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Sony NEX-7

Sony NEX-7. Das ist eigentlich die Kamera, auf die ich schon lange gewartet habe: ein integrierter hochauflösender Sucher, das Gehäuse im „Rangefinder-Style“ ohne Buckel für den Sucher, APS-C Sensor, wertige Verarbeitung und trotzdem nicht allzu schwer, Klapp-Display – und offensichtlich frei konfigurierbare Knöpfe und Räder. Ok, ich gebe ehrlich zu: 24 MP-Pixel hätte ich jetzt nicht gebraucht. Das ist schon sehr sportlich auf einer Fläche eines APS-C-Sensors. Eigentlich bin ich sogar mit den 12 MP einer Fuji X100 zufrieden. Bei der gefällt mir auch die High-ISO-Fähigkeit. Einfach mal bedenkenlos die Auto-ISO-Funktion bis 3200 ASA hochschieben. Es wäre schön, wenn die Sony NEX-7 bei diesen ISO-Werten auch noch einigermaßen gut zu benutzen ist. Davon aber gehe ich im Augenblick fest aus, denn Sony hat schon bei den vorherigen Kameras gezeigt, dass sie das Thema Rauschen ganz gut im Griff haben. Nicht zuletzt verbaut Sony ja auch den gleichen Sensor in der neuen A77; und bei der Kamera bekommt er sogar weniger Licht, weil ja dauerhaft der feststehende, teildurchlässige Spiegel für die AF-Sensoren davor ist.

Ja, ja. Ich kenne die Argumente von denjenigen, die Kameras haben, deren gefühlte, erträgliche Obergrenze gerade noch bei 1600 ISO liegt. „Mehr brauch´ ich nicht – mehr habe ich noch nie gebraucht – mehr hatte ich bei Film auch nicht – dann nehme ich halt eine lichtstarke Optik“. Ja, das mag ja alles stimmen. Aber ICH brauche es. Ich bin ein Freund der Available-Light-Fotografie. Ich fotografiere auch gerne in Räumen. Ohne Blitz. Ich mag keinen Blitz. Da bin ich in der Regel mit 1600 ISO aufgeschmissen. Ich mag auch keine Stative und will daher Belichtungszeiten, die ich noch mit der Hand halten kann. Und ganz ehrlich: Wenn draußen die Sonne knallt, kann ich auch eine Kompaktknipse nehmen, die macht da auch schöne Bilderchen, die ich in der Regel kaum von denen einer großsensorigen teureren Kamera, egal welcher Bauart, zu unterscheiden vermag. Ok, das Freistellen geht nicht so gut, das sehe ich ein. Aber sonst? Ich will jedenfalls einigermaßen rauschfrei bis 3200 ISO fotografieren, besser noch bis 6400 ISO, und das nicht nur unter Inkaufnahme eines inakzeptablen Auflösungsverlustes. Und eine lichtstarke Optik will ich auch. Zusätzlich.

Und dann sind wir schon beim Thema Optik. Meine Lieblingsbrennweite ist ja seit jeher 35mm. Also klassisch, im Kleinbildformat. Auch das bekomme ich von Sony: Das neue Zeiss 24mm hat bei einem APS-C Sensor ungefähr den Blickwinkel eines 35mm Objektivs bei Kleinbild. OK, es ist 1 Millimeter mehr. Geschenkt. 35mm habe ich bisher immer als ideal empfunden. Deshalb habe ich auch eine Fuji X100. High-ISO und 35mm. 35mm mit Fußzoom. Klar, man muss sich mal bewegen. Nicht auf der Stelle verharren und am Zoom kurbeln. Das tut der Bildgestaltung aber auch ganz gut. Andere Perspektiven ausprobieren. Natürlich, auch die Argumente kenne ich; kann man alles auch mit einem Zoom machen. Ja sicher. Aber wer macht es denn? Die meisten Fotos, die man im Netz sieht, erwecken nicht den Eindruck, als hätte man sich sonderlich viel Gedanken um die Bildgestaltung, Perspektive, Aufnahmestandort oder ähnliche Dinge gemacht. Ok, ich gebe zu: Die Anzahl derjenigen, die mit einer 35mm Brennweite rücklings ins Hafenbecken gestürzt sind, oder einen Freiflug am Berggrat erworben haben, könnte deutlich höher sein, als bei Besitzern einer Zoom-Optik, aber ich bin da eher pragmatisch: No risk, no fun. Und das schreibe ich jetzt als jemand, dessen Lebensmotto eher durch das Wort „risikolos“ beschrieben werden könnte.

