Wir warten auf das Christkind. Schon wieder? War das nicht erst vor ein paar Tagen? Das Christkind möge uns endlich die Fuji X100 bringen!
Ende September hatten wir das Systemkamera-Forum um eine neue Rubrik erweitert: “Kompakt-Kameras mit großem Sensor“. Obwohl es schon längere Zeit Kompaktkameras mit einem APS-C Sensor gab, nämlich die Leica X1, die wir in einem Testbericht auch vorgestellt hatten, und diverse Sigma DP-Kameras, war es die Finepix Fuji X100, die uns zu diesem Schritt bewog: sie wurde auf der photokina in Köln 2010 angekündigt und vorgestellt.
Komakttkameras? Im Systemkamera-Forum? Wie passt das zusammen? Wir möchten das noch einmal rekapitulieren und zitieren daher aus unserem eigenen Blog: “Warum interessieren wir uns für spiegellose Systemkameras? Dafür gibt es maßgeblich 2 Gründe: Die eine Gruppe der Systemkamera-Freunde hat die Nase von Kompaktkameras mit winzig kleinen Sensoren und den damit verbundenen Problemen voll, die andere Gruppe der Systemkamera-Freunde möchte nicht zu jeder Gelegenheit eine schwere DSLR rumschleppen, trotzdem aber nicht auf Bildqualität verzichten.
Dazwischen liegen genau die von uns allen geliebten Systemkameras. Man möchte ein wenig mehr Fotos gestalten, man möchte mehr Freistellungspotenzial bei schönem Bokeh und möglichst rauschfreie Aufnahmen bei wenig Licht. All das können DSLRs bieten, klassische Kompaktkameras hingegen nicht. Erst eine neue Klasse an Kompaktkameras mit APS-C großen Sensoren ermöglicht mehr oder minder den Spagat zwischen Kameragröße und Bildqualität.
Nicht zuletzt die fast ausnahmslos positiven Reaktionen auf die von Fuji angekündigte Finepix X100 und die fast gleichen Ansprüche an diese Kameraklasse, die wir auch als Systemkamera-Freunde teilen, haben uns den Anstoß gegeben, unser Forum nun zu erweitern. Wir sind uns natürlich dabei bewusst, dass unser Forum “Systemkamera-Forum” heißt und diese neue Klasse von großsensorigen Kompaktkameras keine Systemkameras sind, aber wir haben diese Rubrik aufgrund des gleichen kameratechnischen Anforderungsprofils der Interessenten für solche Produkte mit aufgenommen. Auch sind viele Forumsnutzer ausschließlich mit einer PEN oder GF1 mit nur einem Pancake unterwegs. Und in der Tat ist es auch nicht auszuschließen, dass das eine oder andere jetzt als Kompaktkamera vorgestellte Modell eventuell auch mal ein Bajonett bekommt und dann sowieso in unserem Forum gelandet wäre.”
Fujifilm hat mit der Vorstellung
der Finepix X100 eine eigene Webseite zur Kamera veröffentlicht und hält die Wartenden auf dem Laufenden. Regelmäßig und häppchenweise werden so neue Details zur Fuji Finepix X100 bekannt und der Hersteller lässt dort seine Kamera-Entwickler sprechen.
Im März soll es dann soweit sein; im Augenblick wird ein Listenpreis von 999€ für die Kamera gehandelt. Dass Fuji selbst von dem starken Interesse an ihrer Finepix X100 überrascht war, konnten wir vor ein paar Tagen einem Beitrag bei DPReview entnehmen, in dem Adrian Clarke von Fujifilm über die neue Fuji Finepix X100 sprach.
Die bisher von Fujifilm veröffentlichten Fakten wollen wir hier noch einmal zusammenfassen:
Das Design
Fangen wir beim Design der Kamera an: Bisher wurde schon quer durch das Internet spekuliert, welcher Kamera die neue Fujifilm X100 wohl am meisten ähnele. Leica-Fans sehen darin selbstredend die Kopie einer alten Leica; für Nikon-Fans ist es einer alten Nikon-Sucher nachempfunden, und so weiter. Selbst eine alte Fujifilm-Kamera wurde ausgegraben, die als Vorbild geeignet gewesen wäre. Die Aussage zum Erscheinungsbild der neuen Fuji ist eindeutig: Man wollte eine Kamera schaffen, die auch wie eine Kamera aussieht und nicht zu sehr ein neues futuristisches Design verkörpert.
