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sony_a7_teaser

Phillip hat hier im Blog und im Systemkamera Forum schon einiges über seine Erfahrungen mit manuellen Objektiven geschrieben, die er mit einem Vorserienmodell der Sony Alpha 7R getestet hat. Seit einigen Tagen hat er jetzt seine eigene Sony Alpha 7 und schreibt hier über seine ersten Eindrücke:

Groß war der Hype in den Wochen zwischen Ankündigung und Verkaufsstart der Sony A7 / A7R. Auch ich erlag schließlich dem Hype und bestellte eine A7 vor.
Mit meiner bisherigen Kamera, der Sony NEX-6, war ich sehr zufrieden und somit Sony wohlgesonnen. 
Dass ich eine umfangreiche Sammlung an manuellen Objektiven besitze, die nur darauf warteten, endlich wieder am Vollformat genutzt zu werden, war dabei der entscheidende Aspekt.

Umso gespannter war ich, als die Kamera am letzten Dienstag endlich bei mir eintraf. Würde sie die großen Erwartungen erfüllen können? Wie würden sich meine zum Teil über 40 Jahre alten Objektive schlagen? Ich habe seitdem versucht, für mich diese Fragen zu beantworten und möchte in diesem Artikel meine Erfahrungen zusammen fassen.

Erster Eindruck

Die A7 ist keine kleine Kamera. Sie ist deutlich kleiner als DSLR-Kameras mit vergleichbarer Bildqualität, aber verglichen mit einer NEX ist sie groß und in der Manteltasche findet die Kamera keinen Platz.

Das Design erinnert an Spiegelreflexkameras der 80er und ist recht kantig gehalten. Ich muss gestehen, dass das Retrodesign der Konkurrenz mich optisch mehr anspricht, aber die hat nunmal keinen Vollformatsensor.

Minolta X-700 (1981), Sony A7 (2013), Canon A1 (1978)
Minolta X-700 (1981), Sony A7 (2013), Canon A1 (1978)

Verarbeitung

Das Gehäuse wirkt wertig verarbeitet, alle Knöpfe und Tasten haben einen angenehmen Druckpunkt und rasten angenehm.
Die A7 fühlt sich aber nicht ganz so robust wie eine professionelle DSLR an, wie z.B. die Canon 5d II.

Die Abdichtung gegen Staub und Wasser ist willkommen, scheint mir aber auch nicht auf dem Niveau mancher DSLR zu sein. Um wieder die 5dII zu betrachten, die ich eine Weile benutzt habe, so sind an an Abdeckungen Gummidichtungen sichtbar, am Batteriefach der A7 ist das z.B. nicht der Fall. Auch haben abgedichtete Canon L Objektive am Bajonett eine Gummilippe, die das Eindringen von Feuchtigkeit verhindert, die Sony A7 hat dies nicht. 
Ich würde mir keine Gedanken machen, wenn die Kamera mal etwas Regen abbekommt, aber einem Wolkenbruch würde ich sie nicht aussetzen wollen.

Bedienung

Die Kamera weist sehr viele Bedienelemente auf und fast jede Funktion lässt sich auf einen schnell zu erreichenden Knopf legen, sodass sich die Kamera – sobald sie eingerichtet ist – sehr intuitiv bedienen lässt und mir als Fotografen nie im Weg steht.

Wie gut sich eine Kamera hält, ist ein sehr subjektives Maß, in meinen Händen liegt sie etwas schlechter als die NEX-6, besonders der Zeigefinger liegt etwas unkomfortabel auf dem Auslöser, den ich lieber etwas weiter vorne positioniert gesehen hätte.

Für die Belichtungskorrektur steht ein eigenes Rad zur Verfügung, welches einen in 1/3 Blenden die Belichtung im Bereich von -3 bis +3 korrigieren lässt. Die Stufen rasten deutlich und mit einem angenehmen Widerstand ein.

Die A7 verfügt über drei Bedienräder, so lassen sich auch im M-Modus die drei Belichtungsparameter Zeit, Blende und ISO direkt kontrollieren und auch in anderen Modi ist der ISO Wert ist jederzeit direkt zugreifbar.
Im A-, P- oder S-Modus haben Daumen- und Zeigefingerrad die selbe Funktion, da wirkt das 2. Rad dann etwas überflüssig.

