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Sony A7 slant

Die Sony A7/A7R mit KB-Vollformat erlaubt u.a. über den Einsatz entsprechender Adapter die Verwendung von Leica R-Objektiven. Für viele Leica R-Nutzer ist dies ein interessanter und neuer Lösungsansatz, ihre Leica R-Objektive an einer digitalen KB-Vollformat Kamera einzusetzen. Derzeit gibt es ja noch weitere Alternativen, Leica R-Objektive an Digitalkameras mit Vollformat zu adaptieren, man denke nur an die hauseigene Lösung von Leica, die Leica M (Typ 240) oder an die einfache Adaption an den Canon EOS Vollformat Kameras. Auch Nikon Vollformat Kameras sind dafür geeignet, allerdings nur über einen (reversiblen) Umbau des R-Objektivanschlusses für das Nikon F Bajonett.

Die Alternative: Leica M240 oder Sony Alpha 7

leica-m-silver_front_1024Die Adaption der Leica R-Objektive an den Kameras Leica M (Typ 240) und Sony A7/A7R ist die universellere Lösung, da hierbei keinerlei technisch-mechanische Restriktionen auftreten. Solche Einschränkungen sind z.B. bei einigen Leica R-Weitwinkel- und Zoomobjektiven der Fall, bei denen der Spiegel der D-SLR an der Hinterlinsen-Einfassung des Leica R-Objektives mechanisch kollidiert. An der Leica M (Typ 240) wie auch an der Sony A7/A7R können querbeet alle R-Objektive technisch problemlos adaptiert werden.Ende Dezember 2013 wurde mir von Sony eine A7R mit dem Zeiss Objektiv Sonnar T* FE 1,8/55mm für ein paar Tage zum Ausprobieren zur Verfügung gestellt (das Zeiss 1,8/55mm hat mir übrigens ausgesprochen gut gefallen).

Die Frage: Bildqualität und Handling Leica R Objektive an der Sony A7R

Leica R Super-Elmarit 2,8/15
Leica R Super-Elmarit 2,8/15 – Blende 2,8 ISO 100

Mein Ziel war es in dieser kurzen Zeit festzustellen, ob mein umfassender Bestand von Leica R Objektiven für die Verwendung an der Sony Sinn gibt im Hinblick auf qualitativ hochwertige Bildergebnisse, auf eine praktikable Handhabung für die Bedienung wie auch für die korrekte und einfache manuelle Fokussierung.

Für die Adaption der Leica R Objektive hatte ich einen Novoflex Adapter (NEX-LER) zur Verfügung. Die Bilder habe ich ausschließlich im Sony-Raw-Format fotografiert und in Lightroom 5.3 geladen und entwickelt. Für meinen kleinen „Test“ habe ich folgende Leica Objektive verwendet:

  • Leica Super-Elmarit-R 2,8/15 mm ASPH
  • Leica Elmarit-R 2,8/19 mm (letzte Bauart)
  • Leica Elmarit-R 2,8/28 mm (letzte Bauart)
  • Leica Summicron-R 2,0/50 mm (letzte Bauart)
  • Leica Summilux-R 1,4/50 mm Serie VII
  • Leica Apo-Summicron 2,0/90 mm APO ASPH
  • Leica Apo-Macro-Elmarit-R 2,8/100 mm
  • Leica Apo-Elmarit-R 2,8/180 mm
  • Leica Apo-Telyt 4,0/280 mm
  • Leica Vario-Elmar-R 3,5-4,0/21-35 mm ASPH

Leica R Weitwinkel an der Sony A7R: Sehr gut bis begeisternd

Leica R Elmarit 2,8/19
Leica R Elmarit 2,8/19 – Blende 2,8 ISO 100

Besonders spannend war für mich, wie sich die Leica R Weitwinkel Objektive an der A7R schlagen werden. Und ich wurde nicht enttäuscht, es gab keinerlei Probleme mit roten Ecken und/oder unscharfen Rändern, wie sich das bei einigen Leica M Weitwinkel Objektiven der  an der Sony darstellt.

