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Rico Pfirstinger, Autor des „Fujifilm X-Pro1 Handbuchs“ und Experte für das Fuji X-System erklärt, was es mit dem erweiterten ISO Bereich der Fuji X-Pro 1 und Fuji X-E1 auf sich hat.

Die Fujifilm X-Pro 1 (bei Amazon und eBay) und Fujifilm X-E1 (bei Amazon und eBay)  bieten einen sogenannten erweiterten ISO-Bereich mit Werten von ISO 12.800 bis ISO 25.600. Es gibt aber einen Haken: Diese ISO Werte können ausschließlich im JPEG-Modus ausgewählt werden, es gibt also keine Möglichkeit, sie als RAW abzuspeichern. Erwartungsgemäß zeigen die Bildergebnisse bei diesen hohen ISO Werten ein deutlich sichtbares Bildrauschen und hohen Detailverlust.

Aber was steckt nun hinter dem erweiterten ISO Bereich? Bei beiden Einstellungen nimmt die Kamera RAW-Bilder mit ISO 6400 auf, belichtet diese ein oder zwei Lichtwerte knapper, wandelt sie dann in JPEG um und korrigiert die Belichtung. Das heißt, dass man dieselben Ergebnisse erzielen könnte, wenn man bei ISO 6.400 (im RAW Modus) um -1EV oder -2EV unterbelichtet und danach den internen RAW-Konverter benutzt, um die Unterbelichtung wieder auszugleichen. Dieses Verfahren wird auch „pushen“ genannt.

Der erweiterte Wertebereich sollte jedoch nur in Notfällen benutzt werden, da dieser unvermeidlich zu einem Qualitätsverlust führt. Man erhält mehr Spielraum in den Bearbeitungsmöglichkeiten, indem man die Bilder bei ISO 6.400 Fine + RAW (oder nur RAW) unterbelichtet und die Einstellungen zur Belichtungskorrektur, anschließend (bei der RAW-Konvertierung) selber vornimmt.

Hier sind die Ergebnisse bei erweiterten ISO-Bereichen 12.800 (1) und 25.600 (2):

Die beiden Beispiele zeigen die erweiterte ISO-Einstellung bei 12.800 (oben) und 25.600 (unten). Auf Flickr könnt ihr die Bilder in der vollen Größe anschauen und euch vom sichtbaren Rauschen und dem Detailverlust selber überzeugen, die durch die starke analoge und digitale Verstärkung entsteht.

Hier einige weitere Beispiele. Diesmal mit ISO 12.800 und mit ISO 6.400 im RAW Format, das im internen RAW-Konverter der Fujifilm X-E1 (bei Amazon und eBay) um +1EV korrigiert wurde. Beide Bilder wurden bei Blende 5.6 und 1/30s im manuellen Modus aufgenommen.

Die Bilder sind schwer zu unterscheiden, oder? In einer 100%-Ansicht oder bei stärkerer Vergrößerung würde man aber doch Unterschiede beim Rauschen feststellen.  Die Rauschreduktion ist sicherlich bei den erweiterten ISO-Bereichen auf 12.800 und 25.600 optimiert, aber mit einer manuellen Belichtungskorrektur erhält man ein Ergebnis, das die Rausch-Charakteristik von ISO 6.400 aufweist.

Hier seht ihr noch einmal das ISO 6.400 RAW Beispiel, diesmal in Silkypix 5 entwickelt und dort um 1EV korrigiert:

Warum man ISO 100 NICHT benutzen sollte

Der erweiterte ISO-Bereich enthält auch die Option, bei ISO 100 zu fotografieren, was ebenfalls nur im JPEG-Format möglich ist. Hier wird das Verfahren umgekehrt: Die Kamera nimmt ein Bild bei ISO 200 auf und überbelichtet die RAW-Daten um eine Stufe. Während der RAW-Konvertierung wird die Belichtung wieder um -1EV verändert. Diesen Prozess nennt man „pullen“ und ist der Gegenpart zur „push“-Methode.

Die Ergebnisse dieser Methode haben einen guten Kontrast, sehr wenig Rauschen und, besonders in den Schattenbereichen des Bildes, eine hohe Detailschärfe. Dies geht aber auf Kosten der Spitzen im Dynamikumfang. Die Lichter oder hellen Töne leiden bei dieser Einstellung also beträchtlich, so dass ISO 100 auch als „Notfall-Einstellung“ für Bilder bezeichnet werden kann, die über keine hohen Kontrast oder bildwichtige Spitzlichter verfügen.

Ähnlich wie beim vorherigen Verfahren kann man diesen Vorgang auch manuell durchführen. Man nimmt ein Foto mit nativen ISO 200 in FINE+RAW (oder nur RAW) auf und belichtet dieses um +1EV über. Wenn man das Bild nun in der Kamera selbst oder mit einem externen RAW-Konverter verarvbeitet, sollte man die Belichtung mit Hilfe der „Pull-Option“ oder per Belichtungsregler korrigieren.

Klingt das Verfahren vertraut? Es ist so ziemlich das gleiche wie mit dem klassischen Expose To The Right (ETTR) Verfahren. Im erweiterten ISO 100 Bereich arbeitet die Kamera den gesamten Prozess automatisch ab (Überbelichtung bei Aufnahme und Unterbelichtung in der Entwicklung). Allerdings kann man nur JPEGs abspeichern, weil das RAW-Format nicht unterstützt wird. Die Einstellung ist nur bei Bildern mit einem geringen Dynamikumfang sinnvoll, da die Methode die Lichter des Motives ausfressen lässt.

Hier ein paar Beispiele:

Das obere Bild zeigt das Testobjekt mit den normalen ISO 200. Der volle Dynamikumfang bleibt hierbei erhalten.

Dieses Bild zeigt dasselbe Objekt in der erweiterten ISO-Einstellung von 100 ISO. Wie man sehen kann, zeigt es mehr Kontrast, und die Spitzenlichter sind ausgefressen.

Um die Unterschied zu verdeutlichen wurden beide Bilder in „Apple Aperture“ bearbeitet. Die rot gekennzeichneten Bereiche zeigen ausgefressene Bereiche in den Spitzlichter:

Wie man sehen kann ist hier ein deutlicher Unterschied erkennbar zwischen ISO 200 (oben) und der erweiterten ISO-Einstellung bei ISO 100 (unten).

Zusammengefasst: Wir sollten erst dann auf den erweiterten ISO-Bereich zurückgreifen, wenn es keine andere Möglichkeit gibt. Die „pull“ Option von ISO 100 führt zu einer geringeren Dynamik in den Spitzen, während ISO 12.800 und ISO 25.600 zu starkem Rauschen und sichtbarem Detailverlust führen. Zudem ist die Einstellung ausschließlich mit JPEGs möglich, da die Option für RAW-Daten nicht existiert.

Crosspost via Fuji Rumors

Kameras aus dem Test:

 

About The Author

Andreas Jürgensen ist Fotoingenieur und lebt in Bonn. Er betreibt das Leica Forum, das Systemkamera Forum und das Fuji X Forum. Ihr findet mich auch auf Google+

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