Dies ist der dritte Teil des Erfahrungsberichts zu Fuji X-Pro 1, der sich mit Sucher und Display der Kamera beschäftigt.
Im ersten Teil gab es eine allgemeine Einführung zur Kamera, im zweiten Teil bin ich auf Haptik und Handling der Fuji X-Pro 1 eingegangen.

Das Fuji X-Pro 1 Display

Das LC-Display auf der Rückseite der Fuji X-Pro 1 hat 1,23 Mio Pixel und eine Diagonale von 7,6 cm (3 Zoll). Es lässt sich als reines Info-Display nutzen (wenn man nur über den Sucher fotografiert), als Mäusekino zum Fotografieren – oder es ausschalten, um eine längere Akku-Laufzeit rauszuholen.

An Informationen bietet das Display alle Standards inkl. Entfernungsskala mit Schärfentiefe-Anzeige und virtuellem Horizont.

Uh, ganz schön hell hier…

Die Helligkeit war schon in der Grundeinstellung absolut ausreichend, um das Display auch im italienischen Frühjahrssonnenlicht abzulesen. Eine differenzierte Bildbeurteilung ist so zwar nicht möglich, sollte aber ohnehin nicht via Display erfolgen.
Für eine kurze Zeit habe ich die Helligkeit des Displays an den Anschlag aufgedreht – so wirkten aber alle Bilder auf den ersten Blick überbelichtet.

Was die Bildqualität des Displays vorübergehend trübte: Als linksäugiger Fotograf klebte meine Nase ständig auf der glatten Oberfläche, was eine regelmäßige Display-Reinigung erforderte. Wer wie ich zur Displayverschmörgelung tendiert, bekommt von der Zubehörindustrie aber sicher bald entsprechende Schutzfolien (oder Nasenschützer?) angeboten, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Der Fuji Multi-Hybrid-Sucher

Ein Sahnestück der Kamera ist der Sucher mit 1,44 Mio Pixeln. Hatte die X100 noch einen Hybridsucher, muss es bei der Fuji X-Pro 1 schon ein Multi-Hybrid-Sucher sein.
Während der X100-Sucher nur eine Brennweite und damit einen Bildwinkel abdecken musste, sind es bei der X-Pro 1 schon jetzt drei Festbrennweiten (18mm / 35mm / 60mm) – und spätestens mit dem ersten Zoom muss sich der Sucher stufenlos einstellen lassen.
Wie soll das mit einem optischen Sucher gehen?

Der Ansatz ist aus den Leica M Kameras bekannt: Statt den späteren Bildausschnitt vollformatig anzuzeigen, wird ein Sucherrahmen eingeblendet, der den Bildausschnitt innerhalb eines Gesamtbildes anzeigt. Durch den Hybridsucher ist die Fuji X-Pro 1 flexibler, als es die Leica M mit fest definierten Brennweiten sein kann: Die Sucherrahmen werden elektronisch dargestellt und können so stufenlos zwischen 18 und 999 mm exakt eingestellt werden. Bei Fuji X-Objektiven stellt die Kamera automatisch den richtigen Sucherrahmen ein, für adaptierte Objektive können die Sucherrahmen über das Menu eingestellt werden.

Vergrößerung bei langen Brennweiten

Bei längeren Brennweiten würde der Bildausschnitt allerdings mikroskopisch klein werden, daher ist ein optisches Element eingebaut, das bei Bedarf die Suchervergrößerung von 0,37 auf 0,6 anhebt. Wem das nicht langt, muss auf den elektronischen Sucher zurück greifen.

Bewusste Bildgestaltung durch Umfeldkontrolle

Diese Art, einen Bildausschnitt zu wählen, ist für den DSLR- und Systemkamera-Fotografen zunächst sehr ungewohnt, entwickelt aber schnell einen gewissen Charme: Da jederzeit das gesamte Umfeld der Bildkomposition sichtbar ist, lege ich – zumindest gefühlt – den Bildausschnitt wesentlich bewusster fest. Und in der Reportage- und Street-Fotografie ist es auf jeden Fall von Vorteil, auch im Sucher ständig das Umfeld des Motivs im Auge behalten zu können.

Mein Fazit zu Sucher und Display

Auch hier zieht Fuji den hohen Anspruch durch: Das Display bietet alle notwendigen Informationen, lässt sich individuell konfigurieren und lässt sich auch bei hellem Sonnenlicht nutzen.

Der Sucher ist ein Sahnestück – sowohl technisch als auch in der Benutzung. Die festen Suchervergrößerungen habe ich in keiner Weise als Beschränkung empfunden – im Gegenteil: Es hat mich bei der Bildgestaltung massiv unterstützt, das Umfeld des Motivs im Blick halten zu können.

Unterm Strich auch hier: Die Kamera ist ein Schmuckstück und ein Handwerkszeug, mit dem es richtig Spaß macht zu arbeiten!

Andere Teile der Serie

Wie es weiter geht…

In den nächsten Artikeln wird es noch um die Objektive, den AF, manuelle Fokussierung und das High ISO Verhalten gehen.

Empfehlungen

Bildbeispiele

Hier noch einige Eindrücke aus den Markthallen in Florenz. Alle Bilder sind mit der Fuji X-Pro 1 und dem 18mm 1:2,0 bei offener Blende und ISO 1600 gemacht.

Disclaimer: Das 18mm Objektiv war ein nicht-finales Vorserienmodell (ohne dass das an irgendeiner Stelle unangenehm aufgefallen wäre…)

Über den Autor

Andreas Jürgensen ist Fotoingenieur und lebt in Bonn. Er betreibt das Leica Forum, das Systemkamera Forum und das Fuji X Forum. Ihr findet mich auch auf Google+

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4 Responses

  1. Rudolf Apr 13, 2013 - Reply

    Bisher habe ich noch keinen Test gefunden der darauf hingewiesen hat, dass der
    Sucher der Fujifilm x-Pro1 keine einstellbare Dioptrienkorrektur aufweist. Die Fehlsichtigkeit muss daher mit Korrekturlinsen ausgeglichen werden. Diese sind wohl erhältlich, jedoch weiss kaum jemand welche Linse der Brillenkorrektur
    entsprechen würde. Eine relativ guten Rat gibt Nikon mit Antwort 1615. Ein Vorteil des optischen Sucher wird leider praktisch auch nie erwähnt: Die Motivbeurteilung kann mit ausgeschalteter Kamera erfolgen und fördert die bewusste Bildgestaltung und die Schonung des Akkus.

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