Bei den Weitwinkel Objektiven haben mich insbesondere das Elmarit 2,8/19 mm und das Elmarit 2,8/28mm begeistert. Die anderen beiden Weitwinkel Objektive (Super-Elmarit 2,8/15mm und Vario-Elmar 3,5-4,0/21-35mm) zeigen zwar auch sehr gute Ergebnisse, aber eben nicht so hervorragend wie die erst genannten.

Summilux aus den 70er

Leica R Summilux 1,4/50 Serie VII
Leica R Summilux 1,4/50 Serie VII – Blende 1,4 ISO 100

Bei den 50ern ist interessant, dass das Uralt Summilux Serie VII (es wurde von 1969 bis 1978 gebaut) den für dieses Objektiv bekannten Schmelz an der A7R ähnlich rüberbringt wie das auf Film oder Dia der Fall ist. Und das Summicron 2,0/50mm ist und bleibt ebenso der gleiche Allrounder an der A7R wie zu analogen Zeiten an den R-Kameras.

Die Apo Objektive (90, 100, 180, 280) spielen an der Sony ihre volle Stärke aus, es ist einfach ein Genuss die Bildergebnisse von diesen Hochleistungsobjektiven zu betrachten. Insbesondere gut gefallen hat mir in dieser Klasse das Apo-Summicron 2,0/90mm ASPH, es ist einfach unglaublich, welche Ergebnisse dieses Objektiv auf 36 MP zaubert.

Der Wermutstropfen: Verwackler bei langen Brennweiten

Leica R Apo-Telyt 280mm
Leica R Apo-Telyt 280mm 1:4,0 Blende 8,0 ISO 100

Es gibt allerdings auch eine Achillesferse bei der Verwendung der Teleobjektive (ab 180 mm): Bei Zeiten, die länger als ca. 1/200 sec sind, habe ich trotz eines sehr stabilen Aufbaus (Stativ-/Stativkopf-Kombination) und Selbstauslöser (10 sec) Verwackler feststellen können, die aller Wahrscheinlichkeit nach über die erste Verschlußbewegung erzeugt werden. Im Netz wird dieses Phänomen mit dem Begriff ’shutter vibration‘ diskutiert. An dieser Stelle wäre der Wunsch an Sony, dass bei der A7R die ersten beiden Verschlußaktivitäten ebenso elektronisch ablaufen könnten, wie dies bei der A7 einstellbar ist. Andererseits hilft gegebenenfalls eine zusätzliche Abstützung der Kamera (wenn das Objektiv am Stativkopf sitzt), so z.B. über eine Verbindung der Kamera mit dem Stativ mittels einer speziellen Stativstange (so was gibt’s u.a. von Manfrotto) oder einer langen Schiene, auf der Objektiv und Kamera befestigt sind oder auch durch die zusätzliche Verwendung eines Einbeinstativs zur gesonderten Abstützung der Kamera. Man muß es einfach mal ausprobieren!

Bedienung und Handling

Mit der Bedienung der Kamera kam ich sofort klar, das mag aber auch daran liegen, dass ich seit einigen Monaten eine Sony RX1 benutze und die Bedienung der A7R sich überwiegend identisch zu dieser darstellt. Die Bedienungsanleitung habe ich nicht angefasst und dies war auch meiner Meinung nach nicht notwendig, die Menus sind selbstsprechend für alle, die in der Digitalfotografie zuhause sind.

