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Der Rheinwerk-Verlag hat uns einige Rezensionsexemplare für das Buch „Sony a6300, Das Handbuch zur Kamera“ von Kyra und Christian Sänger zur Verfügung gestellt. Hier die erste Rezension von Andreas Roth:

Vor einigen Monaten bin ich von meiner mich langjährig treu begleitenden Sony NEX7 auf die Sony a6300 umgestiegen. Das Menü-System der a6300 ist zwar meiner Meinung nach deutlich übersichtlicher geworden (sofern man nicht die „Kachel-Struktur verwendet), gleichzeitig sind jedoch der Funktionsumfang und insbesondere die Individualisierungsmöglichkeiten deutlich angestiegen. Kryptische Menü-Bezeichnungen helfen auch nicht gerade beim Zurechtfinden. Die von der Sony-Webseite heruntergeladene Bedienungsanleitung ist zwar vollständig, aber eher vom Ingenieur für den Ingenieur formuliert. Diese Umstände definieren die Daseinsberechtigung für Dritt-Literatur (nicht nur) zur Sony a6300.

Nachfolgend deshalb meine kurze Bewertung des Buchs: SONY α6300 Das Handbuch zur Kamera, Bonn 2016.

Sony a6300, Das Handbuch zur Kamera

 

Sony α6300, das Handbuch zur Kamera: Inhalt

Das 334-seitige, auf stabilem und wertigem Papier gedruckte Hardcover-Buch ist in insgesamt zwölf Kapitel und einen Anhang aufgeteilt. Darüber hinaus runden ein Glossar, in dem grundlegende aber auch spezielle Begriffe der Kamera und deren Technik (z.B. Blende, Cropfaktor, Brennweite, Histogramm, ADI-TTL usw.) erklärt werden, sowie ein ausführliches Stichwortverzeichnis, den Gesamtinhalt ab.

Die Kapitel sind sinnvoll gewählt und behandeln jeweils in sich abgeschlossene Themenbereiche (z.B. Belichtung, Schärfe, Programmfunktionen usw.). Viele aussagekräftige, durchweg farbige Abbildungen verhelfen zum Verständnis, wenn Text alleine nicht ausreicht oder geeignet ist. Der Anhang, ebenfalls garniert mit kleinen Darstellungen aller Menü-Reiter, zeigt einen Überblick der gesamten Menüstruktur der Kamera.

Anhang mit Erklärung aller Menüpunkte

Dieser Anhang stellt für mich auch den besten und nützlichsten Teil des Handbuchs dar. Jeder Menüpunkt und alle sich darin befindlichen „Reiter“ und Unterpunkte, werden in verständlicher Sprache und bei Bedarf mit Verweisen auf ausführlichere Darstellungen in den einzelnen Kapiteln erklärt. In gewisser Weise kann man diesen Anhang meiner Meinung nach deshalb fast wie ein Stichwortverzeichnis verwenden, oder zumindest gut ergänzend zum eigentlichen Stichwortverzeichnis. Ein paar Erläuterungen sind mir jedoch zu knapp gewesen. So fehlt z.B. ein eindeutiger und durchgängiger Hinweis darauf, welche Funktionen nur bei Aufnahme im jpg-Modus zur Verfügung stehen oder auch z.B. bei der Erklärung des „Benutzereinstellungen > 2. Reiter > Markier.einstlg.“ eine weiterführende Darstellung, was die diversen darin vorhandenen Anzeigeoptionen (z.B. „Fadenkreuz“) genau bewirken, und bei welchen Situationen sich diese anbieten (oder eben nicht).

Letzteres, nämlich die persönlichen Erfahrungen des Autoren-Duos im Umgang mit der Kamera und die daraus resultierenden Einschätzungen und Empfehlungen sind nach meiner Auffassung die Essenz des Handbuchs. Gerade weil die a6300 eine fast unübersichtlich große Vielzahl an Einstellmöglichkeiten bietet, ist es für den Orientierung suchenden Fotografen/Leser sehr angenehm, wenn Empfehlungen gegeben werden, welche Situationen mit welchen Kameraeinstellungen zu adäquaten Ergebnissen führen können. Ein gutes Beispiel dafür, ist die Beschreibung der „AF-Verriegelung“. Das erledigen die Autoren sehr gut, ohne dabei jedoch schulmeisterlich zu wirken. Nichts wird in irgendeiner Weise „vorgeschrieben“, stets wird dem Nutzer ausdrücklich die Wahl gelassen.

