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Olympus OM-D E-M1 Slant

Hier unser erster Eindruck der neuen Olympus OM-D E-M1 (Eckdaten , Bilder und technische Daten hier). Das entsprechende Video (12:50 Minuten) findet Ihr hier.

Wir sind ja vor fast fünf Jahren als Forum Fourthirds gestartet, bevor wir uns dann in Systemkamera Forum umbenannt haben. Fast von Anfang an wurde darüber spekuliert, ob und wann Fourthirds und Micro Fourthirds zusammenwachsen oder ob sie parallel weiterlaufen.

Das neue Flaggschiff – Olympus OM-D E-M1

olympus-omd-em1-slangHier ist jetzt die Kamera, die diese Frage klärt: Die Olympus OM-D E-M1. Mit der PEN Serie hat Olympus lange auf ein kompaktes Design gesetzt bis letztes Jahr die OM-D E-M5 rauskam – in klassischer DSLR Form, aber wesentlich kompakter.
Die Kamera hat sich wie geschnitten Brot verkauft und hat bei uns im Forum eine große Fangemeinde.

Die neue E-M1 definiert sich aber nicht als Nachfolger der E-M5 sondern löst die E-5 ab, das bisherige Spiegelreflex Top Modell aus dem Hause Olympus. Damit ist endgültig klar, dass es keine weiteren FourThirds SLR Kameras mehr geben wird. Die Objektive der E-Serie werden alle weiter produziert und verkauft, allerdings werden keine neuen mehr entwickelt, was angesichts der nahezu lückenlosen Produktpalette kein echtes Problem darstellt.

Als Olympus vor der Aufgabe stand, einen Nachfolger für die E-5 zu entwickeln, wurde parallel an zwei verschiedenen Prototypen gearbeitet: einer „E-7“, die weiterhin auf der klassischen SLR-Bauform mit Spiegel beruhte und eine spiegellose Variante.
Während die DSLR Variante in Bildqualität und beim Spritzwasser-/Staubschutz mithalten konnte, sprachen die kompaktere Bauform, geringeres Gewicht, Reaktionsschnelligkeit und Sucherqualität klar für die CSC Variante.

Design / Bedienung

Das äußere Design orientiert noch stärker als die E-M5 an der klassischen OM, allerdings wird es die E-M1 nur in schwarz geben.

vergleich-olympus-e5-em1-em5

Die Bedienung erfolgt über relativ wenige Bedienelemente, eine zentrale Rolle spielen zwei Wahlräder vorne und hinten an der Kamera-Oberseite. Das Modus-Wählrad ist verriegelbar, um zu verhindern, dass es sich unfreiwillig verstellt.

Sensor

Die E-M1 hat einen komplett neuen Sensor, dessen Spezifikationen von Olympus entwickelt wurden, während über den Lieferanten nichts offizielles gesagt wird. Aufgrund der Beteiligungsverhältnisse bei Olympus wird es wohl Sony sein.

Die Bildverarbeitung erfolgt über eine neue Engine (Truepic VII) mit New Fine Detail Technology II. Sie optimiert das Bild abhängig vom verwendeten Objektiv sowie Blende und Brennweite. Wenn die Bildverarbeitung einer Kamera das verwendete Objektiv, Brennweite und Blende kennt – und damit die genauen Abbildungseigenschaften und -Fehler, kann sie die Fehler wie z.B. Verzeichnung, Vignettierung und chromatische Aberration gezielter korrigieren.
Wie schon Fuji behauptet Olympus, die beugungsbedingte Unschärfe bei kleinen Abblenden kompensieren zu können. Eigentlich handelt es sich um eine nicht verhandelbare physikalische Grenze, aber zumindest die entsprechenden Testbilder zeigen im Vergleich einen besseren Detailkontrast.
Auch für High ISO Aufnahmen zeigen die von Olympus gestellten Testbilder geringeres Rauschen und bessere Farbwiedergabe auch bei extrem hohen Empfindlichkeiten (bis ISO 25.600)

Sucher

Der elektronischen Sucher verwendet die Technologie des bekannten Olympus VF4, der optionale Sucher zur E-P5:

  • ca. 2,4 Mio Pixel
  • ca. 1,4 fache (0,7x auf KB umgerechnet) Suchervergrößerung. Die Zeitverzögerung in der Wiedergabe liegt bei 29ms, so dass eine Verzögerung gegenüber dem Motiv nicht mehr wahrzunehmen ist. Ich konnte auch mit Bemühung weder Treppenstufen-Artefakte an Kanten noch einen Regenbogeneffekt feststellen.