Die Formensprache der Finepix X100 soll gleich ausdrücken: Hier haben wir ein seriöses Werkzeug, mit dem man hochwertige Bilder aufnehmen kann. Das Ganze mit klassischer Bedienung mit Zeitenrad auf der Kamera und Blendenring am Objektiv. Schon während des Designprozesses hat Fuji mehrere Profi-Fotografen zu Rate gezogen. Zum Beispiel wollte man zunächst gar keinen Blendenring am Objektiv haben, aber die Designer haben sich dann doch von den Praktikern überzeugen lassen.
Die Deckkappe der Kamera, die aus Magnesium gefertigt wird – einem Metall, welches bei geringem Gewicht extrem stabil ist – sollte im Finish den klassischen Kameras nahe kommen. Deshalb hat Fujifilm seit Dezember mit diversen Beschichtungen und „Farb-Varianten“ von Silbertönen experimentiert, um dem klassischen Erscheinungsbild möglichst nah zu entsprechen bzw. es kaum noch unterscheidbar zu machen. Das heißt auch, dass die Kameras, die auf der photokina in Köln vorgestellt würden, keineswegs das endgültige hochwertige Finish des Serienprodukts hatten.
Der Sucher
Das große Highlight der neuen Fuji Finepix X100 ist der Sucher. Fuji hat hier zum ersten Mal bestehende Technologien zu einem ganz neuen Suchersystem vereinigt. Ein klassischer optischer Sucher wird mit einem digitalen Sucher kombiniert. Der digitale Sucher hat dabei eine Auflösung von 1,4 Millionen Pixeln. Auf der Vorderseite der Kamera ist ein kleiner Hebel, der bei klassischen Kameras dem Rückspulhebel / Sucherrahmenwähler oder einem Selbstauslöser entsprechen würde. Mit diesem Hebel kann man zwischen dem optischen Sucher mit eingeblendeten digitalen Anzeigen oder dem rein digitalen Sucher umschalten. Beim Umschalten wird dann mechanisch das Sucherfenster an der Front verschlossen, damit kein Licht mehr einfallen kann.
Der optische Teil des Suchers ist nicht einfach ein billiger „Tunnel-Sucher“, wie man ihn von preiswerten Sucherkameras kennt, sondern ein „umgekehrter Galileo Sucher“, der aus einer konkaven Linse an der Kamera-Vorderseite und einer konvexen Linse auf der Okularseite besteht. Eine solche Konfiguration ist ideal, wenn man einen Weitwinkelsucher konstruieren möchte. Der Sucher ist weitwinkliger als der Bildwinkel des 35mm Objektivs, damit, wie bei z.B. bei klassischen Sucherkameras üblich, auch das Umfeld der Aufnahmesituation mit berücksichtigt werden kann. Das vermeidet so manchen Fehlschuss und gibt dem Fotografen die Möglichkeit, sehr viel schneller auf bewegte Objekte zu reagieren. Der Sucherrahmen wird über eine aufwändige Prismakonstruktion aus zwei Einzelprismen mit einer reflektierenden Folie zwischen den Prismen vom digitalen Display erzeugt und eingeblendet.
Zwischen dem LCD-Display und den Prismen befinden sich natürlich noch weitere hochvergütete Linsen, um das Bild des Displays auf der Reflektionsfolie zwischen den beiden Prisma-Elementen zu projizieren.
Durch die digitale Einblendung des Suchers ist natürlich auch ein Parallaxenausgleich für den Sucherrahmen möglich, sofern das Objektiv auf die richtige Entfernung eingestellt wurde. Darüber hinaus können durch die Einblendung des LCD-Displays natürlich noch weitere Daten wahlweise angezeigt werden wie Belichtungszeit und -korrektur, Blende, Empfindlichkeit, Histogramm, Autofokusfeld oder eingestellte Entfernung. Das alles geschieht parallel zum optischen Bild, und zwar ohne den klaren und hellen Durchblick durch den Sucher zu beeinträchtigen.
Wird hingegen komplett auf das digitale LCD-Display umgeschaltet, so wird die Vorderseite des Suchers mechanisch verschlossen und die Welt über den Sensor und durch das Objektiv betrachtet. Parallaxen-Probleme gibt es dann ja sowieso nicht. Zusammenfassend kann man sagen: Wir haben hier einen extrem hochwertigen optischen Sucher, dessen Durchblick ein wahres Vergnügen sein wird.
