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Colormanagement Alles über Farbmanagement

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Alt 26.06.2011, 10:43   #1 (permalink)
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Standard So funktioniert Farbmanagement

Beim Durchstöbern dieser Forenkategorie habe ich festgestellt, dass es offensichtlich eine große Unsicherheit bei diesem Thema gibt. Wie wird Farbmanagement angewendet und wozu ist das überhaupt gut.

Daher habe ich mich dazu entschlossen, hier mal einen Erklärungsversuch zu starten.

Ein korrekt angewendetes Farbmanagement (FM) ist das so ziemlich wichtigste im Bildbearbeitungsworkflow.

1. Kamera
FM beginnt bereits in der Kamera. Nicht umsonst kann man dort (bei höherwertigen Cams) den Ausgabefarbraum einstellen. Dieser ist entweder sRGB (s steht für Small, also klein) oder AdobeRGB (ein von Adobe entwickelter Ausgabefarbraum, der sehr viel größer ist als sRGB).

Die Einstellung in der Kamera greift jedoch nur, wenn man im JPG Format fotografiert. Macht man RAWs, liefert die Kamera SW-Bilder mit eingebetteten JPG Miniaturen. RAWs haben noch keinen Farbraum. Dieser wird erst im RAW Konverter erzeugt.

2. Bildschirm
Schließt man einen Bildschirm an einen Computer an, liefert dieser ein Bildergebnis, welches vom Gerätehersteller voreingestellt ist. Er wird also mit den sog. Werkseinstellungen ausgeliefert. Für die Bildbearbeitung sollte man den Monitor kalibrieren bzw. profilieren. Dies wiederum funktioniert nur mit einem Messgerät, welches in der Lage ist, Farben, Helligkeit und Kontrast des Monitors zu messen. Die optimalen Werte für den fotografischen Workflow: 6500 Kelvin (Farbtemperatur), Gamma: 2.2, Helligkeit: ca. 80-90 Candela (wenn man Bilder drucken möchte). Der Monitor wird bei einem vernünftigen Messgerät zunächst kalibriert (darunter versteht man die hardwaremäßige Einstellung an den Bedienelementen unter Zuhilfenahme des Messgerätes, welches die jeweilige Einstellung sofort misst und quittiert) und danach profiliert (dies wird von der mitgelieferten Profilierungssoftware erledigt). Ist der Vorgang abgeschlossen, wird ein individuelles Monitorprofil in den Systemordnern des verwendeten Betriebssystems (bei Windows c:/windows/system32/spool/drivers/color, beim Mac: library/colorsync/profiles/recommended) gespeichert und automatisch bei jedem Neustart des Rechners geladen. Somit ist die Bildschirmdarstellung zunächst einmal verlässlich und das was man sieht ist die objektive Wirklichkeit.

3. Software
Ich beschränke mich auf Anwendungen von Adobe.
Bei PS Elements gibt es Farbmanagement Richtlinien, die festlegen, mit welchem sog. Arbeitsfarbraum gearbeitet werden soll.
  1. KEIN ist besonders schlecht, weil der Farbraum dann aus dem Bild ENTFERNT wird.
  2. optimiert für Bildschirm bedeutet, dass Bilder grundsätzlich nach sRGB konvertiert werden.
  3. optimiert für Druck bedeutet, dass Bilder grundsätzlich nach AdobeRGB konvertiert werden.
  4. benutzerdefiniert bedeutet, dass der Anwender einen eigenen Farbraum wählen kann/muss.
Beim großen Photoshop ist es ähnlich. Hier können jedoch noch deutlich mehr Farbräume für RGB- oder CMYK-basierte Workflows ausgewählt werden. Sofern man hochwertige Drucke produzieren möchte, sollte der Farbraum AdobeRGB verwendet werden. Bleibt der Workflow auf eine Bildschirmdarstellung beschränkt, reicht sRGB aus.


4. Drucker
Auch ein Drucker muss (wenn man es ernst meint und Qualität produzieren möchte) profiliert werden. Der Aufwand, den man betreiben möchte ist, wenn man es selbst machen möchte, abhängig vom Geldbeutel (Messgeräte, in diesem Fall Spektralfotometer kosten bis zu mehreren Tausend EUR). Viel günstiger ist es, hierfür einen Dienstleister zu beauftragen. (machen wir z.B.)
Die Profilierung funktioniert so, dass ein oder mehrere Dokumente mit zahlreichen definierten Farbfeldern gedruckt werden. Diese werden dann individuell vermessen und auf der Basis des Messergebnisses wird dann für diesen individuellen Drucker (mit Tinten- und Papiersorte) ein Profil erstellt, welches dann mit der Bildbearbeitungssoftware ausgewählt werden kann. Hochwertige Drucker mit z.B. 8 Farben können in der Regel größere Farbräume als sRGB drucken. Daher ist es wichtig, dass für einen hochwertigen Druck möglichst viele Farben auch tatsächlich beim Drucker "ankommen" und nicht vorher durch eine Umwandlung nach sRGB verloren gehen.