Videofunktionen und Image Data Converter

Besonders gut gefallen haben mir in diesem Zusammenhang auch ein paar der im Buch enthaltenen tabellarischen Übersichten. So gibt es Tabelle mit Vorschlägen, wie für verschiedene fotografische Situationen (z.B. Porträt, Landschaft, Action, Filmen usw.) das Quick-Navi-Menü idealerweise konfiguriert werden könnte. Es gibt ein eigenes Kapitel, das sich mit den umfangreichen Videomöglichkeiten der kleinen a6300 beschäftigt. Da die Kamera ein hervorragendes Werkzeug für die Videografie darstellt, halte ich dies für zwingend, diesem Bereich hätte aber ruhig etwas mehr Raum eingeräumt werden dürfen.

Gegenteiliges gilt wiederum für den Abschnitt, der sich mit dem „Image Data Converter“ beschäftigt. Dies deshalb, weil ich davon ausgehe, dass eine Kamera im Preis- und Leistungssegment einer Sony a6300 wahrscheinlich nicht von Personen genutzt werden wird, die sich nicht auch ebenso intensiv mit der elektronischen Bildverwaltung und -verarbeitung beschäftigen. Und dafür sind auf dem Markt erheblich geeignetere und mächtigere Werkzeuge verfügbar, die immerhin erwähnt werden.

Gelerntes schnell umzusetzbar

Die Lektüre des Buchs hatte bei mir den unmittelbaren Effekt, dass ich einige der Kameraeinstellungen (endlich) verstanden und meine eigenen Präferenzen entsprechend sofort umgesetzt habe.
Etwas unnötig fand ich zunächst das Kapitel „Bilder gestalten und Motive gekonnt in Szene setzen“. Die darin enthaltenen Tipps zu Bildgestaltung (z.B. goldener Schnitt) sollten meiner Meinung nach einem „Grundkurs Fotografie“ vorbehalten bleiben. Jedoch keinen breiten Raum in einem Handbuch einnehmen, das sich explizit mit der Hardware, also der Kamera und deren Technik beschäftigt. Warum also nur „etwas unnötig“? Weil, nach genauerer Lektüre, dieses Kapitel und seine Unterabschnitte zumindest teilweise auch als Aufhänger benutzt werden, um den Kerninhalt des Buches weiter zu vermitteln, nämlich die Kamera und deren Bedienung.

Ebenfalls und aus ähnlichem Grund nicht ganz überzeugt hat mich die Darstellung in dem Kapitel „Objektiv & Co.: das richtige Zubehör für die Sony α6300“. Tipps für z.B. Stative (mit konkreter Nennung einiger Hersteller/Modelle), Fernbedienung, Filter, etc. nehmen einen etwas zu breiten Raum ein.

Fazit

Das bringt mich auch schon zum Fazit und der damit verbundenen wichtigen Frage der Zielgruppe für das Handbuch. Ich selbst halte mich für einen „fortgeschrittenen Hobby-Fotografen“. Eine solche Leserschaft stellt dann auch, nach meiner subjektiven Einschätzung, die obere Grenze der Leser dar, denen das Handbuch einen Mehrwert bringen wird. Noch mehr und ganz besonders profitieren meiner Meinung nach Einsteiger. Fotografen, die, vielleicht von der Smartphone-Knipserei oder von einfachen Kompaktkameras kommend, einen weiteren Schritt in Richtung der intensiveren Fotografie machen wollen. Solche Leser nimmt das Handbuch hervorragend in die Hand.

Leseprobe: Sony a6300, Das Handbuch zur Kamera

About The Author

Leon Baumgardt ist studierter Photoingenieur und leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Er ist Redakteur für das Systemkamera und das L-Camera Blog.

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