Die NEX Reihe wurde häufig für ihr Endlosmenü kritisiert, das Menü der A7 ist deutlich aufgeräumter, es gibt fünf Übermenüs, die jeweils bis zu sieben Menüseiten haben. So ist es deutlich schneller möglich, von einer Funktion zu nächsten zu wechseln, auch wenn viele neue Funktionen dazu gekommen sind. 
Bei der NEX-6 brauchte es beispielsweise 22 Klicks, um von der der Aktivierung des Peakings zur Formatieren Funktion zu gelangen, bei der A7 sind es nur 11 Klicks.

Sehr praktisch ist auch die FN Taste, die jetzt mit zwölf Funktionen (zwei Zeilen mit je sechs Funktionen) belegt werden kann und so jede Funktion schnell zugreifbar macht.

Minolta_MD_100mmf4Macro_f4_SonyA7_2

Autofokus

Ich hatte bisher keine Gelegenheit, den AF wirklich herauszufordern, mein erster Eindruck ist aber, dass er im Alltag flott und zuverlässig ist.

Besonders com kontinuierlichen AF war ich verblüfft, bei Kameraschwenks mit moderater Geschwindigkeit wurden Objekte völlig ohne Pumpen flüssig und schnell im Fokusbereich gehalten. Die NEX-6 hingegen war deutlich träger und die ganze Zeit am Pumpen.

Ein großer Fortschritt ist die Größe des Fokusfeldes: im Modus flexible Spot kann die Größe des AF-Feldes in drei Stufen verändert werden kann, die kleinste Einstellung resultiert in einem Fokusfeld, das in etwa halb so groß ist wie das der NEX-6, so lassen sich auch kleine Objekte sehr präzise fokussieren.

Ein weiterer Vorteil der A7 ist, dass man Auslöser und AF entkoppeln kann. 
Ich habe meine A7 so eingestellt, dass der AF mit der AEL Taste aktiviert wird. So wird nicht jedes mal neu fokussiert, wenn man den Auslöser drückt, was häufig unnötig ist und Zeit kostet.

Die Geschwindigkeit einer Semi-Pro DSLR scheint mir (noch) nicht ganz erreicht. Gerade, wenn man in Situationen kommt, in denen der AF besonders gefordert ist, wie etwa bei wenig Licht, so haben gute DSLRs einen Geschwindigkeitsvorteil. Dafür erreicht der AF einer DSLR nicht die Präzision einer Sony A7 oder NEX, was für mich als Naturfotografen das eindeutig wichtigere Kriterium ist.

Display und Sucher

Der Sucher lässt sich angenehmer einsehen und ist gut gegen Streulicht geschützt. Moirée und Aliasing scheinen reduziert, sind aber nicht vollständig verschwunden.
Auch scheint der Kontrast des Suchers gestiegen zu sein, es können größere Abstufungen wiedergegeben werden.

Mittels Peaking lassen sich bei geringer Tiefenschärfe auch ohne Vergrößerung die meisten Motive scharf stellen, wie z.B. dieser Hirsch:

Canon_FD_80200mm_f4_L_SonyA7_2

Auffällig ist außerdem, dass die DRO Funktion sich nun auch auf das Livebild von Sucher und Display auswirkt. So lässt sich auch bei Motiven mit großem Kontrast die Belichtung präzise steuern.

Das Display hat die selbe Diagonale wie die der NEX Reihe, aber ein Seitenverhältnis von 4:3. Die NEX Reihe hat ein Seitenverhältnis von 16:9, dies hat den angenehmen Effekt, dass die tatsächlich für die Bildvorschau verwendete Fläche von 2.6“ auf 2.8“ angewachen ist, dies in der Anwendung sehr willkommen.

Die Positionierung des Suchers auf der optischen Achse hat leider zur Folge, dass man häufig Nasenabdrücke auf dem Display hat, mit etwas Sorgfalt lässt sich dies jedoch vermeiden.
Dafür ist der Augensensor, der zwischen Sucher und Display umschaltet, nicht mehr so überempfindlich wie bei der NEX-6 und schaltet nur dann um, wenn wirklich ein Auge am Sucher ist.

Ein weiterer Nachteil der Positionierung ist, dass wenn man von oben auf das Display blickt, der Sucher das Display zum Teil verdeckt.

Der Sensor

Der Kleinbild-Sensor ist wohl das wichtigste Argument für die Kamera und enttäuscht auch in der Praxis nicht.

Nach meinen Tests hat er bei hohen ISO Werten einen Rauschvorteil von gut 1.5 Blenden, ISO 3200 mit der A7 resultiert also in etwa in dem selben Rauschniveau wie ISO 1000 mit der NEX-6.
In der Praxis heißt das für mich, dass ich z.B. im S-Modus die Auto-ISO Funktion bedenkenlos einsetzen kann und deutlich rauschfreiere Bilder bekomme.