Hält man diesen Workflow (von 1-4) ein, erhält man ein durchgängiges Farbmanagement mit vorhersehbaren, durchgängigen und konsistenten Farben (auf allen Ausgabegeräten). Die Darstellung des Monitorbildes ist dann auch mit dem Druckergebnis identisch. (Einschränkung ist die Leuchtkraft) Bildschirme sind aktiv beleuchtet (additiv) und Ausdrucke müssen vom Auflicht, mit dem sie beleuchtet werden, leben. (subtraktiv).

Einen kostenlosen Workshop zum Thema Farbmanagement gibt es auf meiner Internetseite:
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Frank
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Geändert von Bodyworks (26.06.2011 um 11:36 Uhr)
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Alt 26.06.2011, 10:47   #2 (permalink)
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Standard AW: So funktioniert Farbmanagement

Hallo Frank,
herzlichen Dank daß du dich und deine Erfahrung hier so einbringst. Welchen Tipp kannst du zur Belichtung der Bilder beim Dienstleister (Foto-Fachgeschäft) geben?
Gruß Thorsten
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Die Leistung einer Kamera wird maßgeblich durch das Objektiv bestimmt, das Bild macht immer noch der Fotograf. Der Kasten dazwischen ist ein notwendiges Übel, dem allgemein viel zu viel Aufmerkamkeit geschenkt wird! Ich fotografiere mit Panasonic Pancake und Olympus Festbrennweiten an GF1, sowie MFT Varios und einigem Altglas von Canon und Konica an G1 und GH1 bitte um offene, sachliche Bildkritik
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Alt 26.06.2011, 10:59   #3 (permalink)
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Standard AW: So funktioniert Farbmanagement

Klasse Beitrag, Frank, du bist eine Bereicherung für unser Forum ...
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Alt 26.06.2011, 11:46   #4 (permalink)
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Standard AW: So funktioniert Farbmanagement

Zitat:
Zitat von matadoerle Beitrag anzeigen
Hallo Frank,
herzlichen Dank daß du dich und deine Erfahrung hier so einbringst. Welchen Tipp kannst du zur Belichtung der Bilder beim Dienstleister (Foto-Fachgeschäft) geben?
Gruß Thorsten
Hallo Thorsten,
das wichtigste ist in Erfahrung zu bringen, mit welchem Farbraum der Ausbelichter bzw. dessen Maschine arbeitet. Die meisten Labore können leider nur sRGB. Liefert man dann z.B. Bilder mit eingebettetem AdobeRGB, werden die Bildergebnisse oft flau und fade, weil die Maschine den Farbraum nicht interpretieren kann.
Wenn es etwas größere Drucke (ab A4) sein sollen, würde ich zu keinem Digitalbelichter gehen sondern lieber etwas mehr investieren (20x30 cm ab 3,- EUR) und einen Pigmentdruck erstellen lassen. Dessen Farben währen über 100 Jahre und derartige Drucke bestechen durch ihre Brillanz und Leuchtkraft, die kein Labor dieser Welt produzieren kann. Angelieferte Farbräume wie AdobeRGB oder sogar ProPhotoRGB können problemlos verarbeitet und größtenteils auch im Druck wiedergegeben werden.
Wir erstellen FineArt Prints und "normale" Posterdrucke auf hochwertigen Papieren mit farbkalibrierten und über RIPsoftware gesteuerten Epson Großformatdruckern zu günstigen Preisen. Sofern interesse besteht, einfach mal meine HP besuchen.
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Alt 26.06.2011, 11:50   #5 (permalink)
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Benutzerbild von aubani
 
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Standard AW: So funktioniert Farbmanagement

Servus Bodyworks,
danke dir, für deine Abhandlung!
Sehr hilfreich, auch der Link.
Gruss aubani
aubani ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 26.06.2011, 18:15   #6 (permalink)
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Standard AW: So funktioniert Farbmanagement

Habe ich richtig verstanden, dass es egal ist (solange ich mit RAWs arbeite) ob in der Kamera AdobeRGB oder sRGB eingestellt ist. Woher kommt es eigentlich, dass man zwar in RGB fotografiert abe rin CMYK druckt, hat das irgendeinen Sinn???
fritzbrumbasso ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.06.2011, 18:38   #7 (permalink)
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Benutzerbild von matadoerle
 
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Standard AW: So funktioniert Farbmanagement

Hallo Fritz,
solange du RAW hast, ist die Einstellung sRGB oder AdobeRGB egal; stell dir den Farbraum als eine Übereinkunft vor, für welchen Zahlenwert welche Farbe gezeigt werden soll.
Der kleinere Farbraum sRGB ist für die Bildschirmdarstellung definiert und umfaßt fast den gesamten Bereich an Farben, die von normalen Bildschirmen aktiv erzeugt werden können.