Und lichtstark ist das gute Stück auch: F1.8. Reicht. Zeiss steht da drauf. Das verspricht eine hinreichende optische Qualität. Da habe ich ja alles zusammen. Meine Traumkombination. Und im Notfall nehme ich dann doch eine der Optiken, über die ich bisher geschimpft habe. E18-55mm. Na ja, wenn ich an meinen Vergleichstest mit der äquivalenten Brennweite mit der Kit-Variante von Panasonic denke – nicht ganz so knackig. Zumindest nicht bei offener Blende. Man kann nicht alles haben. Am liebsten hätte ich die NEX-7 schon morgen. Nein, heute. Oder besser gestern. Aber man muss noch warten. Vor allem muss man auch auf das 24mm Objektiv 1.8 warten. Ok, ich muss ja auch noch Geld sparen. Das passt.

Und was machen die anderen Hersteller? Wenn ich ehrlich bin, hätte ich so eine Kamera von Panasonic erwartet. Da sieht es aber so aus, als laufe man im Augenblick dem Erfolg von Sony hinterher. Sony war ja mit einem Knall da und hatte mit einem recht übersichtlichen System gleich hohe Marktanteile in Japan erobert. Was konnten die Kameras besser, dass so viele neue Käufer sich für eine Sony statt für eine Olympus oder Panasonic entschieden? Die Kameras von Sony waren kleiner oder wirkten kleiner. Japaner stehen auf kleine Dinge. Kleiner ist in Japan oftmals auch „besser“. Also kamen kleinere Kameras von Panasonic. Die GF-Serie wurde immer kleiner. Und hatte weniger Knöpfe und weniger Bedienelemente. Dafür einen Touch-Screen. Nicht jeder empfand das als den richtigen Weg. Ich auch nicht. Hat das die Verkaufszahlen dieser Kamera verbessert? Ist Jackentaschentauglichkeit in Verbindung mit einem Pancake das ausschlaggebende Argument für den Erfolg einer Systemkamera? Gilt das auch für den Rest der Welt? Entscheiden sich die Kunden dort genauso wie in Japan?

Nun gut, Panasonic hat ja noch die G und die GH-Serie. Aber nicht jeder mag eine Kamera im (D)SLR-Style. Was bei Panasonic eigentlich fehlt, das ist so etwas wie die gute alte Panasonic L1. Damals waren aber die Sensoren noch nicht so weit, und die elektronischen Sucher boten auch nur eine bescheidene Auflösung. Diese Probleme gibt es nicht mehr. Die Zeit ist reif für eine neue L1. Wenn man den Erfolgen von Sony nicht wieder monatelang hinterherschauen möchte, dann sollten Panasonic oder vielleicht auch Olympus dann auch mal endlich eine Kamera im integriertem Sucher im „Rangefinder-Style“ bauen. Der Markt wartet darauf; und es gibt noch viele Neueinsteiger, die sich noch nicht für ein bestimmtes spiegelloses System entschieden haben. Wer jetzt wartet, kann morgen schon der Verlierer sein, auch, wenn das eigene Objektivprogramm respektabel groß ist. Klein ist nicht alles.

In diesem Sinne, wohlan,

Jens Michael Schuh

Systemkamera-Forum

P.S.: Wer übrigens glaubt, eine Sony NEX-7 wäre eine kleine Kamera, der schaue sich bitte hier mal den Größenvergleich zwischen einer NEX-5N und einer NEX-7 bei dpreview.com an.

About The Author

Jens Michael Schuh lebt in Bochum und ist selbständiger Informatiker und Inhaber von TryTec! Microsystems, einem Apple-Systemhaus. Er betreibt zusammen mit Andreas Jürgensen das Systemkamera-Forum und das Fuji X Forum.

12 Comments

  1. Nicht jeder schaut mit dem rechten Auge durch die Kamera und ich finde nicht, das eine Kamera ohne Sucher-Deck besser aussieht.
    Davon abgesehen zeigt Panasonic nach Olympus jetzt auch wie klein und trotzdem hochauflösend Objektive heute konstruiert werden können!

    Das ist es woran NEX und Sony überhaupt krankt – noch bezahlbare, aber wirklich hochauflösende und kontrastreiche Objektive.
    Das war schon bei Alpha das Problem und so gut sind die Zeiss-Rechnungen auch nicht, aber teuer – jedenfalls oft nicht auf einer Höhe mit Zuiko und nicht immer besser als Canon L oder Nikon ED.

