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leica IIIa

Das Glühbirnenverbot ist noch nicht in Gänze durch die Nationalstaaten in der EU umgesetzt, da holen die Abgeordneten in Brüssel zum nächsten Schlag gegen die EU-Bürger aus.

Natürlich alles im Namen des Umweltschutzes. Mehrheitlich haben in dieser Woche, nahezu unbeachtet von der Öffentlichkeit, die EU-Abgeordneten das Ende des Analogfilms beschlossen. Wie schon beim Glühbirnenverbot gibt es einen mehrstufigen Plan zum Verbot der Filme und Entwicklerflüssigkeiten, der in nationales Recht umgesetzt werden muss.

Es soll relativ schnell mit dem Verbot losgehen: Schon am 1.1.2012 beginnt das Verbot aller Schwarzweiss-Filme, wegen des hohen Silbergehalts. Zum 1.7.2012 werden alle Farb-Filme mit mehr als 800 ASA (ISO 800/30) verboten. Natürlich werden nicht die Filme als solche verboten, sondern deren Verkauf in der EU. Zum 1.11.2012 werden dann auch Filme ab 100 ASA (ISO 100/21) verboten. Das es auch noch niedrig-empfindliche Filme unter 100 ASA  gibt, scheint den Abgeordneten wohl entgangen zu sein. Zum gleichen Datum ist dann aber auch der Verkauf von Entwicklern sowohl in flüssiger Form als auch in Pulverform verboten.

Die EU begründet das Verbot ausschließlich mit dem Umweltschutz. Aufgrund des hohen Silberanteils sollen die SW-Filme auch als erstes verboten werden. Im letzten Schritt werden dann auch die größtenteils extrem giftigen Entwicklerchemikalien verboten.

Angesprochen auf die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Entscheidung sagte Adalbert Sorgfried Kowalczic, Sprecher des Unternehmerverbandes der analogen Filmindustrie, dass man trotz aller Versuche und Überzeugungsarbeit durch die eigenen hochbezahlten Lobbyisten in Brüssel nicht in der Lage gewesen wäre, die Entscheidung durch das europäische Parlament noch einmal abzuwenden. Die Politiker sind mehrheitlich der Meinung, dass die moderne  Digitalfotografie wesentlich umweltfreundlicher  ist, weil pro Foto gerechnet weder teure Edelmetalle verbraucht werden noch die hochgiftigen Chemikalien für die Entwicklung von Filmmaterial nötig seien. Im Gegenzug sei durch die europaweite Altgeräteverordnung aber sichergestellt, dass der Rohstoffumlauf bei der Digitalfotografie weniger verlustreich sei.

Eines haben die Politiker in ihrem Übereifer aber vergessen: Was macht die Kinofilm-Industrie? Dort wird noch lange nicht alles digital produziert! Und was macht, bitteschön, das deutsche Bundesarchiv, welches dauerhaft alle deutschen Kulturschätze nach wie vor auf Filmmaterial bannt und in entsprechenden Klimakapseln lagert? Dieser Archivierungsprozess soll zumindestens für die nächsten 500 Jahre Sicherheit geben. Alternative Digitallösungen gibt es für einen solch‘ langen Zeitraum nicht. Auch die Gewerkschaft der freien Fotokreativkünstler (GdfFKK) hat schon Einspruch erhoben und will im Notfall gegen die absurde Gesetzgebung des EU-Parlaments vor dem europäischen Gerichtshof klagen.

Der Privatanwender, der noch analog fotografieren möchte, kann das weiterhin tun, wenn er jetzt kurzfristig sein Filmmaterial erwirbt und im Tiefkühlschrank einfriert. Das dürfte zwar zunächst ein wenig mit den Tiefkühlwünschen der kochenden Fraktion im Haushalt kollidieren, aber mir sind aktuell schon mehrere Analog-Fotofreunde bekannt, die seit langem im Keller oder in der Garage eine Gefrierkühltruhe gefüllt mit Filmen ihr Eigen nennen. Ein Vorgehen, dass bei Profis schon seit langem üblich ist und die Verwendung alter, lange nicht mehr produzierter Filmemulsionen ermöglicht. Das Einfrieren stoppt übrigens das langsame „Reifen“ des Filmes, so dass er über Jahre hinaus nutzbar bleibt.