Ein nette Funktion: Der Sucher lässt sich so einstellen, dass er die Sucherhelligkeit abhängig vom Umgebungslicht einstellt.

HDR Preview, Anpassung Gradation & Color Creator

Über den Sucher der OM-D E-M1 bieten sich auch drei neue Funktionen:

Ein ganz neues Feature ist der HDR Preview Mode: Mit ihm lassen sich vor einer HDR Bildserie die Ergebnisse simulieren, um vier Parameter optimal einstellen zu können: Seitenverhältnis, Vergrößerung, Farbe sowie Lichter & Schatten.

Eine ähnliche Funktion ist der Color Creator, mit dem man intuitiv die Farbwiedergabe beeinflussen kann. Während man die Kamera am Auge hat, lassen sich über die Drehräder Sättigung und Farbton der Bilder anpassen..

Wie bei der Lumix GX7 kann über eine spezielle Taste eine Gradationsanpassung aufgerufen werden, mit der sich gezielt Tiefen und Höhen eines Bilds anheben oder absenken lassen.

Autofokus Olympus OM-D E-M1

Wenn die OM-D E-M1 als Micro Fourthirds Kamera auch als Flaggschiff für das E-System dienen will, hat der Autofokus natürlich besondere Aufmerksamkeit.

Wie andere Hersteller setzt auch Olympus auf eine Kombination aus Kontrast und Phasen AF. Allerdings wird dies nicht Hybrid AF genannt und auch das Vorgehen ist ein anderes.
Bei jedem Bild entscheidet sich die Kamera, ob sie Kontrast oder Phasen AF nutzt, eine Kombination beider Verfahren findet nicht statt.

Für den Phasen AF befinden sich auf dem Sensor einzelne Pixel jeweils für L- und R-Kanal. Sie ersetzen zufällig verteilte Grünpixel, so dass die Bildauflösung de facto nicht reduziert wird

In der Regel wird für Microfourthirds Objektive der Kontrast AF mit 81 Messfeldern genutzt, für Fourthirds Objektive kommt der Phasen AF mit 37 Messfeldern zum Einsatz.
Es gibt zwei Ausnahmen:

  1. Im Continous AF bei Microfourthirds kommt auch der Phasen AF zum Einsatz
  2. Im Video Modus müssen Fourthirds Objektive manuell fokussiert werden

Für die Geschwindigkeit verspricht Olympus wieder Rekorde, gerade mit FT Objektiven und bei bewegten Objekten werden wir uns das später genauer anschauen. Im ersten subjektiven Test war der AF extrem schnell und ohne Irrläufer.

WiFi & Connectivity

Wifi wird bei Systemkameras immer mehr zum Mainstream. Die OM-D E-M1 bietet hier ein ähnliches Programm wie die E-P5: aus der Kamera kann auf Social Networks oder andere Websites publiziert werden, von einem Tablett oder Smartphone kann ein Live-Bild abgerufen werden und einige Funktionen der Kamera gesteuert werden.

Die aktuellen Olympus Systemkameras haben ein tolles Feature, das meines Wissens kein anderer Anbieter im Angebot hat:
Live Bulb.
Man kann während einer Langzeit-Belichtung kontrollieren, wie sich das Bild und das entsprechende Histogramm entwickeln und abbrechen, sobald der gewünschte Effekt sich eingestellt hat.
Die E-M1 kann diesen Effekt jetzt auch extern steuern, was in kalten Winternächten ein echter Vorteil sein könnte.

Professioneller Anspruch

Wenn man sich die Olympus OM-D E-M1 anschaut, wird klar, dass Olympus anfängt in Richtung einer professionellen Zielgruppe zu schauen:

  • Das Gehäuse aus Magnesium einer Magnesium-Legierung ist spritzwasser- und staubgeschützt, die Kamera arbeitet auch in frostiger Umgebung bis -10°C.
  • Wenn der Autofokus so gut und schnell ist, wie Olympus sagt und er sich im ersten Test anfühlte, kann er es mit jeder Profi DSLR aufnehmen.
  • Ergonomie und Bedienung wurden nach den Wünschen von Profis gestaltet. Die Kamera hat zwar relativ wenige Bedienelemente, die aber sehr groß angelegt sind und sich individuell belegen lassen.
  • Die neuen Objektive 12-40 und 40-150 mit durchgängiger Lichtstärke 1:2,8 wenden sich von der optischen Leistung, der mechanischen Ausstattung und sicher auch vom Preis an Profis bzw. Fotografen mit professionellen Ansprüchen.
  • Über den MMF3 Adapter steht zusätzlich zur mittlerweile großen Micro Fourthirds Objektivpalette auch das Programm aus dem E-System zur Verfügung.

