Die Erwartungen an die PEN E-P3 sind hoch – nicht zuletzt wegen der sehr selbstbewussten Aussagen in Olympus Pressemeldungen. Daher bin ich gerne Olympus‘ Einladung nach Wien nachgekommen, um selber einen Blick auf die neuen Kameras und Objektive zu werfen.

Präsentation der Olympus E-PL3

Präsentation der Olympus E-PL3

Mittwoch Abend wurden zunächst – zeitgleich in mehreren Events rund um den Globus – die drei neuen Kameras und die zwei neuen Objektive in Presseveranstaltungen vorgestellt.

Donnerstag standen uns dann für eine Fototour jeweils eine Olympus E-P3 mit Kit-Objektiv und zeitweise das neue 12mm Objektiv zur Verfügung. Olympus hatte eine Tour durch Wien organisiert, um anhand von interessanten Motiven angemessen die Qualität der neuen Produkte testen zu können.

Handling

Olympus E-P3

Die Kamera liegt erst einmal gut in der Hand, nicht zuletzt wegen des neu gestalteten und austauschbaren Handgriffs. Derzeit gibt es  den Handgriff in zwei Größen und vier verschiedenen Ausführungen, u.a. in Karbon-, Klavierlack- und Camouflage-Optik. Vielleicht fallen dem einen oder anderen Fremdhersteller noch interessante und praktische Ideen ein, was man da noch dran schrauben kann.

Rückseite Olympus E-P3 mit Bedienelementen

Die Bedienelemente sitzen alle am richtigen Platz, wie es für ein Modell angemessen ist, das sich am oberen Ende des Segments positioniert. Wer gerne komplett manuell fotografiert, wird es zu schätzen wissen, dass sich Blende und Belichtungszeit unabhängig voneinander über die zwei Drehräder ändern lassen. Auch lobenswert: Eine eigene Taste für die Sucherlupe!

In der Grundeinstellung hat es mich persönlich gestört, die ISO Empfindlichkeit über das Menu einstellen zu müssen, aber diese Funktion kann man auf eine der zwei Funktionstasten legen – oder aber auf den Video-Button.

Touchscreen

Dass weiterhin von Olympus keine Kamera mit eingebautem Sucher angeboten wird, wurde bei uns im Forum schon oft kritisiert. Leider stand während der Fototour auch kein VF-2 zur Verfügung, so dass ich nur im „Mäusekino-Modus“ fotografieren konnte. Im Vorfeld war über einen neuen Sucher spekuliert worden, der allerdings von Olympus an keiner Stelle erwähnt wurde.

Noch eine schlechte Nachricht: Während der externe Sucher VF-2 noch zum Lieferumfang der E-P2 gehörte, muss er bei der E-P3 anscheinend als Zubehör erworben werden.

So musste ich mich auch bei strahlendem Sonnenschein mit dem OLED Touch-Display begnügen – ohne größere Probleme. Leider fehlte mir der Vergleich zu anderen Displays, daher kann ich nicht wirklich beurteilen, wie weit das OLED-Display die Farbwiedergabe verbessert hat.

Was mir auffiel (aber mehr dem Imageprozessor als dem Display zuzuschreiben ist): Die Verzögerung der Bildwiedergabe ist kaum mehr wahrnehmbar – Änderungen im Motiv sind direkt auf dem Display sichtbar.

Die neue Funktion als Touchscreen hat mir sehr gut gefallen: Wie schon bei den Lumix-Modellen seit der G2 kann durch Berühren des Bildschirms wahlweise fokussiert oder zusätzlich direkt ausgelöst werden. So kann man erst den Ausschnitt wählen und in nächsten Schritt gleichzeitig fokussieren und auslösen, ohne noch einmal schwenken zu müssen.

Autofokus

Zigarettenpause mit E-P3

Mit der Ankündigung und Beschreibung des neuen FastAF als „schnellster Autofokus“ hat Olympus eine gehörige Erwartungshaltung aufgebaut. In der Praxis ist die Geschwindigkeit in der Tat beeindruckend, treffsicher und auf den Punkt. Ich musste schon auf eine glatte einfarbige Wand zielen, um den AF aus dem Tritt zu bringen.

Spannend wäre ein direkter Vergleichstest mit den Panasonic Flaggschiffen G3 und GH2. Ich hoffe, dass wir demnächst eine Gelegenheit haben, auch die Performance anderer MFT Objektive an der E-P3 testen können.

So kann ich nur sagen: Der AF funktioniert. Rattenschnell. Auch bei wenig Licht und schwachen Kontrasten. Er funktioniert so gut, dass man ihn fast vergisst – und das ist eigentlich das Beste, was man über einen AF sagen kann.