Nicht zuletzt bleibt es dem Privatmann, wie auch schon bei der Glühbirnengeschichte, weiterhin möglich, Filme im außereuropäischen Ausland via Internet in haushaltsüblichen Mengen zu bestellen. Schließlich ist ja nur der Verkauf im europäischen Handel verboten. Dabei ist natürlich zu beachten, dass seit geraumer Zeit fast jede Sendung in die EU wegen erhöhter Sicherheitsanforderungen seit dem 11. September 2001 geradezu mit Röntgenstrahlen gebraten wird, was den Zustand der Filme auf keinen Fall verbessern wird.

Oder es gibt pfiffige Anbieter, die wie bei den Glühbirnen (Heatballs) das Verbot umgehen.

Und letztendlich hat sowieso jeder mit Caffenol einen Entwickler im Haus, der Beachtliches leistet und sicher noch durch entsprechende haushaltsübliche Zutaten verfeinert werden kann.

Aus unserer Sicht ist das alles noch lange nicht das Ende der (EU-)Fahnenstange. Die analoge Fotografie wird aber weiterleben, notfalls im Untergrund.

Jens Michael Schuh
Systemkamera-Forum

Quelle der Fotos: Wikipedia, Kodak & eigene Aufnahmen

April! April! April! April! April! April!

About The Author

Jens Michael Schuh lebt in Bochum und ist selbständiger Informatiker und Inhaber von TryTec! Microsystems, einem Apple-Systemhaus. Er betreibt zusammen mit Andreas Jürgensen das Systemkamera-Forum und das Fuji X Forum.

29 Comments

  1. Man beachte das heutige Datum…. 😉

  2. […] verhängt Verbot für Analogfilme Systemkamera Blog Robert Capa, Ansel Adams, Margaret Bourke-White, Henri Cartier-Bresson, Chargesheimer, Jim Rakete. […]

  3. […] After recently outlawing incandescent light bulbs for their high energy consumption, the EU has now decided to outlaw analog film emulsions as well as film development chemicals — reports Systemkamera Blog. […]

  4. @Frank: Petze!

  5. Ich sehe schon, wie sich die „freien Fotokreativkünstler“ in Amsterdam herumdrücken und in Coffeeshops ihre Dosis Plus-X in die Kamera laden. Aber schön geschrieben!!!

  6. Das war echt fies.

  7. Ich hoffe, die Meldung hängt mit dem heutigen Datum zusammen…

  8. Ein Skandal, heute habe ich schon in ganz Köln keinen einzigen Schwarz/Weiß Film mehr bekommen. Wenn jetzt die SD Karten wegen überhöhter Strahlenwerte aus Japan verboten werden wird es eng.

  9. Aber Silberschmuck darf ich den Tussies weiterhin umhängen oder?

  10. Also, das hat der Redakteur aber falsch recherchiert.

    Geplant ist eine Marktregulierung zur Konjunkturbelebung. Demnach müssen alle Digicams in Zukunft so gebaut werden, daß nach 36 Aufnahmen ein neuer Sensor eingesetzt werden muß.

