Der Spiegel hat einen Artikel mit dem Titel “Luxuskameras in Retrogehäusen” veröffentlicht. Mit Luxuskameras sind die zwei aktuellen Systemkameras Fuji X-Pro1 und Olympus OM-D E-M5 (bei eBay / Amazon) gemeint.
Die Fuji X-Pro1
Der Spiegel kommt erstmal zu ähnlichen Erkenntnissen wie die bisherigen Tester auch. Die Fuji X-Pro1 (bei eBay) punktet mit ihrem Design, der guten Verarbeitung, der hervorragenden Bildqualität und den tollen Objektiven. Für den Autofokus hingegen gibt es Abzüge und das manuelle Fokussieren sei auch schlecht: Man könne nur manuell fokussieren, wenn die Kamera eingeschaltet ist, weil die Fokussierung im Objektiv nicht mechanisch, sondern elektrisch erfolgt. Grmpf!
Wer nicht die 6000€ für eine Leica ausgeben kann oder will, der sei mit dem 1600€ teuren Body der X-Pro1 sehr gut bedient.
Die Olympus OM-D E-M5
Die Olympus OM-D E-M5 kommt im Spiegel-Artikel auch nicht ganz so gut weg. Die Bedienung sei zu kompliziert und das Kit-Objektiv, das M.Zuiko Digital ED 12-50mm, eher schwach. Bereits ab 800 ISO solle ein deutliches Bildrauschen auftauchen.
Punkten könne die Olympus hingegen mit dem besseren Autofokus und der Wetterbeständigkeit. Außerdem erhält sie Lob für die große Objektivauswahl und die insgesamt gute Bildqualität des Micro FourThird-Sensors. Die Olympus OM-D E-M5 sei dennoch nur denjenigen zu empfehlen, die ein spritzwassergeschütztes, kompaktes Gehäuse mit vielen manuellen Einstellmöglichkeiten suchen. So so.
Merkwürdiges Fazit
Wer nicht unbedingt ein spritzwassergeschütztes Gehäuse brauche, sei sogar mit einer Sony NEX 5N (bei eBay / Amazon), welche mit 539 Euro nur etwa die Hälfte kostet, erheblich besser bedient. Wie wir wissen, ist die Olympus ist eine hervorragende Systemkamera und wird daher im Artikel deutlich unter Wert verkauft. In unserem Artikel “Olympus OM-D E-M5 schlägt Fuji X-Pro1” hatten wir berichtet, dass die Olympus OM-D E-M5 bei RAW-Aufnahmen im ISO-Vergleich sehr gut ist.
Wir sind der Meinung, Herr Lischka vom Spiegel hätte sich den Vergleich mit der Sony NEX 5N letztendlich auch sparen können. Im Text wird auch noch mal schnell die Sony NEX-7 eingeschmissen, und über das vermeintliche Rauschen der E-M5 im Vergleich zur NEX-7 fabuliert. Der Überschrift nach behandelt der Artikel schließlich Systemkameras im Retro-Look – und eine solche ist weder die Sony Nex 5N noch die Sony NEX7.
Was wird eigentlich verglichen?
Oder wurde die NEX-5N als Vergleich von Retrokameras nur herangezogen, weil sie preiswerter ist? Dann haben wir den Artikel wohl falsch verstanden. Letztendlich stellt sich auch die Frage, ob man wirklich so einfach entscheiden kann, dass eine Kamera “besser” oder “schlechter” ist und wie der Maßstab angesetzt wird? Inwiefern entscheidet die Bedienung oder die AF-Geschwindigkeit, das Rauschen oder letztendlich das Design darüber, ob eine Kamera empfohlen wird oder nicht?
Die vorgestellten Kameras sind ohne Zweifel sehr gute Kameras (wie wir alle wissen), mit teilweise unterschiedlichen Bedienungskonzepten und mit unterschiedlichen Stärken oder Schwächen. Dabei sollte man es einfach belassen. Punkt.
Die Olympus E-M5 wegen ihrer Wetterbeständigkeit und der vielen manuellen Einstellmöglichkeiten nur denjenigen zu empfehlen, die genau diese Eigenschaften benötigen, finden wir schon ein wenig merkwürdig. Das wäre so, als würde uns ein Autoverkäufer bei der Beratung zu einem neuen Autokauf von einem Modell mit serienmäßiger Sitzheizung abraten, nur weil wir das nicht ausdrücklich verlangt haben.
Empfehlung!
Der Spiegel-Testredaktion oder besser Herrn Lischka vom Spiegel würden wir jedenfalls empfehlen, zusätzliche Features einer Kamera als Bereicherung zu empfinden, statt daraus im Fazit ein Ausschlusskriterium zu machen. Fotografie darf Spaß machen; und Käufer können sich fotografisch und in Ihrem Anspruch an die Technik auch weiterentwickeln – und sogar neue Vorlieben entdecken. Wow! Sonst wären wir ja alle mit einer Kompaktkamera zufrieden. Ein bisschen mehr Gefühl für Technik, Herr Lischka! Und das nächste Mal ein paar bessere Produktfotos. Ja? Danke!
» Zum Spiegelartikel – Hier klicken




mein gott…ach das bin ja ich
…, das ist doch die bewertung vom “spiegel”.
seit wann ist der spiegel eine fotofachzeitschrift oder beschäftigt fotoexperten (die fotografen sind ja dort schliesslich nicht auch noch gleichzeitig journalisten, hoff ich doch).
jeder praktikant darf dort in der technik-rubrik etwas aufs papier kritzeln. so eine zeitschrift will natürlich gefüllt sein. es wird sich aber kaum einer eine kamera kaufen weil sie im spiegel verglichen wurde.
also keine panik auf der titanic…