Noch einige Hintergründe zum neuen AF: Die bessere Performance kommt durch Verbesserungen an mehreren Stellen zustande:

  • Verdoppelte Auslesefrequenz des Sensors
  • Höhere Rechengeschwindigkeit im Imageprozessor
  • Verbesserte Antwortkontrolle bei den neuen MSC Objektiven

Für die Praxis heißt das, dass optimale Ergebnisse nur mit neuen Objektiven erzielt werden, aber auch ältere Objektive deutlich schneller fokussieren.

Bildergebnisse

Da bislang keiner meiner RAW Konverter die E-P3 unterstützt, muss ich mich bei der Beurteilung der Bildergebnisse auf die JPEG-Dateien „out of camera“ stützen, auf deren Qualität Olympus nach eigenen Angaben extrem großen Wert legt.

Um direkt mit Kritik zu starten: Die High ISO Performance haut mich nicht vom Hocker. Dass Ergebnisse bei ISO 12.800 keine dolle Qualität haben, ist jedem klar. Aber auch bei ISO 6.400 wirken einige JPEGs in den Schatten immer noch wie gemalt, während 3.200 und 1.600 für meine Ansprüche ausreichend sind. Allerdings würde ich auch diesen Aspekt gerne in Ruhe in eigenen Szenarien testen, im Vergleich mit anderen Kameras inklusive Beurteilung der RAW Daten.

M.ZUIKO DIGITAL ED 12 mm 1:2.0

M.ZUIKO DIGITAL ED 12 mm 1:2.0 - manuelle Fokussierung

Für eine kurze Zeit konnte ich auch das neue 12mm Objektiv testen – und bin in jeder Hinsicht begeistert – die Haptik und die gefühlte Verarbeitungsqualität sind ein echtes Vergnügen! Die Bedienung mit dem Schiebering, um auf manuelle Fokussierung umzustellen, funktioniert absolut intuitiv. Die Scharfstellung funktioniert auf manuellem Wege, nicht elektronisch – dies ist Geschmacksache, verstärkt aber den wertigen Eindruck des Objektivs. Für die kurze Brennweite und der damit verbundenen Schärfentiefe ist auch die Entfernungsskala mit Angabe des Tiefenschärfebereichs absolut sinnvoll.

Treppenhaus Palais Coburg

In den JPEG Ergebnissen ist keinerlei Verzeichnung zu erkennen. Ob dies optisch erreicht wird oder durch eine nachträgliche Korrektur in der Kamera, vermag ich nicht zu sagen.

Mit 799,- € UVP ist dieses Objektiv kein Schnäppchen, ich bin mir aber sicher, dass es einige Impuls-Käufer geben wird, da das Weitwinkel mit seiner Verarbeitung und Haptik einen spontanen Kaufreflex auslöst.

Mein Fazit

Die E-P3 ist eine erstklassige Kamera, mit der man schnell zurecht kommt. Im Gegensatz zu einigen neuen Systemkameras, die sich eher am Kompaktsegment orientieren, bietet sie eine Handhabung und Einstellmöglichkeiten für anspruchsvolle Fotografen, die die Bedienung von über mechanische Elemente statt Menuoptionen gewohnt sind.

Der Autofokus verschwindet fast aus der Wahrnehmung, weil er so schnell und präzise ist – ein Riesenfortschritt!

Das neue 12mm Objektiv ist haptisch ein Genuss, optisch aber erst im Vergleich sinnvoll zu bewerten.

Impressionen

Hier noch einige Impressionen von der Fototour, teilweise unter Verwendung der Artfilter.

Über den Autor

Jens Michael Schuh lebt in Bochum und ist selbständiger Informatiker und Inhaber von TryTec! Microsystems, einem Apple-Systemhaus. Er betreibt zusammen mit Andreas Jürgensen das Systemkamera-Forum und das Fuji X Forum.

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6 Responses

  1. mmc Jul 08, 2011 - Reply

    Vielen Dank für den ersten, kurzen Anwenderbericht. Jetzt müsste Olympus nur noch ein attraktives Trade-In Angebot für die E-P1 Käufer der ersten Stunde machen – und schwuppdiwupp würden massig P3 über den “Ladentisch” gehen. Mir scheint dass die P3 endlich die Kamera sein könnte, die die P1 (leider) nicht ganz gewesen ist.

