv aus der Perspektive eines Reportagefotografen, so ist das Bild sehr erfreulich:

  • Bereits bei Offenblende sind je nach Brennweite 70-90% des Bildes scharf, das Zentrum ist exzellent.
  • Lediglich bei über 60mm ist zu beobachten, dass die Schärfe nachlässt und für beste Ergebnisse sollte man auf f/5.6 abblenden.

Weniger erfreulich ist das Bild aus der Perspektive des Landschaftsfotografen, dem eine gute Schärfe über das gesamte Bild wichtig ist.

  • Bei 24mm wird das äußere Viertel des Bildes nie richtig scharf, selbst auf f/11 abgeblendet bleiben die Ecken unscharf.
  • Ab ca. 28mm erreichen die Ecken auf f/8 abgeblendet eine passable Schärfe. Sie sind dann nicht so gut wie bei guten Festbrennweiten, aber sie sind für die allermeisten Anwendungen sehr gut verwendbar.
  • Um 50mm sind die Ecken am besten, sie sind hier bereits ab f/4 hinreichend scharf.
  • Ab ca. 65mm sind die Ecken dann leider wieder schlechter und auch Abblenden hilft nur bedingt.

Testaufnahmen

Für die Interessierten habe ich ein paar Testreihen vorbereitet:

Testreihe 24mm
Testreihe 30mm
Testreihe 44mm
Testreihe 70mm

Testreihe Randschärfe bei f/11 – crops
Testreihe Randschärfe bei f/11 – Gesamtbild

Außerdem sind einige Testaufnahmen in voller Auflösung in diesem Flickr set zu finden.

Fazit

Meine Erwartung war, ein Universalobjektiv zu bekommen, welches ich eigentlich für alles einsetzen kann: Reportage, Menschen und Landschaft.

Im Reportageeinsatz bewährt sich das Objektiv auch, man hat wenn man – das Gehäuse einrechnet – eine leichtere und kleinere Vollformatausrüstung sught, als es die Konkurrenz von Nikon oder Canon bietet. Dank des sehr praktischen Brennweitenbereichs, des OSS, der guten Schärfe und des schönen Bokehs wissen auch die Bilder zu überzeugen.

In der Landschaftsfotografie muss man allerdings deutliche Kompromisse eingehen; bei 24mm sind die Ecken bei allen Blenden mies und auch bei 70mm nicht wirklich gut. Im Bereich 28-65mm ist es ein passables Landschaftsobjektiv, kommt aber nicht an die gleichmäßige Schärfe von Festbrennweiten heran.

Die Schwächen wären für mich verschmerzbarer, wenn der Preis nicht so hoch wäre: 1200€ für ein Objektiv, das mit zahlreichen Kompromissen behaftet ist, sind ein ziemlich hoher Preis.

Beispielbilder

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Bei diesem Motiv liegen keine Details in den Ecken und das Objektiv kann seine Stärken ausspielen:

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ein 100% crop aus dem Obigen Bild zeigt die sehr gute Schärfe.

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Reflexarmut und der Bildstabilisator machen dieses Bild bei wenig Licht im Kölner Dom möglich.

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Auch bei der Außenansicht ist der Bildstabilisator in Kombination mit den 24mm viel Wert.

100prozentdom
Der Blick in die obere rechte Ecke zeigt allerdings nur Pixelmatsch

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Im Nahbereich lassen sich dank geringer Naheinstellgrenze schöne Halbmakros machen

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About The Author

Phillip Reeve ist Student und fotografierte 2 Jahre lang mit einer Nex bevor er im November 2013 auf eine Sony A7 umstieg. Seine fotografischen Schwerpunkte sind Natur und Reise, wobei er zumeist manuelle Objektive einsetzt.

6 Comments

  1. Besonders interessant finde ich die Nebenbemerkung “ ….. während ich mit guter Technik ohne Stabilisator bei 50mm in etwa 1/25 Sekunde stabil halten konnte ….. „.

    Das entspricht meine Erfahrung, und die oft veröffentlichte Behauptung, dass bei Belichtungszeiten länger als 1/125 s öfters als bei anderen Kameras Verwacklungsunschärfe entsteht, kann ich (nach einer gewissen Eingewöhnungsphase) nicht verstehen.

    Aber es wird ja auch behauptet, dass die vielen Pixeln der A7r das Risiko von Verwacklungsunschärfe erhöht. Wie das sein kann, die Pixeldichte entspricht doch die meiner 5n, verstehe ich auch nicht.

    Und der Auslöseknopf der A7 soll ja auch die Verwacklungsunschärfe begünstigen, er sitz ja nicht schräg. Da hat Leica was zu lernen 😉

    Gerüchte über Gerüchte. Deshalb einen besonderen Dank an Phillip.

    Christer

    • da muss ich etwas relativieren: das Problem mit dem verschluss betrifft nur die A7r die keinen elektronischen Verschluss hat.

      Im Alltag verwende ich auch 1/(2*Brennweite) an der A7 und 1/(3*Brennweite) als Zielwert.

      Das Verwacklungsrisiko bei A7r und Nex-5/6 ist, wenn man den Verschluss vernachlässigt, tatsächlich identisch.

      Grüße,
      Phillip

  2. @Christer:
    Die A7 und die A7r sind zwei gänzlich unterschiedliche Kameras, vor allem in den von Dir genannten Szenarien. Diese magische 1/125s gilt primär für die A7r, da diese (leider) einen mechanischen ersten Verschlussvorhang verwendet. Genau das ist bei der A7 nicht der Fall, denn die A7 löst das elektronisch und verwackelt somit nicht.
    Dass höhere Pixeldichte eine Verwacklung eher zeigt, ist generell bestimmt wahr, aber in diesem Fall nicht der Punkt.

    Den Review zum FE24-70/4 finde ich sehr gut, dennoch warte ich auf weitere 24mm Aufnahmen bei besserem Licht. 🙂
    WW und geringes Auflagemaß scheinen auch für Sony nicht so einfach lösbar zu sein. Alle anderen Parameter zeigen deutlich das sehr hochwertige Glas.

  3. […] verzichtet und stattdessen auf das Zeiss 4/24-70 gesetzt, aber das Objektiv konnte mich nicht überzeugen, sodass ich bei meinen Festbrennweiten geblieben […]

  4. […] und 4/70-200 (auf Amazon.de) haben im Schnitt sehr positive Kritiken bekommen, lediglich das 4/24-70 fiel, auch wegen des hohen Preises, hinter die Erwartungen […]

  5. […] als das 4/24-70, weiß das Sony 4/16-35 ZA OSS zu überzeugen. Optisch kann es mit exzellenter Schärfe bereits bei […]

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