  11. April, April der macht was er will,
    und die Kollegen in Brüssel auch!
    ;-)))))))

  12. wenn man bedenkt, wie manche „Panscher“ mit der giftigen Brühe umgehen, kann man das Vorgehen schon verstehen. Da wird nicht zum Sondermüll gefahren, sondern in den Ausguss gekippt, wenn nicht alles, so zum Teil.
    Aber wenn es umgesetzt werden soll, dann macht es keinen Sinn, bei pfiffigen Anbietern, die wie bei den Glühbirnen (Heatballs) das Verbot umgehen, zu kaufen. Kommt mir vor wie der Irrsinn, eine Pistole zu besitzen ist verboten, aber man kann sie bei pfiffigen Anbietern, die wie bei den Glühbirnen (Heatballs) das Verbot umgehen, erwerben.

  13. Liebe Leute,

    das kann nur ein Aprilscherz sein!!

    Gruß ebi

  14. […] EU verhängt Verbot für Analogfilme Kategorie: Linktipps […]

  15. Glühbirnenverbot: Nicht die Glühbirne wurde verboten, sondern nur die Glühbirne für den Einsatz in Haushalt und BÜro. Innerhalb der EU dürfen Glühbirnen z.B. für S/W-Vergrößerer weiter gefertigt und verkauft werden. Nur in der Schweiz sind Opal-Glühlampen grundsätzlich verboten. Dort lautet die Bezeichnung für diese Lampen jetzt nicht matt und nicht Opal, sondern Weiß.

  16. Dummheit oder eine Lachnummer …? Ich weis nicht was mehr die Umwelt verschmutzt, Filme und Entwicklerchemikalien oder Elektronikschrott und Kernkraftwerke. Aber gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. Es lebe der Aprilscherz.

  17. […] plant Verbot analoger Filme (?) Aus einem Schwesterforum: Systemkamera Blog __________________ En Face Madagascar […]

  18. Leute stellt euch nicht so an! Es will auch niemand mehr kreativ mit dem Pferd zur Arbeit reiten oder verrauschte Kassetten als Tonträger erwerben. Das ist halt der Fortschritt!

    Wer ohne analoge Filme/Kameras nicht leben kann, soll seinen PC abgeben!

  19. fast wäre ich auf diesen Aprilscherz hereingefallen
    🙂

  20. Jetzt habe ich mich so schön richtig geärgert und über diese Beamten in Brüssel hergezogen, dabei habe auch ich schweren Herzens die Diafotografie ( unter Wasser ) aufgegeben….aber sowas wäre doch wirklich unverschämt gewesen. Aber reingefallen bin ich am anfang schon……….

  21. […] dagegen etwas zu haben: Negativfilmproduktion und Entwickler-Chemie werden unter die Lupe genommen, Analogfilm-Verbot __________________ __________________ Freundliche Grüße […]

  22. Na Grossartg! Und ich DEPP fall am 5.April drauf rein. 🙂

    Aber mal ernst: Mir ist es beim Lesen grad Eiskalt den Rücken runtergelaufen…
    Meine Pentax 6×7 wegschmeissen? NIEMALS!!!

    Womöglich kommen die Affen aber noch auf so eine Idee!

    @Digital1010: Schon mal dran gedacht das man anal/digi wunderbar vereinigen kann? …ist halt nix für Grobmotoriker und oberflächliche Leute!

    Ich möcht und kann das Geld für die entsprechende Digitale + Optiken jedenfalls nicht ausgeben. Mit Filmen und Chemie kann man als Amateur auch Haushalten.

    HYBRID FOREVER

  23. […] einen analogen Fotoapparat, ihr müsst also Filme kaufen und entwickeln lassen. Beides ist aufgrund gesetzlicher Regelungen heutzutage zwar nicht unmöglich, aber eine aufwändige und teurere […]

  24. Hört blöß mit diesem Aprilscherz auf, einige Politiker mit Profilnurose greifen das bestimmt auf.
    Bitte andere Aprilscherze verwenden, die keine Anregung auf neue Gesetze beinhalten.

  25. Langsam könntet ihr den Schmarrn mal runternehmen, dreieinhalb Jahre nach dem 1. April 2011. Man findet den Quatsch auf Google wenn man nach Anbietern für Analogfilme sucht. >:-(

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