  2. Ocean Jul 08, 2011 - Reply

    Wie viele gefordert haben ist jetzt der Blitz an Bord, dafür verlieren wir das supergeil versenkte Modus-Rad und bekommen wieder ein rad das nicht gegen unbeabsichtigtes Verstekllen gesichert ist – bitter!
    Da hätte ich lieber auf den Alibi-Blitz verzichtet.
    Fast-AF klingt gut, bin gespannt ob er auch mit bewegten Motiven deutlich serer scharfstellt und mehr scharfe Treffer bringt als eine E-5… eine Pana GH2 und G3, die ich habe, sind da gemessen an Eos 7D oder Nikon D700 immer noch sehr lahm und erzielen kaum Treffer, schon gar nicht bei 200 mm und mehr…
    Also da erwarte ich nicht zu viel…

    schnellster AF bezieht sich sicher auf den Bereich 14-150 mm bei unbewegten Objekten und da ist praktisch jede Kamera schnell und die Unterschiede minimal…
    Den Griff zum Wechseln haben Kollegen und ich seit Jahren immer wieder angemahnt, bei allen Herstellern!
    Jetzt bin ich nur gespannt ob genug unterschiedliche und sinnvolle Größen erscheinen, der Griff ist das A und O – denn nur dann kann man die Kamera auch mit 150 mm sicher halten und mehr scharfe Bilder erzielen.

    Bei 1600 ISO scheint also wieder die Schmerzgrenze erreicht zu sein, da werden also weiterhin Pentax K5 und Sony Nex 5 im bezahlbaren Bereich dominieren… schade, schade.
    Auch die G3 bringt da nicht richtig Entspannung, bei 3200 ISO ist die Detailfülle und die Farbe schon angekratzt.
    Ich habe die Pen 3 mit beiden lichtstarken Objektiven bestellt, werde aber die Pen 2 behalten. Die beiden kleineren Pens, versprechen mir nicht viel, kleiner ist nicht wirklich wichtig, die höhere Bildfrequenz wird durch fehlende Bildstabilisierung wieder teilweise aufgefressen, also real nur ein Vorteil von 4B/Sek gegen 3B/Sek bei der Pen 3. Bei der E-PL3 wäre der bewegliche Monitor noch interessant, aber kein OLED und die Bedienung…
    das sehe ich bei meiner E-PL2 – kann sehr anstrengend sien, weil sich die Kamera oft und gerne selbst und ungewollt verstellt… da ist man mal bei 3200 ISO, hat mal einen falschen Weißabgleich oder andere schlimme Sachen… deshalb ist eine solche Bedienung nichts für Viel-Fotografierer.

    Doch die Pana G3 und GH2 haben mich nicht überzeugt, vor llem bei Bildserien fallen sie gegen eine Pen2 total ab – nichts für meine schnelle Fotogrfaie von Menschen und Tieren.

  3. Michael Eggers Jul 08, 2011 - Reply

    Jau, der aktuelle Golf ist auch besser als der Vorgänger! Wann macht VW endlich ein vernünftiges TradeIn-Angebot. ;-)

  4. Manfred Müller Jul 09, 2011 - Reply

    Insgesamt macht die Kamera doch einen soliden Eindruck, das mit den Iso Werten finde ich persönlich total überbewertet.Dass wird wohl wieder so ein Wettrüsten werden, da steht habenwollen gegen sinnvoll. Ein schneller AF wäre dagegen wirklich ein Fortschritt.

  5. ATZE Aug 06, 2011 - Reply

    “In der Grundeinstellung hat es mich persönlich gestört, die ISO Empfindlichkeit über das Menu einstellen zu müssen, aber diese Funktion kann man auf eine der zwei Funktionstasten legen – oder aber auf den Video-Button.”

    Das würde ich sehr gern an meiner E-P3, leider lässt sich gerade diese Funktion weder auf eine der Funktionstasten noch auf den Video-Button legen sondern nur auf die Steuerkreuz-Taste “Nach unten”. Dabei geht dann der Schnellzugriff auf die beschriftete Vorauslösung verloren…..

    Mich würde interessieren, wie Sie das gemacht haben. EP-3 Firmware 1.0

  6. Jens Aug 07, 2011 - Reply

    Vielen Dank für den gelungenen Erfahrungsbericht. Die E-P3 hat meine Aufmerksamkeit für die Pen Kameras geweckt. Mit der E-P3 ist die Pen Reihe durch ihre Verbesserungen in der Ausstattung, der Geschwindigkeit und beim Bedienkonzept deutlich gereift. Zudem sieht sie noch toll aus!

    Da die Ankündigung der E-P3 sich massiv auf die Preise der E-P2 ausgewirkt hat, konnte ich bei 400 EUR für eine neue E-P2 mit 14-42mm Zoom allerdings nicht mehr widerstehen.

    Ergänzend habe ich mir noch einen Adapter für meine Canon FD Objektive und den optischen Sucher gegönnt. Und ich bin von dieser Kombination wirklich begeistert. Mit den mechanischen Objektiven gewinnt auch die E-P2 deutlich an Geschwindigkeit, dass das fotografieren eine wahre Freude ist.

    Ich bin gspannt wie sich die PEN-Reihe und deren Zubehör weiter entwickelt.

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