Damit ist aber auch klar, dass die E-M1 das Angebot von Fourthirds Kunden ist, zu Micro Fourthirds zu wechseln. Olympus bietet Besitzern von Olympus E-Kameras bis November den MMF3 Adapter kostenlos an, der im Laden immerhin 170 / 180 € kostet.

Preis & Verfügbarkeit

Apropos Preise: Das Gehäuse alleine wird 1499€ kosten, mit dem neuen Highend-Standardzoom 1:2,8 12-40 werden sogar 2199€ fällig. Die Kamera soll ab Mitte Oktober in den Handel kommen.

Wir werden uns bemühen, möglichst früh ein Testmodell zu bekommen, um auch die endgültige Bildqualität beurteilen zu können und um live Eure Fragen zu beantworten. Wenn Ihr jetzt schon Fragen habt – stellt sie gerne im Systemkamera Forum.

Wer bis dahin irgendwo die Möglichkeit hat, sich die Olympus OM-D E-M1 live anzuschauen: Schaut Euch die Kamera an!

About The Author

Andreas Jürgensen ist Fotoingenieur und lebt in Bonn. Er betreibt das Leica Forum, das Systemkamera Forum und das Fuji X Forum. Ihr findet mich auch auf Google+

8 Comments

  1. […] Lieber lesen als gucken? Hier ist unser erster Eindruck der Olympus OM-D E-M1 in Textform! […]

  2. […] E-5 sein wird. Wir hatten vorab schon die Möglichkeit, einen Blick auf die Kamera zu werfen, einen ersten subjektiven Test zu machen und ein Video zu drehen. Dort findet Ihr auch Hintergründe zur Entwicklung und genauere […]

  3. […] Article, TVsmith preview, SmallCameraBigPicture, Adorama, ThePhoBlographer, Photoscala (German), systemkamerablog (German), Quesabesde (Spanish), Photographyblog hands-on (E-M1, 12-40mm […]

  4. Hat die Kamera hoffentlich ein ordentliches Fokus-Peaking?

  5. Lt. The Camera Store TV ist Focus Peaking nur bei Objektiven mit elektronischer Datenübertragung möglich. Manuelles Fokussieren mit alten, adaptierten Objektiven fällt also flach.

  6. Bitte nicht immer den AF der Kamera mit dem der Objektive durcheinander werfen. Die Schnelligkeit und Präzision des AF spielen heute eigentlich erst ab 100 mm Brennweite oder ab 45 mm mFT Brennweite eine echte Rolle und im Tele-Bereich ist weiterhin entscheidend welches Objektiv wie schnell angesteuert wird.
    Und da sind Olympus, Panasonic, Pentax, Sony, Samsung – alle noch Lichtjahre von Canon und auch Nikon entfernt, wenn diese Kameras mit USM oder AF-S Supertele-Objektiven eingesetzt werden.

    Also den Quatsch, das Olympus jetzt endlich ein schnelles AF System hat, das konkurrieren kann oder gar bei bewegten Motiven überwiegend scharfe Aufnahmen liefert – den glaubt den Marketingabteilung nur noch ein Anfänger.

  7. Der Preis ist letztlich, trotz der Neuerungen viel zu hoch gegriffen, 1200€ wäre vielleicht noch vermittelbar, aber 1500€ plus Griff?

    Die Akkus BLN-1 halten nur sehr kurz und machten bei mir und anderen besonders im separatem griff der E-M5 immer Probleme – hier ist Panasonic den entscheidenden Schritt weiter gegangen – denn die GH3 schafft fast die dreifache Anzahl an Auslösungen mit einem Akku – ab da wird es dann langsam professionell.

    Und wenn Olympus nicht mindestens 25 RAWs und 20 RAW+JPEGs in Serie schafft – ist die Kamera für mich ohnehin kaum interessant.

  8. […] ist eine Woche her, dass Olympus sein neues Flaggschiff OM-D E-M1 vorgestellt hat. Wir haben uns in unserem Hands-On intensiv mit der Kamera auseinandergesetzt und konnten hoffentlich viele eurer Fragen […]

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