    Und bei NEX ist es noch drastischer, bleibt zu hoffen, dass das 1,8/24 mm Zeiss richtig gut wird, aber sonst?
    Ein 1,8/50 mm klingt kaum wie eine tolle Porträtbrennweite, zu kurz.
    Das 18-200 mm ist gelungen, aber wahnsinnig groß.
    Das 2,8/16 mm reicht vielen nicht und damit fallen dann auch die spannenden Vorsätze flach.
    Ein 30 mm Macro ist für viele tolle Motive einfach zu kurz.
    Sony hat nichts, was den Einstieg wirklich rechtfertigen würde – kein System.
    Da nützt auch die 24 MP Kamera nichts und ein abnehmbarer Wechselsucher hat durchaus Vorteile und wenn Olympus nicht verschläft, bieten sie auch bald die hohe EVF-Auflösung zum Nachrüsten, wobeio der jetzige Sucher schon der bislang betse ist und wenig Grund zur Klage gibt (bei viel Sonne und hohem Kontrast).

    Ich finde trotzdem gut das Sony mal durchdachtere Kameras zeigt und hoffentlich mal die zwei Riesen weckt, aber gegen das System von mFT, dass inzwischen 25 Objektive bietet, wird Sony vielleicht niemals ankommen, da nützt dann auch der größte Sensor mit etwas mehr Auflösung nichts.
    Ich werde die Nex 5N testen und versuchen wieder ein gutes 16 mm und die Vorsätze zu bekommen, aber alle anderen Objektive finde ich unattraktiv für meine Fotografie.
    (Oly E-P3; 7-14 mm; 14-150 mm; 75-300 mm; 45 mm Macro; 0,95/25 mm – ist die Messlatte)

  2. Endlich! NEX mit EVF!
    Ich gestehe, ich brauche die neuen Objektive gar nicht, mich interessiert die NEX nur als Sensor für alte, manuelle Objektive. Und da kann ich mir kaum eine bessere Konstruktion vorstellen – vielleicht einen echten Kleinbildsensor (dafür würde ich glatt noch mal 500 EUR drauflegen)?

    Einzige Kritikpunkte – ohne die Kamera bedient zu haben:
    – Pixelanzahl zwingt mich wahrscheinlich zu neuen Wegen in der Bildverwaltung
    – Blitzschuh nicht tauglich für übliches Zubehör

  3. Das NEX-System empfinde ich als eine Möglichkeit, alten Glasbau wie
    Canon FD etc. weiter zu verwenden. Ohne es vielleicht geahnt zu haben erwiesen die SONY-Leute solchen Besitzern alter Schätzchen einen großen Dienst.Natürlich braucht man Adapter,natürlich hat man
    keinen Autofokus,aber man kann dank Betätigung des Blendenringes
    der alten Optiken wunderbar mit der Schärfentiefe spielen, d.h.fotografieren. Die Kit-Scherben für die NEX überzeugen nicht.

  4. Was die nex 7 wirklich bedeutet sieh man hier:

    http://www.amazon.com/Best-Sellers-Electronics-Digital-SLR-Cameras/zgbs/electronics/3017941/ref=zg_bs_nav_e_4_330405011#1

    nex 7 auf anhieb auf 3/4 und 10 (mit Kit objektiv)
    nex 5n auf 13 wohlgemerkt VORBESTELLUNGEN !

    und die meistverkaufte MFT die Panasonic GH-2 dümpelt bei platz 42 rum.

    soviel zur Realität.

    mfg
    Stefan

  5. Jens, du sprichst mir aus der Seele!

    Lichtstärke ist auch mein Ding! Bei Partys oder in einer Bar will man ja nicht immer den Donner seinem Blitz vorweg schicken oder? Und wenn es denn einen sucher sein muss dann bitte einen den man nicht sieht. Also als Foto-Objekt. So ein Hässlicher Huckel wie bei der aktuellen GF3… ein Argument das Ding links liegen zu lassen. Da Lob ich meine E-P1. So hübsch hab ich bis jetzt keine weitere gesehen außer vllt die X100.

    Die Touchscreen fummelei geht schon auf meinem Smartphone manchmal auf die nerven da kann ich das bei einem gerät das nur zum fotos machen da ist nicht auch gebrauchen.

