Meinungen & Kommentare 2/2011

Nachdem es zunächst Gerüchte gab, Pentax würde dem MicroFourThirds-Konsortium beitreten, mehren sich nun die Hinweise, dass Pentax (vielleicht zunächst?) einen ganz eigenen Weg geht und auf Miniaturisierung setzt. Die neue Systemkamera, die noch in diesem Frühjahr erscheinen soll, wird wahrscheinlich einen extrem kleinen Sensor haben, was man aus dem Crop-Faktor von 5,5-5,6 schließen kann. Also wahrscheinlich einen 1/2,33 Zoll-Sensor, wie man ihn von diversen Kompaktkameras kennt. Das sorgt zunächst dafür, dass man eine extrem kleine Kamera mit extrem kleinen Objektiven konstruieren kann.

Dieses Vorhaben stimmt uns jedoch nachdenklich. Ist so eine Kamera wirklich zu gebrauchen? Oder findet Sie wirklich viele interessierte Käufer? Aus einer anderen Quelle haben wir erfahren, dass diese neue Systemkamera in Deutschland nur in kleinen Stückzahlen angeboten wird. Also eher etwas für Sammler?

Man darf sich nichts vormachen: Der Vorteil einer Kamera mit so einem kleinen Sensor gegenüber einer Kompaktkamera ist nicht leicht zu finden. Ganz im Gegenteil: Was passiert, wenn Dreck oder Staub auf den Sensor kommt? Hat dann jedes noch so kleine Staubkorn, welches man mit dem gesunden Auge auf dem Sensor nicht mehr wahrnehmen kann, eine Größe von 10 x 10 Pixel auf dem fertigen Foto? Wie reinigt man einen so kleinen Sensor? Wenn wir zum Beispiel an die aktuelle Olympus XZ-1 denken, die offensichtlich einen größeren Sensor hat, bei Lichtstärke 1.8 beginnt und einen klassischen Brennweitenbereich von 28mm-112mm abdeckt, fragt man sich, wo der Vorteil einer Systemkamera liegen soll, bei der man die Objektive wechseln kann, die aber auch die Gefahr der Sensorverschmutzung mit sich bringt.

Wer sich für ein System mit Wechseloptiken interessiert, hat ja meistens etwas ausgefeiltere Ansprüche an die Bildqualität, um z.B. freizustellen oder bei wenig Licht noch eine einigermaßen gute Bildqualität zu bekommen. Und dafür benötigt man einen großen Sensor, wenn die Details nicht im Rauschen untergehen sollen.

Sicherlich wird eine kleine Systemkamera mit einem so kleinen Sensor auch ihre Freunde finden. Allerdings müßte dann schon die Freude über die Miniaturisierung von Technik ausgeprägter sein als die Erwartung an eine besondere Bildqualität. Bisher kennen wir im Systemkamera-Lager zwei typische Nutzergruppen: Aufsteiger von den Kompaktkameras, die sich eine bessere Bildqualität wünschen und Benutzer von Spiegelreflexsystem, die auch mal “leicht unterwegs” sein wollen ohne große Abstriche in der Bildqualität hinnehmen zu müssen. Beide Benutzergruppen sind sicherlich nicht die Zielgruppe für eine so kleine Pentax-Systemkamera.

Aber warten wir erstmal ab, bis die ersten genaueren technischen Daten und Bilder zur neuen Pentax-Systemkamera auftauchen, vielleicht entdecken wir dann noch ganz andere Aspekte, die uns eine solche Lösung schmackhaft macht. Und vielleicht hat Pentax ja auch eine Lösung für das Dreck-/Staubproblem, das bei so kleinen Sensoren als besonders wichtig angesehen werden darf. Und nicht zuletzt gibt es ja auch noch Gerüchte, dass Pentax dieses Jahr sogar zwei Systemkamera-Systeme vorstellt: Eins mit einem kleinen Sensor und eins mit einem APS-C großen Sensor später im Jahr.

Euer-Systemkamera-Forum-Team

Über den Autor

Jens Michael Schuh lebt in Bochum und ist selbständiger Informatiker und Inhaber von TryTec! Microsystems, einem Apple-Systemhaus. Er betreibt zusammen mit Andreas Jürgensen das Systemkamera-Forum und das Fuji X Forum.

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