AdobeRGB ist für den Druck definiert; weil beim Druck die Farben nicht aktiv leuchten, sondern nur Umgebungslicht selektiv verstreuen, spricht man von subtraktiver Farbwiedergabe (es wird die Helligkeit anderer Farben reduziert). Interessanterweise ist es sehr schwer echtes Schwarz zu drucken, mischt man die Grundfarben erreicht man i.d.R. nur ein schmutzigfarbenes Braun.
Deshalb macht es für eine gute Farbdarstellung im Druck Sinn, die dunklen Bereiche mit echt schwarzer Tinte/Toner zu drucken und die helleren Bereiche mit den subtraktiven Grundfarben Cyan/Magenta/Yellow.
Das Schwarz nennt man Key (der Schlüssel zur einzig wahren Farbe schwarz), deshalb wird aus den drei Grundfarben die Vierfarbmischung CMYK (Cyan/Magenta/Yellow/Key); und das ist in der Regel die optimale Basis, um beeindruckende Druckerzeugnisse zu erzeugen ..

Der Sensor einer Digitalkamera kann mehr Farben aufnehmen/differenzieren, als ein Bildschirm wiedergeben oder ein Drucker erzeugen kann; deshalb sind in RAW mehr Farben enthalten als in einem TIFF oder JPEG. Je nach Einstellung werden für Darstellung und Präsentation mit dem RAW-Konverter die einen oder die anderen Geräte optimal angesprochen. Ein Bild, was für Bildschirm optimiert wurde, erreicht nicht ganz die Tiefe und Definition beim Druck; umgekehrt wird nicht die ganze Brillianz der Bildschrimfarben ausgenutzt.
Gruß Thorsten
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matadoerle ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.06.2011, 21:10   #8 (permalink)
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Standard AW: So funktioniert Farbmanagement

Vielen Dank.
Mit Augenzwinkern möchte ich dich darauf aufmerksam machen das
sRGB für "STANDARD" -RGB steht.
Als "small" gemerkt hat man allerdings gleich ne gute Brücke

Zitat:
Zitat von Bodyworks Beitrag anzeigen
Bleibt der Workflow auf eine Bildschirmdarstellung beschränkt, reicht sRGB aus.
Das ist zwar korrekt,i.d.R.entstehen aber aus nachträglich zu sRGB konvertierten Photos kräftigere und schönere Farben.Man kann also durchaus jpegs in AdobeRGB aufnehmen und zu sRGB konvertieren fürs Web beispielsweise.
xgravex ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.06.2011, 22:26   #9 (permalink)
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Standard AW: So funktioniert Farbmanagement

Zitat:
Zitat von xgravex Beitrag anzeigen
Vielen Dank.
Mit Augenzwinkern möchte ich dich darauf aufmerksam machen das
sRGB für "STANDARD" -RGB steht.
Als "small" gemerkt hat man allerdings gleich ne gute Brücke



Das ist zwar korrekt,i.d.R.entstehen aber aus nachträglich zu sRGB konvertierten Photos kräftigere und schönere Farben.Man kann also durchaus jpegs in AdobeRGB aufnehmen und zu sRGB konvertieren fürs Web beispielsweise.
Hallo xgravex,
Du hast natürlich vollkommen Recht. Ich habe es aber bewusst als SMALL bezeichnet, weil mit dieser Eselsbrücke schneller deutlich wird, dass AdobeRGB deutlich größer ist
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Alt 29.06.2011, 23:30   #10 (permalink)
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Zitat:
Zitat von xgravex Beitrag anzeigen
Das ist zwar korrekt,i.d.R.entstehen aber aus nachträglich zu sRGB konvertierten Photos kräftigere und schönere Farben.Man kann also durchaus jpegs in AdobeRGB aufnehmen und zu sRGB konvertieren fürs Web beispielsweise.
Ist das wirklich so? Ich dachte immer, dass man Farbraumkonvertierungen nur vornehmen soll, wenn es gar nicht anders geht.

Gruß
Thobie
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