ISO 2500 und immer noch sehr gute Bildqualität
ISO 2500 und immer noch sehr gute Bildqualität

Ausgehend von den DxO-Werten für die RX1 hatte ich einen etwas besseren Dynamikumfang für die A7 erwartet, in etwa eine Blende. Tatsächlich legen meine Tests aber nahe, dass der Unterschied jenseits der 2 Blenden liegt. Für mich als Landschaftsfotografen, der viele Gegenlichtaufnahmen macht, bedeutet dies einen sehr großen Mehrwert gegenüber der NEX-6.

Canon_FD_35mmf2_f8_SonyA7

Dank des großen Dynamikumfangs konnte ich in diesem Bild sowohl in Lichtern als auch Schatten die Zeichnung halten.

Sonstiges

Der Verschluss der A7 ist minimal lauter als der der NEX-6, ich empfinde ihn aber nicht als störend.

Was mich stört ist, dass man nicht mehr wie bei der NEX-6 mit der Taste in der Mitte des Bedienrades ins Bild zoomen kann, sondern dafür die C2 Taste verwenden muss, was unergonomisch ist. Ich bin aber optimistisch, dass Sony dies in einem Firmwareupdate beheben wird.

Objektive

Das FE 3.5-5.6/28-70 OSS macht eine gute Figur, bei Offenblende ist das Zentrum bei allen Brennweiten scharf und abgeblendet erreichen auch die Ränder ein Niveau, welches mir für meine Landschaftsfotos vollends ausreicht. Dies ist ein deutlicher Fortschritt zum SEL1855 oder SEL1650.

Der AF ist recht flott und geräuschlos.
Zoomring und Fokusring drehen mit sehr angenehmen Widerstand und ohne Spiel und sind beide gummiert.

Das Objektiv verändert beim Zoomen die Länge nur minimal, ist aber so schon recht groß.

Das Gehäuse ist komplett aus Kunststoff und das Bajonett aus Metall.

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Trotz Gegenlicht zeigt das Objektiv bei diesem Bild eine gute Leistung.

Fazit

Ich bin mit meinem Kauf zufrieden, die Bedienung ist gegenüber meiner NEX-6 verbessert, die Bildqualität ist in Grenzbereichen deutlich besser und meine Objektive funktionieren super an der Kamera. Der einzige Wermutstropfen ist, dass Größe und Gewicht gegenüber der NEX doch deutlich zugenommen haben.

In einem nächsten Artikel werde ich ausführlich über meine Erfahrungen mit manuellen Objektiven schreiben.

About The Author

Phillip Reeve ist Student und fotografierte 2 Jahre lang mit einer Nex bevor er im November 2013 auf eine Sony A7 umstieg. Seine fotografischen Schwerpunkte sind Natur und Reise, wobei er zumeist manuelle Objektive einsetzt.

7 Comments

  1. Bzgl. FE 28-70/3.5-5.6 OSS: wie ist das Objektiv verarbeitet? Typischer Kit-Zoom-Plastikbomber oder doch besser?

    Und noch eine Frage: wieso werden neuerdings Objektive falsch angegeben? Man kann nicht die Blendenzahl durch die Brennweite teilen um den Durchmesser der Öffnung zu berechnen.

    • Verarbeitung ist spielfrei und deshalb besser als bei vielen 18-55ern die ich kenne.

      Gleichzeitig ist alles aus Plastik. Ich würde es in der Mittelklasse einorden.

      Die Blende/Brennweite Schreibweise ist seid langem gebräuchlich bei mir auf dem Schreibtisch steht z.B. ein Zeiss Planar 2/45 welches Mitte der 90er gebaut wurde.

  2. Hiho,

    toller Bericht! Was mich interessieren würde: Wie schlägt sich „Altglas“ wie die Minolta Rokkore an der A7. Hast Du das schon tiefer testen können?

  3. ich lese mit Interesse, daß Du bei der Nex 6 die Taste zum zoomen ins Bildfeld wie folgt belegt wird.
    „dass man nicht mehr wie bei der NEX-6 mit der Taste in der Mitte des Bedienrades ins Bild zoomen kann…“

    Darf ich fragen, wie Du das gemacht hast? Das vermisse ich die ganze Zeit. Finde anscheinend die Einstellung nicht…
    Dank im Voraus

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