    Aber so ist es im Leben, man bekommt nicht immer was man will… aber manchmal doch^^

    Grüße Jan

  6. Super Artikel, der mir aus dem Herzen spricht. Als alter Contax G2 User wünsche ich mir nichts mehr als eine digitale G2…die Pana GF1 kommt da ja schon in etwa nahe. Aber warum Panasonic nicht schon lange eine neue L1 für m43 rausgebracht hat? Sie waren designmäßßig doch schon sooo nahe dran…

    Und wer noch nicht mit einer Leica M oder einer Hexar RF fotografiert hat, mag sich schwertun, die Vorteile eines intrgrierten Suchers auf der linken Seite zu verstehen…kleiner Tipp: ich sach mal „Nase“

    😉

  7. Hi, ich bin auch der Meinung, daß die NEX-7 ein Produkt ist, das den Markt verändert.

    Gegenüber der Leica X-1 hat sie den Sucher und die Wechselobjektive als Vorteil, gegenüber der Fuji X-100 die Wechselobjektive. Das Design der Fuji gefällt mir allerdings besser.

    Ich bin gespannt, wie die Wettbewerber reagieren. Wird die „kleine Leica“ und eine Fuji Xxxx für Wechselobjektive kommen?

    Für mich sehe ich die NEX-7, wenn sich die Preise beruhigt haben und der 1. Microcode Upgrade erfolgt ist.

    Dann kann ich meine vielen, schönen, kompakten Leica- , Zeiss- und Voigtländer-Objektive adaptieren.

    Bis dahin behelfe ich mir mit der Leica M9,

    grüßt immodoc!

  8. Ich finde die harten Eckdaten auch sehr interessant, aber wir sollten wirklich die ersten Tests abwarten … Die Testbilder der A77 (gleicher Sensor) auf dpreview.com holen einen zurück auf den Boden. Der Hinweis auf Pre-Production Status der Firmware ist obligatorisch, aber Sony würde die Veröffentlichung der Bilder nicht erlauben, wenn sie noch weit von der BQ mit der Endversion der Firmware wären. Also schauen wir mal.

  9. Von den Daten her ein sehr verlockendes Angebot.
    Das Klappdisplay klingt nach wie vor nach einer konsequenten Inkonsequenz (neben der hohen Zahl an Megapixeln der einzige Kritikpunkt). Sollte die Kamera irgendwann ein ->komplett<- schwenkbares Display besitzen, steht einem Systemwechsel nichts wesentliches mehr im Wege. der Sensor ist allemale ausreichend.

    Weiter so!

  10. Hallo,die Nex7 ist eine Sensation!
    Der Bericht ist sehr gut und ich denke ähnlich wie der Verfasser – bei mir wird allerdings hauptsächlich Altglas eingesetzt werden (Canon FD) weil erstens vorhanden und optisch einfach besser als das 18-55 Kitobjektiv (als „Scherbe“ sehe ich es aber nicht)
    Das manuelle scharfstellen ist selbst mit der Nex 5 kein Problem und dürfte mit dem neuen Sucher noch besser sein.
    Ein Blitz wird von mir nicht verwendet um die Stimmung nicht zu zerstören.

    Gruß
    Fotobastler

  11. Habe aktuell die NEX 5N mit Makro Optik und Voigtländer 40, 1.4. Bin sehr zufrieden, werde mir aber, wenn das Rauscherhalten OK ist, die NEX 7 zulegen….

  12. Herr Schuh spricht mir aus dem Herzen! Wie ich im System-Blog ausgeführt habe, sind bei mir Panasonics G1 + GH2 und Sonys NEX-5 und NEX-5N im Einsatz. Gut finde ich übrigens darüber hinaus, dass ich neben meinen Orginal-Objektiven mit meinen Adaptern an beiden Systemen zusätzlich die vorhandenen Analog-Objektive komfortabel nutzen kann.
    Doch da durch die Vielfalt an Objektiven meine Bildergebnisse nicht besser wurden, werde ich mich zukünftig auf ein bis zwei echt gute und lichtstarke Festbrennweiten beschränken, diese sollten möglichst AF/Bildstabilisator an Bord haben.
    Auch wenn dies nicht mehrheitsfähig sein dürfte, eine Focuspunkt-Vorwahl per Touchscreen mit Objektverfolgung (wie GH2 + NEX-5N) stünde m.E. auch der NEX-7 gut zu Gesicht. Intuitiv geht manchmal ohne Knöpfchen!

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