Das Objektiv
Fujifilm hat sich bei dem Objektiv für eine Festbrennweite entschieden. Zum einen will man eine lichtstarke Optik anbieten – und die ist nur als Festbrennweite einigermaßen kompakt zu realisieren -, zum anderen hat man Wert auf höchste optische Qualität gelegt. Das Objektiv bietet nicht nur asphärische Linsen und Glassorten mit sehr hohem Brechungsindex, sondern auch eine extrem große Rücklinse mit einem Abstand von nur 5,6mm vom APS-C Sensor. Dadurch ist es möglich, eine Kamera zu konstruieren, bei der die lichtstarke Optik nicht allzu sehr aus der Kamera vorne herausragt und eher wie eine Pancake-Optik wirkt, obwohl es genau das eigentlich nicht ist. Der Rest der Optik steckt halt in der Kamera, bis ganz nah an den Sensor heran. Dies erfordert natürlich auch einen speziellen Sensor, der mit einem genau angepassten Sensorlinsen-Shift auf die verbaute Optik abgestimmt wurde.
Hier handelt es sich also nicht um einen x-beliebigen Standard-Sensor von der Stange, noch dazu in Kombination mit einer Standard-Objektivrechnung von der Stange, sondern um ein aufwendig aufeinander abgestimmtes System aus Sensor und Optik. Äußerlich kann man das natürlich der Kamera nicht ansehen und mag auch gar nicht glauben, dass die Hinterlinse sehr viel größer als die Frontlinse ist und ein Großteil der Optikkonstruktion in der Kamera liegt.
Die Optik selbst verfügt über eine nahezu kreisrunde Blende mit 9 Segmenten, den Zentralverschluss und einen Graufilter. Die kreisrunde Blende ist ein Garant dafür, dass helle Objekte im Unschärfebereich auch wirklich kreisrund statt eckig abgebildet werden, was zu einem harmonischeren Bokeh führt. Durch den fehlenden Schlitzverschluss der Kamera ist eine Kurzzeitsynchronisation beim Blitzen bis hin zur kürzesten Verschlusszeit von 1/4000 Sekunde uneingeschränkt möglich. Der Graufilter hingegen ist erforderlich, um bspw. in sehr hellen Umgebungen auch noch mit Blende 2 fotografieren zu können, ohne die Blende schließen zu müssen.
Dadurch können die eher schon eingeschränkten Freistellungseigenschaften einer 23mm Optik immerhin einigermaßen ausgenutzt werden. Der Filter reduziert dabei die Lichtmenge um 3 Blendenstufen bzw. auf ein ein Achtel. Das Objektiv erlaubt eine Naheinstellung von 10cm und hat eine Vergütung von Fujifilm, die Super EBC genannt wird. Diese Beschichtung der Linsenoberfläche enthält bis zu neun Schichten.
Insgesamt weiß man nun schon einige Details mehr zur kommenden Finepix X100. Dennoch müssen alle Wartenden sich noch 2 Monate gedulden. Wir hoffen, dass Fujifilm uns zwischenzeitlich noch mit weiteren Informationen und Details zur Finepix X100 das Warten versüßt.
Euer Systemkamera-Forum-Team







hallo,
das was sie über die kamera schreiben klingt für mich sehr interessant. es gibt nur einen haken, das objektiv. die lichtstärke ist für mich prima, nur leider ist es ein weitwinkelobjektiv, 23 mm. wieviel verzeichnung hat man da zu erwarten, wenn man porträts macht?
freundliche grüße
sch_
Ein fantastischer Vorweg-Kommentar.Wenn nun dann die neue fuji-x100 genau so gut ausfällt,wäre das ein grßartiger Erfolg.Freu mich drauf !!
Danke.
Schade,dass man hier nicht seine eigene Meihnung äußern darf !!
Darf man doch….. wir kommen nur nicht regelmäßig dazu die Kommentare freizuschalten. Automatisch geht das wegen des vielen Spams leider nicht.
Gruß,
Jens
leider ist bei der Optik-Besprechung untergegangen, daß die verbaute 23/2,0 Optik equivalent einer 35mm Kleinbildoptik entspricht.
Das dürfte den 1.Kommentar von sch_ ausgelöst haben, der anscheinend annimmt, es handle sich um eine 23mm KB-
Weitwinkeloptik, wo die Verzeichnung im Porträtbereich sicher
ein Problem wäre.
Alles in Allem, wenn alles so wird wie von Fuji versprochen, wird das
sicher eine ganz tolle Kamera, welche auch in der analogen
Bedienmöglichkeit, neue (alte) Maßstäbe setzen wird.
Grüße
figlas
Ich hätte gerne die Auflösung des Objektives erfahren
LCD-Display
Wahnsinn, wenn ide Cam nun Wechseloptiken hätte, würde ich SOFORT zuschlagen. Allein das Design, die 2.0er Blende und die Bedienbarkeit wie bei einer M9 – herrlich!