Ich lehne mich jetzt mal zemlich weit zum Fenster raus:
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Hunderte von Bildern in diesem Forum zeigen: Wer sich für teures Geld eine Kamera kauft, hat im Grunde eigentich mehr vor, als nur damit rumzuknipsen.
Jeder bewusste Druck auf den Auslöser rückt eine Erscheinung dieser Welt in ein bestimmtes Licht und gibt ihr damit gewissermaßen einen Namen.
Dies ist ein schöpferischer Akt.
Paul Klee formuliert diesen Vorgang so:
"Kunst gibt nicht das Sichtbare wider, sondern macht sichtbar, was bisher verborgen geblieben ist."
In dem weiter unten zitierten Beitrag habe ich das sinngemäß so formuliert: Der echte Akt zeigt eine dem Menschen zugrunde liegende Idee.
Es geht also überhaupt nicht um Pro und Contra. Es geht gar nicht um "gefällt mir", "gefällt mir nicht".
Mein subjektives Geschmacksurteil, so berechtigt und/oder richtig es für mich sein mag, sagt logischerweise nichts über das Kunstwerk selbst aus -
in diesem Falle ein photographisches Bild -, sondern naturgemäß nur etwas über meinen Geschmack bezüglich des Bildes.
Und wen interessiert der schon?
Der ist beim einen so und beim anderen anders und ist für den Photographen nur in begrenztem Maße eine konstruktive Hilfe.
(noman und acahaya haben das im "Schüchtern"-Beitrag trefflich beschrieben)
Von Vielen geäußert, verführt es manchen Photographen lediglich dazu, sich dem Geschmack der Vielen anzupassen.
Diese Hilfe setzt erst dann ein, wenn es gelingt, sich über die objektiven(!) Kriterien eines Kunstwerkes zu verständigen.
Was nun den technischen Teil dieser objektiven Kriterien angeht, treffe ich in diesem Forum immer wieder auf mehr Fachwissen,
als ich vermutlich jemals haben werde.
Was den künstlerischen Teil angeht, habe ich in
Was ist nackt und was ist Akt?
versucht, ein solches Kriterium für die Aktphotographie zu formulieren.
Angenommen, um ein aktuelles Beispiel zu nehmen, Illunaghor als Autor von "Schüchtern..." und ich als Betrachter könnten uns auf das dort formulierte Kriterum einigen,
dann könnten wir beide objektiv sagen:
"Dieses Bild ist kein Akt", und das ist dann keine Meinung mehr, das ist dann ein Urteil.
Ein so gefundenes Urteil wäre dann auch unabhängig von den subjektiven Meinungen irgendwelcher Mehrheiten/Medien.
Das ist von der Form her wie in der Mathematik: Man einigt sich auf ein Axiom und unterschiedliche Menschen können zum gleichen Ergebnis kommen.
Dort gibt es ja auch keine Mehrheitsentscheidungen.
Mir ist daran gelegen, wieder Klarheit in den Begriff "Akt" zu bekommen.
Dass er heute von vielen anders verstanden wird, als vor Jahrzehnten, ist schon klar.
Aber die Verwässerung des Begriffes kann ja schließlich kein Freibrief sein für Beliebigkeit.
Zwischen einem Akt und einem Nackedeibildchen ist immer noch ein Unterschied. Die Berechtigung beider soll hier gar nicht abgestritten werden.
Ein anderer Photograph in dieser Rubrik hat sich selbst mal sinngemäß als "Unterhalter" bezeichnet. Das fand ich offen und ehrlich und damit kann ich auch gut leben.
Aber jeder, der im Sinne von Akt ein Bild eines Menschen macht, (ob für sich selbst innerlich oder äußerlich als Photographie) hat eine große Verantwortung.
Mit Menschen experimentiert man nicht und spielt man nicht. (Das erledigt die Werbung schon zur Genüge.)
Für den Akt heißt das:
Der Akt soll nicht nur die Würde des Photographen, sondern besonders auch die des Modells bewahren, ihnen zur Ehre gereichen, nicht zur Schande. Dafüt gibt es andere Seiten.
Gruß, olaf
Nackt zeigt Fleisch - Akt zeigt Form.
Form ist immer der Ausdruck einer Idee.