Die Kamera ist klein und demzufolge hat man den ersten Eindruck, dass alles ein wenig fummelig in der Handhabung sein wird aber schon nach kurzer Zeit findet man ‚blind‘ alle zum Fotografieren notwendigen Knöpfchen und kommt eigentlich gut klar damit. Den elektronischen Sucher finde ich sehr gut, man kann damit auch ohne Lupenfunktion punktgenau manuell fokussieren. Ich persönlich stehe noch etwas auf dem Kriegsfuß mit der sog. Peaking-Funktion, bei Brennweiten ab 35 mm und länger komme ich gut zurecht damit, bei den kleineren Weitwinkelbrennweiten weniger, ab dem 28er habe ich für die Fokussierung die Lupe zugeschaltet. Mit einiger Übung kann man auch ganz schnell den Fokusbereich für das manuelle Scharfstellen verschieben und zwar querbeet über die gesamte LiveView-Vorschau, ohne die Kamera vom Auge zu nehmen.

Die zum Kameragehäuse relativ großen und schweren Leica R Objektive mit der zusätzlichen Verlängerung durch den Novoflex Adapter tragen zwar etwas auf in Größe und Gewicht, aber durch eine richtige Kamerahaltung (das Gewicht liegt in der Objektivhand) ist dies für Brennweiten bis zu einem mittleren Tele kein großes Problem, bei längeren Brennweiten ist aller Erfahrung nach sowieso ein Stativ von Nöten.

Fazit

In Summe konnte ich feststellen, dass die Sony A7R gut zu gebrauchen ist in Verbindung mit Leica R Objektiven. Sony hat mit der A7/A7R meiner Meinung nach eine attraktive digitale Lösung im KB-Vollformat für den Leica R-Fotografen auf den Markt gebracht.

Leica R Objektive an Sony Alpha 7R

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4 Comments

  1. Sehr schöner Artikel mit detailliertem Bildmaterial! Ich habe nur zwei R-Objektive an meiner Sony a7R, kann aber die positiven Ergebnisse bestätigen. Leider habe ich auch das oben beschriebene Verwackelungs-/Erschütterungsproblem festgestellt. Hier muß man teilweise leider die ISO-Einstellung nach oben schieben, um mit einer brauchbaren Auslösezeit hinzukommen. Es ist nicht dramatisch, aber manchmal ein wenig ärgerlich. Ich hoffe, das Sony hier über ein Firmware-Update noch etwas nachbessern kann.
    Viele Grüße, Robert

  2. Hallo,

    ich habe mich sehr gefreut als ich diesen Bericht gefunden habe, da ich selbst im Besitz zweier R Objektive bin. Summicron 2.0/50mm und Apo-Macro Elmarit 2.8/100mm. Ich benutze diese Objektive momentan an meiner Sony NEX F3 und bin mit der Bildqualität sehr zufrieden. Handhabung ist Übungssache. Die nächste Kamera wird ganz sicher eine A7 oder A7r. Ich frage mich nur, ob nicht die Verfügbaren Vollformat Objektive für die Sony A7 und A7r eine vergleichbare Bildqualität abliefern. Hintergrund: Vor ein paar Tagen habe ich für meine NEX ein 1.8/50mm Objektive gekauft. Ich habe beide Objektive in der Bildqualität verglichen und kann kein Unterschied bemerken. Was ist eure Meinung? R Objektive Verkaufen und komplett auf Sony Alpha umsteigen oder behalten und nur den Body kaufen.

    Grüße,
    Anton

  3. Das ist gleichzusetzen mit der Frage welche Religion dir am meisten zusagst, oder der Frage nach deiner Lieblingsfarbe. Ich persönlich finde es authentischer mit manuellen Objektiven zu fotografieren. Wenn man solche alten Optiken noch per Hand einstellen muss/kann wird das ganze eher zu einem Handwerk was mir sehr zusagt. Leica Optiken zu verkaufen oder nicht musst du ganz alleine bestimmen, ich würde an deiner Stelle auch nicht auf irgendwelche Meinungen anderer vertrauen.

  4. danke für diesen interessanten Bericht.

    2 Fragen hätte ich
    Kann man bei der Verwendung der R-Objektive auf die Automatiken der Sony zurückgreifen?

    Ist eine Offenblendmessung bzw. Springblendenfunktion vorhanden oder läuft alles „nur“ bei Arbeitsblende?

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